Liblar ist ein Stadtteil von Erftstadt im Rhein-Erft-Kreis.
Lage Der Ort liegt beidseits der Bundesstraße 265 am Südabhang der Ville am Rande des Naturparks Rheinland und der Jülich-Zülpicher Börde. Die angrenzenden Stadtteile sind Köttingen im Nordwesten, Blessem und das kleine Frauenthal im Südwesten sowie Bliesheim im Süden. Jenseits der Ville liegen die Städte Hürth und Brühl.
Nachbarorte
Geschichte Römische Zeit Die nachweisbare aber ungeschriebene Geschichte des Ortes Liblar beginnt in der Römerzeit. Dies belegen an mehreren Stellen des heutigen Ortes geborgene Keramiken der römischen Epoche, deren Art und Fülle auf eine Ansiedlung in der Nähe der Römerstraße Trier–Köln, heute Agrippa-Straße Köln–Trier genannt, schließen lassen.Bernhard Schreiber: Archäologische Funde und Denkmäler des Erftstädter Raumes. Erftstadt 1999. Seite 91–102 und Seite 157
Mittelalter mini| Ausschnitt einer Aufzeichnung der Abtei Deutz mit der Erwähnung der Pfarre Liblar Ersterwähnung und Namensdeutung Eine erste urkundliche Erwähnung fand die Pfarre Liblar als solche mit der Bezeichnung „lubdelare“ im Hochmittelalter um 1155 in einer Handschrift der Abtei DeutzHAStK Bestand Abtei Deutz Repertorien und Handschriften 2, Abschrift des verschollenen Codex thiodorici und der Ort selbst als „lublar“ im Jahr 1197 anlässlich eines Gütertausches des Ritters Wilhelm Schilling (Solidus) mit dem Kölner Erzbischof Adolf I. für das Kloster Schillingscapellen.Pfarrarchiv Buschhoven Urkunde 1197 und Th. J. Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins Band I Nr. 558
Liblar gehört zu den –lar-Orten. Nach Heinrich Dittmaier bezeichnet die Endsilbe -lar (altfränkisch hlar) des Ortsnamens einen von einer Hürde oder einem Gerüst eingefriedeten Weideplatz, der in der Regel im Winkel einer Flussmündung lag.Heinrich Dittmaier, Die (h)lar-Namen. Niederdeutsche Studien 10. Köln 1963. Seite 41–60 und Seite 84–107 Die erste Silbe des Namens lub- verweist auf einen in den Swistbach (heute Liblarer Mühlengraben) mündenden Bach Luba.Gerhard Mürkens: Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen. Euskirchen 1958. Seite 20
Demnach bedeutet Liblar: Siedlung mit einer Viehhürde an der Luba.
Ortschaft und Motte Spurk Südöstlich von Liblar lag am Rande der Ville der untergegangene Ort Spurk. Im 12. und 13. Jahrhundert lebten dort mehrere Töpferfamilien, die Keramiken in der Art fertigten, wie sie in den Töpferwerkstätten in Pingsdorf hergestellt wurden. Bei Ausschachtungsarbeiten in den 1930er Jahren wurden südlich des Bahnhofes große Mengen von Töpferabfällen sowie Fehlbrände und Ofenreste entdeckt.
Am heutigen Kapellenbusch, etwa 700 m östlich von Schloss Gracht, stand im Mittelalter eine Motte, deren ellipsenförmiger Hügel mit dem ihn umgebenden Wassergraben auf einer Flurkarte der Gemarkung Liblar zu erkennen ist. Sie lag in der Nähe zweier wichtiger Straßen, der Straße Köln–Zülpich, der ehemaligen Römerstraße Trier–Köln, und der von Bonn über Brühl durch die Ville nach Lechenich und weiter bis Aachen führenden Bonn-Aachener Heerstraße.
Geistlicher und adliger Besitz Mehrere Klöster und Stifte hatten in Liblar und Spurk Besitz, darunter um 1230 das Kölner Stift St. Andreas,HAEK Pfarrarchiv St. Andreas, Akten II 40 dessen Güter im Laufe der Zeit zum größten Teil verloren gingen. Weiter auch das Kloster und spätere Stift Dietkirchen in Bonn, dessen Hof in Liblar 1293 erstmals erwähnt wurdeHAStK Bestand Auswärtiges 170b, veröffentlicht in Stommel, Quellen zur Geschichte der Stadt Erftstadt Band I Nr. 178 sowie das Kloster Frauenthal und ab 1450 als dessen Nachfolgerin das Kloster Marienforst.
Auch adlige Familien wie die Familie von Gymnich hatten Besitzungen in Liblar und Spurk, die 1276 genannt wurden.Richard Knipping, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln. Band III Nr. 2686 Neben der „Stadelhofstatt“ des Klosters und späteren Stiftes Dietkirchen mit Hofgeschworenen und HofgerichtArchiv Schloss Gymnich Urkunde Nr. 83 lag in Liblar ein weiterer Herrenhof mit Hofgeschworenen und Hofgericht, Herrn Emunds Gryns Gut.Landesarchiv NRW Bestand Kurköln Urkunde Nr. 1266 und Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 54.32. Urkunde Nr. 87 veröffentlicht in Stommel, Quellen Band I Nr. 720 und Band II Nr. 1103
Nach der Mitte des 15. Jahrhunderts gab es nur noch den Fronhof des Stiftes Dietkirchen,Archiv Zwolle (Niederlande) Archief Kasteel Rechteren Regest Nr. 2 und HAStK Bestand St. Pantaleon Urkunde Nr. 3/398, veröffentlicht in Stommel Quellen II Nr. 1110 und Nr. 1174 deren im 15. Jahrhundert vergebenes Lehen, der Grachter Hof, an die Ritter von Buschfeld auf Haus Buschfeld und ihre Erben ging, die sich Wolff Metternich zur Gracht nannten. Schloss Gracht hatten die Buschfelds dort um 1500 erbaut.
Seit dem 15. Jahrhundert wurde der zur ehemaligen Spurker Burg gehörende Hof als Lehen des Stiftes Dietkirchen vergeben. Er kam über die Adelsfamilien Wolff von Rheindorf und von Buschfeld an die von Gymnich.
Neuzeit Zerstörungen durch Kriege Im Laufe der Jahrhunderte waren Liblar und Spurk wiederholt von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen. In der Zeit der Fehden zwischen Graf Engelbert von der Mark und Erzbischof Friedrich sowie zwischen dem Herzog Adolf von Berg und Erzbischof Dietrich von Moers wurde Liblar 1391 und 1416 verwüstet.Norbert Andernach, Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Band X. Düsseldorf 1987. Nr. 82 und Stommel, Quellen Band IV Nachtrag Nr. 881a
In Mitleidenschaft gezogen wurden die Ortschaften ebenfalls durch den truchsessischen Krieg im Jahr 1586. Zwar wurden die Schäden an der Vorburg des Hauses Gracht in den folgenden Jahren ausgebessert, der abgebrannte Fronhof des Stiftes Dietkirchen durch den Halfen wieder aufgebaut, jedoch wurden die verbrannten Häuser des Weilers Spurk sowie die zerstörten Gebäude des Spurker Hofes nicht wieder aufgebaut. Die Lehnsherrin, die Äbtissin von Dietkirchen, erteilte 1591 ihre Genehmigung zum Verkauf des Spurker Hofes mit allen Gerechtigkeiten von Johann von Gymnich zu Vischel an Hermann Wolff Metternich.
Die Herren Wolff Metternich erwarben im 16. und 17. Jahrhundert von den Eigentümern in Spurk deren Hofplätze und Ackerland und vereinigten diese Liegenschaften wie auch Erwerbungen in Liblar mit dem Besitz des Grachter Hofes im gleichen Ort.
An den Ort Spurk, der in der Neuzeit auch Spürk genannt wurde, erinnern heute in Liblar die Straßen Am Spürkerkreuz, Im Spürkergarten und Spürkerau.
Lebensverhältnisse der Einwohner Jahrhundertelang bildete Liblar zusammen mit Spurk und Köttingen eine Honschaft im kurkölnischen Amt Lechenich. In dieser galten die kurfürstlichen Hoheitsrechte, die einschließlich des adligen Hauses Buschfeld und des Bremerhofs Gültigkeit hatten. Die Rechte und Pflichten der Dorfbewohner waren in einem Weistum, Bauernbuch genannt, festgeschrieben und wurden den Einwohnern auf dem Herrengeding in Lechenich, später von den Herren Wolff Metternich auf dem Herrengeding in Liblar verkündet. In der Honschaft Liblar wurden allein zwischen 1628 und 1629 mindestens 12 Frauen als Hexen bezichtigt und dem kurfürstlichen Gericht in Lechenich zur Urteilsfindung überstellt.
Der überwiegende Teil der Einwohner lebte wie die Bewohner der Umgebung von der Landwirtschaft, die in den meisten Fällen jedoch nur aus einigen Morgen bewirtschaftetem Land und der Haltung weniger Tiere bestand.
Nach der im Auftrag des Kurfürsten Maximilian Heinrich durchgeführten Vermessung und der anschließenden steuerlichen Erfassung der Häuser und Ländereien im Jahr 1662 hatte die Honschaft Liblar 53 Bauernhäuser und einige Bauplätze. In Liblar waren es 39 Häuser, in Spurk 2 und in Köttingen 12. Größeren Besitz hatten nur der Fronhalfe von Dietkirchen und der in Liblar begüterte Fronhalfe von Mariengraden in Bliesheim. Haus Gracht war als Adelssitz („adeliger Seeß“), zu dem auch der Spurker Hof mit 180 Morgen und die 1627 vom Kloster Marienforst gekaufte Mühle gehörten, steuerfrei.
Liblar hatte ähnlich wie die anderen Orte der heutigen Stadt Erftstadt im 17. und 18. Jahrhundert unter häufig vorkommenden Truppendurchmärschen zu leiden, bei denen Fouragelieferungen und Serviceleistungen gefordert wurden, die von den Bewohnern aufzubringen waren und bis zum Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 andauerten.
Fronhof des Stiftes Dietkirchen Der Fronhof lag nach einer Beschreibung von 1668 zwischen der Kirche und der öffentlichen Landstraße. Zu diesem Hof gehörten 20 zu Lehen gegebene kleinere Hofgüter, deren Inhaber als Hofgeschworene einem einberufenen Hofgericht des Fronhofes Folge zu leisten, oder einen solchen Geschworenen stellvertretend zu stellen hatten. Dem tagenden Gericht gehörten der Schultheiß, die Hofgeschworenen, ein Gerichtsschreiber und der Gerichtsbote an, die alle vereidigt wurden. Vor dem Hofgericht des Fronhofes wurden Liegenschaftsangelegenheiten verhandelt, bei denen bei Neuvergabe von Lehen eine Kurmut zu zahlen war, die in einer Pferdekurmut bestand. Die Rechte des Stiftes und die Pflichten der Hofgeschorenen waren in einem Hofweistum aufgezeichnet, dass generell viermal jährlich an den Hofgerichtstagen vorgetragen wurde. Der Halfe des Fronhofes war verpflichtet, das Zuchtvieh zu halten und die kurfürstlichen Jäger zu beköstigen.
mini|Liblarer Gerichtssiegel mit kurkölnischem Kreuz und einem Wolf
Unterherrschaft der Freiherrn und Grafen Wolff Metternich Im Jahre 1630 kam die Honschaft Liblar mit der Hochgerichtsbarkeit, mit dem Zollrecht, Einkünften, Diensten und anderem Zubehör in Pfandbesitz von Johann Adolf Wolff genannt Metternich zur Gracht. Er erhielt diese ab 1633 für sich selbst und seine Nachkommen als Unterherrschaft mit der Auflage, keine Protestanten in Liblar zu dulden. Den Status als Herr zu Liblar bekräftigte Johann Adolf I. durch den Ausbau des Stammsitzes Gracht zu einem repräsentativen Schloss im Jahre 1658.
Das Gericht der Unterherrschaft Liblar bestand bis zur Zeit der französischen Verwaltung. Es wurde von einem ausgebildeten Juristen geleitet, und ein kaiserlicher Notar war als Gerichtsschreiber tätig. In der Unterherrschaft Liblar wurden Anordnungen der Herren Wolff Metternich und auch die kurfürstlichen Erlasse genauestens beachtet und Verstöße strengstens geahndet.
Neubau der Kirche St. Alban Jahrhundertelang bildete Liblar zusammen mit Spurk und Köttingen ein Kirchspiel. Für die Angehörigen des Pfarrbezirks wurde von 1669 bis 1670 mit maßgeblicher Unterstützung der Familie Wolff Metternich die heutige Kirche St. Alban erbaut, die mit ihrem hohen spitzen Kirchturm weithin sichtbar ist.
Französische Zeit Die Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch französische Revolutionstruppen 1794 endete 1797 mit dem Frieden von Campo Formio. Danach wurde das besetzte Gebiet annektiert und im Auftrag der französischen Regierung 1798 Verwaltung und Justiz nach französischem Vorbild neu gestaltet. Die alten Territorien und Herrschaften, damit auch die Unterherrschaft Liblar, wurden aufgehoben.Wilhelm Janssen: Kleine Rheinische Geschichte. Düsseldorf 1997. Seite 262 Nach der 1800 von Napoléon durchgeführten Verfassungsänderung und der Einführung der Präfektur wurde die Verwaltung geändert. Die Verwaltungsbezirke bestanden aus Départements, Arrondissements, Kantonen und Mairien. Die Kantone waren Gerichtsbezirke und Sitz des Friedensgerichts. Die Gemeinde Liblar bildete mit den Gemeinden Bliesheim und Kierdorf die Mairie Liblar im Kanton Lechenich, Arrondissement de Cologne, Département de la Roer.Max Bär: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815. Bonn 1919. Seite 42 ff