Puducherry () oder Pondicherry, deutsch auch PondicherriDiercke Weltatlas im Georg Westermann Verlag 1957, Seite 97, französisch Pondichéry, (Tamil: Pāṇṭiccēri []) ist eine Großstadt in Südindien, am Golf von Bengalen, 135 Kilometer südlich von Chennai (Madras). Bei der Volkszählung von 2011 hatte sie rund 245.000 Einwohner, während in der gesamten Agglomeration etwa 660.000 Menschen lebten. Puducherry ist die Hauptstadt des gleichnamigen Unionsterritoriums und bildet eine Enklave im Gebiet des Bundesstaats Tamil Nadu. Von 1673 bis 1954 gehörte die Stadt zu Französisch-Indien, das von hier aus regiert wurde. Der Einfluss Frankreichs ist bis heute spürbar. Puducherry ist bekannt für sein europäisch anmutendes Stadtbild und den Sri Aurobindo Ashram.

Name mini|Straßenschild mit dem (alten) Namen der Stadt auf Englisch und Französisch Der Name Puducherry () bedeutet in der lokalen Sprache Tamil „neues Dorf“. Während der Kolonialzeit wandelte sich dieser Name in Pondicherry (engl.) bzw. Pondichéry (frz.).Henry Yule: London 1903, Stichwort: Pondicherry. Diese Bezeichnung wurde auch in das Tamilische () übernommen. Mit dem Pondicherry (Alteration Of Name) Act vom 13. September 2006 wurden Stadt und Unionsterritorium offiziell in Puducherry (englisch) bzw. Poudouchéry (französisch) umbenannt. Diese Namensänderung steht im Zusammenhang mit einer Reihe von Umbenennungen indischer Städte, bei denen die kolonialzeitlichen Namensformen ersetzt wurden (vgl. die Umbenennung von Bombay in Mumbai oder Madras in Chennai).BBC News: New name for old French territory, 20. September 2006. Der neue Name hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch bislang aber noch kaum durchsetzen können. Im Tamilischen ist alternativ auch die Kurzform Puduvai () gebräuchlich. Umgangssprachlich wird die Stadt oft kurz Pondy genannt.

Geografie Lage mini|Satellitenbild von Puducherry und Umgebung Puducherry liegt im Süden Indiens rund 135 Kilometer südlich von Chennai an der Koromandelküste am Golf von Bengalen. Die nächstgelegenen Städte sind Cuddalore ca. 20 Kilometer südlich und Viluppuram ca. 35 Kilometer landeinwärts. Puducherry liegt auf Meereshöhe im flachen Schwemmland der Küstenebene. Südlich der Stadt mündet der Fluss Gingee mit den Mündungsarmen Ariankuppam und Chunnambar ins Meer.

Die Stadt Puducherry hat eine Fläche von 19,46 Quadratkilometern. Der Ballungsraum reicht über die Grenzen des administrativen Stadtgebiets von Puducherry hinaus. Er hat eine Fläche von 85 Quadratkilometern und umfasst auch die Stadt Ozhukarai (Oulgaret) sowie Teile der Kommunen Ariankuppam und Villiannur. Zusammen mit diesen sowie weiteren eher ländlich strukturierten Gebieten im Umland gehört die Stadt zum Distrikt Puducherry. Dieser hat eine Fläche von 290 Quadratkilometern.

Der Distrikt Puducherry ist neben Karaikal, Mahe und Yanam einer von vier räumlich voneinander getrennten Distrikten des Unionsterritoriums Puducherry. Er bildet eine Enklave im Gebiet des Bundesstaats Tamil Nadu und wird vom Gebiet der Distrikte Viluppuram und Cuddalore umgeben. Die Grenzziehung zu Tamil Nadu ist äußerst komplex: Der Distrikt Puducherry besteht aus zahlreichen zersplitterten Exklaven, die ihrerseits wiederum teilweise zu Tamil Nadu gehörige Enklaven einschließen.

Topografie mini|Karte der Kernstadt Puducherrys: Die Ringstraße in Flaschengrün, Hauptverkehrsstraßen in Rot Die Kernstadt Puducherrys hat auf der Landkarte annähernd die Form eines Ovals mit einer maximalen Ausdehnung von ca. 1,9 Kilometern in Nord-Süd- und 1,2 Kilometern in Ost-West-Richtung. Es wird von einer Ringstraße umgeben, welche die Straßenzüge Subbaiah Salai (South Boulevard), Anna Salai (West Boulevard), Sardar Vallabhbhai Patel Road (North Boulevard) und Goubert Salai (Beach Road) bilden, und grenzt im Osten an das Meer. Zur See hin ist die Stadt durch einen zwei Kilometer langen, an der Seeseite durch Granitblöcke verstärkten Uferdamm geschützt. Der von der Ringstraße umschlossene Innenstadtbereich wird verbreitet Boulevard Town genannt. Innerhalb der Ringstraße folgen die Straßen einem regelmäßigen Schachbrettmuster. Ein in Nord-Süd-Richtung entlang der Straße Gingy Salai (Canal Road) verlaufender Kanal teilt Puducherry in zwei Teile, die in der Kolonialzeit als „weiße“ und „schwarze“ Stadt galten. Der östliche, French Quarter genannte Teil zwischen Kanal und Meer ist mit seinen Kolonialbauten und ruhigen, baumbestandenen Straßen deutlich europäisch geprägt. Der Westteil der Stadt mit den Hauptgeschäftsstraßen Mission Street (auch: Cathedral Street), Mahatma Gandhi Road und Nehru Street unterscheidet sich hingegen kaum von anderen indischen Städten.

Die äußeren Gebiete der Stadt sind größtenteils erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Sie sind meist ungeplant gewachsen und weisen daher keinen genauso regelmäßigen Stadtgrundriss auf wie die Kernstadt.

Stadtgliederung Puducherry ist in 42 Stadtviertel (wards) unterteilt. Diese sind identisch mit den statistischen Zensus-Gebieten (census tracts). Die Stadtviertel 1–10 liegen im Norden der Stadt, 11–19 bilden die Innenstadt (Boulevard Town) und die restlichen Stadtviertel liegen westlich oder südlich der Innenstadt.

mini|Karte der Stadtviertel Puducherrys Debassynpet Muthialpet, West Muthialpet, East Solai Nagar Vaithikuppam V.O.C. Nagar Ramakrishna Nagar Thiruvalluvarnagar Parimalamudaliar Thottam Kuruchikuppam Perumal Koil Raj Bhavan Calve College CassicadeKulathumedu Cathedral Chinnakadai Veeraveli Periapalli Vambakeerapalayam Colas Nagar Nethaji Nagar Vanarapet Goubert Nagar Thirumudi Nagar Ilango Nagar Pillai Thottam PudupaKuyavar Nagar Sakthi Nagar Anna Nagar Oreanpet Periyar Nagar Netlima Nagar Bharathidasan Nagar Mudaliarpet Viduthalai Nagar Keerapalayam Thengaithittu Nainarmandapam Murungapakkam Kombakkam

Klima In Puducherry herrscht ein wechselfeuchtes Tropenklima vor. Das Klima ist ganzjährig feucht-heiß und wird nur durch gelegentliche Meeresbrisen erträglicher. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 28,3 °C. Die Temperaturen unterliegen dabei im Jahresverlauf nur geringen Schwankungen: Der wärmste Monat ist der Juni mit einer Durchschnittstemperatur von 32,1 °C, der kühlste der Januar mit 24,5 °C. Die Niederschlagsverhältnisse werden in Puducherry wie in ganz Indien maßgeblich vom Monsun beeinflusst. Anders als im größten Teil des Landes ist an der Südostküste die Hauptregenzeit der Winter- oder Nordostmonsun, der von Oktober bis Dezember ergiebige Regenfälle mit sich bringt. In diesen drei Monaten fällt mehr als die Hälfte des Jahresniederschlag von 1.171 Millimetern. Auch während des Sommermonsuns von Juli bis September kommt es zu Regenfällen, die Niederschlagsmengen sind aber geringer. Während der Trockenzeit zwischen Januar und Juni regnet es kaum.Klimadaten nach climate-data.org.

Geschichte Altertum mini|In Arikamedu ausgegrabene römische Keramik (1. Jahrhundert, Musée Guimet) Die Geschichte Puducherrys reicht bis ins Altertum zurück: An der Stelle des Dorfs Arikamedu wenig südlich des heutigen Puducherry befand sich zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. ein bedeutender Hafen, von dem aus reger Handel mit dem Römischen Reich betrieben wurde. Bei Ausgrabungen in den 1940er Jahren wurden in Arikamedu größere Mengen römischer Keramik gefunden, die die Bedeutung des Ortes für den Fernhandel bezeugen.Kavalam Madhava Panikkar: A survey of Indian History. Asia Publishing House, Bombay, 12. Aufl. 1962, S. 61. Der Fundort Arikamedu wird mit dem Ort namens Poduke bzw. Poduca identifiziert, der in antiken Quellen (der Periplus Maris Erythraei und der Geographike des Claudius Ptolemäus) erwähnt wird.Zu Arikamedu siehe Vimala Begley: Arikamedu Reconsidered. In: American Journal of Archaeology. 87, 1983, S. 461–481.

Über die weitere Geschichte Puducherrys ist bis zum Beginn der Kolonialzeit kaum etwas bekannt. Berichte vom mythischen Weisen Agastya, der in Puducherry einen Ashram gegründet haben soll, sind jedenfalls rein legendär. Auch dass Puducherry, wie oft kolportiert wird, unter dem Namen Vedapuri ein Zentrum der vedischen Gelehrsamkeit gewesen sein soll, ist historisch nicht nachweisbar.History in a new light. Was Pondicherry once known as Vedapuri? Dr. Jean Deloche exploded some myths about this recently. In: The Hindu. 15. April 2006 (englisch). Sicher ist nur, dass der Raum Puducherry unter der Herrschaft wechselnder Dynastien stand: Spätestens im 6. Jahrhundert kam er unter die Kontrolle der Pallava-Dynastie, die von Kanchipuram aus über das nördliche Tamil Nadu herrschte. Ab dem 10. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Cholas, ab dem 13. Jahrhundert dann von den Pandyas beherrscht. Nach den Wirren, die auf eine muslimische Invasion aus dem Norden und der Errichtung des kurzlebigen Sultanats von Madurai folgten, kam die Gegend von Puducherry im 14. Jahrhundert unter die Kontrolle des Vijayanagar-Reichs, das über große Teile Südindiens herrschte. Die Vijayanagar-Herrscher setzten in Gingee Militärstatthalter (Nayaks) ein, die auch das Gebiet von Puducherry kontrollierten. 1649 wurde Gingee vom Sultanat Bijapur eingenommen.

Kolonialzeit mini|Karte Puducherrys im Jahr 1705 1670 lief eine große französische Flotte unter dem Kommando von Admiral Jacob Blanquet de la Haye (1621–1677) in den Indischen Ozean aus. Eines seiner Ziele war, in Trincomalee auf Ceylon einen Handelsstützpunkt einzurichten. Doch dort waren ihm die Niederländer zuvorgekommen.Kavalam Madhava Panikkar: Geschichte Indiens. Progress-Verlag Johann Fladung, Düsseldorf 1957, S. 245. Daraufhin wandte sich Admiral de la Haye nach Indien. Dort verkaufte der Sultan von Bijapur 1673 der Französischen Ostindienkompanie das kleine Küstendorf Puducherry. Damit begann die französische Kolonialzeit in Indien. Bevor Admiral de la Haye nach Frankreich zurücksegelte, setzte er François Martin als Gouverneur ein, der Puducherry ausbauen ließ.Kavalam Madhava Panikkar: A survey of Indian History. Asia Publishing House, Bombay, 12. Aufl. 1962, S. 183. Ab 1685 leitete Martin als „Direktor der Koromandelküste“ die Geschäfte der französischen Kolonie auch über die kleine Stadt hinaus. Puducherry entwickelte sich zum Brückenkopf für die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs in Indien.Percival Spear: A History of India. Bd. 2: From the sixteenth century to the twentieth century. 5. Auflage. Penguin, Harmondsworth 1973, S. 68. Doch dann beeinträchtigten Streitigkeiten mit den Niederländern und Martins früher Tod 1706 das weitere Wachstum des Handels und der Stadt. Die Niederländer, die bereits mehrere Niederlassungen an der Koromandelküste besaßen, eroberten 1693 Puducherry, traten die Stadt aber im Frieden von Rijswijk wieder an die Franzosen ab.

Nach dem Ende der Kriege Ludwigs XIV. wurden die Geschicke der Stadt von Pierre Lenoir (ab 1726) und Benoit Dumas (ab 1735) bestimmt. König Ludwig XV. ernannte 1742 Joseph François Dupleix zum Gouverneur von Puducherry.Kavalam Madhava Panikkar: A survey of Indian History. Asia Publishing House, Bombay, 12. Aufl. 1962, S. 191. Durch seine militärischen Erfolge gegen die britischen Truppen weitete Dupleix, „ein Mann von grenzenloser Phantasie, der Gefallen an grandiosen Plänen hatte“,Kavalam Madhava Panikkar: Geschichte Indiens. Progress-Verlag Johann Fladung, Düsseldorf 1957, S. 256. die Kolonie auf die Umgebung der Stadt und Südindien aus. Auch wuchs der Einfluss auf die Fürstentümer der Region. Puducherry war der Mittelpunkt der florierenden Kolonie. Doch beschränkten sich die Kontakte der französischen Kaufleute zum indischen „Hinterland“ und zu Indern zumeist auf den Warenverkehr mit den Banias, den indischen Händlern, und die Anweisungen an die indischen Packer im Hafen. Ansonsten blieben sie mit ihren Rechnungsführern und Schreibern unter sich.Kavalam Madhava Panikkar: Geschichte Indiens. Progress-Verlag Johann Fladung, Düsseldorf 1957, S. 252.