mini|Ladenansicht in Karlsruhe Alnatura ist ein deutsches Unternehmen der Bio-Lebensmittel-Branche mit Sitz im hessischen Darmstadt. Es wurde 1984 gegründet und vertreibt unter der Marke Alnatura ökologisch produzierte Lebensmittel im Einzelhandel und in Drogerien. Zum Unternehmen gehört die eigene Biosupermarkt-Kette Alnatura Super Natur Markt.
Geschichte Gründung und Anfänge mini|Götz Rehn, Alnatura-Geschäftsführer und -Gründer Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH wurde 1984 von dem Wirtschaftswissenschaftler Götz Rehn, der bis heute Geschäftsführer ist, als Beratungsunternehmen unter dem Namen Konzeption und Vertrieb natürlicher Lebensmittel Dr. Rehn in Fulda gegründet. Ein Jahr später folgte die Eintragung von Alnatura als Wort- und Bildmarke. Der Name Alnatura ist an das italienische „All’ Natura“ („Mit der Natur“) angelehnt. 1986 begann das Unternehmen mit dem Verkauf von Bio-Produkten in den Lebensmittelmärkten von tegut und den dm-Drogeriemärkten, zunächst mit einem Shop-in-Shop-Angebot. Im Oktober 1987 wurde der erste Alnatura Super Natur Markt in Mannheim eröffnet. 1989 zog das Unternehmen von Fulda nach Bickenbach um; seit Januar 2019 ist der Sitz in Darmstadt.
Im Jahr 2000Daten über die Alnativ GmbH in der Datenbank der Creditreform. Aufruf am 2. Juni 2022. wurde das Schwesterunternehmen AlnavitNeue laktosefreie Produkte. In: Lausitzer Rundschau, 15. April 2011. gegründet, das auf glutenfreie und teilweise auch laktosefreie und vegane Bio-Lebensmittel spezialisiert ist.
2010 erfolgte die Inbetriebnahme des Alnatura-Verteilzentrums im südhessischen Lorsch. Das Lager ist das weltweit größte Hochregallager aus Holz. Die Grünflächen werden dort von Schafen gepflegt.
Anthroposophie Gründer Götz Rehn steht den Konzepten der Anthroposophie nahe. Alnatura-Website, abgerufen am 23. März 2017. Der monatlich erscheinenden Unternehmenspublikation Alnatura Magazin wurde im Jahrgang 2011 je eine Sonderbeilage Anthroposophische Perspektiven beigeheftet und es werden anthroposophische Themen aufgegriffen, beispielsweise eine Serie über Anthroposophische Medizin im Jahr 2010.
Kontroverse mit dm-drogerie 2014 entschied die Drogeriemarktkette dm, bis dahin mit Abstand größter Handelspartner von Alnatura, Bio-Lebensmittel künftig unter eigener Handelsmarke anzubieten, und listete daher viele Alnatura-Produkte aus. Alnatura konnte dies durch mehr eigene Läden, neue Handelspartner im Inland wie Müller,Michael Gassmann: Wie Edeka das dm-Desaster bei Alnatura ausgleicht. In: Die Welt, 15. November 2015, abgerufen am 23. März 2017. Tegut,Martin Heiermann: Alnatura startet Lieferdienst. In: ConvenienceShop, 2021 Heft 04/2022. Edeka, Famila, Globus, Hit und Rossmann, sowie mit Kooperationen im Ausland ausgleichen.Christiane Straßenburg-Volkmann: Mehr Platz für Bio. In: Logistra, Heft 9–10, 12. Oktober 2022.
Hintergrund war ein Streit zwischen den miteinander verschwägertenDas Ende im Schwager-Streit. In: handelsblatt.de, 16. Februar 2016, abgerufen am 17. März 2022. Unternehmensgründern Götz Werner (dm) und Götz Rehn (Alnatura). Nach einem ab den 1980er Jahren bestehenden Kooperationsvertrag zwischen den beiden Unternehmen hatte dm unter anderem Mitspracherechte bei der Auswahl neuer Vertriebspartner. Nachdem etliche Alnatura-Produkte von dm nicht mehr angeboten wurden, sah sich Alnatura nicht mehr an den Vertrag gebunden und Rehn suchte neue Vertriebspartner. dm klagte daraufhin beim Landgericht Darmstadt auf Einhaltung des Vertrages.
Nach einer Entscheidung für Alnatura legte dm Revision ein. Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen entschied das Oberlandesgericht Frankfurt am Main im Februar 2019, dass die Kündigung des Kooperationsvertrags 2014 wirksam war.OLG Frankfurt am Main: Kooperationsvertrag zwischen DM und Alnatura wirksam beendet. In: beck-aktuell, 13. Februar 2019, abgerufen am 16. November 2019. Insgesamt hatte dm deshalb sechs Millionen Euro von Alnatura gefordert. Zwei Millionen Euro hatte dm aus seiner Rechtsauffassung 2014 einbehalten, obwohl Alnatura die Waren bereits geliefert hatte. Alnatura forderte seinerseits die Zahlung der offenen Rechnung und bekam vom OLG im Februar 2019 Recht.
In einem zweiten von Werner angestrengten Verfahren verlangt er von Rehn die Markenrechte an Alnatura. Der Fall wurde vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt. Die Klage wurde in erster Instanz aber abgewiesen; Werner legte Berufung beim Oberlandesgericht ein. Der Rechtsstreit wurde 2017 in beiderseitigem Einvernehmen beendet.Markenrechtsstreit um Alnatura beendet. In: Rheinische Post, 24. Juni 2017.
Entwicklung nach 2015 Seit 2015 fördert die Alnatura Bio-Bauern-Initiative gemeinsam mit dem Umweltverband NABU die Umstellung von konventionell wirtschaftenden Höfen auf Biolandbau.
Mit dem Bau einer neuen Unternehmenszentrale auf dem Konversionsgelände der ehemaligen Kelley Barracks in Darmstadt wurde 2016 begonnen. Das Gebäude ist das europaweit bisher größte Bürogebäude, dessen Außenfassaden aus Lehm besteht. Der Konzern errichtete einen sogenannten Alnatura Campus.Tibits kommt nach Darmstadt. In: food-service.de, abgerufen am 13. Dezember 2018.
Im September 2016 wurden die ersten Eier der Alnatura Bruderküken-Initiative ausgeliefert; Ziel der Initiative ist es, ausschließlich Eier von Hennen anzubieten, deren männliche Geschwisterküken als Masthähnchen aufgezogen und nicht bereits als Küken getötet werden.
Im Oktober 2019 listeten Alnatura und weitere Bio-Märkte in Deutschland Hirseprodukte von der Spreewälder Hirsemühle aus, weil der Inhaber AfD-Politiker ist.
Von 2015 bis 2020 wurden die Produkte auch über den eigenen Online-Shop, in Zusammenarbeit mit der Delticom-Tochter Gourmondo Food, in 19 Länder ausgeliefert;dm holt Veganz ins Boot. In: lebensmittelzeitung.net vom 31. Juli 2015. Anfang 2020 stellte Alnatura seinen Onlineshop ein. Alnatura kooperiert insbesondere im Online-Geschäft heute (2022) mit den Lieferdiensten bringmeister.de,Bringmeister baut strategische Kooperation mit Alnatura aus. Pressemeldung von Edeka, 12. September 2018, abgerufen am 22. April 202. knuspr.de, gurkerl.at, kifli.hu, rohlik.cz, sezamo.ro houra.fr sowie mit den Online-Shops Greenstories und Picnic.Angaben auf der Unternehmenswebsite von Alnatura, Abruf am 24. April 2022. Im Jahr 2022 startete Alnatura in Kooperation mit dem Schweizer E-Commerce-Startup Farmy wieder einen eigenen Liefer- und Abholdienst. Gepackt und geliefert werden die Bestellungen in Elektrofahrzeugen von Alnatura-Mitarbeitern. Im Gegenzug nahm Farmy im selben Jahr mehrere Hundert Alnatura-Produkte ins Sortiment auf. Zum 30. September 2024 werde der Liefer- und Abholdienst in den Städten Berlin, Frankfurt und Potsdam eingestellt.
Seit 2021 ist Alnatura mit dem Nachhaltigkeitsstandard We Care des Forschungsinstituts für biologischen Landbau zertifiziert. Im November 2021 hat Alnatura Rindfleisch aus Weideschlachtung ins Sortiment aufgenommen.
Im November 2022 wurde in Karlsruhe die 150. Filiale eröffnet, die inzwischen 153 Filialen sind in 74 Städten zu finden.
Seit März 2023 sind zahlreiche Produkte auch bei Flaschenpost erhältlich.
Seit Juli 2024 kooperiert Alnatura mit der Schweizer Markant Gruppe.
2024 begann Alnatura eine Zusammenarbeit mit dem Lieferdienst Wolt für die Städte Berlin und Hamburg.
Internationale Präsenz Schweiz In der Schweiz finden sich die Produkte in Märkten von Handelspartnern, beispielsweise Migros, Müller, Rossmann und Volg. Im Jahr 2012 wurde der erste Alnatura Bio-Supermarkt in der Schweiz in Kooperation mit der Genossenschaft Migros Zürich eröffnet. Dazu wurde die Alnatura AG mit Sitz in Zürich gegründet. Im Februar 2025 informierte der Migros-Genossenschafts-Bund, dass die Genossenschaft Migros Zürich den Franchise-Vertrag mit Alnatura nicht verlängern wird. Im Juli 2025 wurde bekannt, dass die 25 Alnatura Bio Super Märkte in der Schweiz Ende Jahr geschlossen werden, da kein neuer Franchisenehmer gefunden werden konnte. Im September 2025 wurde bekannt, dass erste Filialen bereits ab Ende September geschlossen werden, die letzten am 30. Dezember. Zehn dieser Standorte übernimmt Müller. Drei weitere Standorte wurden per 30. Oktober 2025 vorzeitig geschlossen.
Österreich In Österreich wurde Alnatura wie in Deutschland vor allem über dm vermarktet. Im Zuge der Streitigkeiten mit dm weitete Alnatura 2015 in Österreich sein Vertriebsnetz auf die zu Rewe International gehörenden Supermarktketten Billa und Merkur (heute Billa+) aus.Ehemalige dm-Exklusivmarke Alnatura ab Juli auch bei Billa und Merkur. In: Tiroler Tageszeitung, 10. Juni 2015, abgerufen am 28. April 2021.dm stellt wegen Streit mit Alnatura mehr österreichische Produkte in die Regale. In: diepresse.com, 2. Mai 2017, abgerufen am 28. April 2021. Seit September 2021 vertreibt in Österreich auch die Unimarkt-Gruppe Produkte von Alnatura.Alnatura wächst weiter. In: Allgemeine Fleischer-Zeitung, 8. Dezember 2021. Im Jahr 2022 hat Metro Österreich 700 Alnatura-Produkte ins Sortiment aufgenommen.
Luxemburg Seit 2005 werden in Luxemburg Alnatura-Produkte von der Supermarktkette Cactus geführt.
Frankreich In Frankreich vertreiben Match und Cora Alnatura-Produkte in ihren Supermärkten.
Mitgliedschaften und Aktivitäten Alnatura gehört der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM) an und ist Mitglied im Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sowie im Bundesverband Naturkost Naturwaren.
Seit Juni 2012 nehmen die Alnatura-Märkte am Payback-Punkte-Programm teil.
Alnatura ist Sponsor der Demonstrationen von Wir haben es satt! und unterstützt die Forderungen der Aktion.
Kritik
Lohnentwicklung Als Reaktion auf die kritische Berichterstattung in den Medien zu den untertariflichen Löhnen des nicht tarifgebundenen Unternehmens verkündete Alnatura im Juli 2010, dass ab Oktober 2010 alle Beschäftigten mindestens mit Tariflohn bezahlt werden sollen. Vorausgegangen war eine Stellungnahme von Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn, in der Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen, Beitrag zur Altersvorsorge und Wertschöpfungsbeteiligung als freiwillige Leistungen aufgezählt wurden, weswegen seiner Meinung nach das Tariflohnmodell und das Alnatura-Bezahlungsmodell nur schwer vergleichbar seien. Im Oktober 2024 erhöhte das Unternehmen den internen Mindestlohn auf 14,50 Euro.
Fehlende Mitbestimmung Von über 110 Alnatura-Filialen bestand zunächst in einer Filiale in Freiburg im Breisgau ein Betriebsrat. Bei einem zweiten Betriebsrat hätten die Beschäftigten im ganzen Unternehmen Alnatura Anspruch auf einen Gesamtbetriebsrat. Hubert Thiermeyer, Verdi-Landesleiter, kritisierte im November 2015: „Die hohe Kompetenz bei der Qualität der Ware im Biohandel geht nicht automatisch mit einer Kompetenz in sozialen Standards einher.“
In einer von zwei Bremer Filialen versuchte ein Teil der Belegschaft 2015 den zweiten Betriebsrat des Unternehmens zu wählen, stieß aber auf Widerstand der Geschäftsleitung. Kai Wargalla, eine Mitarbeiterin, erklärte gegenüber Radio Bremen: „Die Wahl wurde durch taktische Spielchen verhindert.“ radiobremen.de, 28. Oktober 2015.