Der oder das Yak (Bos mutus), früher auch als Jak geschrieben, ist eine in Hochasien verbreitete Rinderart. Er ist eine der fünf bis sechs Rinderarten, die domestiziert wurden (s. Hausrind). Die wissenschaftliche Artbezeichnung mutus (lateinisch für „stumm“) bezieht sich auf den wildlebenden Yak und wurde im Jahr 1883 durch Nikolai Michailowitsch Prschewalski etabliert. Der Hausyak wird hingegen als Bos grunniens geführt. Das Artepitheton grunniens („grunzend“) hatte Carl von Linné bereits 1766 genutzt. Mit der Opinion 2027 entschied die International Commission on Zoological Nomenclature (ICZN) im Jahr 2003, den wissenschaftlichen Namen für die Haustierform zu konservieren und somit zur Verfügung zu stellen.

Wegen seiner grunzähnlichen Laute wird der Yak auch (Tibetischer) Grunzochse genannt. Die Bezeichnung „Yak“ stammt aus der tibetischen Sprache. Im Tibetischen wird allerdings nur das männliche Tier གཡག་ g.yag genannt (Aussprache: []), während das weibliche Tier als འབྲི ’bri (Aussprache: []) bezeichnet wird.

Während der Hausyak in großer Zahl im Himalaya, in der Mongolei und sogar im Süden von Sibirien verbreitet ist, ist der Wildyak vom Aussterben bedroht. Wegen seiner Anpassung an die extremen klimatischen Bedingungen seines Lebensraumes stellt der Yak im zentralasiatischen Hochland und den angrenzenden Ländern nach wie vor die Lebensgrundlage eines großen Teils der dort lebenden Menschen dar. Er liefert Milch, Fleisch, Leder, Haar und Wolle. Sein Kot dient als Brennmaterial. Nach wie vor wird der Yak als Last- und Reittier genutzt. Auf einem über 1,4 Millionen Quadratkilometer großen Gebiet sind bäuerliche Lebensweisen überwiegend nur durch Yaks möglich.Jürgen Lensch, Peter Schley und Rong-Chang Zhang (Hrsg.): Der Yak (Bos grunniens) in Zentralasien, Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des Europäischen Ostens, Band 205, Berlin 1996, ISBN 3-428-08443-8, S. 17.

Merkmale Körperbau mini|Yakbulle Ein Yakbulle kann eine Kopf-Rumpf-Länge von 3,25 Metern, eine Widerristhöhe von 200 Zentimetern und ein Gewicht von über einer Tonne erreichen. Die Kühe sind deutlich kleiner und leichter. Sie erreichen maximal eine Widerristhöhe von 150 Zentimetern und wiegen zwischen 400 und 500 Kilogramm. Verglichen mit einem Hausrind ist der Körper des Yaks relativ lang. Anders als das Hausrind, das 13 Rippenpaare hat, hat der Yak 14 oder 15 Rippenpaare.Cai Li, Gerald Wiener: The Yak. FAO Regional Office for Asia and the Pacific, Bangkok 1995, ISBN 974-89351-0-8, S. 37 (englisch). Der Brustkorb ist dadurch breit und tief, was der stark entwickelten Lunge und dem Herzen ausreichend Raum verschafft. Durch den gut entwickelten Brustkorb wirkt der Yak trotz seines verhältnismäßig langgestreckten Körperbaus kompakt.

Aufgrund der verlängerten Dornfortsätze der Hals- und Brustwirbel hat der Yak einen Buckel. Dieser ist bei Männchen etwas ausgeprägter. Der Hals männlicher Tiere ist außerdem muskulöser. Die Rückenlinie ist bei beiden Geschlechtern leicht abfallend. Die Hinterhand ist dadurch beweglicher, was zur Trittsicherheit der Yaks beiträgt.Lensch et al., S. 42.

In Anpassung an das Klima ist das Flotzmaul des Yaks sehr klein. Insbesondere die Oberlippe ist sehr beweglich, so dass Yaks wesentlich schlechtere Weiden mit einer niedrigeren Vegetation als das Rind nutzen können.Lensch et al., S. 61. Die Hörner entspringen an den Kopfseiten und führen in einer gleichmäßigen Biegung nach oben. Sie werden bis zu einem Meter lang.Hans Hinrich Sambraus: Exotische Rinder – Wasserbüffel, Bison, Wisent, Zwergzebu, Yak, Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8001-4835-6, S. 18. Das Euter der Kühe hat zwei Zitzenpaare und ist sehr klein und hoch angesetzt. Die Zitzen sind nur zwei bis drei Zentimeter lang. Auch der Hodensack der Bullen liegt dicht am Unterbauch und ist deutlich kleiner als bei einem Hausrind.Lensch et al., S. 67 und 69.Li et al., S. 43.

Fell mini|Hausyakbulle, der im Erscheinungsbild in vielen Merkmalen dem Wildyak ähnlich sieht Die Fellfarbe des Wildyaks variiert von dunkelbraun bis schwarz. Der Rücken sowie das Flotzmaul sind in der Regel etwas aufgehellt. Der Yak ist die einzige Rinderart, die über ein mehrschichtiges Haarkleid verfügt. Es werden ein festeres Deck- oder Langhaar, eine gröbere Wolle und ein feines, spinnfähiges Unterhaar oder Feinwolle unterschieden.Lensch et al., S. 217.

Bis auf das Flotzmaul und die im Haar eingebetteten Zitzen sind alle Körperteile mit dichtem Haar bedeckt. Die Vorhaut des Penis ist zum Schutz gegen die Kälte ebenfalls mit Haar bedeckt. Während der Unterbauch, das Euter und der Hodensack nur kurz behaart sind, sind die Haare an der unteren Seite des Körpers sehr lang und fallen als sogenannte Bauchmähne schabrackenähnlich herab. Der Yak wirkt dadurch ausgesprochen kurzbeinig. Der Schwanz ist von der Wurzel an langbehaart. Die langen Deckhaare an Brust, Schwanz und Bauch werden beim Yak auch als Rosshaar bezeichnet, da sie Ähnlichkeit zu den Haaren an Schweif und Mähne von Pferden haben. Sie sind allerdings deutlich weicher als bei Pferden.Lensch et al., S. 77.

Grobe Wollhaare mit einer Länge von fünf bis dreizehn Zentimetern sind über den ganzen Körper verteilt. Als dritte Haarart findet sich Feinwolle in allen Körperregionen und macht über 80 Prozent der Behaarung aus.Lensch et al., S. 78. In der Bauchregion haben Yaks beispielsweise pro Quadratzentimeter 220 Grobhaare und 800 Feinwollhaare. Beim Haarwechsel verliert der Yak überwiegend das Wollhaar. Der Ausfall beginnt am Hals und setzt sich an der Rücken- und Bauchregion fort.Lensch et al., S. 81.

Fortbewegung mini|Hausyakbulle Die Yakhufe sind verhältnismäßig klein und kompakt, mit scharfen Hufspitzen und harten Hufrändern. Aufgrund der kleinen Hufe sinken sie im Grund verhältnismäßig tief ein, was ihnen hilft, den Vorwärtsschwung abzubremsen, wenn sie sich bergabwärts bewegen. Sie sind bei langsamer Bewegung grundsätzlich sehr trittsicher und überqueren auch sumpfiges Gebiet sicher. Sinken sie in feuchtem Untergrund zu sehr ein, spreizen sie die Beine und nutzen die Körperunterseite, um ein tieferes Einsinken zu vermeiden. Sie bewegen sich dann mit schwimmähnlichen Bewegungen weiter und zeigen damit ein anderes Verhalten als beispielsweise Pferde, die in vergleichbarer Lage panikartig um sich schlagen.Li et al., S. 54 und 55.

Grundsätzlich sind Yaks sehr bewegungsfreudig. Grasende Yaks legen immer wieder Pausen ein, in denen sie sich gegenseitig spielerisch mit erhobenem Schwanz jagen. Ihre Galoppbewegungen gleichen denen von Pferden.Li et al., S. 55. Eine plötzliche Gefahr kann in Yakherden zu panikartiger Flucht führen. Führt sie ihre Flucht bergabwärts, kommt es gelegentlich zu Todesfällen durch Abstürze.Li et al., S. 56.

Physiologie Anpassung an Wärme und Kälte Yaks variieren ihre Atemfrequenz unter anderem in Abhängigkeit von der Außentemperatur. Bei hohen Temperaturen sind Atmung und Puls hoch, um überschüssige Wärme abzuleiten, und sie können dann drei bis vier Mal so hoch sein wie bei Rindern. Bereits bei einer Umgebungstemperatur von über 13 °C nimmt die Atemfrequenz zu. Ab einer Umgebungstemperatur von 16 °C steigen Herzschlag und Körpertemperatur. Erreicht die Umgebungstemperatur 20 °C, halten sich Yaks in der Nähe von Wasser oder im Schatten auf. In der Regel fressen, trinken, wiederkäuen sie dann nicht mehr und sie verharren regungslos an einer Stelle.Li et al., S. 39.

Bei niedrigen Außentemperaturen sinkt die Atemfrequenz von Yaks auf sieben bis fünfzehn Atemzüge pro Minute.Lensch et al., S. 59. Dadurch ist der Wärmeverlust verhältnismäßig gering.Lensch et al., S. 50. Umgebungstemperaturen von −30 °C bis −40 °C vertragen sie problemlos. Schweißdrüsen finden sich zwar über den gesamten Körper verteilt, ihre Funktionsfähigkeit ist jedoch erheblich eingeschränkt. In verschiedenen Versuchen konnte eine Schweißsekretion nur im Bereich der Schnauze festgestellt werden. Dieses Merkmal trägt gleichfalls zur Erhöhung der Kältetoleranz bei.Li et al., S. 46.

Anpassung an die Höhe Der geringe Luftdruck in den Höhenlagen ist für Yaks keine Beschränkung. Durch die im Vergleich zum Rind höhere Sauerstoffaffinität des Yakhämoglobins können sie ausreichend Sauerstoff aufnehmen.Lensch et al., S. 59.

Krankheiten und Lebenserwartung Yaks sind anfällig für alle Krankheiten, an denen auch andere Rinderarten erkranken. Dazu zählen unter anderem Milzbrand, Maul- und Klauenseuche und Tuberkulose sowie einst die Rinderpest.Li et al., S. 146–148. Yaks können in Ausnahmefällen ein Lebensalter von über 20 Jahren erreichen.

Verbreitung Ideale Lebensbedingungen finden Yaks in Regionen, deren durchschnittliche Temperatur unter fünf Grad liegt und in den wärmsten Monaten des Jahres einen Durchschnitt von 13 °C nicht überschreitet.

Ursprüngliche Verbreitung des Wildyaks mini|Hausyak in Ladakh In der jüngeren Eiszeit kamen Wildyaks noch in einem breiten Gürtel vom Aralsee bis nach Alaska vor.Lensch et al., S. 21. Das historische Verbreitungsgebiet umfasste den Himalaya sowie weite Teile der chinesischen Provinzen Xinjiang, Tibet und Qinghai und Teile Südsibiriens. Noch im 14. Jahrhundert lebten wilde Yaks in Tuwa. 1720 wurde noch von Wildyaks bei Kusnezk, 1739 von solchen im Altai und Daurien berichtet.

Heutiger Bestand und Bedrohung mini|Maximales Verbreitungsgebiet des Wildyaks Heute sind wilde Yaks in großen Bereichen ihres einstigen Gebiets verschwunden, da sie mit zunehmender Besiedelung ihres Verbreitungsgebietes in die unwirtlichen Hochgebirgslagen abwanderten. Sie leben nur noch in einigen Teilen West-Chinas und Tibets. 1994 gab es in China noch etwa 20.000 bis 40.000 Wildyaks.Lensch et al., S. 24. Außerhalb Chinas gibt es wahrscheinlich keine wilden Yaks mehr. In Nepal sind sie ausgestorben, Vorkommen in Kaschmir sind offenbar erloschen.[ Yak auf der Roten Liste der IUCN], aufgerufen am 10. September 2011. Möglicherweise gibt es noch einige wilde Yaks im indischen Ladakh. Außer in chinesischen Zoos werden Wildyaks derzeit nicht gehalten, nur im Zoo von Rostow am Don soll in den 1970er Jahren ein einzelnes männliches Tier gelebt haben.

Wilde Yaks werden von der IUCN seit 1996 als gefährdet (vulnerable) eingestuft; zuvor hatten sie als bedroht gegolten, bis man erkannt hatte, dass es vor allem in den Weiten Westchinas viel mehr Wildyaks gab, als zuvor angenommen wurde. Die Zahlen wurden damals auf 15.000 geschätzt (8500 Wildyaks in Tibet, 3700 in Qinghai und 2500 in Xinjiang), dürften aber seither etwas zurückgegangen sein. Die Art (ausgenommen die domestizierte Form) wird in Anhang I des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens geführt.

In China gehört die Art mittlerweile zu den geschützten, nicht jagdbaren Tierarten der Kategorie 1. Trotz dieses vollständigen Schutzes werden wilde Yaks noch immer bejagt. Weitere Ursachen für den Populationsrückgang sind Vermischungen wilder und domestizierter Yaks sowie die Ansteckung mit Rinderkrankheiten.

Yaks werden in mehreren Ländern intensiv gezüchtet, die meisten in China.

Verhalten Ernährung Yaks sind Wiederkäuer, die in ihrer Verdauungsphysiologie vieles mit dem Hausrind gemeinsam haben. Anders als das Hausrind sind sie jedoch in der Lage, sich schnell an veränderte Futterverhältnisse anzupassen. Sie bilden in Anpassung an ihren Lebensraum außerdem eine Körperreserve für den Winter. Die täglich benötigte Futtermenge ist geringer als bei sogenannten Robustrindern wie beispielsweise dem Schottischen Hochlandrind.Lensch et al., S. 62. Sie sind außerdem in der Lage, während Schneestürmen mehrere Tage ohne Futter und Wasser zu überleben.Lensch et al., S. 64. mini|Hausyak im Winter