Die Wasserkelche (Cryptocoryne), selten auch Wassertrompeten genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Einige der etwa 62 Arten werden als Aquarienpflanzen verwendet.
Beschreibung mini|Illustration von Griffiths Wasserkelch (Cryptocoryne griffithii)
Vegetative Merkmale Wasserkelch-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie gedeihen als Wasser- und Sumpfpflanzen und können submers (unter Wasser) und emers (über Wasser) leben. Sie vermehren sich überwiegend durch kriechende, seltener durch aufrechte Rhizome. Die Arten sind in ihrem Erscheinungsbild sehr variabel, da sie damit auf ihre jeweilige Umwelt reagieren. Die parallelnervigen, einfachen Laubblätter sind meist gestielt und stehen in grundständigen Rosetten.
Generative Merkmale Zur Blütenbildung kommen sie nur während einer emersen Phase. Cryptocoryne-Arten sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Der Blütenstand besteht aus einer gestielten Spatha (Hochblatt), die an der Basis zu einem Kessel erweitert ist. Im Kessel sind die weiblichen und männlichen Blüten rund um den Kolben (Spadix) angeordnet. Ganz unten befinden sich meist sechs fertile weibliche Blüten mit einem Stempel bestehend aus dem aus drei Fruchtblättern verwachsenen Fruchtknoten, Griffel und Narbe. Dann folgt ein schmaler kahler, steriler Kolbenabschnitt. Darüber befinden sich 40 männliche Blüten. Der oberste Teil des Kolbens ist wieder kahl. Die eingeschlechtigen Blüten sind dreizählig.
Es werden Beeren gebildet.
Standorte Bei Cryptocoryne-Arten handelt es sich um Wasser- und Sumpfpflanzen. Sie bewohnen fließende Gewässer, Ufer von diesen sowie Restwassertümpel von Überschwemmungsgebieten.
Systematik und Verbreitung Der bereits durch Friedrich Ernst Ludwig von Fischer verwendete Name Cryptocoryne wurde 1830 als Gattung gültig veröffentlicht durch Heinrich Wydler in Linnaea. Band 5, S. 428 aufgestellt. Typusart ist Cryptocoryne spiralis . Die Art wurde 1779 als Arum spirale von Anders Jahan Retzius in Observationes Botanicae Band 1 Seize 30 erstveröffentlicht. Der botanische Gattungsname Cryptocoryne leitet sind von den griechischen Wörtern kryptos für „verborgen“ sowie koryne für Kolben ab und bezieht sich auf die in dem zu einem Kessel erweiterten gestielten Blütenstand (Spatha) verborgenen Blütenorgane. Cryptocoryne ist Myrioblastus
Die Gattung Cryptocoryne gehört zur Tribus Cryptocoryneae in der Unterfamilie Aroideae innerhalb der Familie Araceae.
Die Gattung Cryptocoryne ist im tropischen Indien, Süd- und Südostasien sowie auf Neuguinea verbreitet.
mini|Habitus und Blütenstand von Becketts Wasserkelch (Cryptocoryne beckettii) mini|Cryptocoryne cognata submers im Habitat mini|Habitus und Blütenstand von Cryptocoryne pontederiifolia mini|Emerse Cryptocoryne spiralis mini|Cryptocoryne ×timahensis
Es gibt etwa 62 Arten in der Gattung Cryptocoryne: Cryptocoryne affinis : Sie kommt von Thailand bis Malaysia vor. Cryptocoryne alba , manchmal „Weißer Wasserkelch“ genanntChristel Kasselmann (1999), S. 183.: Dieser Endemit kommt nur im südwestlichen Sri Lanka vor. Weißlicher Wasserkelch (Cryptocoryne albida ): Er kommt vom Indien bis China vor. Cryptocoryne annamica , manchmal „Annam-Wasserkelch“ genanntChristel Kasselmann (1999), S. 449.: Er kommt nur in Vietnam vor. Cryptocoryne aponogetifolia : Sie kommt auf den Philippinen (auf den Inseln Negros, Panay sowie südöstlichen Luzon) vor. Cryptocoryne aura : Sie wurde 2016 aus Kalimantan erstbeschrieben. Cryptocoryne auriculata : Sie kommt nur auf den zu den Philippinen gehörenden Inseln Palawan sowie Mindanao und in Sarawak vor. Cryptocoryne bangkaensis : Sie wurde 2007 aus Sumatra erstbeschrieben Cryptocoryne bastmeijeri : Sie wurde 2017 aus Kalimantan erstbeschrieben. Becketts Wasserkelch (Cryptocoryne beckettii ): Er kommt nur in Sri Lanka vor. Cryptocoryne bogneri : Dieser Endemit kommt nur im südwestlichen Sri Lanka vor. Cryptocoryne bullosa : Dieser Endemit kommt nur in Sarawak vor. Bewimperter Wasserkelch Cryptocoryne ciliata : Er kommt von Indien bis Neuguinea vor. Cryptocoryne cognata : Sie kommt im südlichen sowie östlichen Indien vor. Cryptocoryne consobrina : Sie kommt nur im südwestlichen Indien vor. Herzblättriger Wasserkelch (Cryptocoryne cordata , Syn.: Cryptocoryne blassii , Cryptocoryne evae , Cryptocoryne kerrii , Cryptocoryne siamensis , Cryptocoryne stonei ): Es gibt seit 2002 vier oder fünf Varietäten: Cryptocoryne cordata var. cordata: Sie kommt auf der thailändischen Halbinsel, in Malaysia, auf Borneo und auf Java vor. Cryptocoryne cordata var. diderici (Syn.: Cryptocoryne diderici ): Sie ist seit 2002 eine Varietät und kommt nur auf der Malaiischen Halbinsel vor. Cryptocoryne cordata var. grabowskii (Syn.: Cryptocoryne grabowskii , Cryptocoryne grandis ): Sie kommt auf Borneo vor. Cryptocoryne cordata var. zonata (Syn.: Cryptocoryne zonata ): Sie kommt auf Borneo vor. Cryptocoryne coronata : Sie wurde 1999 aus den Philippinen erstbeschrieben. Grasblättriger WasserkelchChristel Kasselmann (1999), S. 193 f. (Cryptocoryne crispatula ): Er kommt vom östlichen Indien bis Indonesien und südlichen China vor. Cryptocoryne cruddasiana : Die Heimat ist Myanmar. Cryptocoryne decus-silvae : Die Heimat ist Malaysia. Cryptocoryne dewitii : Sie kommt nur in Papua-Neuguinea vor. Cryptocoryne edithiae : Sie kommt nur in Kalimantan vor. Cryptocoryne elliptica : Die Heimat ist Malaysia. Cryptocoryne erwinii : Sie wurde 2017 aus Kalimantan erstbeschrieben. Cryptocoryne ferruginea : Sie kommt nur in Sarawak vor. Rotbrauner Wasserkelch (Cryptocoryne fusca ): Die Heimat ist Borneo. Griffiths Wasserkelch (Cryptocoryne griffithii ): Die Heimat ist Malaysia und Borneo. Cryptocoryne hudoroi : Sie kommt nur in Kalimantan vor. Cryptocoryne ideii : Sie wurde 2004 aus Kalimantan erstbeschrieben. Cryptocoryne isae : Sie wurde 2017 aus Kalimantan erstbeschrieben. Cryptocoryne jacobsenii : Die Heimat ist Sumatra. Cryptocoryne keei : Sie kommt nur in Sarawak vor. Cryptocoryne lingua : Die Heimat des Zungenwasserkelchs ist Borneo (Sarawak). Cryptocoryne loeiensis : Sie wurde 2010 erstbeschrieben und kommt vom nordöstlichen Thailand bis Laos vor. Cryptocoryne longicauda : Die Heimat ist das westliche Malesien. Cryptocoryne mekongensis : Die Heimat ist Thailand und Laos. Cryptocoryne minima (Syn.: Cryptocoryne amicorum , Cryptocoryne gasseri , Cryptocoryne zewaldiae ): Sie kommt auf der Malaiischen Halbinsel und auf Sumatra vor. Cryptocoryne moehlmannii : Sie kommt im zentralen westlichen Sumatra vor.Christel Kasselmann (1999), S. 203. Nevills WasserkelchChristel Kasselmann (1999), S. 204. (Cryptocoryne nevillii ): Dieser Endemit kommt nur im östlichen Sri Lanka vor. Cryptocoryne noritoi : Sie wurde 2005 aus dem östlichen Borneo erstbeschrieben. Cryptocoryne nurii : Die Heimat ist Malaysia. Cryptocoryne pallidinervia , manchmal auch „Hellnerviger Wasserkelch“ genannt: Die Heimat ist Borneo. Kleiner Wasserkelch (Cryptocoryne parva ): Seine Heimat ist Sri Lanka. Cryptocoryne pontederiifolia : Die Heimat des „Pontederia-blättrigen Wasserkelchs“ ist Sumatra. Purpur-Wasserkelch (Cryptocoryne ×purpurea = Cryptocoryne cordata × Cryptocoryne griffithii): Er kommt im westlichen Malesien vor. Cryptocoryne pygmaea : Die Heimat sind die Philippinen. Cryptocoryne regina : Sie wurde 2017 aus Kalimantan erstbeschrieben. Gedrehter Wasserkelch (Cryptocoryne retrospiralis ): Er kommt von Indien bis Myanmar vor. Cryptocoryne sahalii : Sie wurde 2017 aus Kalimantan erstbeschrieben. Cryptocoryne schulzei : Die Heimat ist die Malaiische Halbinsel bei Johor.Christel Kasselmann: Cryptocoryne schulzei de Wit, 1971. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 296. Cryptocoryne scurrilis : Die Heimat ist Sumatra. Cryptocoryne sivadasanii : Die Heimat ist das südwestliche Indien. Cryptocoryne spiralis , benannt nach der spiraligen Spathaspreite:Christel Kasselmann (1999), S. 212 f. Die Heimat ist Indien und Bangladesch. Cryptocoryne striolata : Die Heimat ist Borneo. Thwaites-Wasserkelch (Cryptocoryne thwaitesii ) Er wurde nach G. H. K. Thwaites (1812–1882) benanntChristel Kasselmann (1999), S. 215 f.: Dieser Endemit kommt nur im südwestlichen Sri Lanka vor. Cryptocoryne × timahensis : Diese 2001 erstveröffentlichte Naturhybride aus Cryptocoryne cordata × Cryptocoryne nurii kommt nur in Singapur vor. Cryptocoryne uenoi : Sie wurde 2002 aus Sarawak erstbeschrieben. Gewellter Wasserkelch (Cryptocoryne undulata ): Seine Heimat ist Sri Lanka. Cryptocoryne usteriana : Die Heimat sind die Philippinen. Versteegs Wasserkelch (Cryptocoryne versteegii ): Seine Heimat ist Neuguinea. Cryptocoryne vietnamensis : Dieser Endemit kommt nur in der vietnamesischen Provinz Quam Nam Da Nang vor.Christel Kasselmann (1999), S. 450. Cryptocoryne villosa : Die Heimat ist Sumatra. Walkers Wasserkelch (Cryptocoryne walkeri ): Seine Heimat ist Sri Lanka. Wendts Wasserkelch (Cryptocoryne wendtii ): Er wurde nach Albert Wendt (1887–1958), Verfasser von Die Aquarienpflanzen in Wort und Bild, benannt und seine Heimat ist Sri Lanka.Christel Kasselmann (1999), S. 221 f. Willis-Wasserkelch (Cryptocoryne ×willisii = Cryptocoryne parva × Cryptocoryne walkeri): Er kommt in Sri Lanka vor. Cryptocoryne wongsoi : Sie wurde 2016 aus Sumatra erstbeschrieben. Cryptocoryne yujii : Sie wurde 2002 aus Sarawak erstbeschrieben. Es gibt seit 2017 zwei Varietäten. Cryptocoryne zaidiana : Sie wurde 2005 aus Sarawak erstbeschrieben. Cryptocoryne zukalii : Sie kommt in Malaysia vor.
Bedeutung für die Aquaristik
100 bis 150 Arten unterschiedlichster Pflanzenfamilien werden regelmäßig im Fachhandel für die Bepflanzung von Aquarien angeboten. Darunter befinden sich etwa 10 bis 15 Wasserkelch-Arten. Die übrigen Arten werden zwar gleichfalls kultiviert, ihre Haltung stellt jedoch besondere Anforderungen. Dies gilt insbesondere für die meisten Exemplare der Cryptocoryne-cordata-Gruppe (Cryptocoryne blassii, Cryptocoryne purpurea, Cryptocoryne siamensis u. a.).Hans-Georg Kramer: Pflanzenaquaristik á la Kramer. Tetra-Verlag, Berlin-Velten 2009, ISBN 978-3-89745-190-2, S. 96. Leichter zu pflegen sind beispielsweise Cryptocoryne hudoroi und Cryptocoryne spiralis.Hans-Georg Kramer: Pflanzenaquaristik á la Kramer. 2009, S. 118–121. Viele Arten benötigen für eine erfolgreiche Kultur außerdem eine emerse Kultur und sind daher am besten in Paludarien zu halten.
Wasserkelch-Arten gehören generell zu den eher anfälligen Aquarienpflanzen. Sie reagieren oft empfindlich auf Veränderungen von Wasserwerten. Es kommt dann häufig zu der sogenannten Cryptocorynenfäule, bei der sich die Blätter zersetzen.
Es gibt auch in Kultur entstandene Hybriden: Cryptocoryne walkeri × Cryptocoryne nevillii (Bastard-Wasserkelch): Eine künstliche Hybride.Christel Kasselmann (1999), S. 220.
Literatur Christel Kasselmann: Aquarienpflanzen. Ulmer Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-8001-7454-5, S. 174–223 und 449 f.
Quellen
Einzelnachweise Walter Erhardt, Erich Götz, Nils Bödeker, Siegmund Seybold: Der große Zander. Enzyklopädie der Pflanzennamen. Band 2. Arten und Sorten. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5406-7. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
Weblinks
Discovery Planet ‘Wasserkelche’.
Kategorie:Aronstabgewächse