Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten bestimmt, wer für eine vierjährige Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten und wer als Vizepräsident der Vereinigten Staaten dient. Sie ist eine indirekte Wahl; bei der Präsidentschaftswahl wird ein Wahlkollegium (Electoral College) bestimmt, das später Präsident und Vizepräsident wählt. Die Kandidaten sind vorher durch parteiinterne Vorwahlen festgelegt worden.
Die Wahl findet seit 1788 alle vier Jahre statt. Seit 1845 ist der Wahltag auf den Dienstag nach dem 1. November festgelegt, was die Wahl immer auf ein Datum zwischen dem 2. und dem 8. November fallen lässt. Gleichzeitig wird auch ein Drittel des US-Senats und das gesamte Repräsentantenhaus gewählt. Häufig finden am gleichen Wahltermin auch Wahlen auf Bundesstaaten-, Bezirks- und Kommunalebene sowie regionale Volksabstimmungen und Bürgerbegehren statt, wofür in den meisten Fällen ein umfangreicher Wahlzettel verwendet wird.
Das Wahlergebnis wird Anfang Januar durch den Kongress nach dessen erstem Zusammentreten offiziell festgestellt. Die Amtszeit des Präsidenten beginnt mit dem Tag der Amtseinführung, der seit 1937 auf den dem Wahltermin folgenden 20. Januar fällt. Zwischen der Präsidentschaftswahl und der Amtseinführung findet der Präsidentschaftsübergang statt.
Die bisher letzte Präsidentschaftswahl fand am 5. November 2024 statt.
Teilnahme Aktive Wahlberechtigung Aktiv wahlberechtigt ist jeder Staatsbürger der Vereinigten Staaten, der das 18. Lebensjahr vollendet hat und seinen Wohnsitz in einem der 50 Bundesstaaten oder dem District of Columbia hat oder zu einem früheren Zeitpunkt hatte. Gefängnisinsassen ist das aktive Wahlrecht in fast allen Bundesstaaten aberkannt (in einigen Staaten auch nach Abbüßung der Haftstrafe), wovon mehr als 6 Millionen Staatsbürger betroffen sind.Berliner Morgenpost: Wahlrecht: 6 Mio. US-Amerikaner von der Wahl ausgeschlossen. In: Morgenpost.de, 2. November 2016. Ebenfalls nicht wählen dürfen die Bewohner der Außengebiete (Guam, Puerto Rico etc.). Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und außerhalb der Vereinigten Staaten wohnen, sind aktiv wahlberechtigt in dem Bundesstaat, wo sie ihren letzten Wohnsitz in den Vereinigten Staaten hatten.
Jeder wahlberechtigte Staatsbürger darf in nur einem Bundesstaat wählen. Mangels Meldepflicht sowie eines zentralisierten Melderegisters obliegt es der Eigenverantwortung der Wähler, sich bei nur einem Wahlort zu registrieren und bei Umzug aus der Wählerliste streichen zu lassen. Mehrfachwahl ist eine Straftat (Class C Felony) und wird mit einer bis zu fünfjährigen Haftstrafe und/oder 10.000 US-Dollar Geldstrafe geahndet. Da viele Bundesstaaten aber nach 42 U.S.C. § 15483https://www.law.cornell.edu/uscode/text/42/15483 abgerufen am 10. Dezember 2013 eine gemeinsame, de facto zentralisierte Wählerkartei führen, empfehlen diese Bundesstaaten ihren Bürgern, sich zu jeder Wahl neu als Wähler zu registrieren, auch bei unveränderten Lebensverhältnissen; sie werden dann automatisch bei gegebenenfalls existierenden vorherigen „Wahlanschriften“ abgemeldet.
Viele Bundesstaaten binden die Wahlberechtigung an die Angabe der Social Security Number, obwohl diese Nummer eigentlich nicht als Karteischlüssel verwendet werden darf. Diese Bindung ist häufig in der Verfassung des Bundesstaates verankert, beispielsweise in Hawaii.Voter Registration. In: Hawaii.gov (englisch).
Regeln zu Personaldokumenten mini|links|
Nach Stand vom März 2012 haben die 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten unterschiedliche Anforderungen an den Nachweis der Wahlberechtigung. Diese lassen sich grob in die folgenden vier Kategorien einteilen:Alex Magnin: Here Are Registration + Voting Instructions For All 50 States. In: Thought Catalog, 19. September 2012. Siehe einen aktuellen Überblick bei Wendy Underhill: Voter Identification Requirements. In: National Conference of State Legislatures, 15. Mai 2018.
Ausweisdokument mit Lichtbild: Georgia, Kansas, Mississippi, Pennsylvania, Tennessee und Wisconsin; bis zu einem erwarteten Urteil des Obersten Gerichtes sind zudem in South Carolina und in Texas Ausweisdokumente ohne Lichtbild zulässig.
Ausweisdokument mit Lichtbild oder Alternative: Alabama, Florida, Hawaii, Louisiana. Als Alternative gelten beispielsweise die Beantwortung von persönlichen Fragen, eine eidesstattliche Erklärung oder spezielle Wahlberechtigungskarten (siehe Bild).
mini|Voter Identification Card der City of Troy, Oakland County im Bundesstaat Michigan
Ausweisdokument ohne Lichtbild: Alaska, Arizona, Arkansas, Colorado, Connecticut, Delaware, Kentucky, Missouri, Montana, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Rhode Island, Utah, Virginia und Washington. Was als entsprechendes Ausweisdokument zulässig ist, ist in den einzelnen Bundesstaaten, teilweise den einzelnen Counties, unterschiedlich. In South Carolina und Texas ist diese Form des Nachweises bis zu einem erwarteten Urteil des Obersten Gerichtes zulässig; gesetzlich sind dort Ausweisdokumente mit Lichtbild vorgesehen.
Kein Ausweisdokument: die verbleibenden 18 Bundesstaaten.
Die Ausweispflicht zur Wahl steht immer wieder in der Kritik, sie diene dazu, bestimmte gesellschaftliche Gruppen von der Wahl fernzuhalten. Verteidiger von strengen Identitätsprüfungen verweisen auf den notwendigen Schutz vor Wahlbetrug.
Amerikanische Astronauten, die sich gerade auf einer Mission befinden, können seit 1997 auch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, wenn sie ihren Wohnsitz in Texas haben. Die erste entsprechende Anfrage durch einen Weltraumreisenden hatte es erst 1996 gegeben. Die State Legislature von Texas und der damalige Gouverneur George W. Bush ermöglichten dies dann durch ein Gesetz. Der erste Astronaut, der bei einer Präsidentschaftswahl abstimmte, war Leroy Chu im Jahr 2004.
Passive Wahlberechtigung Wählbar ist jeder gebürtige US-Bürger, der mindestens 35 Jahre alt ist und ununterbrochen 14 Jahre seinen Wohnsitz in den USA hat. Als Bezugsdatum gilt der Tag der Amtseinführung.
Die Verfassung von 1787 sieht vor, dass nur diejenigen Personen zum Präsidenten wählbar sind, die „Natural born citizens“ der Vereinigten Staaten sind bzw. zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Verfassung schon Bürger waren. Die genaue Auslegung der Wortwahl „natural born“ wurde immer wieder diskutiert und ist nicht abschließend geklärt, da dies nie durch einen Verfassungszusatz oder einen Richterspruch des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten präzisiert wurde. Nach heutigem Verständnis wird oft als Kriterium genannt, dass jeder, der durch Geburt, also durch Abstammung von einem US-Bürger oder durch einen Geburtsort im Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten, US-Bürger wird, als „Natural born citizen“ betrachtet wird.
Weiterhin schränken zwei Verfassungszusätze das passive Wahlrecht ein.
Der 14. Zusatzartikel, der 1868 ratifiziert wurde, schließt ehemalige Offiziere, Beamte oder gewählte Amtsinhaber von öffentlichen Ämtern aus, wenn sie an einer Rebellion gegen die Vereinigten Staaten beteiligt waren oder ihre Feinde unterstützt hatten. Der Kongress hat das Recht, mit einer Zweidrittelmehrheit solche Bewerber trotzdem zuzulassen. 1898 wurden pauschal alle Personen wieder zugelassen, die bis dahin von der Ausschlussregel des 14. Zusatzartikels betroffen waren.caselaw.lp.findlaw.com zum 14. Verfassungszusatz, abgerufen am 2. Juli 2012
Der 22. Zusatzartikel schreibt seit 1951 vor, dass niemand mehr als zweimal zum Präsidenten gewählt werden darf, unabhängig davon, ob die Amtszeiten aufeinander folgen oder nicht. Ein Vizepräsident, der durch ein vorzeitiges Ausscheiden des Präsidenten in dieses Amt vorrückt, darf sich nur dann zweimal zur Wahl stellen, wenn von der Amtszeit des ursprünglichen Amtsträgers nicht mehr als zwei Jahre übrig sind. Harry S. Truman war von dieser Regelung als zum Zeitpunkt des Inkrafttretens amtierender Präsident ausgenommen. Er unternahm einen Versuch, eine dritte Amtszeit zu erlangen, zog sich aber schon früh aus dem Wahlkampf zurück. Lyndon B. Johnson (1963–1969) hätte im Jahr 1968 noch einmal kandidieren können, da er das Amt von John F. Kennedy nach dessen Ermordung übernahm und nur knapp ein Jahr und zwei Monate (22. November 1963–20. Januar 1965) dieser Amtszeit verblieben waren.
Ablauf mini|Vorderseite des Stimmzettels bei der Präsidentschaftswahl 2012 in Troy (Michigan) (Precinct 19) mini|Rückseite des Stimmzettels bei der Präsidentschaftswahl 2012 in Troy (Michigan) (Precinct 19)
Rechtlich wird der Ablauf der Präsidentschaftswahl durch den zweiten Artikel und den 12., 22. und 23. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geregelt. Dabei läuft die Wahl in drei Phasen ab:
Wahl des Electoral College Am Tag der Wahl geben die wahlberechtigten Bürger ihre Stimmen ab. Dabei wählen sie nicht direkt Kandidaten für die beiden Ämter, sondern geben ihre Stimme für die „Wahlleute“ genannten Mitglieder des Electoral College ab, welches aus 538 Mitgliedern besteht. Jedem Bundesstaat steht eine Anzahl von Wahlmännern zu, die seiner um zwei vergrößerten Abgeordnetenzahl im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten (variabel je nach Bevölkerungsgröße, mindestens aber einer) entspricht. Die jedem Staat zustehenden zusätzlichen zwei Wahlmänner entsprechen der Zahl seiner Senatoren (Mitglieder des Senats der Vereinigten Staaten). Dadurch erhält jeder Bundesstaat mindestens drei Wahlmänner. Da das Repräsentantenhaus immer 435 Abgeordnete hat und der Senat derzeit 100 Senatoren, ergibt dies 535 Wahlmänner aus den Staaten. Zusätzlich erhält die Bundeshauptstadt Washington, D.C., die sonst bei Wahlen auf Bundesebene nicht berücksichtigt wird, drei Wahlmänner. Dies wird gemäß dem 23. Verfassungszusatz festgelegt, laut dem der Bundesdistrikt so viele Wahlmänner erhält, wie er erhielte, wenn er ein Bundesstaat wäre, jedoch keinesfalls mehr als der bevölkerungsärmste Bundesstaat. Somit gilt die Mindestzahl von drei Wahlmännern. Das Ergebnis wären auch ohne diese Einschränkung drei Wahlmänner, weil Washington, D.C. etwa gleich viele Einwohner wie jeder der bevölkerungsärmsten Bundesstaaten hat.
In den meisten Bundesstaaten und im District of Columbia gilt das „Winner-take-all“-Prinzip. Danach werden die Wahlmänner von derjenigen Partei gestellt, deren Präsidentschaftskandidat die relative Mehrheit der Stimmen erhält. Bezüglich der zur Wahl stehenden Präsidentschaftskandidaten weicht das in den 50 verschieden großen Staaten fast jedes Mal nach dem Mehrheitswahlrecht gewonnene Wahlmänner-Verhältnis somit vom Stimmen-Verhältnis aller zusammengenommenen US-Bürger ab. Bei in etwa gleich viel Stimmen für zwei Kandidaten kann der Kandidat mit der bundesweit größten Wählerstimmen-Zahl dem Kandidaten mit weniger Wählerstimmen unterliegen, was in den Jahren 1876, 1888, 2000 und 2016 passierte.
Ausnahmen vom „Winner-take-all“-Prinzip machen die Bundesstaaten Maine und Nebraska. Hier werden zwei Wahlmännerstimmen an den Kandidaten, der die relative Mehrheit im ganzen Staat erhält, und die anderen Stimmen wie bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus vergeben. Letzteres heißt, dass in jedem Wahlkreis je ein Wahlmann mit relativer Mehrheit bestimmt wird.
Das „Winner-take-all“-Prinzip begünstigt das Zweiparteiensystem. Kandidaten, die nicht für eine der beiden großen Parteien antreten, haben geringe Aussichten, auch wenn sie einen erheblichen Teil der Stimmen gewinnen. Zuletzt war dies bei Ross Perot der Fall, der bei der Wahl 1992 18,9 % der Stimmen erhielt, aber keine Wahlmänner zugesprochen bekam. Eine nennenswerte Anzahl von Wahlmännern zu gewinnen, ist äußerst selten. Dies kam zuletzt im Jahr 1968 vor, als die Wahlmänner für George Wallace 8,4 % der 538 Wahlmänner ausmachten. Solche Kandidaten wirken oft als „Spoiler“, die ausschlaggebende Stimmen, die sonst für einen der Hauptkandidaten abgegeben würden, auf sich ziehen.