Ilbenstadt ist ein Ortsteil von Niddatal im Wetteraukreis in Hessen.

Geographie Ilbenstadt liegt in der Wetterau.

Geschichte Mittelalter und Frühe Neuzeit Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ilbenstadt erfolgte 818 unter dem Namen Eluistat im Lorscher Codex, nach dem das Kloster Lorsch eine Schenkung in Ilbenstadt erhielt.

Im Heiligen Römischen Reich gehörte das Dorf zum Freigericht Kaichen, das im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Burggrafschaft Friedberg kam. Als Teil des Freigerichts Kaichen fiel Ilbenstadt 1806 an das Großherzogtum Hessen.

In Ilbenstadt galt das Partikularrecht des Freigerichts Kaichen, die Friedberger Polizeiordnung. 1679 wurde sie erneuert und gedruckt. Damit ist sie zum ersten Mal schriftlich fassbar. Sie behandelte überwiegend Verwaltungs-, Polizei- und Ordnungsrecht. Insofern blieb für den weiten Bereich des Zivilrechts das Solmser Landrecht die Hauptrechtsquelle.Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 107, beiliegende Karte. Das Gemeine Recht galt darüber hinaus, wenn all diese Regelungen für einen Sachverhalt keine Bestimmungen enthielten. Diese Rechtslage blieb auch im 19. Jahrhundert geltendes Recht, nachdem Ilbenstadt an das Großherzogtum Hessen übergegangen war. Erst das Bürgerliche Gesetzbuch vom 1. Januar 1900, das einheitlich im ganzen Deutschen Reich galt, setzte dieses alte Partikularrecht außer Kraft.

Neuzeit 1613 und 1614 wüteten Großbrände in Ilbenstadt.Norbert Bewerunge: Großbrände in Ilbenstadt. In: Wetterauer Geschichtsblätter 68 (2023). S. 277–289

Der Räuber Johann Georg Gottschalk, auch der Schwarze Jung oder Veltens Heinrich genannt, stammte aus Ilbenstadt. Der Name seines Vaters sei Johann Goerg und der der Mutter Lies gewesen. Er war ein Mitglied der Wetterauer Bande. Ihm wurden 23 Verbrechen nachgewiesen. Am 14. September 1810 wurde er in Ulrichstein verhaftet. Belastet wurde er u. a. durch den berüchtigten Odenwälder Räuber Hölzerlips. Am 24. März 1813 wurde er mit Johann Justus Dietz aus Aßlar, Ludwig Funk aus Sellnrod und weiteren Mitgliedern der Wetterauer Bande, Johann Adam Frank, Conrad Anschuh, dem Heidenpeter und Johannes Borgener, zum Tode durch das Schwert verurteilt und in Gießen hingerichtet.Friedrich Ludwig Adolph Grolman: Actenmäßige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandenen Verbrecher. Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber. Mit einer Kupfertafel, welche die getreuen Bildnisse von 16 Haupt-Verbrechern darstellt. Gießen 1813, S. 66, 273 ff., 300 f., 563.

Im September 1966 wurde ein Bunker als Kommandozentrale für den Zivil- und Katastrophenschutz Frankfurts gebaut und am 5. Mai 1970 übergeben. Der Bunker liegt zwischen den Gemeinden Ilbenstadt und Kaichen, etwa 300 m außerhalb von Ilbenstadt. Der Bunker Ilbenstadt sollte für 30 Tage das Überleben ermöglichen.Bunker Ilbenstadt die Infoseite

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Dezember 1970 fusionierten die Stadt Assenheim und die bis dahin selbständigen Gemeinden Bönstadt und Ilbenstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Stadt Niddatal und mit ihr kam Bönstadt am 1. August 1972 zum Wetteraukreis. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ilbenstadt angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Burggrafschaft Friedberg, Grafschaft Kaichen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Leiningen, Herrschaft Ilbenstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Burggrafschaft Friedberg, Herrschaft Ilbenstadt (Souveränität beim Großherzog, aber Eigentum des Burggrafen bis zu dessen Ableben) ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Oberhessen, Herrschaft Ilbenstadt ab 1817: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Großkarben ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk VilbelTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großkarben) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Friedberg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Friedberg, Stadt Niddatal ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis, Stadt Niddatal

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ilbenstadt 2772 Einwohner. Darunter waren 186 (6,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 525 Einwohner unter 18 Jahren, 1209 zwischen 18 und 49, 594 zwischen 50 und 64 und 444 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1134 Haushalten. Davon waren 288 Singlehaushalte, 324 Paare ohne Kinder und 417 Paare mit Kindern, sowie 84 Alleinerziehende und 21 Wohngemeinschaften. In 171 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 804 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1668: 9 Herdstätten mit 52 Personen • 1770: 18 Haushaltungen • 1961: 329 evangelische (= 16,75 %), 1608 katholische (= 81,87 %) Einwohner

Religion In Ilbenstadt gibt es die katholische Pfarrgemeinde St. Maria, Petrus und Paulus und die evangelische Kirchengemeinde Ilbenstadt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant|Basilika Ilbenstadt

Bauwerke Das Kloster Ilbenstadt wurde von dem Grafen Gottfried von Cappenberg hier 1123 als ein Männer- und ein Frauenkloster (Ober- und Nieder-Ilbenstadt) gestiftet. Dieses Prämonstratenserkloster ist die älteste geistliche Niederlassung in der Wetterau. Der erste Propst war Antonius, ein Schüler des heiligen Norbert. 1657 wurde das Kloster zur Abtei. Einer Sage zufolge soll es zwischen dem Männer- und dem Frauenkloster einen unterirdischen Gang gegeben haben. Das Kloster beherbergte von 1946 bis 1979 ein Erziehungsheim für Mädchen. Die alte Ilbenstädter Abtei- und heutige Pfarrkirche St. Maria, Petrus und Paulus wird auch Dom der Wetterau genannt. Sie wurde 1929 von Papst Pius XI. zur Basilica minor erhoben. Der im Jahre 1721 erbaute Gottfriedsbogen Atomschutz-Bunker Ilbenstadt (zu besichtigen), 300 m außerhalb des Ortes in Richtung Kaichen Früher, das heißt zumindest 2004, gab es die Borgward-Sammlung. Dort waren 12 Autos von Borgward und einige Motorräder ausgestellt.Norbert Bauer: Automuseen und Sammlungen in Europa. Ein Führer durch Historie, Kultur, Design und Technik des Automobils. München 2004, Eintrag D46.

Vereine Betreuungsschule Schatzinsel e. V. VfR 1920 Ilbenstadt e. V. Freiwillige Feuerwehr Ilbenstadt e.V. Tischtennis Club Ilbenstadt 1976 e. V. Turnverein „Vorwärts“ 1910 Ilbenstadt e. V. Bunker Ilbenstadt e. V.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Im Ort treffen sich die Landesstraße 3351 und die Bundesstraße 45.

Kindergarten Katholischer Kindergarten „Sankt Peter und Paul“ Ilbenstadt

Städtischer Kindergarten "Kleine Weltentdecker" Ilbenstadt

Literatur

Norbert Bewerunge: Großbrände in Ilbenstadt. In: Wetterauer Geschichtsblätter 68, 2023, S. 277–289. Dieter Wolf: Ein Fachwerkhaus des ausgehenden 15. Jahrhunderts in Ilbenstadt. In: Wetterauer Geschichtsblätter. 68, 2023. S. 291–295.

Weblinks

Geschichte Ilbenstadts In: Webauftritt der Stadt Niddatal.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohnerzahlen , ,

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