Oldenburg (Oldb) Hauptbahnhof (kurz Oldenburg (Oldb) Hbf) ist der Hauptbahnhof der niedersächsischen Großstadt Oldenburg (Oldb).
Es handelt sich um einen Durchgangsbahnhof, der über sieben Bahnsteiggleise verfügt. Das große Empfangsgebäude wurde im Stil der Reformarchitektur errichtet. Oldenburg (Oldb) Hbf wird von DB InfraGO als Bahnhof der Kategorie 2 eingestuft. Er ist der einzige Bahnhof in Niedersachsen mit einer Bahnhofshalle. Täglich verkehren in Oldenburg (Oldb) Hbf ca. 20.000 bis 25.000 Reisende und rund 350 Züge des Nah- und Fernverkehrs. Zusätzlich passieren 5000 Reisende den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) Oldenburg, der sich an der Nordseite des Bahnhofes befindet.
Oldenburg (Oldb) Hbf ist eine von zwei Zugangsstellen für Personenverkehr im Stadtgebiet. Nach der sukzessiven Stilllegung anderer Haltepunkte und Bahnhöfe, zuletzt 1979 in den Stadtteilen Ofenerdiek und Osternburg, bis zur Eröffnung eines neuen Haltepunktes 2015 in Wechloy war er die einzige. nwzonline.de.
Geschichte mini|Alter Centralbahnhof im Jahr 1885 mini|Vorplatz und Empfangsgebäude Oldenburg Hauptbahnhof 1930 mini|Bahnhofshalle und Empfangsgebäude mit Dieseltriebwagen der Baureihe 624 im Jahr 1995 mini|Nahverkehr in Oldenburg 2002 mit Dieseltriebwagen der Baureihe 648
Bau der ersten Strecken In der Hauptstadt des Großherzogtums Oldenburg begann der Eisenbahnverkehr mit der Strecke von Oldenburg über Delmenhorst nach Bremen der Oldenburgischen Staatsbahn am 15. Juli 1867.
Ebenfalls im Jahre 1867 wurde am 3. September die durch die Preußischen Staatseisenbahnen finanzierte Verbindung von Oldenburg nach Heppens, dem späteren Wilhelmshaven, gebaut. Der Verkehr wurde von der Oldenburgischen Staatsbahn betrieben, welche 1913 Preußen die Strecke abkaufte, was zu enormen Belastungen des Staatshaushalts führte. In den Jahren zwischen 1898 und 1908 wurde dieser Abschnitt zweigleisig ausgebaut.
Zwei Jahre später, am 15. Juni 1869, folgte die Bahnstrecke Oldenburg–Leer.
Wiederum von der Oldenburgischen Staatsbahn wurde am 15. Oktober 1875 die Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück eröffnet. Von ihr zweigte in Ahlhorn 1885 die Bahnstrecke Ahlhorn–Vechta ab. Die Bahnstrecke Oldenburg–Brake Oldenburg über Ohmstede und Etzhorn nach Brake wurde 1896 in Betrieb genommen. Diese Nebenbahn war wegen des moorigen Untergrundes als Gummibahn bekannt.
Planung und Bau der Oldenburger Bahnhöfe Der erste Oldenburger Bahnhof wurde am heutigen Cäcilienplatz geplant. 1868 stellte sich jedoch heraus, dass der geplante Bau für die gewachsenen Ansprüche zu klein sein würde. Daher wurde das Projekt nie realisiert. Stattdessen diente ein umgebauter hölzerner Güterschuppen den Bewohnern der Residenzstadt für zwölf Jahre als provisorischer Bahnhof.
Am 21. Mai 1879 wurde schließlich mit dem Centralbahnhof der erste „richtige“ Personenbahnhof Oldenburgs eingeweiht. Er befand sich auf dem Lehmplacken in der Nähe des Pferdemarktes, welcher auch der Standort des heutigen Bahnhofs ist. Entworfen wurde der neogotische Bau durch den bekannten Architekten Conrad Wilhelm Hase. Er galt als einer der größten romantischen Bahnhofsbauten in Deutschland. In unmittelbarer Nähe befanden sich an die Anlagen des Hafens Oldenburg angeschlossene Schuppen zur Lagerung von Torf, mit der einige Lokomotiven betrieben wurden.Großherzogliche Eisenbahn-Direction (Hrsg.): (PDF; 13,3 MiB), S. 38.
Nachdem der Neubau des Bahnhofs in seiner heutigen Form beschlossen war, richtete man zunächst wieder einen provisorischen Bahnhof ein, der eher den Charakter eines Provinzbahnhofs hatte.
Der heutige Oldenburger Hauptbahnhof wurde nach vierjähriger Bauzeit am 3. August 1915 eingeweiht, nachdem er bereits am 1. August der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war. Aufgrund des Ersten Weltkriegs fand die Einweihung ohne große Feierlichkeiten statt. Großherzog Friedrich August besuchte den Bahnhof zusammen mit seinen Töchtern erst am 4. August.
Das repräsentative Empfangsgebäude wurde nach Entwurf des Architekten und preußischen Eisenbahn-Baubeamten Friedrich Mettegang errichtet, es lässt sich in die zeitgenössische Reformarchitektur einordnen, zeigt aber in den Einzelheiten auch Einflüsse der Heimatschutzarchitektur und des Jugendstils. Für die großherzogliche Familie und fürstliche Staatsgäste war ein separates Gebäude, die sogenannte Fürstenhalle, als Aufenthaltsraum vorgesehen. Im Zuge des Neubaus wurden die Gleise um rund 3,25 m angehoben. Das Empfangsgebäude wurde an den Rand der Gleisanlagen gelegt, da geplant war, den Bahnhof zu einem Durchgangsbahnhof umzubauen. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Reisende, die über Oldenburg hinaus wollten, dort auch umsteigen. Das Hauptportal wurde in die Mittelachse des Hauptplatzes gelegt. Auf der rechten Seite des Gebäudes wurden die Fahrkartenschalter und die Gepäckabfertigung angeordnet, auf der linken Seite befanden sich die Wartesäle für die I. bis IV. Klasse. Neben dem Personentunnel für die Fahrgäste gab es noch einen separaten Post- und Gepäcktunnel mit Aufzügen zu den Bahnsteigen. Der Tarif für die Bahnsteigkarten betrug zu diesem Zeitpunkt 30 Pfennig pro Person.
Am 11. November 1938, zwei Tage nach der Reichspogromnacht und der Zerstörung der Alten Synagoge in Oldenburg wurden etwa 980 jüdische Menschen aus dem Oldenburger Land zum Hauptbahnhof getrieben und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 21. April 1945 wurde der Hauptbahnhof bei einem Luftangriff auf Oldenburg schwer beschädigt.
Im Laufe der 1960er Jahre entschloss man sich die reichen Ausmalungen aus der Bauzeit des Bahnhofs zu übermalen und den aufwändig gestalteten Kandelaber abzunehmen. Jener wurde, auch unter Protest, nicht eingelagert, sondern während der Renovierungsarbeiten zerstört.
1961 wurde der Personenverkehr auf der Gummibahn nach Brake eingestellt. Im Laufe der folgenden Jahre ging auch der Güterverkehr in Richtung Brake weiter zurück und das Gleis wurde teilweise zurückgebaut. 1998 wurde das letzte Teilstück zwischen dem Hauptbahnhof und Oldenburg-Ohmstede stillgelegt, so dass die Strecke heute langsam zuwächst und unbefahrbar ist.
Modernisierung und Regionalisierung mini|Nordeingang und ZOB wurden 1996–2000 errichtet mini|Zur Verbesserung der Verkehrssituation um den Hauptbahnhof entstand 1996–2000 der Tunnel Straßburger Straße
Im Laufe des Jahres 1992 elektrifizierte die Deutsche Bundesbahn die Strecke Oldenburg–Leer.
Durch das Regionalisierungsgesetz als ein Pfeiler der Bahnreform 1994 wurde der schienengebundene Personennahverkehr Sache der Bundesländer. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen ist seit 1996 gemäß dem Bestellerprinzip für die Planung und Beauftragung der Verkehrsleistungen zuständig.
Mit finanzieller Beteiligung des Landes Niedersachsen modernisierte die Deutsche Bahn die Bahnstrecke Oldenburg–Wilhelmshaven und die Bahnstrecke Oldenburg–Osnabrück. Bis 2000 verkehrte DB Regio auf diesen Strecken mit Dieseltriebwagen der Baureihe 624. Am 5. November 2000 übernahm die NordWestBahn den Verkehr auf den als „Teilnetz Weser-Ems“ betitelten Strecken. Dieseltriebwagen vom Typ LINT 41, die mit Landesmitteln gefördert wurden, prägten fortan das Bahnhofsbild in Oldenburg.
Nachdem die Deutsche Bahn die bis 1995 vom Bahnbetriebswerk Oldenburg Hbf genutzten Flächen auf der Nordseite des Personenbahnhofs freigegeben hatte, wurde 1996 bis 2000 das mit 37 Millionen DM von der Landesnahverkehrsgesellschaft geförderte städtebauliche Projekt Oldenburger Stern umgesetzt. Dabei erfolgte eine nordwärtigen Öffnung des Hauptbahnhofs. Der Personentunnel im Bahnhof wurde um 23 Meter zu einem neuen Eingangsbereich auf der Nordseite verlängert. Ein neu angelegter Zentraler Omnibusbahnhof ZOB dient seit dem Jahr 2000 dem innerstädtischen und regionalen Busverkehr. Um durchgängige Verkehrsbeziehungen zwischen Nord- und Südseite herzustellen, wurde im Zuge der Straßburger Straße ein Tunnel für Straßen-, Rad- und Fußverkehr gebaut, der mit beidseitigen Rampen rund 200 Meter lang ist und zehn Gleise überführt.
mini|Mittelbahnsteig mit aus Doppelstockwagen gebildetem Regionalexpress der DB Regio nach Norddeich (2014) mini|Regionalexpress aus Dieseltriebwagen der NordWestBahn, rechts provisorische Bahnsteigüberdachung, hinten Agravis-Kraftfutterwerk im Hafen (2024)
Arbeiten und Verkehr ab den 2000er Jahren 2005 wurden das Empfangsgebäude sowie die Bahnsteiganlagen saniert. Unter anderem wurden alle Bahnsteige mit Aufzügen, elektronischen Fahrtanzeigern sowie einer tastbaren Pflasterung ausgestattet.
Ab Dezember 2002 setzte die DB Regio Doppelstockwagen für den Regional-Express zwischen Norddeich Mole und Hannover Hauptbahnhof ein. Nach der im Dezember 2010 vorgenommenen Eröffnung der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen mit der NordWestBahn als Betreiber verkehrten zwischen Bremen und Oldenburg Elektrotriebwagen vom Typ Coradia Continental in drei- und fünfteiliger Ausführung. Die S-Bahnen fahren, anders als die vorherigen Nahverkehrszüge, seit 2010 über Oldenburg hinaus bis nach Bad Zwischenahn und seit 2022 bis nach Wilhelmshaven.
Ende 2013 wurden die IC-Züge zwischen Bremen und Norddeich Mole für die zuschlagfreie Nutzung mit allen Fahrausweisen des Nahverkehrs freigegeben und der Takt auf einen Zwei-Stunden-Takt bis Emden erhöht. Zusammen mit den RE ergibt sich ein angenäherter Stundentakt. (PDF; 274 KiB)
Am 14. Juni 2015 wurde ein Haltepunkt für die Regio-S-Bahn in der Nähe der Carl-von-Ossietzky-Universität im Stadtteil Wechloy eröffnet.
Die Deutsche Bahn baute die zuvor abschnittweise eingleisige Strecke Oldenburg–Wilhelmshaven für den Verkehr zum 2012 eröffneten Jade-Weser-Port bis 2014 durchgehend zweigleisig aus, elektrifizierte sie bis 2022 und beseitigte bestimmte schienengleiche Bahnübergänge. Die Fertigstellung verzögerte sich mehrfach.
In den 2020er Jahren finden Erneuerungsarbeiten an Bauten und Umfeld des Bahnhofs statt.
Betrieb mini|Hausbahnsteig an Gleis 1, Durchfahrgleis 2, ICE in Gleishalle auf Gleis 3 (2013) mini|hochkant=2|Früheres Liniennetz rund um Oldenburg
Gleisaufteilung Der Bahnhof verfügt über einen Hausbahnsteig an Gleis 1 sowie über drei Mittelbahnsteige an den Gleisen 3/4, 5/6, und 7/8. Die Gleise 2, 9 und 10 haben keine Bahnsteige.
Fernverkehr Der Schienenpersonenfernverkehr in Oldenburg wird vor allem vom Intercity nach Leipzig durchgeführt. Des Weiteren beginnen bzw. enden in Oldenburg einzelne Intercity-Express-Züge jeweils in Tagesrandlage. (Stand: Jahresfahrplan 2026)
Linie Linienverlauf Takt Oldenburg – Bremen – Hannover – Berlin Südkreuz einzelnes Zugpaar Oldenburg – Bremen – Hannover – Frankfurt (Main) – Karlsruhe einzelnes Zugpaar Norddeich Mole – Emden – Oldenburg – Bremen – Hannover – Magdeburg – Halle – Leipzig Zweistundentakt Emden – Oldenburg – Bremen – Hannover – Magdeburg – Potsdam – Berlin (– Cottbus) einzelne Züge
Alle Intercitys sind westlich von Bremen zu Nahverkehrstarifen, darunter auch dem Deutschlandticket, nutzbar.
Nahverkehr Im Schienenpersonennahverkehr bedienen mehrere Regional-Express-Linien und Linien der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen den Bahnhof. (Stand: Jahresfahrplan 2026)
Linie Linienverlauf Takt Betreiber Fahrzeugmaterial Anmerkung Baureihe 146.1/2 + 7 Doppelstockwagen (Dosto97, Dosto00, Dosto10) RE 18 Osnabrück Hbf – Bramsche – Cloppenburg – Oldenburg (Oldb) Hbf – Varel (Oldb) – Wilhelmshaven 60 min NordWestBahn Alstom Coradia LINT41 Mo–Fr Taktverdichter in der HVZ Stadler Flirt 3XL, Alstom Coradia Continental Stadler Flirt 3XL, Alstom Coradia Continental Stadler Flirt 3XL, Alstom Coradia Continental
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