mini|Volker Ludwig in der Garderobe des GRIPS Theaters, 2017 Volker Ludwig, eigentlich Eckart Hachfeld, (* 13. Juni 1937 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Dramatiker und Theaterleiter. Er ist der Sohn des Schriftstellers Eckart Hachfeld und der ältere Bruder des Karikaturisten Rainer Hachfeld. Zusammen mit seinem Bruder entstand das erste Kindertheater-Stück Stokkerlok und Millipilli. Seitdem gilt Volker Ludwig als Begründer des modernen Kindertheaters. Zuvor hatte es in Westdeutschland kein eigenes Theater für Kinder gegeben. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Kabarett Hachfeld wuchs ab 1939 in Erfurt (Thüringen) auf, 1948 zog die Mutter mit ihren drei Söhnen nach Hamburg, wo sie sich jedoch nicht wohlfühlten. Als Wolfgang Neuss, den sein Vater entdeckt hatte, mit einer Reihe von weiteren Kabarettisten nach Berlin ging, zog er mit seiner Familie nach.Julia Prosinger und Wolfgang Prosinger: „Sie nannten mich Stalinist, Maoist und Kinderschänder“. In: Der Tagesspiegel, 28. April 2016, Interview mit Volker Ludwig. Von 1953 an lebte die Familie in West-Berlin, dort hatte ihnen die Atmosphäre auf Anhieb gefallen. Durch die Lektüre von Erich Kästner war ihnen Berlin schon etwas vertraut. Sein Abitur machte er auf dem humanistischen und damals „stockreaktionären“ Gymnasium Steglitz.

mini|hochkant|Volker Ludwig, 1968 Mit 19 Jahren legte er sich das Pseudonym Volker Ludwig zu (Volker hieß ein Vetter, und Ludwig bezieht sich auf seinen Geburtsort Ludwigshafen).Rüdiger Schaper: Gutes Theater ist immer links. In: Der Tagesspiegel, 13. Juni 2007, Interview. Damit wollte er eine Verwechslung mit seinem gleichnamigen Vater Eckart Hachfeld vermeiden, da dieser ein erfolgreicher Autor gewesen war.vgl. abgeschminkt: Volker Ludwig. In: ZDFtheaterkanal, 5. Dezember 2008.

Von 1957 bis 1960 studierte er Germanistik und Kunstgeschichte in Berlin und München, brach jedoch ab, da ihm eine wissenschaftliche Tätigkeit nicht gefiel. Seit 1959 schrieb er für Die Stachelschweine, für das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, für die Lach- und Schießgesellschaft und für Wolfgang Neuss. Seit 1962 ist er freier Schriftsteller und von 1965 bis 1971 war er Leiter des von ihm gegründeten Reichskabarett in der Berliner Ludwigkirchstraße. Dieses verstand sich als Teil der außerparlamentarischen Opposition. Neben Dieter Kursawe, Detlef Michel und Volker Kühn gehörte Volker Ludwig zu dessen Hauptautoren.

Kindertheater mini|links|GRIPS Theater am Hansaplatz Angeregt durch die APO-Kinderläden gründete Ludwig 1969 ein emanzipatorisches Theater für Kinder. Ab 1972 wurde es unter dem Namen GRIPS Theater bekannt. Es entwickelte sich zum wichtigsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheater. Auf dem Programm standen ausschließlich Eigenproduktionen, die in fast 40 Sprachen übersetzt wurden. Die 1986 uraufgeführte musikalische Revue Linie 1 unter der Regie von Wolfgang Kolneder wurde zu einem der größten Erfolge des Grips-Theaters, von zahlreichen bundesdeutschen Theatern nachgespielt und von Reinhard Hauff verfilmt.

mini|Szene aus der Musikrevue Linie 1 (2024)

Am 22. Juni 2010 gab Ludwig das Ende seiner Tätigkeit als künstlerischer Leiter mit Beginn der Spielzeit 2011/2012 bekannt, sein Nachfolger wurde Stefan Fischer-Fels. Er bleibt jedoch weiterhin als Geschäftsführer tätig.Rüdiger Schaper: Neue Leitung für das Grips-Theater. In: Der Tagesspiegel, 23. Juni 2010. Wegen zu großer unterschiedlicher Ansichten über den Grips-Spielplan verlängerte Ludwig den Vertrag von Stefan Fischer-Fels 2015 nicht mehr und berief ab der Saison 2016/17 den hausinternen Theaterpädagogen Philipp Harpain als neuen künstlerischen Leiter des Kindertheaters.Patrick Wildermann: Grips-Theater. Die Mutmacherbande. In: Der Tagesspiegel, 24. März 2015, Interview mit Philipp Harpain und Volker Ludwig.

Zu seinem 80. Geburtstag 2017 schrieb Deutschlandfunk Kultur Ludwig habe Stücke geschrieben, "die das Kinder-und Jugendtheater in Deutschland erneuerten und emanzipierten". Aus Anlass dieses Geburtstags zog sich Ludwig am Ende der Spielsaison 2017 auch aus der Geschäftsführung zurück und übergab die Verantwortung an Harpain. Der Theaterkritiker Rüdiger Schaper würdigte ihn zum Abschied mit den Worten: „Berlin hat einiges an Welttheater hervorgebracht. Volker Ludwig und das Grips gehören dazu. [...] Ein Wunder. Was für ein Glück, das miterlebt zu haben.“Rüdiger Schaper: Zum 80. von Volker Ludwig. Das Wunder vom Hansaplatz. In: Tagesspiegel, 12. Juni 2017.

Volker Ludwig übersetzte auch zahlreiche Lieder der Sesamstraße ins Deutsche.

Kritik an Kulturfinanzierung Ludwig äußerte sich 2024 öffentlich über die unzureichende Finanzierung des Kultursektors in Berlin, insbesondere unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner.

Auszeichnungen 1969: Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin für Stokkerkok und Millipilli 1971: Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin für Balle, Malle, Hupe und Artur 1975: Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin für Das hältste ja im Kopf nicht aus (Regie: Wolfgang Kolneder) und 1976 Einladung zum Berliner Theatertreffen 1982: Deutscher Kritikerpreis 1987: Mülheimer Dramatikerpreis 1989: Heinz-Bolten-Baeckers-Preis der GEMA 1990: Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin für Himmel, Erde, Luft und Meer 1992: Silbernes Blatt der Dramatiker Union 1994: Carl-von-Ossietzky-Medaille 2000: Bundesverdienstkreuz 2007: Verdienstorden des Landes Berlin 2008: Der Faust-Theaterpreis für Ludwigs LebenswerkPresse-Mitteilung: Dritte Verleihung Deutscher Theaterpreis DER FAUST. Von: Deutscher Bühnenverein, 11. September 2008, (nach unten scrollen).   dpa: . In: Ruhrnachrichten, 30. November 2008. 2013: Deutscher Schauspielerpreis (Ehrenpreis für eine Persönlichkeit, die durch ihr Wirken in besonderer Weise die Kreativität der Schauspieler ermöglicht und gefördert hat.) 2015: Alice Salomon Poetik PreisSandra Teuffel: Volker Ludwig erhält Alice Salomon Poetik Preis 2015. In: Alice Salomon Hochschule Berlin, 26. Januar 2015. 2019: Pfalzpreis für Literatur, für sein Lebenswerkchr: Pfalzpreis fürs Lebenswerk an Volker Ludwig. In: nachtkritik.de vom 15. August 2019, abgerufen am 16. August 2019.Frank Pommer: Pfalzpreis für Literatur: Volker Ludwig für Lebenswerk ausgezeichnet. In: Rheinpfalz, 8. August 2019.

Literatur Wolfgang Kolneder (Hrsg.): Das Grips-Theater. Geschichte und Geschichten. Erfahrungen und Gespräche aus einem Kinder- und Jugendtheater. Wagenbach Verlag, Berlin 1979. Wolfgang Kolneder, Stefan Fischer-Fels: Das Grips-Theater-Buch. Geschichten. Edition Hentrich, Berlin 1994, ISBN 3-89468-106-3. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon: Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Deutscher Taschenbuch Verlag (DTV), München 1995, ISBN 3-423-03322-3. Birger Heymann, Volker Ludwig: Das Grips-Liederbuch. Alexander Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-89581-040-1; mit Zeichnungen von Rainer Hachfeld. Stefan Fischer-Fels (Hrsg.): Volker Ludwig. Linie 1 und Linie 2 – Der Alptraum. Theater der Zeit, Berlin 2011, ISBN 978-3-942449-11-3.

Film abgeschminkt: Volker Ludwig. Fernseh-Portrait, Deutschland, 2008, 20 Min., Buch und Regie: Johanna Schickentanz, Produktion: ZDFtheaterkanal, Reihe: abgeschminkt, Erstsendung: 5. Dezember 2008 bei ZDFtheaterkanal, Inhaltsangabe von fernsehserien.de.

Weblinks

Kirsten Küppers: Der Patriarch vom Hansaplatz. In: taz, 13. Juni 2007 Axel Prahl: Volker hört die Signale. Dem Gripstheater-Gründer Volker Ludwig zum 70. Geburtstag. In: Berliner Zeitung, 13. Juni 2007

Interviews

Julia und Wolfgang Prosinger: Volker Ludwig über Berlins „Linie 1“. In: Der Tagesspiegel, 28. April 2016, mit Bilderstrecke Rüdiger Schaper: Gutes Theater ist immer links. In: Der Tagesspiegel, 13. Juni 2007

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Theaterintendant Kategorie:Schriftsteller (Berlin) Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Träger der Carl-von-Ossietzky-Medaille Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Berlin Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes Kategorie:Wikipedia:Träger des Bundesverdienstkreuzes (Ausprägung ungeklärt) Kategorie:Mitglied der Akademie der Künste (Berlin) Kategorie:Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1937 Kategorie:Mann