Die Felsenblümchen (Draba), wenige werden Hungerblümchen genannt, bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Die 350 bis 402 Arten sind in Eurasien, im nordwestlichen Afrika, von Nordamerika bis Mexiko und über die Anden bis Patagonien weitverbreitet; die meisten Arten kommen auf der Nordhalbkugel vor. Die meisten Arten gedeihen in der subarktischen bis arktischen und/oder subalpinen bis alpinen Flora.

Beschreibung mini|links|Illustration von A (links) Alpen-Felsenblümchen (Draba alpina) und B (rechts) Schnee-Felsenblümchen (Draba nivalis) mini|Illustration von A (links) Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna) und B (rechts) Norweger Felsenblümchen (Draba norvegica) mini|Illustration aus Atlas der Alpenflora des Immergrünen Felsenblümchen (Draba aizoides) mini|Illustration des Eis-Felsenblümchen (Draba dubia) aus Atlas der Alpenflora mini|Illustration aus The fur seals and fur-seal islands of the North Pacific Ocean von Draba grandis

Erscheinungsbild, Indument und Laubblätter Draba-Arten wachsen als selten ein-, zwei- bis mehrjährige oder meist ausdauernde krautige Pflanzen, manchmal verholzen die Stängel an ihrer Basis und selten sind es Halbsträucher. Die meist aufrechten bis aufsteigenden, selten liegenden bis niederliegenden Sprossachsen sind unverzweigt oder, meist im oberen Bereich, verzweigt.

Die Pflanzenteile sind kahl bis sehr unterschiedlich behaart: die Trichome können gestielt sein, sie sind einfach oder beispielsweise gegabelt, kreuzförmig, sternförmig und oft sind mehrere dieser Trichomformen an einer Art vorhanden.

Die Laubblätter stehen meist in grundständigen Rosetten und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet, manchmal ist der Stängel unbeblättert. Die Grundblätter sind meist gestielt, selten sitzend und ihre einfachen Blattspreiten besitzen einen glatten oder gezähnten, selten gelappten Blattrand. Wenn Stängelblätter vorhanden sind, dann sind sie gestielt oder sitzend und ihre einfachen Blattspreiten mit meist keilförmiger oder selten geöhrter Spreitenbasis besitzen einen glatten oder gezähnten Blattrand.

Blütenstände und Blüten Draba-Arten besitzen meist schirmtraubige Blütenstände, deren Blütenstandsachsen sich bis zur Fruchtreife verlängern können und sich so zu traubigen Blüten-/Fruchtständen entwickeln. Manchmal sind Tragblätter vorhanden. In den Blütenständen stehen einige bis viele Blüten zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier selten haltbaren, aufrechten bis aufsteigenden oder selten spreizenden Kelchblätter sind eiförmig oder länglich, selten elliptisch. Die Ränder der Kelchblätter sind meist häutig. Die vier meist gelben, weißen, selten rosa- bis purpurfarbenen oder orangefarbenen, selten roten Kronblätter sind verkehrt-eiförmig, spatelförmig, verkehrt-lanzettlich oder linealisch, selten kreisförmig oder länglich, sie sind undeutlich bis deutlich genagelt und das obere Ende ist stumpf, gerundet, eingekerbt oder selten tief-zweigeteilt. Die Kronblätter sind meist länger, selten kürzer als die Kelchblätter. Von den sechs Staubblättern sind vier länger und zwei kürzer. Die Staubfäden können an ihrer Basis verbreitert sein. Die Staubbeutel sind eiförmig oder länglich mit stumpfem oberen Ende. Die ein, zwei oder vier (da die mittleren fehlen können) Nektardrüsen stehen einzeln oder sind zusammenfließend. Der durch ein vollständiges, falsches Septum zweigeteilte Fruchtknoten enthält 4 bis 70 (selten bis zu 88) Samenanlagen. Der haltbare, zylindrische und bei einer Länge von 0,5 bis 17 Millimetern kaum bis deutlich erkennbare Griffel endet in einer kopfigen Narbe, die einfach ist oder etwas zweilappig.

Früchte und Samen Die dünnen Fruchtstiele sind aufrecht bis aufsteigend oder spreizend. Die kahlen Schoten oder meist Schötchen sind eiförmig, lanzettlich, elliptisch, länglich, linealisch, lanzettlich oder fast kreisförmig, flach oder manchmal spiralig gedreht. Die kahlen oder flaumig behaarten, papierartigen Fruchtklappen besitzen deutliche oder unscheinbare Mittel- und Seitennerven. Der Plazentar-Rahmen (Replum) ist gerundet. Das vollständig ausgebildete Septum ist häutig und durchscheinend. In der Frucht sind die Samen in zwei Reihen angeordnet. Bei Reife öffnen sich die Früchte und entlassen die Samen.

Die länglichen, ei- oder kreisförmigen Samen sind meist abgeflacht, bei Draba aleutica sowie Draba verna nur schwach abgeflacht, und meist ungeflügelt, aber bei Draba asterophora, Draba brachycarpa, Draba carnosula, Draba pterosperma geflügelt. Die winzig netzartige Samenschale (Testa) ist nicht verschleimt im nassen Zustand. Die Keimblätter (Kotyledonen) sind zurückgebogen.

Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahlen betragen x = 6 bis 12, am häufigsten 8. Der Ploidiegrad innerhalb der Gattung ist sehr unterschiedlich von diploid bis octadecaploid. Am häufigsten sind die untersuchten Arten mit 23 % aneuploid und am zweithäufigsten mit gut 20 % tetraploid.

Standorte und Gefährdung Draba-Arten gedeihen überwiegend in alpinen oder borealen Gebieten, selten wachsen sie in gemäßigten und tiefgelegenen Gebieten der Nordhalbkugel. Viele Felsenblümchen-Arten besiedeln offene, steinige Böden: Felsen, Felsspalten, Felsschutt oder lückige Trockenrasen.

Etwa 14 Draba-Arten sind in der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN aufgelistet. Nicht alle Staaten melden ihre Arten zur Liste der IUCN und es stehen viele weitere Draba-Arten in den Roten Listen der Heimat-Staaten. Beispielsweise sind in Japan neun weitere Arten gefährdet.

Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Draba wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 2, S. 642–643 aufgestellt. Der Gattungsname Draba leitet sich vom griechischen Wort drabe ab und bedeutet "scharf", "bitter" oder "brennend". Als Lektotypusart wurde Draba incana durch Mary Letitia Green in Bulletin of Miscellaneous Information, 1925, S. 51 festgelegt. Otto Eugen Schulz veröffentlichte 1927 eine Monographie der Gattung Draba: Cruciferae-Draba et Erophila. In: Heinrich Gustav Adolf Engler: Das Pflanzenreich: ..., Heft 89, IV, S. 105.

Synonyme für Draba sind: Aizodraba , Coelonema , Dolichostylis non , Drabella non , Drabopsis , Erophila , Holargidium , Leptonema non nec nec , Nesodraba , Odontocyclus , Pseudobraya , Schivereckia , Stenonema , Thylacodraba .

Arten und ihre Verbreitung Draba ist die artenreichste und taxonomisch schwierigste Gattung der Familie Brassicaceae. Es wurden über 950 Taxa und fast ein Viertel davon als infraspezifische Taxa veröffentlicht. Einige Arten wurden von manchen Autoren früher zu den Hungerblümchen (Erophila) gestellt. Von den meisten Autoren, wie Al-Shehbaz, werden jedoch seit mindestens 2010 alle Erophila-Arten in die Gattung Draba gestellt. So wird beispielsweise das Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna ) in der Flora of North America 2010 und bei Ingrid Jordon-Thaden 2010 als akzeptiert gewertet.

Die 350 bis 402 Draba-Arten sind hauptsächlich auf der Nordhalbkugel in Eurasien und Nordamerika sowie in Nordafrika verbreitet. Sie gedeihen besonders in arktischen, subarktischen, alpinen und subalpinen Regionen. Nur wenige Arten gedeihen in den tieferen Höhenstufen der gemäßigten Gebiete der Nordhalbkugel. Etwa 70 Arten kommen in Südamerika in den Anden von Kolumbien bis Patagonien vor. In Nordamerika gibt es etwa 121 Arten. In China gibt es etwa 48 Arten, 16 davon nur dort.

mini|Draba acaulis mini|Immergrünes Felsenblümchen (Draba aizoides) mini|Alpen-Felsenblümchen (Draba alpina) auf Spitzbergen mini|Habitus mit Blütenständen von Draba arabisans mini|Draba arctica mini|Draba aureola im Habitat mini|Draba bruniifolia mini|Draba bryoides mini|Draba cappadocica mini|Draba corymbosa mini|Draba cuspidata mini|Habitus mit Blütenständen von Draba dedeana im Habitat mini|Draba densifolia mini|Herbarbeleg des Eis-Felsenblümchen (Draba dubia) mini|Flattnitz-Felsenblümchen (Draba fladnizensis) mini|Schirmtraubiger Blütenstand von Draba glabella mini|Draba haradjianii im Habitat mini|Habitus von Draba hispanica mini|Blüten von Draba hispida mini|Draba imbricata mini|Habitus mit Früchten von Draba jaegeri im Habitat mini|Habitus mit Blüten von Draba japonica im Habitat mini|Blüten des Lappländischen Felsenblümchen (Draba lactea) mini|Draba lanceolata mini|Blüten des Karpaten-Felsenblümchen (Draba lasiocarpa) mini|Draba lemmonii mini|Habitus mit Blütenständen von Draba longisiliqua mini|Draba magellanica mini|Habitus und Laubblätter von Draba mollissima mini|Draba monoensis mini|Habitus mit Blütenständen des Hain-Felsenblümchen (Draba nemorosa) mini|Habitus mit Blütenständen des Schnee-Felsenblümchen (Draba nivalis) mini|Norweger Felsenblümchen (Draba norvegica) auf Spitzbergen mini|Draba oligosperma mini|Draba ossetica mini|Blüten von Draba polytricha mit vier gelben Kronblättern und sechs Staubblättern mini|Herbarbeleg von Draba praealta mini|Habitus mit Blütenständen Draba ramosissima im Habitat mini|Habitus mit Früchten von Draba ramulosa im Habitat mini|Blütenstand von der Seite von Draba rosularis mini|Draba sakuraii mini|Sauters Felsenblümchen (Draba sauteri) mini|Kärntner Felsenblümchen (Draba siliquosa) mini|Draba sphaeroides mini|Habitus mit Blütenständen des Sternhaar-Felsenblümchen (Draba stellata) mini|Ausschnitt eines Blütenstandes mit vierzähliger Blüte von Draba stenoloba mini|Draba subnivalis mini|Herbarbeleg des Filzigen Felsenblümchen (Draba tomentosa) mini|Frühlings-Hungerblümchen (Draba verna) mini|Draba yunnanensis Draba abajoensis (Syn.: Draba spectabilis var. glabrescens ): Sie wurde 2007 erstbeschrieben und gedeiht in Höhenlagen von 1900 bis 3800 Metern in den US-Bundesstaaten Arizona, New Mexico und Utah. Draba acaulis : Sie kommt nur in der Türkei vor. Draba affghanica (Syn.: Draba affghanica var. subtomentosa , Draba rostrata ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 3000 bis 5800 Metern in Afghanistan, Indien, Pakistan sowie Nepal. Immergrünes Felsenblümchen (Draba aizoides , Syn.: Draba affinis , Draba brachystemon ): Es gibt seit 1995 zwei Unterarten. Sie gedeiht in den Gebirgen Süd- und Mitteleuropas, von den Pyrenäen, dem Appennin und den Alpen bis zu den Karpaten. Es gibt Vorposten in Belgien und an der Küste von Wales. Fundorte gibt es in Spanien, Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Polen, in der Ukraine, in der Slowakei, in der Schweiz, in Italien, Wales, Kroatien, Slowenien und Rumänien. Draba alajica (Syn.: Draba alajica var. lasiocarpa , Draba alajica var. leiocarpa , Draba winterbottomii var. stracheyi ): Sie kommt im südwestlichen Tibet, Kirgisistan und in Tadschikistan vor. Draba albertii (Syn.: Draba junussovii ): Sie gedeiht in alpinen Regionen in Höhenlagen von 2500 bis 3500 Metern in Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan sowie Usbekistan. Draba albertina (Syn.: Draba crassifolia var. albertina , Draba crassifolia var. nevadensis , Draba deflexa , Draba nitida , Draba stenoloba var. nana , Draba stenoloba var. ramosa ): Sie gedeiht in Höhenlagen von 900 bis 3700 Metern im westlichen Nordamerika. Draba aleutica (Syn.: Draba behringii ): Sie kommt in Alaska und Russlands Fernen Osten vor. Alpen-Felsenblümchen (Draba alpina ): Es ist zirkumpolar in Grönland sowie Kanada verbreitet und kommt in Europa auf Spitzbergen, in Skandinavien und im nördlichen Russland vor, aber nicht in den Alpen. Draba alshehbazii : Sie wurde 2008 aus dem indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir erstbeschrieben.