SAP ERP (als Oberbegriff für die ERP-Systeme von SAP) ist die wesentliche Hauptproduktlinie des deutschen Software-Unternehmens SAP SE, die es seit 1993 vertreibt. ERP steht für Enterprise-Resource-Planning oder Unternehmens-Informationssystem, womit alle geschäftsrelevanten Bereiche eines Unternehmens im Zusammenhang betrachtet werden können.

Bis Dezember 2003 wurde das Produkt unter dem Namen SAP R/3 vermarktet, bis 2007 unter mySAP ERP. Die letzte angebotene R/3-Version heißt R/3 Enterprise 4.70 Extension Set 2.00. Nachfolger von R/3 war SAP ERP Central Component (SAP ECC) bzw. SAP ERP [Central Component (ECC)] 6.0 Enhancement Package 8. [Verwirrenderweise ist derzeit bei SAP teilweise auch die alternative Schreibweise Enterprise Core Component (ECC) zu finden.] Das neueste ERP-System von SAP heißt SAP S/4HANA. Support und Wartung für SAP ERP (SAP ECC) enden 2027.

Der Name SAP R/3 entstand aus der Konzeption als Client-Server-System (System, Anwendungen und Produkte), wobei das „R“ für („Echtzeit“) steht und die „3“ für die Programmgeneration, aus der ein R/3-System besteht (siehe unten). Der Vorgänger SAP R/2 war für den Betrieb auf Großrechner-Anlagen konzipiert. Dessen Vorgänger wurde ab 1972 entwickelt, das System R. SAP S/4HANA setzt sich aus den Teilen „HANA“ (HANA Datenbank), „S“ für simple (einfach) und „4“ für die vierte große ERP-Innovation zusammen.

Struktur SAP ECC unterscheidet sich von R/3 vor allem dadurch, dass es auf SAP NetWeaver aufbaut: integrale Bestandteile können in ABAP und in Java implementiert sein, und neue Funktionsbereiche werden häufig nicht mehr als Teil des bisherigen ERP-Systems (mit teils eng untereinander verknüpften Bestandteilen) erstellt, sondern als eigenständige Komponenten oder gar Systeme. Der ABAP-Teil der zentralen Komponente SAP ECC ist der technische Nachfolger des R/3 Enterprise 4.70 (einschließlich dessen Enterprise Extensions und Industry Solutions). Die Kernmodule von R/3 werden aber in ECC unverändert eingesetzt, welches auch ohne NetWeaver einsetzbar ist.

Es gibt die Releases mySAP ERP 2004 mit ECC 5.0, SAP Web AS 6.40 SAP ERP 6.0 (vorher mySAP ERP 2005) mit ECC 6.0, SAP Web AS 7.0

SAP ECC ist erhältlich unter einem eigenen Lizenzvertrag oder im Rahmen eines Vertrags über die SAP Business Suite. Seit 2006 wird die ERP-Anwendung ausschließlich durch Enhancement Packages (Erweiterungspakete) funktional erweitert – zusätzlich zur üblichen Wartung durch Support Packages. SAP hat mit den SAP Enhancement Packages ein Erweiterungskonzept geschaffen, das einerseits für Stabilität bei bestehenden Funktionen sorgt und andererseits einen vereinfachten und selektiven Zugang zu neuen Funktionen ermöglicht. Dabei ist durch den Einsatz der Switch-Framework-Technologie sichergestellt, dass es keine funktionalen Änderungen bei der Installation gibt.

Ab Mai 2011 war das SAP Enhancement Package 5 generell verfügbar. Der Ramp-up für Enhancement Package 5 begann im Dezember 2010. Das Enhancement Package 6 ging im November 2011 in die Ramp-up Phase.

Da R/3 im Wesentlichen in ECC aufgegangen ist, treffen die Aussagen im folgenden Text sowohl auf SAP R/3 als auch ECC zu.

Module SAP ECC erlaubt die EDV-gestützte Abwicklung einer Vielzahl der Aufgaben, die in einem typischen Wirtschaftsunternehmen anfallen. Der modulare Aufbau entspricht der in vielen Unternehmen üblichen Organisationsstruktur. Die Module sind jedoch nicht im informationstechnischen Sinne unabhängig (modular); vielmehr sind die Funktionen eng miteinander verzahnt (Funktionsintegration), und die Inbetriebnahme eines Moduls hat stets auch Auswirkungen in anderen Modulen. Die Module weisen allerdings eine hohe Komplexität auf, so dass für ihren Betrieb oft auf die einzelnen Module spezialisiertes Personal (sog. Modulbetreuer) eingesetzt werden muss.

Nach ECC-Systematik sind dabei den drei von ECC unterstützten betriebswirtschaftlichen Anwendungsbereichen Rechnungswesen (SAP ERP Financials), Logistik (SAP ERP Operations) sowie Personalwirtschaft (SAP ERP Human Capital Management) jeweils „Module“ zugeordnet, die mit einem eindeutigen Kürzel bezeichnet werden. Die Module wiederum lassen sich in „Komponenten“ unterteilen.

Mit ERP hat sich die Systematik gegenüber R/3 insofern geändert, als nun unterschieden wird zwischen: ECC (ERP Central Component) als R/3 Nachfolger mit den unten genannten Modulen Weitere Komponenten, die den Charakter von Branchenlösungen haben, darunter Media, Telecommunications, Utility, Insurance, Health Care, Oil and Gas oder Mining

Rechnungswesen () FI: Finanzwesen (englisch ) Rechnungswesen FI-GL: Hauptbuchhaltung (englisch ) FI-AP: Kreditorenbuchhaltung (englisch ) FI-AR: Debitorenbuchhaltung (englisch ) FI-BL: Bankbuchhaltung (englisch ) FI-AA: Anlagenbuchhaltung (englisch ) FI-CA: Vertragskontokorrent (englisch ) FI-LC: Konsolidierung (englisch ) FI-SL: Spezielle Ledger (englisch ) FI-TV: Reisemanagement (englisch ) CO: Controlling (Kostenrechnung) CO-OM: Gemeinkostenrechnung (englisch ) CO-PC: Produktkostenrechnung (englisch ) CO-OM-CEL: Kostenartenrechnung (englisch ) CO-OM-CCA: Kostenstellenrechnung (englisch ) CO-OM-OPA: Gemeinkostenaufträge und Projekte (englisch ) CO-OM-ABC: Prozesskostenrechnung (englisch ) CO-PA: Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (englisch ) EC-PCA: Unternehmenscontrolling, Profit Center Rechnung (englisch ) EC-CS: Unternehmenscontrolling, Konsolidierungssystem (englisch )

Der Applikationskern mit den Finanzmodulen FI und CO beinhaltet in SAP ECC einige neue Funktionen. Dazu zählen: das neue Hauptbuch (englisch ) ein Abstimmungstool für Intercompany-Geschäfte das Closing Cockpit FSCM Credit Management FSCM Dispute Management FSCM Collections Management FSCM Biller Direct

Im Detail gab es viele Erweiterungen in bekannten Bereichen wie z. B. der Anlagenbuchhaltung, wo der Abschreibungslauf und periodische Bestandsbucher bezüglich der Performance optimiert worden sind. Bei einem Wechsel sollen mit der Extension-Set-Technik Neuerungen von den Kunden einzeln eingeschaltet werden können. Gekapselte Neuerungen, wie z. B. das neue Hauptbuch, sind zwar technisch vorhanden, aber inaktiv. (Quelle: ISBN 3-89842-746-3, mySAP ERP Financials (SAP PRESS))

SEM: Unternehmenscontrolling () SEM-BCS: Business Consolidation SEM-BPS: Business Planning and Simulation SEM-CPM: Corporate Performance Monitor SEM-SRM: Stakeholder Relationship Management SEM-BIC: Business Information Collection EC: Unternehmenscontrolling (englisch Enterprise Controlling) (darunter EC-PCA Profit-Center-Rechnung) IM: Investitionsmanagement (englisch ) PSM: Haushaltsmanagement (englisch ) PS: Projektabwicklung (englisch ) RE: Immobilienmanagement (englisch ) TR: Finanzmanagement (englisch )

Personalwirtschaft () PA: Personalmanagement (englisch ) PB: Personalbeschaffung PT: Personalzeitwirtschaft (englisch ) PY: Personalabrechnung (englisch ) PE: Veranstaltungsmanagement (englisch ) PD: Personalentwicklung (englisch ) CP: Kostenplanung (englisch )

Logistik ()

MM: Materialwirtschaft (englisch ) Einkauf, Bestandsführung, Rechnungsprüfung, Inventur, Bewertung, Leistungsabwicklung, Materialstamm PP: Produktionsplanung und -steuerung (englisch ) darunter Bedarfsplanung MRP II; ergänzt ggf. durch das Zusatzprodukt Advanced Planner & Optimizer (APO) PM: Instandhaltung (englisch ) darunter Inspektion, Wartung, Instandsetzung, gemäß DIN 31051 SD: Vertrieb (englisch ) Auftragsverwaltung, Versand und Transport, Fakturierung, Kreditmanagement, Außenhandel/Zoll LE: Lagerverwaltung, Versand und Transport (englisch ) EHS: Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit () CS: Kundendienst (englisch ) QM: Qualitätsmanagement (englisch ) LO: Logistik Allgemein (englisch ) PLM: Product-Lifecycle-Management PS: Projektsystem (englisch ) AB: Agenturgeschäft (S/4HANA: Abrechnungsmanagement) (englisch ) WM: Lagerverwaltung (englisch ) TM: Transport Management (englisch Transportation Management) EWM: Lagerverwaltung (englisch Extended Warehouse Management)

Anwendungsübergreifende Module (englisch cross applications) IS: Branchenlösungen (s. u.) WF: Workflow

Branchenlösungen (englisch Industry solutions) Diese Module können durch Branchenlösungen ergänzt werden, die mit dem Präfix IS () gekennzeichnet werden, z. B.

IS-A () IS-AD () IS-AFS () IS-Banking () IS-BEV () IS-DFPS () IS-EC&O (Engineering, Construction & Operations) IS-FS () IS-H () IS-HER () IS-HMED () IS-M () IS-M/AM () IS-M/SD () IS-MP () IS-OIL () IS-PS () IS-R () IS-RE () IS-T () IS-U ()

Zielgruppe SAP ERP (SAP ECC 6.0) gilt als recht komplex und relativ teuer bei der Einführung, insbesondere durch die aufwendige individuelle Konfiguration und Anpassung (das sogenannte Customizing). Daher entscheiden sich hauptsächlich größere Unternehmen für SAP ERP. Mittlerweile wird SAP ECC durch SAP S/4HANA abgelöst. Um den unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmen an ein ERP entgegenzukommen, gibt es insgesamt drei ERP-Suiten der SAP: für kleine Unternehmen das ERP „SAP Business One“ für kleine und mittelständische Unternehmen das Cloud ERP „SAP Business ByDesign“ und für große Unternehmen das hier ausführlich beschriebene Enterprise ERP Viele Partner vertreiben bereits vorkonfigurierte Systeme, wodurch der Einführungsaufwand deutlich geringer werden soll.

Das SAP ECC-System ist grundsätzlich mandantenfähig, das heißt, es können mehrere Unternehmen mit weitgehend eigenständigen Einstellungen auf einem (physischen und/oder logischen) System verwaltet werden.

Für Klein- und Mittelbetriebe (SMB, ) stellt SAP eine Variante des ERP-Systems namens SAP Business ByDesign auf Mietbasis zur Verfügung. Für diese bietet SAP die Möglichkeit, den Server beziehungsweise die Wartung des Servers aus der eigenen Firma auszulagern, so dass diese kein eigenes Rechenzentrum betreiben müssen.

Architektur Client-Server-Architektur Das System verwendet eine dreigliedrige () Client-Server-Architektur, bestehend aus: Datenbank-Server Applikationsserver Präsentationsschicht auf Client-Seite

Durch diese Struktur ist es bei steigenden Anforderungen möglich, die Aufgaben auf weitere Maschinen zu verteilen und dadurch die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems zu erhöhen.

Datenbank Die verschiedenen SAP-Komponenten setzen eine eigene relationale SQL-Datenbank voraus, die nicht von dem Unternehmen selbst geliefert wird. SAP ERP und der SAP Web Application Server unterstützen neben der hauseigenen SAP MaxDB – eine von der Software AG übernommene Version von Adabas – gängige Produkte wie Db2, Informix, Microsoft SQL-Server sowie Oracle. Die aktuell unter einer Plattform unterstützten Kombinationen sind online in der (PAM) im Service-Marketplace dokumentiert.

Applikationsserver Die gesamte betriebswirtschaftliche Verarbeitung erfolgt im Applikationsserver durch spezielle Programme, die in der proprietären Programmiersprache ABAP/4 () geschrieben sind und durch Tools wie Data-Dictionary, Maskengenerator oder Query-Manager ergänzt werden.

Die Sprache wurde seit SAP R/2 (1979) laufend weiterentwickelt. In neueren Releaseständen ab dem Jahr 2000 kann teils auch in Java programmiert werden. Der ABAP-Quellcode ist ohne Zusatzlizenzen zugänglich, sodass an der ausgelieferten Standardsoftware Änderungen möglich sind bzw. diese als Vorlage für eigene Anwendungen herangezogen werden kann.

Die Programme werden innerhalb einer speziellen Laufzeitumgebung ausgeführt, die sich SAP „Kernel“ nennt.

Kernel