mini|Halbinsel-Feldzug von Ft. Monroe bis Seven Pines Der Halbinsel-Feldzug () von März bis Juli 1862 war ein Feldzug der Nordstaaten auf dem östlichen Kriegsschauplatz des Amerikanischen Bürgerkriegs. Sein Ziel war es, über die von James River, York River und Chesapeake Bay umgebene Virginia-Halbinsel im Südosten Virginias rasch nach Nordwesten vorzustoßen und die Hauptstadt der Konföderierten Richmond einzunehmen.
Um die Verteidigungsstellungen der Konföderierten im Norden Virginias zu umgehen, wurde die Potomac-Armee der Union unter Generalmajor McClellan per Schiff nach Fort Monroe am südöstlichen Ende der Halbinsel verlegt. Nach anfänglichen Erfolgen zwang eine Gegenoffensive der Südstaatenarmee unter General Lee die Unionstruppen zum Rückzug. Das Scheitern der Nordstaaten wenige Meilen vor Richmond beendete bei Politikern wie Militärs endgültig die Vorstellung von einem raschen Sieg und beschleunigte die Entwicklung des Konflikts zum „ersten modernen Krieg“.
Als mittelbare Folge änderten sich auch Charakter und Ziele des Krieges. Bis zum Halbinsel-Feldzug war die Wiederherstellung der Union in der Form von 1860 das offizielle Kriegsziel. Danach setzte sich zunehmend der Gedanke durch, dass das Ziel eine neue Union und die Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten sein müsse.
Vorgeschichte mini|hochkant|Generalmajor McClellan Nach der Niederlage der Union am 21. Juli 1861 in der Ersten Schlacht von Manassas übernahm Generalmajor McClellan am 27. Juli den Oberbefehl über die im Norden Virginias und rund um Washington stationierten Landstreitkräfte der Union. McClellan hatte im Westen Virginias mit überlegenen Kräften die ersten Erfolge für die Union errungen und zum ersten Mal sein überragendes Organisationstalent gezeigt. Im Herbst und im Winter lag sein Schwerpunkt in der Reorganisation der geschlagenen Army of Northeastern Virginia, der Vereinheitlichung und Modernisierung der Ausrüstung und der Ausbildung der Soldaten. Bei seinen Soldaten war der General, der eigene Verluste möglichst zu minimieren suchte, als „Little Mac“ außerordentlich beliebt. Als Mitglied der Demokratischen Partei war er jedoch vielen Politikern der regierenden Republikaner suspekt, und schon im Herbst mehrten sich die Stimmen, die McClellan vorwarfen, die reorganisierte Armee nicht in den Kampf zu führen.McPherson: S. 351–353
Ziel des Feldzugs Präsident Lincolns Order Nummer 1 vom 27. Januar 1862, sah vor, dass die Armeen der Union am 22. Februar auf allen Kriegsschauplätzen in die Offensive gehen sollten. Der Potomac-Armee befahl er, die Bedrohung der Hauptstadt durch die Nord-Virginia-Armee zu beenden, deren Versorgungslinien zwischen Manassas und den Blue Ridge Mountains zu unterbrechen und sie so zum Ausweichen nach Süden zu zwingen.
Operationsplan mini|hochkant|General JohnstonMcClellan hatte Bedenken, die Nord-Virginia-Armee General Johnstons, die nur 30 km südlich von Washington entlang des Bull Run in Stellung lag, anzugreifen, weil er befürchtete, sie sei seiner Potomac-Armee überlegen. Er hatte schon im Herbst des Vorjahres einen Operationsplan entwickelt, der womöglich aufgrund seiner Erfahrungen als Beobachter im Krimkrieg entstanden warKeegan: Der Amerikanische Bürgerkrieg. Rowohlt, Berlin 2010, S. 173f.. Dieser sah vor, die Armee von Annapolis in Maryland – der Potomac war durch die Konföderierten gesperrt – auf dem Seeweg nach Urbana in Virginia zu transportieren. Von dort aus, im Rücken der Nord-Virginia-Armee, plante er, Richmond einzunehmen. Lincoln zögerte, dem Plan zuzustimmen, da ein Angriff auf dem Landweg garantiert hätte, dass die gesamte Armee stets zwischen den konföderierten Truppen und Washington gestanden hätte.McPherson: S. 414. Trotz seiner Befürchtungen, die Hauptstadt militärisch zu entblößen, stimmte er dem ursprünglich so genannten Urbana-Plan schließlich zu, ordnete aber eine Organisationsänderung in der Potomac-Armee an, nach der vier der fünf neu geschaffenen Korps mit republikanischen Kommandierenden Generalen besetzt wurden. Vor der Realisierung des Feldzugsplans musste jedoch erst die Bedrohung der Transportschiffe durch das überlegene konföderierte Panzerschiff Virginia beseitigt werden.
Ausgangslage Nach dem Seegefecht von Hampton Roads zwischen den Panzerschiffen Virginia und Monitor machte Johnston den Plan McClellans zunichte. Er gab am 7. März die Stellungen am Bull Run auf und wich mit der Nord-Virginia-Armee nach Süden über den Rappahannock in den Raum um Culpeper, Virginia, aus. Am 11. März enthob Lincoln McClellan des Oberbefehls des US-Heeres, damit er sich auf die Führung der Potomac-Armee konzentrieren konnte. McClellan überarbeitete seinen Operationsplan, der jetzt vorsah, die Armee in Fort Monroe anzulanden, die Virginia-Halbinsel zu erobern und Richmond zu besetzen. Am 17. März schifften sich die ersten Truppenteile von insgesamt 121.500 Mann ein. Die restlichen Truppenteile der Potomac-Armee und die der Konföderation waren auf dem östlichen Kriegsschauplatz folgendermaßen verteilt:
Ort Truppenteil BefehlshaberStärkeUnionsüdlich Washington – Wehrbereich RappahannockI. KorpsGeneralmajor McDowell35.000Shenandoahtal – Wehrbereich ShenandoahV. KorpsGeneralmajor Banks25.000Konföderationbei Culpeper und FredericksburgNord-Virginia-ArmeeGeneral Johnston49.000Warwick River zwischen Yorktown und JamesMagruders DivisionGeneralmajor Magruder13.000ShenandoahtalJacksons DivisionGeneralmajor Jackson8.000Norfolk, VirginiaHugers DivisionGeneralmajor Huger9.000
Am 4. April war die Potomac-Armee ohne das I. Korps McDowells und das V. Korps Banks im Raum um Ft. Monroe versammelt. Diese beiden Korps wurden am gleichen Tag aus der Armee herausgelöst, in die Wehrbereiche Rappahannock und Shenandoah eingegliedert und dem Kriegsministerium direkt unterstellt.
Der Feldzug Die Belagerung von Yorktown und der konföderierte Rückzug Am 5. April begann McClellan mit der Potomac-Armee den Marsch auf Richmond. Noch am selben Tag traf er auf ersten hartnäckigen Widerstand der Konföderierten. Generalmajor Magruders „Halbinsel-Armee“ – eine Division mit 13.000 Mann – hatte Stellungen zwischen Yorktown und dem James entlang des Warwick Rivers bezogen. Wie bei seinem erfolgreichen Feldzug im westlichen Virginia überschätzte McClellan die Stärke der Konföderierten und entschloss sich, Yorktown zu belagern. Rund vier Wochen, bis Anfang Mai, benötigte McClellan, um Belagerungsgeschütze in Stellung zu bringen, während Johnston mit seinen Truppen aus dem Norden in den Süden Virginias eilte und Magruder verstärkte. Während dieser Zeit unternahm McClellan nur einen ernsthaften Versuch, in die Verteidigungsstellungen der Konföderierten einzubrechen.
Nach vorangegangener Artillerievorbereitung griff am Nachmittag des 16. April das 3. Vermont Regiment über den aufgestauten Warwick River beim Damm No. 1 an und brach in die vorderen Stellungen der Konföderierten ein. Da das Regiment keine Verstärkungen erhielt und die Munition beim Überqueren des Flusses nass geworden war, musste es wieder auf das östliche Ufer ausweichen. Ein zweiter Angriff schlug fehl. Am 30. April standen sich auf Seiten der Union 118.242 und auf Seiten der Konföderierten 55.633 Mann gegenüber. Am 3. Mai hatte McClellan schließlich alle Vorbereitungen für den Angriff abgeschlossen. Johnston wartete jedoch den Angriff nicht ab, sondern wich entgegen dem Befehl Präsident Davis’ mit allen Truppen auf vorbereitete Stellungen bei Williamsburg aus.
Die Potomac-Armee setzte scharf nach und stellte die Nachhut der Nord-Virginia-Armee bei Williamsburg. McClellan gelang es beinahe, die Konföderierten rechts zu überflügeln, denen es nur mit Mühe gelang, die Angriffe der Union abzuwehren. In der Nacht zum 6. Mai wich die Nord-Virginia-Armee erneut aus. McClellan meldete einen „grandiosen Sieg“ nach Washington, obwohl das Gefecht bestenfalls unentschieden ausgegangen war. Gleichzeitig forderte er das Kriegsministerium auf, McDowell und Banks das unverzügliche Vorrücken auf Richmond zu befehlen. Zudem hatte McClellan eine weitere amphibische Operation in die Wege geleitet. Er beabsichtigte, vier Divisionen den York aufwärts zu verschiffen, im Rücken der Nord-Virginia-Armee bei West Point zu entladen und sie von Richmond abzuschneiden. Franklins Division ging am Abend des 6. Mai bei Elthams Landing an Land, verblieb jedoch im Schutz des Feuers der Kanonenboote in der Nähe des Ufers. Johnston hatte von McClellans Absicht erfahren und seine Reserve unter Generalmajor Smith zur Sicherung des Marsches der Hauptkräfte nach dort abgestellt. Am 7. Mai griffen die Konföderierten Franklins Truppen an, und den Hauptkräften gelang es auszuweichen. Nach diesem Fehlschlag verzichtete McClellan auf amphibische Operationen dieser Größenordnung während des Feldzuges.
Kämpfe zu Wasser Auf der anderen Seite des James machte Johnstons Rückzug die Stadt Norfolk und mit ihr die Virginia, den Schrecken der US-Marine, unhaltbar. Nachdem am 9. Mai Unionstruppen ostwärts von Norfolk gelandet waren, räumte Generalmajor Hugers Division die Stadt und die Besatzung der Virginia zerstörte am 11. Mai ihr Schiff. Bereits am 7. Mai hatte McClellan gefordert, Kanonenboote den James aufwärts zu schicken und so seine linke Flanke zu entlasten. Lincoln befahl den Einsatz unter der Auflage, ihn nur durchzuführen, wenn er erfolgversprechend war. Diesen Erfolg hatte die Virginia bis zu ihrer Zerstörung unmöglich gemacht. Am 11. Mai machte sich eine US-Flottille, zu der unter anderem die Panzerschiffe Monitor und Galena gehörten, flussaufwärts auf den Weg, um Richmond auf dem Wasserweg anzugreifen. Der Angriff wurde am 15. Mai im Ersten Gefecht an Drewrys Bluff zurückgewiesen, wobei unter den konföderierten Kanonieren auch die Besatzung der Virginia war.
Vormarsch auf Richmond und Schlacht von Seven Pines McClellan nutzte sein bisher erfolgreiches Vorgehen bei Yorktown und Williamsburg zur erneuten Auseinandersetzung mit dem Präsidenten wegen dessen Änderung der Organisationsform seiner Armee. Am 9. Mai bat er den Kriegsminister um Erlaubnis, die Potomac-Armee reorganisieren zu dürfen. Zumindest wollte er „unfähige“ Kommandierende Generale absetzen dürfen. Er begründete das darüber hinaus damit, dass nur sein persönliches Eingreifen vor Williamsburg den Sieg gerettet hätte. Lincoln antwortete ihm darauf in einem persönlichen Schreiben, er habe keine Verbindungen mit den in Frage kommenden Generalen, ebenso wie McClellan nicht mit denen kommuniziere. McClellans Unterstützung im Senat und Repräsentantenhaus sinke von Tag zu Tag, aber wenn er sich für stark genug halte, dann solle er für den Erfolg der Armee alles tun. Am 8. Mai erhielt McClellan Nachrichten, dass die Kräfte vor Franklins Division zwischen 80.000–120.000 Mann stark seien und auf den Chickahominy auswichen. Er rückte deshalb und weil die Konföderierten sämtliche Brücken über den Fluss zerstört hatten, nur zögerlich nach Westen vor. Am 17. Mai erhielt McDowell den Auftrag, mit 35.000 bis 40.000 Mann nach Süden vorzugehen, wurde jedoch McClellan nicht unterstellt.