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Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin (Eigenschreibweise Alice Salomon Hochschule Berlin) (ASH) ist eine Hochschule für angewandte Wissenschaften in Berlin. Schwerpunkte des Studiums sind Soziale Arbeit, Gesundheit, Erziehung und Bildung. In diesen Bereichen werden 10 Bachelor- und 12 Master-Studiengänge angeboten.

Geschichte 1908–1990 Die Alice-Salomon-Hochschule Berlin wurde 1908 von der Wissenschaftlerin und Frauenrechtlerin Alice Salomon als Soziale Frauenschule in Schöneberg, Kyffhäuserstr. 20/21 gegründet. Sie wurde der Prototyp „für alle Wohlfahrtsschulen, bis in die Gegenwart.“Hering 2005, S. 22.

mini|hochkant|Alice Salomon, Gründerin und Namenspatin Der Lehrbetrieb begann am 15. Oktober 1908 mit 82 Schülerinnen im Alter von 18 bis Ende 30 Jahren. Hinzu kamen 213 Hospitantinnen, die nur an Einzelveranstaltungen teilnahmen. Als Motto der Bildungsinstitution hatte die Begründerin den Satz des englischen Essayisten Thomas Carlyle ausgewählt: „Gesegnet, wer seine Arbeit gefunden hat!“ Über Zweck und Ziel der Ausbildungsstätte sagte sie in ihrer programmatischen Eröffnungsansprache:

Die neue Einrichtung war die erste interkonfessionelle Schule mit einer zweijährigen Ausbildung von Wohlfahrtspflegerinnen, wobei „Armenpflege, Jugendfürsorge und Arbeiterinnenfürsorge auf dem Oberkurs speziell als Berufsausbildungen gelehrt wurden, während der Unterkurs eine mehr praktische Arbeit im Hort und Kindergarten verlangte“.Burgheim 2002, S. 12 ff. Die Bildungsinstitution konnte auf ein Ausbildungskonzept zurückgreifen, das sich seit 1893 bereits in einer fünfzehnjährigen Experimentier- und Pilotphase in den Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit, geleitet von Jeanette Schwerin, ab 1899 von Alice Salomon, entwickelt hatte. Für die Begründerin war die soziale Ausbildungsstätte vordergründig ein Ort „moderner Bildung“, an dem die weibliche Jugend für die „Nutzbarmachung der Pflichten und Rechte erzogen wird, die die Frauenbewegung für sie erkämpft hat“.Alice Salomon: Moderne Bildung. In: Centralblatt. 10. Jg., 1908, Nr. 6, S. 41–42, hier S. 42. Zit. n.: Carola Kuhlmann: Alice Salomon und der Beginn sozialer Berufsausbildung. Franz Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89821-791-0, S. 91 (, ISBN 978-3-8382-5791-4, ).Stephanie Heinz, Michelle Krämer: Berta Kamm: „Ja, ich bin eine unverbesserliche Optimistin!“ In: Sylke Bartmann (Hrsg.): „Wie ein Schatten ging ich meinen Weg zu Ende“ – Emigrantinnen aus Wissenschaft und Kunst. Autobiographische Rückblenden aus dem Jahr 1940. Verlag Barbara Budrich, Opladen/Berlin/Toronto 2014, ISBN 978-3-940755-60-5, S. 203–226, hier S. 205, Anm. 3 (). mini|Bericht zur Eröffnung der Frauenschule (archiviert im Ida-Seele-Archiv)

Der Erfolg der Sozialen Frauenschule war enorm:

mini|Anzeige der Sozialen Frauenschule Bekannte Personen aus Politik, Wirtschaft, Philosophie, sozialer Arbeit etc. unterrichteten an der privaten sozialen Ausbildungsstätte. Dazu gehörten neben Alice Salomon Clara Richter, Lili Droescher, Frieda Duensing, Gertrud Bäumer, Margarete Treuge, Emil Münsterberg, Friedrich Naumann, Ruth von der Leyen, Idamarie Solltmann, und Albert Levy.

Am 1. Oktober 1914 wurde ein neues Schulgebäude bezogen, das zum großen Teil von Alice Salomon aus privaten Mitteln finanziert worden war. Im Jahr 1932, zum 60. Geburtstag der Schulgründerin, durfte sich die Ausbildungsstätte Alice-Salomon-Schule für Sozialarbeit nennen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus blieb die Ausbildungsinstitution erhalten, doch alle jüdischen Dozenten wurden entlassen und ab 1934 durften keine jüdischen Schülerinnen mehr aufgenommen werden. Bewerberinnen mussten sowohl einen Ariernachweis als auch die Bestätigung der Mitgliedschaft im BDM oder einer anderen NS-Organisation vorlegen. Alice Salomon erhielt Hausverbot und wurde zur Emigration gezwungen. Ihre Nachfolgerin Charlotte Dietrich war bereits 1933 in die NSDAPManfred Berger: Wer war… Charlotte Dietrich? In: Sozialmagazin. Heft 1, 2003, , S. 8. eingetreten, um nach eigenen Angaben die Ausbildungsstätte zu retten. Sie hatte die „nationalsozialistische Machtergreifung als einen ‚Neubeginn‘, einer Restauration der Anfänge, unterstützt“.Feustel/Koch 2008, S. 85. Demzufolge hatten sich Lehr- und Lerninhalte an der nationalsozialistischen Ideologie zu orientieren. Die Soziale Frauenschule wurde in Schule für Volkspflege umbenannt.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches öffnete sich die Schule, die sich ab 1952 für kurze Zeit wieder nach ihrer Begründerin nannte, wenn auch zögernd, dem demokratischen Ansatz sozialer Arbeit, gemäß dem Reeducation-Programm der US-Militärregierung. Fortan wurden auch männliche Bewerber zugelassen. Bald kamen neue Fächer hinzu: Soziale Einzelfallhilfe, soziale Gruppenarbeit, soziale Gemeinwesenarbeit und Jugendpflege/Jugendhilfe.Burgheim 2002, S. 127 ff. Im Jahre 1971 wurde die inzwischen Höhere Fachschule zur Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (FHSS)Elke Weisgerber: 100-jähriges Jubiläum der Sozialen Frauenschule. In: Stadtteilzeitung Schöneberg. Oktober 2008. umgewidmet.

Seit 1990 Nach dem Fall der Mauer erhielt die Hochschule 1991 unter dem nun zuständigen Senat von Berlin ihren ursprünglichen Namen nach Alice Salomon zurück. Im Jahr 1998 zog die Fachhochschule in einen Neubau im damaligen Berliner Bezirk Hellersdorf (seit 2001 Bezirk Marzahn-Hellersdorf) um. Die Senatsverwaltung für Bildung als Träger der Einrichtung hatte zunächst einige Jahre zuvor den größeren Standort Lankwitz (ehem. PH Berlin) angeboten, was die Gremien ablehnten ("Stadtrandlage, 8 km vom Zentrum); Hellersdorf (16 km vom Zentrum) wurde vom Rektor gegen den Willen fast aller anderen in der Mitbestimmung der ASH aber beschlossen. Am historischen Standort befindet sich heute das Archiv der Hochschule.

Im Eingangsbereich der heutigen ASH erinnern zwei am 16. April 2008 feierlich enthüllte Gedenktafeln mit eingraviertem Text an Leben und Werk Alice Salomons.

Am 6. Januar 2025 besetzten pro-palästinensische Aktivisten das Audimax der Hochschule und verbreiteten nachweislich antisemitische Parolen.Thomas Thiel: Hetzen, Schlagen, Würgen. Das Netzwerk jüdischer Hochschullehrender bilanziert antisemitische Übergriffe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. Juni 2026, S. N4.

Studium Forschung wird anwendungsbezogen durchgeführt; Schwerpunkt ist die Entwicklung bzw. wissenschaftliche Begleitung neuer Angebote in der sozialen und gesundheitsorientierten Praxis.

Folgende Studiengänge wurden 2020/2021 angeboten:Studiengänge. In: ash-berlin.eu, abgerufen am 29. Februar 2024.

Bachelorstudiengänge mini|Hochschulgebäude im Bereich Helle Mitte Berlin

Erziehung und Bildung in der Kindheit B.A. Gesundheits- und Pflegemanagement B.Sc. Interprofessionelle Gesundheitsversorgung – online B.Sc. Kindheitspädagogik berufsintegriert B.A. Management und Versorgung im Gesundheitswesen B.Sc. Pflege Primärqualifizierung B.Sc. Physio- und Ergotherapie Primärqualifizierung B.Sc. Physio- und Ergotherapie additiv, interdisziplinär B.Sc. Soziale Arbeit B.A. Soziale Arbeit online B.A. (BASA-online)

Konsekutive Masterstudiengänge Management und Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen M.Sc. Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik M.A. Soziale Arbeit – Kritische Diversity und Community Studies M.A. Public Health M.Sc.

Weiterbildende Masterstudiengänge Biografisches und Kreatives Schreiben M.A. Intercultural Conflict Management M.A. Kinderschutz – Dialogische Qualitätsentwicklung in den Frühen Hilfen und im Kinderschutz M.A. Soziale Arbeit – Klinische Sozialarbeit M.A. Netzwerkmanagement Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE) – Schwerpunkt Kindheitspädagogik M.A. Social Work as a Human Rights Profession M.A. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession M.A. Sozialmanagement M.A.

Schulleitung/Direktorat/Rektorat

Partnerschaften und Kooperationen Die ASH Berlin unterhält regionale und nationale Kooperationen mit dem Ziel den fachlichen und persönlichen Austausch zu fördern, wie auch eine Verbindung zwischen der Hochschule und der Praxis herzustellen.Partnerhochschulen. In: ash-berlin.eu, abgerufen am 5. März 2024.

An-Institute IPLE – Institut für Produktives Lernen in Europa Europa-Institut für Sozial- und Gesundheitsforschung FoBeG e. V. – Institut für Forschung und Beratung im Sozial- und Gesundheitswesen BIKA e. V. – Berliner Institut für Kontrapunktische Gesellschaftsanalysen ITTA – Berlin Institut für Transnationale und Transkulturelle Sozialarbeit e. V. AB&P – ABiD-Institut Behinderung & Partizipation QuIB – Institut für Qualitätsentwicklung und Gesundheitsförderung in Institutionen der frühen Bildung (e. V.)

Besonderheiten Alice-Salomon-Archiv

Im Jahr 2000 wurde das Archiv in Berlin-Schöneberg gegründet, nach Weggang der Hochschule aus Schöneberg. Es soll an Alice Salomon und an ihr Lebenswerk an diesem historischen Ort erinnern, denn 1908 wurde die Hochschule als Soziale Frauenschule Berlin-Schöneberg gegründet. Das Archiv dokumentiert gleichzeitig diese Anfänge und die Entwicklung der Professionalität in der Sozialarbeit an der Alice Salomon Hochschule, insbesondere die Professionalität der Sozialen Frauenberufe.

Preisverleihungen Die Einführung des ersten Masterstudiengangs Biografisches und Kreatives Schreiben in Deutschland war Anlass zur erstmaligen Vergabe des Alice Salomon Poetik Preis im Wintersemester 2006/07, verbunden mit einer gleichnamigen Dozentur. Seitdem vergibt die Hochschule den Preis alle zwei Jahre (bis 2017 jährlich) an interdisziplinär arbeitende Kunstschaffende, die zur Weiterentwicklung der literarischen, visuellen sowie akustischen Künste beitragen. Die ersten Preisträger waren Michael Roes (2006) und Gerhard Rühm (2007), gefolgt u. a. von Eugen Gomringer (2011), Andreas Steinhöfel (2013), Elfriede Czurda (2016), Barbara Köhler (2017), Christoph Szalay (2019), Lioba Happel (2021) und Maxi Obexer (2023). Ferner verleiht die ASH den Alice-Salomon-Award. Dieser Preis wird an Frauen verliehen, die sich in herausragender Weise für die Emanzipation von Frauen und die Entwicklung von Sozialer Arbeit einsetzen und das Lebenswerk Alice Salomons im übertragenen Sinne unter heutigen Bedingungen weiterführen und verstärken. Bisher wurden geehrt: Alice Shalvi (2001), Fadela Amara (2004), Barbara Lochbihler (2008), Rugiatu Neneh Turay (2010), Marisela Ortiz und Norma Andrade (2013), Urmila Chaudhary (2018), Heike Radvan (2020), Adrienne S. Chambon (2022) und Anna Csongor (2024).Auszeichnungen der Alice Salomon Hochschule In: ash-berlin.eu, abgerufen am 5. Februar 2024.

Absolventen und Dozenten

Kontroversen mini|hochkant|Gedicht von Eugen Gomringer, 2018 an der Giebelwand mini|hochkant|Gedicht von Barbara Köhler, 2019 an der Giebelwand

Debatte um das Gedicht ciudad (avenidas) an der Fassade des Hochschulgebäudes