mini|Feldkirche mit Pfarrhaus und Gerichtslinde mini|Feldkirche im historischen Umfeld mini|Ensemble Feldkirche (Luftaufnahme)
Die Feldkirche ist ein spätromanischer evangelischer Kirchenbau, der zum Stadtteil Feldkirchen der Stadt Neuwied in Rheinland-Pfalz gehört. Sie befindet sich an markanter Stelle, nahe der Kante eines Hochplateaus circa 50 Meter oberhalb der Rheinebene (104 m über N.N.). Zu der historisch bedeutenden, am Mittelrhein einmaligen Anlage zählen: die Kirche, das Pfarrhaus mit Garten, die Gerichtsstätte mit der alten Gerichtslinde (Naturdenkmal), der Friedhof.
Kunsthistorisch ist die Kirche auch wegen ihrer abstrakten Bleiglasfenster von Georg Meistermann bedeutsam.
Geschichte Vorzeit und Frühzeit Ob an dieser exponierten Stelle bereits eine vorchristliche Kultstätte gelegen hat, ist nicht nachgewiesen, jedoch vorstellbar, da in der Gemarkung Gönnersdorf (heute Ortsteil des nach der Feldkirche benannten Stadtteils Feldkirchen), 1,25 km Luftlinie entfernt, ein bedeutender eiszeitlicher Siedlungsplatz ausgegraben wurde. Der Fundplatz Gönnersdorf datiert auf die Zeit um 14.000 v. Chr.Gerhard Bosinski: Gönnersdorf – Eiszeitjäger am Mittelrhein (= Schriftenreihe der Bezirksregierung Koblenz. Band 2). Rhenania Verlag, Koblenz 1981, ISBN 3-922755-01-1.Olaf Jöris, Martin Street, Elaine Turner: Spatial analysis at the Magdalenian site of Gönnersdorf (Central Rhineland, Germany) – an Introduction. In: Sabine Gaudzinski-Windheuser, Olaf Jöris, Martina Sensburg, Martin Street, Elaine Turner (Hrsg.): Site-internal spatial organization of hunter-gatherer societies: Case studies from the European Palaeolithic and Mesolithic. Papers submitted at the Session (C58) »Come in … and find out: Opening a new door into the analysis of hunter-gatherer social organisation and behaviour«, held at the 15th U.I.S.P.P. conference in Lisbon, September 2006 (= Römisch Germanisches Zentralmuseum. Unterreihe: Römisch-Germanisches Zentralmuseum - Tagungen: Band 12). Verlag des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Mainz 2011, ISBN 978-3-7954-2587-6, Schnell & Steiner, 2012, ISBN 978-3-88467-190-0, (Academia.edu, abgerufen am 8. Juni 2025).
Siedlungsfunde in den Gemarkungen von Irlich und Wollendorf weisen eine kontinuierliche Besiedlung in der Umgebung ab etwa 2000 v. Chr. nach.
Im 2. Jahrhundert n. Chr. führte nur wenige Meter von der heutigen Kirche entfernt eine wichtige römische Heerstraße (in Teilen die heutige Kreisstraße 111) vorbei, vom Römerkastell Niederbieber zur Fahrer Lände und weiter über den Rheinübergang nach Andernach (dem römischen Antunnacum). Die Reste des obergermanisch-raetischen Limes sind heute noch auf dem Höhenrücken oberhalb der Feldkirche auszumachen. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich in Feldkirchen bereits zur spätrömischen Zeit eine kleine christliche Andachtsstätte (Ädikula) befand. Gewöhnlich wurde dafür ein Ort ausgewählt, an dem bereits eine heidnische Opferstätte bestand.
Bereits zur Zeit der Völkerwanderung ist für die unmittelbare Umgebung (Irlich, Rodenbach, Gönnersdorf) mit Grabfunden eine relativ dichte Besiedlung nachgewiesen.
Frankenzeit Die Siedlungsplätze Gönnersdorf, Hüllenberg, Wollendorf, Rodenbach, Fahr und Irlich bestanden bereits zur Zeit des Fränkischen Reiches. Sie sind mindestens seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. durch fränkische Bauernfriedhöfe archäologisch belegt. Abseits der Siedlungen baute man zu jener Zeit Feldkirchen, die als Pfarrkirchen für einen weiten Umkreis von Dörfern dienten.
Am Anfang der durch Grabungen nachgewiesenen Geschichte der Feldkirche steht ein merowingischer oder karolingischer Kirchenbau, der auf einem fränkischen Gräberfeld errichtet wurde. Der Fundzusammenhang eines fränkischen Tuffstein-Sarkophages aus der Zeit um 750 n. Chr., der beim Einbau der Heizung 1931 entdeckt wurde, weist dies nach. Der Sarg war im Fundament der romanischen Kirche vermauert. Bei anschließenden Sondierungen wurden drei weitere frühchristliche Gräber aus der gleichen Zeit im heutigen Chor freigelegt. Im Rahmen dieser Grabungen sind auch Reste eines Holzbaues aufgefunden worden, deren Befund nahelegt, dass sie bereits verfallen waren, als die Gräber angelegt wurden. Dies deutet auf den Bestand einer ersten, einfachen Holzpfostenkirche bereits zum 7. Jahrhundert n. Chr. hin, deren Aussehen nicht mehr zu rekonstruieren ist.Bruno Zeitz: Die Baugeschichte der Feldkirche. Kirchengemeinde Feldkirchen (Hrsg.), Neuwied 1997.
Mittelalter Die Sage berichtet von der Gründung der Feldkirche folgendes: Ursprünglich sei der Bau einer steinernen Kirche in Irlich beabsichtigt gewesen. Die Ochsen der ersten, mit Bruchsteinen beladenen Wagen hätten jedoch an der Stelle der heutigen Feldkirche den Dienst verweigert. Man habe dies dann als ein göttliches Zeichen angesehen, den Bau an dieser Stelle zu beginnen.
Die frühesten steinernen Mauerreste, die anlässlich von Restaurierungsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurden, lassen sich auf das 10. Jahrhundert datieren. Zu dieser Zeit bestand ein einfacher Kirchenraum von etwa 10 m × 6 m. Um 1100 wurde dieser Bau dann um einen rechteckigen Chor erweitert.
Die heutige Steinkirche wurde zwischen 1150 und 1200 errichtet und ist eine Stiftung des Augustinerinnenklosters St. Thomas bei Andernach, das über umfangreiche Ländereien auf der dem Kloster gegenüberliegenden Rheinseite in Fahr und Gönnersdorf verfügte. Sie wurde ursprünglich als flach gedeckte Pfeilerbasilika ohne Querschiff erbaut und war zu Ehren St. Martins geweiht. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts wurden Chor und Mittelschiff überwölbt.
Die Kirchengemeinde „Veltkirgen“ wird 1204 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Ein bedeutendes Schriftzeugnis ist der Rotulus von 1280, das Fragment eines Gerichtsprotokolls, in dem es um das Vorschlagsrecht des Pfarrers und damit verbunden die Pfründe an der damals offenbar recht wohlhabenden Kirchengemeinde Feldkirchen geht. Ansprüche meldeten sowohl die Lahnsteiner als auch die Wiedischen und die Burgherren von Hammerstein an.B. und M. Zeitz: Das Feldkircher Zeugenverhör. Ein Pergament aus dem 13. Jahrhundert. Selbstverlag, Neuwied 1991.
Reformation bis Neuzeit Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde beginnt mit dem Übertritt des Grafen Hermann von Wied, Kurfürst und Erzbischof von Köln, zur Reformation unter dem Einfluss des Straßburger Reformators Martin Butzer. Er berief Geistliche aus Sachsen, die am Rhein das reformierte Evangelium predigten. Nach seinem Tod auf Burg Altwied trat sein Neffe Johann IV. die Nachfolge in der Regierung der Grafschaft an, der als der eigentliche Reformator der Grafschaft Wied angesehen wird. Nach seinem Regierungsantritt bekannte er sich öffentlich zur Confessio Augustana und vollendete zwischen 1542 und 1546 – nicht ohne Konflikte mit den Erzbistümern Trier und Köln – die Reformation in seinem Herrschaftsbereich. Der erste evangelische Pfarrer in der Feldkirche dürfte ein „Ludwig Luitzgin, genannt von Northofen, Kirchherr zu Veltkirgen“ gewesen sein, der in einer Gerichtsurkunde von 1552 erwähnt wird.Friedrich Adolf Beck: Das Kirchspiel Feldkirchen am Rhein. Neuwied 1846. (Nachdruck: Görres-Verlag, Koblenz 1998, ISBN 3-920388-80-1).
Obwohl über den Dreißigjährigen Krieg keine detaillierten Aufzeichnungen vorliegen, ist anzunehmen, dass diese Schreckenszeit auch an der Feldkirche nicht spurlos vorüberging. Um 1630 wurde das Dorf Irlich aus der Kirchengemeinde Feldkirchen herausgelöst, wieder katholisch und dem Erzbistum Trier einverleibt. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges gingen die Kirchenbücher verloren, so dass im Jahr 1655 der regierende Graf Friedrich zu Wied die Führung neuer Register verordnete.
Aus dem späten 17. Jahrhundert belegen mehrere Rechnungen Bau- und Ausbesserungsarbeiten an der Kirche und dem Pfarrhaus, so zum Beispiel die Anschaffung von Kirchenbänken und einer Kanzel, die Erneuerung des Brunnens im Pfarrgarten und die Beseitigung von Schäden am Kirchendach. Es gibt schriftliche Anmerkungen, dass der Turm Ende des 17. Jahrhunderts für einige Zeit mit einer barocken Haube, anstelle des Rhombendaches, abgedeckt war. Das genaue Aussehen lässt sich heute jedoch nicht mehr nachvollziehen.
1707 wurde in der Residenzstadt Neuwied eine neue Kirchenordnung eingeführt, die die Pflichten der Seelsorger, des Presbyteriums und der Gemeindemitglieder detailliert regelte.
In der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden von baufreudigen Pfarrern mehrere, eher weniger fachgerechte Restaurierungen, Um- und Anbauten an der Kirche vorgenommen, von denen inzwischen jedoch nichts mehr zu erkennen ist. Die Neuwieder Zeitung schrieb dazu am 22. Dezember 1934:
Zur evangelischen Pfarre Feldkirchen gehörten auch die evangelischen Einwohner von Leutesdorf.
Im Dezember 1944 zerstörte ein Bombentreffer den Chorraum und richtete Schäden am Dach und im Innenraum an. Bereits 1948 begann man mit der Bausicherung und umfassenden Außenrestaurierung, die 1952 abgeschlossen wurde. 1975 bis 1978 erfolgte die Innenrestaurierung und Ausmalung des Kirchenraums nach Resten der Originalbemalung aus dem 13. Jahrhundert, die unter mehreren Farbschichten zum Vorschein kam.
Baubeschreibung Außen mini|Kirche von Südosten Der Baukörper ist, wie bei alten Kirchen üblich, geostet, das heißt von Westen nach Osten ausgerichtet. Im Osten befindet sich der mit einer halbrunden Apsis abgeschlossene Langchor, im Westen der massive 34 Meter hohe Turm. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Fassade von Kirche und Turm verputzt und weiß gekalkt. Heute ist an allen Außenwänden das Bruchsteinmauerwerk sichtbar, betont mit fein ausgearbeiteten Ecksteinen und Lisenen aus hellem Mendiger Tuffstein.
Chor und Apsis – nach den Schäden des Zweiten Weltkrieges vollständig rekonstruiert – bestehen aus sorgfältig behauenen Tuffsteinquadern. Das Mauerwerk ist mit Lisenen gegliedert und zum Dach hin mit verzierten Blendarkaden abgesetzt.
Der Haupteingang in der Nordfassade – er liegt heute etwa einen Meter unter dem Bodenniveau – wird von wuchtigen Tuffsteinpfeilern eingerahmt, in den Sturz ist ein romanisches Kreuz im Kleeblatt eingemeißelt. Gegenüber, in der Südfassade, gibt es einen weiteren Eingang, der jedoch schlichter gehalten ist.
Nach den Beschädigungen des Zweiten Weltkrieges wurde das Dach saniert und die Kirche mit Naturschiefer aus Mayen vollständig neu eingedeckt.
Innen mini|Feldkirche (Grundriss) Der Innenraum der Kirche ist insgesamt 31 Meter lang, 15 Meter breit und in ein Mittelschiff mit zwei Jochen mit Kreuzrippengewölben sowie zwei nahezu gleich hohe Seitenschiffe gegliedert. Den Langchor deckt ebenfalls ein Kreuzrippengewölbe. Die Rippen sind als Rundstäbe ausgebildet und farbig betont, ebenso die Schlusssteine mit Zapfen. Das Mittelschiff wird von sechs massiven, quadratischen Pfeilern getragen. Jedem Joch des Mittelschiffes entsprechen zwei Joche der Seitenschiffe. Die Jochgrenze wird durch jeweils eine Lisene angezeigt. Das untere Geschoss der beiden Seitenschiffe ist mit je vier Kreuzgratgewölben überdeckt. Die darüber befindliche Empore wurde um 1500 errichtet und wird von Kreuzrippengewölben abgeschlossen, deren reich verzierte Schlusssteine das wiedische Wappen, ein Marienbild sowie (möglicherweise) Stifter-Symbole zeigen. Die Seitenschiffemporen sind mit vier kleineren, reich geschmückten und bemalten Rundbogen zum Mittelschiff hin geöffnet. Dies entspricht dem Bauzustand seit Beginn des 16. Jahrhunderts.
Der Fußboden aus den Nachkriegsjahren besteht im Chor aus polygonalen Schieferplatten und im Hauptraum aus quadratischen Basaltfliesen.
Als Abendmahltisch dient heute die große, reich verzierte, barocke Basalt-Grabplatte des Schultheißen Mathias Kreckel, gestorben am 22. April 1664. In der Apsis steht der romanische Taufstein aus schwarzem Basalt.
Turm