mini|Erwin Wurm (Foto: Lottermann und Fuentes) mini|Haus auf dem Mumok (Museum moderner Kunst) in Wien, 2007 mini|Von Erwin Wurm gestalteter DoSto an der Spitze weiterer Wagen des GKB-Kunstzugs (LokoMotive, Graz 2003) mini|Skulptur Segelboot auf dem Dach des Hotel Daniel in Wien, April 2014 alternativtext=Erwin Wurm - Big Mutter - KIT Campus Süd Karlsruhe|mini|Erwin Wurm - Big Mutter - KIT Campus Süd Karlsruhe Erwin Wurm (* 27. Juli 1954 in Bruck an der Mur) ist ein österreichischer Künstler. Er lebt und arbeitet in Wien und Limberg in Niederösterreich.
Tätigkeit
Erwin Wurm arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten an einem vielschichtigen Werk, das sich mit Erweiterung der Begriffe Plastik/Skulptur umschreiben lässt. Sein Werk umfasst Materialskulpturen, Aktionen, Videos, Fotos, Zeichnungen und Bücher. Eine der einflussreichsten Werkgruppen stellen dabei Wurms One Minute Sculptures dar. Erwin Wurm zählt zu den erfolgreichsten Gegenwartskünstlern.
Von 1974 bis 1977 studierte er Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Graz. Ab 1977 bis 1979 war er Student der Kunst- und Werkerziehung (Bereich Bildhauerei bei Ruedi Arnold) an der Universität Mozarteum Salzburg, damalige Bezeichnung Hochschule für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“ in Salzburg, von 1979 bis 1982 besuchte er die Hochschule für angewandte Kunst und die Akademie der bildenden Künste.
Von 2002 bis 2006 lehrte er als Professor am Institut für Kunst und Kulturwissenschaften/Kunstpädagogik und von 2007 bis 2010 für Bildhauerei/Plastik und Multimedia am Institut für Bildende und Mediale Kunst der Universität für Angewandte Kunst Wien.
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine One Minute Sculptures bekannt, für die Personen mit Alltagsgegenständen in einem überraschenden Zusammentreffen posieren, was Wurm dann durch Fotografien dokumentiert. Häufig handelt es sich dabei auch um Ausstellungsbesucher, die so innerhalb der Ausstellungssituation selbst zum Objekt ästhetischer Erfahrung werden, womit das Verhältnis von Subjekt und Objekt thematisiert ist. Populär wurden diese One Minute Sculptures unter anderem durch das Video der Gruppe Red Hot Chili Peppers zu ihrer Single Can’t Stop aus dem Jahr 2003, in dem Erwin Wurm als Inspirationsquelle genannt wird. Bekannt sind auch Wurms „Fat“-Skulpturen, die kleinbürgerliche Statussymbole wie Autos oder Einfamilienhäuser in einem „verfetteten“, aufgeblähten Zustand zeigen.
Im Herbst 2006 widmete ihm das MUMOK im MuseumsQuartier in Wien eine Ausstellung. Für Aufregung sorgte dort vor allem ein Einfamilienhaus in Originalgröße, das schräg und verkehrt am Dach des MUMOK-Gebäudes angebracht wurde. 2010 zeigte das Kunstmuseum Bonn Werke Wurms aus der Zeit von 2007 bis 2009.Der Spiegel Kulturspiegel 3/2010, März 2010, S. 26. Auf der 54. Kunstbiennale in Venedig 2011 war Wurm mit „Narrow House“ vertreten, einem Modell seines Elternhauses, auf ein Sechstel seiner Größe in der Längsachse reduziert. „Narrow House“ war bereits 2010 in der Ausstellung in Klosterneuburg zu sehen.Walter Titz: Taschen, Höhlen und Basare. In: Kleine Zeitung, 3. Juni 2011, S. 42. 2017 bespielte Wurm gemeinsam mit Brigitte Kowanz den österreichischen Pavillon auf der 57. Biennale von Venedig.
„Humor ist eine Waffe“, hat Erwin Wurm einmal gesagt. Doch versteht er sich nicht als Humorist, seinen Witz setzt er ein, um den „Alltag aus einer anderen Perspektive“ zu zeigen.Erwin Wurm – Humor als Waffe. In: Focus Online, 27. April 2007. So sind seine Arbeiten von einem häufig ins Satirische gehenden skurrilen Humor getragen. Ganz in diesem Sinne gestaltete er 2008 ein „Selbstporträt als Essiggurkerl“, das sich heute im Besitz des Museums der Moderne Salzburg befindet.Johann Werfring: Lebensgeschichtliche Essiggurkerl-Facetten. In: Wiener Zeitung, 14. Juni 2012, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7.
Für die Fastenzeit 2020 installierte Wurm im Wiener Stephansdom ein 80 Quadratmeter großes Fastentuch in Form eines violetten Strickpullovers als symbolisches Zeichen für „wärmende Nächstenliebe“.
Inspiriert von seiner 2003 begonnenen Serie „Fat Houses“ schuf Wurm 2020 die Edition „Little Big House“, eine Serie von 300 nummerierten und datierten weißen Keramikobjekten (Butterdosen) mit den Maßen 15 × 19 × 10 cm.
Als einer der ersten etablierten Künstler veröffentlichte Wurm Ende August 2021 zum Anlass des 20. Jubiläums seines ersten Fat Cars eine 15-sekündige Videosequenz namens Breath In, Breathe Out als NFT auf der Flow-Blockchain. Das Werk zeigt einen Schwenk um einen scheinbar atmenden roten Porsche inmitten einer grünen Naturlandschaft und wurde über die zur König Galerie gehörigen MISA-Webseite vertrieben.. Die Darstellung greift die Idee Wurms der digitalen Darstellung aus der Zeit des ersten Fat Cars auf, die mit Hilfe von Opel umgesetzt werden sollte, an den damaligen technischen Möglichkeiten jedoch scheiterte.
2024 widmete ihm die Albertina Modern in Wien anlässlich seines 70. Geburtstags eine Retrospektive.
Kunst im öffentlichen Raum
2011: Gurken, 2011 in Salzburg, Furtwänglergarten 2013: Bob, Frittenbude auf dem Place François Mitterrand, Lille, Frankreich 2014: Installation „Segelboot“, Hotel Daniel (auf dem Dach), Wien 2017: Fat House, vor dem Oberen Belvedere, Wien 2022: Narrow House, Avenue Foch, Le Havre 2022: Walking Bag, Bonn
Galerie
Diebstahl
Im Mai 2021 wurde die knapp 60 cm große Skulptur „Kapuzenmann“ aus einer Galerie auf der Wiener Freyung, in der sie ungesichert ausgestellt war, gestohlen. Der Schaden wird mit 60.000 Euro angegeben.Erwin-Wurm-Skulptur aus Galerie gestohlen orf.at, 18. Mai 2021, abgerufen am 18. Mai 2021.
Auszeichnungen
1984: Otto-Mauer-Preis 1993: Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst 2004: Kunstpreis der Stadt Graz 2013: Großer Österreichischer Staatspreis„Die Presse“ vom 20. März 2013 aufgerufen am 20. März 2013 2015: Würdigungspreis des Landes Steiermark für bildende Kunst 2015: Silbernes Komturkreuz des Landes Niederösterreich 2015: Österreicher des Jahres in der Kategorie Kulturerbe 2024: Großer Josef-Krainer-Preis
Literatur Edelbert Köb (Hrsg.): Erwin Wurm: one minute sculptures; Werkverzeichnis 1988–1998. Ostfildern: Cantz 1999. ISBN 3-89322-977-9 Inhalt. Peter Weibel (Hrsg.): Erwin Wurm: Fat Survival. Handlungsformen der Skulptur. Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz 2002. ISBN 3-7757-1181-3 Inhalt. Berin Golonu (Hrsg.): Erwin Wurm, I love my time, I don’t like my time. Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz 2004. ISBN 3-7757-1547-9 Inhalt. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hg.): Erwin Wurm: The artist who swallowed the world. Hrsg. Ostfildern: Hatje Cantz 2006. ISBN 978-3-7757-1866-0 Inhalt. Kunstwerkstatt Erwin Wurm München: Prestel Verlag 2008. ISBN 978-3-7913-3923-8. Erwin Wurm: 44 Vorschläge – Eine soziale Skulptur. Berlin: Onkel & Onkel, 2009. ISBN 978-3-940029-54-6. Lenbachhaus München (Hrsg.): Erwin Wurm, Dumont, Köln 2009, ISBN 978-3-8321-9241-9. Johann Werfring: Lebensgeschichtliche Essiggurkerl-Facetten. In: Wiener Zeitung vom 14. Juni 2012, Beilage ProgrammPunkte, S. 7. Antonia Hoerschelmann (Hrsg.): Erwin Wurm. De Profundis. Ostfildern: Hatje Cantz Verlag 2012. ISBN 978-3-7757-3507-0 Inhalt. Abraham Orden und Hella Pohl: Erwin Wurm: Samurai & Zorro zur Ausstellung in der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg 2012, ISBN 978-3-901935-48-0. Angeli Janhsen: Erwin Wurm, in: Neue Kunst als Katalysator, Reimer Verlag, Berlin 2012, S. 110–118. ISBN 978-3-496-01459-1 Inhalt. Rainer Metzger: Erwin Wurm: Biografie, Molden Verlag, Wien 2024, ISBN 978-3-222-15117-0.
Film Erwin Wurm – Der Künstler, der die Welt verschluckt. Der 55 Minuten lange Fernsehfilm wurde am 30. Jänner 2013 vom deutsch-französischen Fernsehsender arte gezeigt.Kann ein Kunstwerk fett sein? in FAZ vom 30. Jänner 2013, S. 31.
Weblinks
erwinwurm.at Jenny Hoch: Erwin Wurm in Hamburg: Metaphysik der Wurstsemmel. In: Spiegel Online, 26. April 2007 Interview (2017) Erwin Wurm, bei Xavier Hufkens, Englisch 1Blick. Kunst im Vorhaus, Hallein 1998, 2002, 2004, 2006, 2007, 2008, 2017
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (Österreich) Kategorie:Träger des Großen Österreichischen Staatspreises für Bildende Kunst Kategorie:Träger des Silbernen Komturkreuzes des Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich Kategorie:Österreicher des Jahres Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1954 Kategorie:Mann Kategorie:Performancekünstler (Österreich) Kategorie:Komische Kunst Kategorie:Konzeptkünstler (Österreich)