mini|hochkant|Wappen der Rogalla von Bieberstein

Rogalla von Bieberstein ist der Name eines alten ostpreußischen Adelsgeschlechts. Urkundlich erstmals erwähnt wird es 1440, als Jacob Rogalla im Deutschordensstaat mit Gollubien bei Lyck belehnt wurde; ausgestattet mit großem und kleinem Gericht, hatte er Dienst mit Pferd und Harnisch zu leisten.

Gollubien erweiterte sich durch Binnenkolonisation auf drei Ortsteile, die sich vom Amt Lyck in das Amt Stradaunen–Oletzko erstreckten und in den vier Kirchspielen Lyck, Stradaunen, Kallinoven und Pissanitzen lagen.Gollubien (Alt, Lyck), Freigut; Handfeste 1440; GSTA PK Ostpr. Fol 125, S. 120.Gollubien (Neu, Lyck), 1502 Hsch.Lyck IV,. S, S. 101 + VI, S. 22.Alt Gollubien (im Amt Stradaunen); 1472 mit Mykolaiker Handfeste. (Et.Min. 103d. N. 46), von dem sich Gonsiorowen abspaltete, vergl. Bernhard Gebauer: Die Entwicklung der Siedlungslandschaft in Süd-Ostmasuren (Kreis Lyck): unter besonderer Berücksichtigung der Siedlungsgenese. Einbeitrag zur Kulturlandschaftsordnung im deutschen Osten. Göttingen 1959, Anlagen IX.

Die sächsische Burg Bieberstein befand sich im 13. Jahrhundert im Besitz der Herren von Bieberstein, im 14. und 15. im Besitz der Marschälle und sie befindet sich seit 1992 im Besitz der Rogalla von Bieberstein.

Geschichte Herzogtum Masovien bis 1440 Mit Nikolaus Rogala de Budkowo, dem 1407 im Rahmen der Besiedlung Nordmasowiens 20 Hufen Urwald an der Skroda verschrieben werden, wird das erstmals 1388 genannte Budkowo, Kirchspiel Drobin als Stammsitz urkundlich. Es gehört im herzoglichen Masowien zum Distrikt (ab 1474 Land) Płock, im königlichen Polen ab 1578 zum Kreis Raciąż.Anna Borkiewicz-Celińska: Słownik historyczno-geograficzny województwa płockiego w średniowieczu. Wrocław/Warszawa/Kraków/Gdańsk 1980–1981, Teil 1, S. 31. Unweit Budkowo finden sich weitere alte Rogala-Besitzungen: Charzynow, Cieciersk, Dziektarzewo, Karsy, Koczurowo, Koszolin, Unieck. An älteren Besitzungen sind zu ergänzen: Swarocin (1364), Klonowo (um 1350) bei Byton, Ballau Kr. Stuhm (1384), Pilichowo bei Wyszogrod (1390), Milan (1395), Seprcz (1383), Skuli im Land Cersk, Wangrzynowo Kreis Mlawa (1381), Czebniawa (vor 1390), Czarnocin 16 km von Ciechanow (1400).

1390 verpflichtet sich Ritter Wiesel Czambor des Wappens Rogala aus Kniegnitz in Schlesien (1384–1400) mit seinem Bruder Heinrich Czambor und Vetter Johann Czambor aus Swirzow gegenüber dem Hochmeister des deutschen Ordens Konrad von Wallenrode, die in seinem Pfandbesitzer befindliche herzoglich masowischen Stadt Kruschwitz in Kujawien, auf sieben Jahre mit 100 Gehilfen gegen den polnischen König zuhalten.Johannes Voigt: Codex Diplomaticus Prussicus, Urkundensammlung zur älteren Geschichte Preussens aus dem königl. Geheimen Archiv zu Königsberg nebst Regesten. Band 4, Königsberg 1857 (ND Osnabrück 1965), S. 123–124.

Als Stammväter der Linie Rogala de Rogale Dzierzbia sind Jan und Mathias Rogala de Budkowo anzusprechen. Ihnen privilegierte 1416 Herzog Johann I. von Masowien die 20 Hufen Urwald an der Dzierzbia.Herbarz Kapicy Milewski, Nr. 37 Der nach der Familie benannte alte Stammsitz Rogale Dzierzbia bei Kolno blieb zumindest anteilig lange im Familienbesitz. Von 1483 ist ein Streit zwischen den nobiles, Johannem, Jacobum, Martinum, Michaelem et alium, Jacobum de Rogale ex una de armis Rogalye und einem anderen in Rogale besitzlichen Adligen überliefert.Adam Wolff: Mazowieckie Zapiski Herbowe. Z XV i XVI Wieku, Kraków 1937.

Beginn in Preußen ab 1440 In Preußen wurden die Brüder und Vettern Rogala de Golubi von den deutschsprachigen Beamten nach dem 1440 verliehenen Stamm- und Wohnsitz bei Lyck häufig nur Golubie oder Gol(l)ub geschrieben, ohne das geführte Wappen Rogal(l)a zu nennen oder den alten Stammsitzzusatz de Rogale oder Rogalski anzufügen. Von hier aus wurden die Siedlungsflächen in das nachbarliche Amt Oletzko-Stradaunen noch im 15. Jh. ausgedehnt und im 16. Jahrhundert neue Siedlungen in der „Großen Wildnis“ angelegt bis in das Amt Angerburg hinein. Von der Siedlungstätigkeit zeugen die Orte namens Rogallen (Rogale) und Gollub. Besonders intensiv war die Siedlungstätigkeit unter Herzog Albrecht.

Ein Zweig nannte sich latinisiert Columbus (Golubie, steht im Polnischen für Taube). Er brachte tüchtige Pastoren hervor. Hervorzuheben wäre Joachim Columbus (* 1649 in Kallinowen; † 1710 in Lyck an der Großen Pest), Erzpriester von Lyck und Rektor der Fürstenschule, 1587 als Provinzialschule gegründet, dessen Rogala-Siegel Johannes Gallandi belegt.Wie Töppen in Geschichte Masurens auf Seite XXVIII berichtet, verfasste sein Sohn Albert Columbus 1712 eine Dissertation über die ostrokolische Grenzsäule in der Nähe von Prostken, die Herzog Albrecht 1545 zur Dokumentation des Grenzverlaufs errichten ließ.

Schwere Zeiten erlebte die Familie in Adlig Leegen (poln. Lega, pow Ełk) beim Tartareneinfall in Masuren 1656. Die drei auf je einem eigenen Gut sitzenden Vettern de Rogale/Rogalski alias Golub wurden sämtlichen Viehs beraubt, zwei zusätzlich der Besitzpapiere, – weshalb Nachbarn deren Besitzrechte bestätigen mussten –, einer nur rettete seine Lade mit Dokumenten und konnte 1662 minutiös belegen, wie er an seinen Besitz kam,Schadensliste des Hans Georg von Auer im Abgleich mit der Spezifikation der zu magdeburgischen Rechten vergebenen Güter von Rechten verliehenen Güter von 1662 hervor. Unter seinen Dokumenten ist die Adelsbestätigung von 1599 zu vermuten, die den Krieg überstand und bis 1945 weitervererbt wurde. Die sichere Stammreihe der heute bestehenden Familie beginnt mit ihm dem Adam Mathias Rogala de Rogale (um 1645) zu Gollubien und seiner Frau, einer Tochter des Pfarrers von Bialla Hieronymus (III) Maletius (Familie Maletius) auf Maleczewen und der Sara Drigalski.

Adelserhebungen und Adelsanerkennungen Bestätigung am 10. Oktober 1599 vor dem Landgericht Wąsosz als „nobiles“ (Edelleute, Adlige) für Bartholomäus Joannis olim Martini, Matthias olim Joannis, Joannis olim Bartholomäus, Balthasar olim Albrechti, Nicolaus olim Joannis, Mathiam olim Gregorii, Martinum olim Andreae und Joannis olim Pauli de Rogale auf Golub (Gollubien), Amt Lyck im Herzogtum Preußen mit gleichzeitiger Bestätigung des Stammwappens Rogal(l)a in der Form cornu cervi et tubam pront (d. h. Hörner von Hirsch und Ur, letzteres offen als Kriegshorn). Als Zeugen werden genannt 5 Vettern der väterlichen Linie alle nobiles de Rogale Dzierzbia, haeredis districtus Colnensis.Schlossakten Wąsosz, heute Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin. Schon am 12. November 1569 hatten sich – zur Sicherung ihrer adeligen Besitzrechte im damals noch königlich polnischen Lehns-Herzogtum Preußen – am Landgericht zu Wasosz als Edelleute bestätigen lassen Lazarus Gregorius olim Nicolay & pueris olim Simonis de Golubie Rogalie ex districtu & territorii Lecensi, alle wohnhaft am Fluss Golub bei Lyck, Wappen cornu cervi et tuba. Als Zeugen werden acht Vettern genannt: Jacobum olim Martini, Paulus olim Matthei, Johannes olim Nicolai, Mathias olim Stephani, Stanislaus, Paulus, Michael olim Petri herredes de Rogalie.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Berlin, XX Justizsachen 103 j Nr. 163. Am 30. Dezember 1663 holen für Adlig Leegen in Ambt Lyck ihre Huldigung unter denen von Adel nach: George Gollup, Greger Wittinsky, Adam Rogalski und Jann Rogalski. Als Entschuldigung, dass nicht alle, wie befohlen zur Huldigung nach Königsberg gekommen seien, führten sie an, dass sie auch früher wegen der weiten Reise nur einen Ausschuß von einigen Personen abgeschickt hätten, dieses Mal Wawerßin Mileffsky und den Georg Rogalßki.Hans Heinz Dielmann: Erbhuldigungsakten des Herzogtums Preußen. 1. Teil 1525–1626, 2. Teil 1648–1678, 3. Teil 1678–1737. Hamburg 1980/83/92 in: Sonderschriften des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreussen e. V. Nr. 45. Am 20. August 1714 wird zur Huldigung avisiert, dass, weilen alle von der itzigen Feld-Arbeit und Saath unmöglich abkommen, die Von Adel schiken ab: (1.) Andreas a Rogalla, Agent wegen Kopicken, Baytkowen und Zawadden, …. (4.) Matthias Rogalski von Leegen. In der Huldigungsbestätigung: Von dem Adel haben den 1. November 1714 geschworen: Andreas a Rogalla auf Sawadden ist in Königsberg … gewesen und geschworen … Leegen: Dawid Rogalski, Jan Golub, …, Johann Rogalski ist in Königsberg gewesen und alda geschworen, Nicht erschienen von da: Salomon Rogalski ist alt und sehr krank. … Von den Freyen haben …Hans Heinz Dielmann: Erbhuldigungsakten des Herzogtums Preußen. 1. Teil 1525–1626, 2. Teil 1648–1678, 3. Teil 1678–1737. Hamburg 1980/83/92 in: Sonderschriften des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreussen e. V. Nr. 45, S. 333. Hans Carl von Rogalski erhielt in Berlin am 26. September 1763 das schlesische Inkolat, um sich dort ansässig machen zu können. Wappen: Gespalten; vorn Hirschhorn 6-endig, hinten Büffelhorn, Kleinod: Schildfiguren.Konrad Blažek: Der abgestorbene Adel der preussischen Provinz Schlesien und der Oberlausitz (= J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch. Band VI, 8. Abteilung). 3. Teil, Nürnberg 1894, Nachträge Tafel 107.

Adelsverluste Durch individuelle Aberkennung: Waldemar Julius Rogalla von Bieberstein aus Ostpreußen, Jäger im 1. Jäger-Bataillon, Sohn eines † Gutsbesitzers und einer geborenen von Czibulla, jetzt verheirateten Gallmeister, wird wegen eines schweren und eines einfachen Diebstahls des Adels für verlustig erklärt und zu 15 Monaten Festungsstrafabteilung verurteilt bei Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf ein Jahr. Berlin, 15. Dezember 1855, Kriegsgericht.GST, Signatur: „I.HA, Rep. 77, Tit. 40, Nr. 34“Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adligen Häuser. Teil B, Gotha 1925.

Namensentwicklung Grundlagen Jan DługoszJan Długosz: Banderina Prutenorum Tudziez, Insignis seu clenodia regni Poloniae wydal Jozef Muczkowski. Krakau 1851, Rogala: Nr. 101, S. 65, Biberstein: Nr. 25, S. 48. listet zwischen 1462 und 1480 die 114 mächtigen Geschlechter des Königreichs Polen mit Wappenbeschreibung, Wappenbild und Herkunft:

Nr. 25, (BIBERSTEIN) Bibersten. Cuius insignia unum cornu in Campo ceruelo sursum elevatum; quorum genus et familia ex almania dinoscitur in Poloniam aduenisse. Viri loquaces et arrogantes. (H. 59)Nr. 101, (ROGALA) Rogalia. Cuius insigna duo cornua, videlicet bouinum, aliud cervi, ex transverso posita; quorum genus fertur in Poloniam ex almania deuenisse. (H. 114).

Gemeinsam haben beide Geschlechter ein Hirschhorn im Wappen und die Herkunft ex Almanią, zusätzlich das eine ein Büffelhorn und die dem Deutschen unbekannte Benennung Rogala (Normannisch-Germanisch-Baltisch). Sie kann erst – bei oder nach der Einwanderung – in Polen zugeordnet worden sein. Mit ex Almanią kann kein „Germanisiertes Schlesien“ gemeint sein, was Bialkowski mutmaßte,Leon Bialkowski: Ród Bibersteinów. Kraków 1908, S. 30. denn die Herkunft aus Schlesien kennzeichnete Długosz mit dem Terminus „genus Silesicum“, wie der Eintrag beim Geschlecht Przegonia belegt. Er meinte den alemannisch-schwäbischen Raum, in dem das Konzil von Konstanz tagte.

Die schwäbische Stammeszugehörigkeit des Bannerträgers von Kulm in der Schlacht von Tannenberg stützt diese Deutung,Sven Ekdahl: Die Banderina Prutenorum des Jan Dlugosz, eine Quelle zur Schlacht von Tannenberg 1410. Göttingen 1976. denn der Mitgründer des Eidechsenordens Nicolaus dictus Niks (de Raynis), nacione suebus, führte, wie sein Truppenführer Janusius Orzechowski, Hirsch- und Büffelhorn im Schild, das heißt das Stammwappen Rogala.