mini|Die Lage der historischen Landschaft Artland im Osnabrücker Land Der Begriff Artland hat, bezogen auf den Raum im Umfeld der Stadt Quakenbrück im niedersächsischen Landkreis Osnabrück, mehrere Bedeutungen.

Bedeutungen Die Bezeichnung Artland steht für die Samtgemeinde Artland.

Artland bezieht sich auf die 180 km² große Landschaft Artland im Landkreis Osnabrück, die aus der Samtgemeinde Artland und der Gemeinde Gehrde besteht.Laut Heinrich Böning, von 1977 bis 2015 Leiter des Stadtmuseums Quakenbrück, ist der Einbezug Gehrdes damit zu erklären, dass die Kirchspiele Badbergen, Gehrde und Menslage sowie die Stadt Quakenbrück seit der Reformation ständig eine mehrheitlich evangelische Bevölkerung gehabt hätten. Das entsprechende gemeinsame Gebiet nennt Böning Kern-Artland. Zu diesem Gebiet gehört für Böning nicht die heutige Gemeinde Nortrup in der heutigen Samtgemeinde Artland, da deren Einwohner jahrhundertelang dem katholischen Kirchspiel Ankum angehört hätten. Dem „Regionale[n] Raumordnungsprogramm für den Landkreis Osnabrück 2004“ ist jedoch zu entnehmen, dass „[d]ie historische Innenstadt Quakenbrück […] von der bäuerlichen Kulturlandschaft des Artlands ‚umrahmt‘“ werde (also nicht zu ihr gehöre) und – wie diese – „größte touristische Anreize“ biete.

Die Erlebnisregion Artland besteht aus den Samtgemeinden Artland, Bersenbrück und Fürstenau.

Das FFH-Gebiet „Bäche im Artland“ liegt auf dem Gebiet der Samtgemeinden Artland und Bersenbrück sowie der Gemeinde Merzen in der Samtgemeinde Neuenkirchen.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet „Bäche im Artland“ in den Städten Quakenbrück, Fürstenau und Bersenbrück sowie den Gemeinden Menslage, Nortrup, Badbergen, Berge, Bippen, Eggermühlen, Kettenkamp, Ankum und Merzen, Landkreis Osnabrück vom 30.09.2019

Für touristische Zwecke bezeichnet seit 2010 der Landkreis Osnabrück die Samtgemeinden Artland, Bersenbrück und Neuenkirchen als „Artland“.Heinrich Böning: Das Artland. 2015. S. 7. ISBN 978-3-86680-845-4

„Artland“ ist ein Synonym für den Naturraum Quakenbrücker Becken, ein eiszeitliches Zungenbecken, das vom Bersenbrück-Dammer Endmoränenbogen mit den Endmoränen der Ankumer Höhe im Südwesten und der Dammer Berge im Osten und Südosten sowie ihren abdachenden Sandern eingerahmt wird. In dieser nördlich von Bramsche beginnenden physischen Landschaft liegen auch Dinklage und die im Einzugsgebiet der Hase gelegenen Teile der Nachbarorte Lohne, Vechta und Bakum im sich östlich an den Landkreis Osnabrück anschließenden Landkreis Vechta sowie das Land an der Hase im Süden des Landkreises Cloppenburg und der äußerste Osten des Landkreises Emsland.Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Regionalbericht für das Hase-Einzugsgebiet. Darstellung der Grundwassersituation (PDF; 8,6 MB); Dezember 2012, S. 15 (im PDF S. 20) Diejenigen soeben genannten Gebiete, die heute außerhalb des Landkreises Osnabrück liegen, gehörten bis 1803 zum Niederstift Münster.

Das Artland war nie eine politische Einheit; seine Kirchspiele gehörten nicht einmal denselben Ämtern des Hochstifts Osnabrück an. Vielmehr führten wirtschaftliche, kulturelle und verwandtschaftliche Bindungen zum Artland als einer Einheit. In der dünn besiedelten Region dominieren heute zwischen Wiesen, Äckern, den für norddeutsche Geestlandschaften typischen Wallhecken, Feldgehölzen und Wäldchen mehr als 700 – oft denkmalgeschützte – Fachwerkhöfe in Einzellagen.

Die Bezeichnung Artland für diesen Landstrich ist erstmals für das Jahr 1309 belegt.Kohnen: Die Herkunft des Namens Art-Land. In: Osnabrücker Land 1974, S. 49 f.

Naturräumliche Gliederung Naturräumlich gliedert sich das Quakenbrücker Becken wie folgt: (zu 58 Dümmer-Geestniederung) (zu 585 Bersenbrücker Land) 585.1 Quakenbrücker Becken 585.10 Artland 585.11 Ehrener Feld (im äußersten Nordwesten, westlich Hahlens) 585.12 Bottorfer Mark (im westlichen Norden, nördlich von Menslage und Bottorf) 585.13 Wulfenauer Mark (im Norden, bei Wulfenau) 585.14 Vechtaer Mark (im äußersten Nordosten, westlich der Linie Vechta–Lohne) 585.15 Hase-Niederung (nördliches Randtal, Westteil an der Hase bei Löningen) 585.16 Fladder-Niederung (nördliches Randtal, Ostteil beiderseits des Fladderkanals zwischen Essen (Oldenburg) und Vechta)Heinz Kosanke: Naturräumliche Gliederung des Landkreises Cloppenburg. Heimatbund für das Oldenburger Münsterland. S. 6ff.

Diese Zungenbeckenlandschaft wird nach Südwesten und Südosten bis Osten vom Bersenbrück-Dammer Endmoränenbogen (585.0) mit den Endmoränen Ankumer Höhe (585,00) und Dammer Berge (585.03) sowie ihren abdachenden Sandern eingerahmt, die der äußerste Süden des Artlandes am Tal der Hase bei Bersenbrück allerdings in zwei einander nicht berührende Bögen trennt. Die nördlichen Randtäler des Beckens grenzen unmittelbar an Teile der Cloppenburger Geest (593) als Teil der Ems-Hunte-Geest (59). Südwestlich des Ehrener Feldes ist die schmale Nahtstelle zur westlichen Nachbarhaupteinheit Lingener Land (586).

Geschichte

mini|Hase-Binnendelta bei Quakenbrück um 1903 Die Hase im nördlichen Osnabrücker Land verzweigt sich in viele Arme und bildet ein Binnendelta, ein Relikt der letzten Eiszeit vor ca. 180.000 Jahren. Durch die Eiszeitgletscher wurden die Dammer Berge und Ankumer Berge aufgeschoben. Nachdem das Eis geschmolzen war, blieb zunächst eine tiefe Mulde zurück, es entstand im heutigen Artland ein großer Binnensee, teils bis zu 60 m tief, der später durch Schwemmsande teilweise wieder aufgefüllt wurde. Aufgrund der Temperaturänderungen verlandete der See immer mehr. Es bildete sich eine Sumpflandschaft, durch die sich die Hase mit zahlreichen Armen schlängelte und sich dabei auch häufig neue Wege suchte. Die in der Eiszeit geformte Urlandschaft des Hasetals hat im Verlaufe der Jahrtausende ihr Gesicht auch ohne Eingriffe durch den Menschen ständig verändert.Niedersächsisches Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): Erläuterungsbericht zum Plan für die Erneuerung der Dämme und Deiche an der Gehobenen Hase zwischen Quakenbrück und Gehrde im Landkreis Osnabrück. Oktober 2013. S. 9

Die so entstandenen Flächen ermöglichen eine ertragreiche Landwirtschaft, die über Jahrhunderte hinweg die bis heute bäuerlich geprägte Landschaft formte. Allerdings führten die häufigen Überflutungen der Gewässer im Quakenbrücker Becken vor Beginn der bis heute andauernden umfangreichen Wasserbaumaßnahmen immer wieder zu verheerenden Ernteausfällen und auch früher schon zu Schäden an Bauwerken. Die Bauwerksschäden fielen aufgrund der wachsenden Bevölkerung zusehends ins Gewicht, so dass im Laufe der Jahrhunderte die Motivation, Siedlungen (vor allem Quakenbrück, Essen und Löningen) vor Überschwemmungen zu schützen, zunahm.

Die erstmals im Jahre 1309 für diesen Landstrich auftauchende Bezeichnung Artland wurde im Lauf der Jahrhunderte in wechselndem Umfang verwendet, klare, dauerhafte Gebietsgrenzen gab es nie.

mini|hochkant|Informationstafel zur Geschichte des Artlands Voraussetzung für die wirtschaftliche Eigenständigkeit des Artlandes waren die zunächst uneingeschränkt als „gut“ bewerteten naturräumlichen Bedingungen und die damit sehr ertragreichen Böden im „Quakenbrücker Becken“. Die Hase sorgte durch ihr geringes Gefälle im Flachland unterhalb von Bersenbrück für die Ablagerung fruchtbarer Schwemmsande (angeschwemmter Sand) aus dem Osnabrücker Bergland, woraus sich ein sehr fruchtbarer Ackerboden entwickeln konnte. Die höher gelegenen Eschböden wurden mittels Plaggendüngung aufgewertet, die den fetten Wiesen entnommen wurden. Neben der im ganzen Osnabrücker Land bis zum Dreißigjährigen Krieg vorherrschenden Viehzucht wurde im Artland seit jeher Ackerbau betrieben, wobei neben Hafer und Roggen auch die anspruchsvollere und begehrtere Gerste angebaut werden konnte. Dieser ertragreiche Ackerboden, der im Unterschied zu dem oftmals an Getreidemangel leidenden übrigen Osnabrücker Land stand, führte in der „Kornkammer des Hochstifts Osnabrück“ (das formell 1803 aufgelöst wurde) zur Herausbildung einer wohlhabenden ländlichen Oberschicht mit zahlreichen Einzelhofanlagen, wodurch zusammen mit Hecken, Wäldchen und Hofeichenkämpen eine parkartige Landschaft entstand.Ottenjann: Bau-, Wirtschafts- und Sozialstruktur. Die Blütezeit der Artländer Bauernhofkultur lag im 18. Jahrhundert. In dieser Zeit entstanden besonders viele der für das Artland typischen prächtigen Fachwerkbauernhöfe.

In den 1890er-Jahren und nach der Jahrhundertwende führte Gustav Möllmann die ersten fundierten, umfangreichen naturkundlichen Erfassungen der Artländer Flora und Fauna durch.Karl Koch: Nachrufe. Gustav Möllmann. In: Jahresbericht des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück. Band 18, 1921: enthalten in: Veröffentlichungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück. Bände 16–18.Heiko Bockstiegel, Antje Telgenbüscher et al.: Persönlichkeiten aus Quakenbrück und umzu. Hrsg.: Stadtmuseum Quakenbrück. Quakenbrück 2024, ISBN 978-3-9825260-2-7, S. 101 f.

Der Wettbewerbsvorteil des Artlands gegenüber Landschaften mit weniger fruchtbaren Böden schrumpfte ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts durch die sich bereits 1910 abzeichnende Möglichkeit, großflächig künstlichen Stickstoffdünger auf Ackerböden zu verwenden. 1928/29 verwendete die deutsche Landwirtschaft rund 430.000 t reinen Stickstoff, vor allem zum Düngen. Dadurch konnte der genügsame, aber auch viel Dünger vertragende Mais auf nahezu allen für den Ackerbau überhaupt geeigneten Böden angebaut werden. Dies geschah vor allem im heutigen „Schweinegürtel“, dem Gebiet mit der höchsten Tierdichte in Deutschland im Südwesten Niedersachsens, in dem auch das Artland liegt. Mais, der auch aus dem Ausland importiert wird, ist ein begehrtes Futtermittel, das wegen der Zig Millionen Tiere im „Schweinegürtel“ stark nachgefragt ist. Auch deshalb überwiegt im Artland, wie auch in der restlichen Weser-Ems-Region, der Anbau von Maiskulturen,Berner: Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte obwohl der von Natur aus fruchtbare Boden dort keine intensive natürliche Düngung (mit Hilfe von Gülle aus der Massentierhaltung) noch gar mit Hilfe von Kunstdünger benötigt. Dennoch geht der Druck der heute finanzstarken und mächtigen Agrarindustrie vor allem im Oldenburger Münsterland auf die Landwirte, die heute im Artland nicht mehr annähernd so wohlhabend sind wie ihre Vorfahren im 18. Jahrhundert, so weit, dass von ihnen erwartet wird, Gülle abzunehmen,Wolfgang Rüther: Hauslandschaften in Niedersachsen. In: Hansjörg Küster (Hrsg.): Kulturlandschaften. Analyse und Planung. Peter Lang Verlag. 2008. S. 120 f. ISBN 978-3-631-57725-7. durch deren Einsatz sie ihren wertvollen Boden überdüngen würden, was zu einer Eutrophierung der gesamten Gewässerökologie an der Hase im Flachland führen würde. Auch ohne die Düngung Artländer Böden tritt der Eutrophierungsprozess des Oberflächenwassers ein, da ein Großteil des westlichen Landkreises Vechta und des südlichen Landkreises Cloppenburg über die Hase im Bereich des Artlandes in Richtung Ems entwässert wird.

Die 1972 gegründete Samtgemeinde Artland umfasst mit Quakenbrück, Menslage und Badbergen nur einen Teil des ursprünglichen Kernlandes, zu dem auch Gehrde gehört, das wie Menslage, Quakenbrück und Badbergen von der fruchtbaren Haseniederung profitierte. Nortrup zählt hingegen nicht zum Artländer Kernland. Es löste sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts politisch und kirchlich von Ankum, wo 1908 die erste katholische Pfarrei gegründet wurde. Auch Ankum wird oft zum Artland gezählt (Artländer Dom), der Ort war jedoch jahrhundertelang Mittelpunkt des Farngaus, zu dem auch Nortrup gehörte.

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