mini|Familiengrab Mutschler auf dem Hauptfriedhof Mannheim (mit Hajek-Plastik) mini|Pfingstbergkirche, Mannheim (1963) mini|Kapelle am Universitätsklinikum, Mannheim (1966) mini|Lukaskirche, Mannheim (1967) mini|Gemeindezentrum Mannheim-Vogelstang (1968) mini|Südasien-Institut, Heidelberg (1969) mini|Innenraum mit Split-Level im ehemaligen Südasien-Institut, Heidelberg mini|Multihalle, Mannheim (1975) mini|Wilhelm-Busch-Schule, Mannheim (1983) mini|Museum Weltkulturen, Mannheim D 5 (1988) mini|ZEW Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim (1990) mini|Stadthaus N 1, Mannheim (1991) mini|Polizeidirektion Heidelberg (1993) mini|Campus Neuenheimer Feld in Heidelberg Carlfried Mutschler (* 18. Februar 1926 in Mannheim; † 22. Februar 1999 ebenda) war ein deutscher Architekt. Mutschler realisierte komplexe Großbauten für den privaten und öffentlichen Bereich. Ab 1978 lehrte er als Honorarprofessor an der Städelschule in Frankfurt am Main.
Leben Mutschler wurde 1944 nach Ablegung des Abiturs am Goethe-Realgymnasium in Mannheim in den Krieg eingezogen. 1947 aus französischer KriegsgefangenschaftCarlfried Mutschler, deutscher Architekt; Prof. In: Munzinger-Archiv, 27. Januar 1986, nur Artikelanfang. entlassen, studierte er an der Technischen Hochschule Karlsruhe unter anderem bei Otto Haupt und Otto Ernst Schweizer und legte seine Diplomprüfung 1951 bei Egon Eiermann ab. Zunächst tätig im Architekturbüro von Alfred Au in Ludwigshafen, war er ab 1952 Mitarbeiter im Mannheimer Architekturbüro von Albrecht Lange und Hans Mitzlaff (1910–1997). Sein eigenes Büro gründete er 1953, mit Bürositz in Mannheim und bis 1959 auch in Frankfurt/Main.
Ab Mitte der 1950er-Jahre widmete sich Mutschler parallel zu seiner Planungstätigkeit intensiv der fachberuflichen Gremien- und Verbandsarbeit So war er im Deutschen Werkbund 1963 als Vorstandsmitglied der Landesgruppe Baden-Württemberg und ab 1975 als deren Erster Vorsitzender. In den Bund Deutscher Architekten e. V. (BDA) wurde er 1956 berufen, war dann ab 1959 Vorstandsmitglied der BDA-Kreisgruppe Mannheim und 1967–1970 Landesvorsitzender des BDA Baden-Württemberg. Neben Mitgliedschaften im Institut für Städtebau und Wohnungswesen Nürnberg (1964) und in der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (1965) wurde er aufgrund seiner breitgefächerten künstlerischen wie baukünstlerischen Interessen 1970 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.
Bei einem seiner frühen Privatbauten, dem großzügigen Wohnhaus mit Büroflügel Dr. Lothar Oechsner kam Mutschler 1958 in Kontakt mit dem jungen Maler und Plastiker Otto Herbert Hajek, was nicht nur Grundlage einer zeitlebens währenden Freundschaft und wiederholter Zusammenarbeiten wurde, sondern darüber hinaus weitreichende Auswirkungen auf seine schöpferische Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst am Bau und zeitgenössischen Strömungen der Avantgarden hatte.
Betrachtet man die Bauten seines Frühwerks wie das Altenheim in Lindenhof von 1961, sind diese Gebäude zunächst vom strengen Stil der Nachkriegsmoderne seines Lehrers Egon Eiermann geprägt. Einen Wendepunkt in der Entwicklung von Mutschlers Architekturverständnis nehmen die Darmstädter Gespräche von 1951 über Mensch und Raum ein. Dort lernte er Hans Scharoun und dessen expressionistische Bauten kennen und schätzen. Kurz darauf kamen Hugo Häring und sein Werk hinzu.Alexander Bartscher: In: Stiftung Deutscher Architekten, 1. April 2014, aufgerufen am 5. Juli 2017.
Mutschler gewann im Jahr 1964 den ersten Preis beim Wettbewerb für die Erweiterung des Mannheimer Reiß-Museums in B 4, der jedoch nicht zur Ausführung kam.Andreas Schenk, Architekturführer Mannheim, Reimer, Berlin 1999, ISBN 978-3-496-01201-6, S. 27. Nachdem Mutschler mit seinem Büropartner Joachim Langner und dem Künstler Erwin Bechtold einen zweiten Wettbewerb 1979 gewonnen hatte, errichteten sie in Mannheim von 1984 bis 1988Schenk, Architekturführer Mannheim, 1999. das Museum Weltkulturen für die Reiss-Engelhorn-Museen in D 5.
In Zusammenarbeit mit Frei Otto plante er die Multihalle anlässlich der Bundesgartenschau 1975 im Mannheimer Herzogenriedpark. Beim Bau der Multihalle setzte er anstatt auf eckige, harte Betonkanten auf ein freitragendendes Gitterwerk mit sanften Rundungen und lichtdurchlässiger PVC-Folie, was die Halle wie einen riesigen Walfisch aussehen lässt.Manfred Sack: . In: Die Zeit, 16. Mai 1975, Nr. 21, Artikelanfang.
Mit dem Mannheimer Stadthaus fand Mutschler, wie es 1991 in einem Artikel zu seinem 65. Geburtstag hieß, aus den „Eiermannschen Eierschalungen“Otto Maier: Carlfried Mutschler zum 65. Geburtstag am 18.2.1991. In: der architekt, , 1991, Nr. 2. heraus. Damit reagierte Mutschler auf den ästhetischen Paradigmenwechsel in der Architekturentwicklung der 1980er-Jahre, weg von seinen subtilen, neoplastischen Interpretationen des Brutalismus hin zur postmodernen Reinterpretation des Stilzitats.
Ab 1971 waren die langjährigen Mitarbeiter Joachim Langner und Dieter Wessa Büropartner von Carlfried Mutschler, ab 1987 zusätzlich noch Christine Mäurer und Ludwig Schwöbel, die ab 1993 das Architekturbüro in eigener Verantwortung weiterführten und 2005 in Schwöbel und Partner Freie Architekten umfirmierten.
Trotz seiner Lehrtätigkeit an der Städelschule in Frankfurt blieb Mutschlers Lebensmittelpunkt in Mannheim. Zahlreiche seiner Bauten stehen inzwischen unter Denkmalschutz.
Bauten in Mannheim 1957–1963: Evangelisches Gemeindezentrum mit Pfingstbergkirche 1958: Wohnhaus für Dr. Lothar Oechsner (1974 abgerissen) 1960: Wohn- und Atelierhaus Mutschler in E7Alexander Bartscher: Betrachtungen zum Wohnhaus von Carlfried Mutschler 1961: Altenheim und Mutterhaus für Evangelische Kinderschwestern in Mannheim-Lindenhof 1965–1967: Lukaskirche in Mannheim-Almenhof 1966: Friedrich-Ebert-Schule, Mannheim 1966: Kapelle am Universitätsklinikum MannheimDer Baumeister. Heft 12/1967 1966–1970: Geschwister-Scholl-Schule (abrißgefährdet) 1968: Evangelisches Gemeindezentrum VogelstangGemeindezentrum Vogelstang 1970–1975: Multihalle (mit Frei Otto, Ewald Bubner und Ove Arup Partners) 1970–1977: Herzogenried-Siedlung in Neckarstadt-Ost 1975–1978: Wohnhaus in E7 1979–1983: Wilhelm-Busch-Schule 1984–1988: Museum Weltkulturen (mit Erwin Bechtold) 1984: Internationales Institut für Berufsbildung (2017 abgerissen) 1986–1991: Stadthaus N1 1990: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Hotel-, Wohn- und Geschäftshaus in N 6 (Holiday Inn)
Bauten anderenorts 1954: Kantine mit Pförtnerhaus für die Dr. Schleussner-Fotowerke in Neu-Isenburg 1965–1969: Südasien-Institut der Universität Heidelberg 1966: Wohnhaus in WachtbergEintrag auf German Postwar Modern 1970: Kinderkurheim in Bad Rappenau (abgerissen)Eintrag auf German Postwar Modern 1973–1975: Stadtteilmittelpunkt Heidelberg-Emmertsgrund 1974–1978: Medizinische Institute der Universität Heidelberg 1972–1975: Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg 1989–1993: Polizeidirektion in Heidelberg
Auszeichnungen 1969: Grand Prix de l'architecture de l'urbanisme in Cannes für den Wettbewerbsbeitrag „Trassenstadt 69“ in Zusammenarbeit mit Günter Bock 1978: Großer BDA-Preis 1978: Hugo-Häring-Preis für die Multihalle 1979: Erster Preis beim Wettbewerb für die Erweiterung des Reiß-Museums 1982: Deutscher Beitrag auf der Biennale von Venedig mit dem Wohn- und Geschäftsviertel Bab al Sheikh in Bagdad 1988: Hugo-Häring-Preis für das Internationale Institut für Berufsbildung Veröffentlichungen Carlfried Mutschler und Partner. Bauten und Entwürfe. Krämer, Stuttgart 1976, ISBN 3-7828-1437-1. Joachim Langner (Red.): Carlfried Mutschler und Partner. Bauten und Entwürfe 2. Krämer, Stuttgart 1995, ISBN 3-7828-1610-2.
Literatur
Alexander Bartscher: Carlfried Mutschler, Architekt 1926–1999. In: Deutsches Architektenblatt, Ausgabe Nordrhein-Westfalen, , 2014, Nr. 4, S. 26. (Abschrift auf stiftung-deutscher-architekten.de, abgerufen am 5. August 2025; in einer älteren Version im Internet Archive.) Carlfried Mutschler (1926–1999). Vom Beton zur Leichtigkeit. In: Denkmalstiftung Baden-Württemberg, 2009, Nr. 1, S. 8. (Online) Otto Maier: Carlfried Mutschler zum 65. Geburtstag am 18.2.1991. In: der architekt, , 1991, Nr. 2. Otto Maier: Meine Begegnung mit Carlfried Mutschler. In: Deutsches Architektenblatt, Ausgabe Baden-Württemberg, 1991, Nr. 3. Georg Vrachliotis: Frei Otto, Carlfried Mutschler, Multihalle. Spectormag, Leipzig 2017, ISBN 978-3-95905-192-7
Weblinks
(Tabellarische Biografie)
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Mannheim) Kategorie:Mitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Kategorie:Mitglied des Deutschen Werkbundes Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1926 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann