mini|Waffensystem 2K12: Aufklärungs- und Leitstation 1S91 (Vordergrund) und Startrampe 2P25 (Hintergrund links) mit Raketen 3M9 2K12 „Kub“ (, NATO-Codename: SA-6 Gainful) ist ein sowjetisches Flugabwehrraketensystem. Die Exportversion 2K12 „Kwadrat“ mit eingeschränkten Gefechtsmöglichkeiten (russisch: Квадрат – Quadrat) wird von der NATO ebenfalls SA-6 Gainful genannt.
Das Waffensystem 2K12 „Kub“ ist ein mobiles Flugabwehrraketensystem mittlerer Reichweite. Die Entwicklung begann Ende der 1950er-Jahre, die Einführung in die Bewaffnung 1967. Das Waffensystem diente zum Schutz von Panzer- und motorisierten Schützendivisionen im Angriff, der Verteidigung und auf dem Marsch.
Entwicklung Ende der 1950er-Jahre wurde erkennbar, dass vorhandene Flugabwehrkanonen wie die S-60 den Panzer- und motorisierten Schützenverbänden auf dem Gefechtsfeld nicht mehr folgen konnten. Der Schutz dieser Systeme gegen gegnerische Waffenwirkung war ebenfalls eingeschränkt, Reichweite und Schusshöhe waren zur Bekämpfung moderner Strahlflugzeuge nicht ausreichend. Gleichzeitig ermöglichte die fortschreitende technische Entwicklung den Bau kleinerer und damit mobiler Flugabwehrraketensysteme.
Die Entwicklung begann am 18. Juli 1958 im Versuchskonstruktionsbüro OKB-15 GKAT (russisch: ОКБ-15 ГКАТ), einer Zweigstelle des Zentralen Konstruktionsbüros ZKB NII-17 (russisch: ЦАКБ НИИ-17). Gefordert war die Bekämpfung von Luftzielen mit einer Geschwindigkeit von 420 bis 600 m/s und einer Flughöhe von 100 m bis 7 km bei einer effektiven Kampfentfernung bis zu 20 km. Die Vernichtungswahrscheinlichkeit sollte mindestens 0,7 betragen.
Die Erprobung des Systems begann 1959 auf dem Schießplatz Dongusk (Донгузск). Am 18. Februar 1963 wurde im Rahmen der Erprobung mit einer Iljuschin Il-28 das erste Luftziel erfolgreich bekämpft. Insgesamt dauerte die Erprobung jedoch noch bis 1966 an. Nach der Überwindung diverser technischer Schwierigkeiten wurde das System am 23. Januar 1967 zur Übernahme in die Bewaffnung zugelassen. Im gleichen Jahr begann die Serienproduktion in Uljanowsk, Swerdlowsk und Dolgoprudny.
Konstruktion Aufbau des Waffensystems Das Waffensystem wurde normalerweise geschlossen im Bestand eines Flugabwehrraketenregimentes oder einer Flugabwehrraketenbrigade eingesetzt. Das Regiment bzw. die Brigade setzt sich aus vier bis sechs Flugabwehrraketenbatterien,NVA: vier bzw. fünf; für andere Einsatzländer und Zeiträume können Struktur und Mengengerüste abweichen einer Führungsbatterie und einer Technischen Batterie zusammen.
Eine Flugabwehrraketenbatterie des Systems besteht aus: mini|Startrampe 2P25 einer Aufklärungs- und Leitstation 1S91 (russisch: 1С91) vier Startrampen 2P25 (russisch: 2П25) zwei Transport- und Ladefahrzeugen 2T7 (russisch: 2T7) einer Kabine zum Empfang der Zielzuweisung (KPZ) 9S417 (russisch: КПЦ 9С417) 18 Flugabwehrraketen 3M9 (russisch: 3M9) sowie einem Schützenpanzerwagen (BRDM-2 oder BTR-60) als Aufklärungs- und Führungsfahrzeug.
Die Führungsbatterie besteht aus: mini|P-40 der NVA der DDR einem Vermessungsfahrzeug UAZ-452T einer Kabine zur Übermittlung der automatisierten Zielzuweisung (KBU) 9S416 (russisch: КБУ 9С416) einem Fahrzeug für zentralisierte Feuerleitung FuKS einer Rundblickstation RBS-40 (P-40, russisch П-40) einem Höhenfinder PRW-16 (russisch ПРВ-16) einer Rundblickstation RBS-15 (P-15, russisch П-15) oder einer Rundblickstation RBS-19 (P-19, russisch П-19) einer Rundblickstation RBS-18 (P-18, russisch П-18)
Die Technische Batterie besteht aus: mini|Transport- und Ladefahrzeuge 2T7 Raketentransportfahrzeugen 9T22 Transport- und Ladefahrzeugen 2T7 (russisch: 2T7) auf Lkw ZIL-131 verschiedenen Kontroll- und Prüffahrzeugen, Kranen und sonstiger Ausrüstung.
Der Führungsbatterie oblag die Aufklärung des Luftraumes und Zielzuweisung. Die Flugabwehrraketenbatterie war für die unmittelbare Bekämpfung des Luftzieles zuständig. Der Technischen Batterie oblag die Montage, Betankung, Kontrolle und Zuführung weiterer Flugabwehrraketen.
Zusammenwirken der Elemente des Waffensystems In der Führungsbatterie wird in der Kabine zur Übermittlung der Automatisierten Zielzuweisung bzw. im Fahrzeug für zentralisierte Feuerleitung ein gemeinsames Luftlagebild erstellt. Dazu werden die Signale der verschiedenen Radarstationen auf mehreren Sichtgeräten zusammengeführt. Die Nutzung mehrerer in verschiedenen Frequenzbändern arbeitender Radarstationen erlaubte die Abdeckung eines großen Gebietes und führte zu einem höheren Schutz gegen passive und aktive Radarstörungen. Durch die im Meterwellenbereich arbeitenden Radarstationen wird auch die Aufklärung von Luftfahrzeugen mit Stealth-Eigenschaften erleichtert. Bei wechselseitigem Einsatz der verschiedenen Radarstationen wird auch die Aufklärung und Bekämpfung durch den Gegner erschwert.
Die zu bekämpfenden Luftziele werden durch den Feuerleitoffizier (militärisch: den Schießenden, im Regelfall der Regimentskommandeur) des Regimentes ausgewählt und mittels Lichtgriffel auf dem Sichtgerät markiert. Von der Kabine zur Übermittlung der automatisierten Zielzuweisung werden die Zielkoordinaten mittels Datenfunk zur Kabine zum Empfang der Zielzuweisung der Flugabwehrraketenbatterie übermittelt. Dort erfolgt die Transformation der Koordinaten. Anschließend werden diese über Draht (NVA-Funk) kodiert an die Aufklärungs- und Leitstation 1S91 übertragen.
In der 1S91 wird diese Zielvorgabe angezeigt und nach Bestätigung des '1S91'-Kommandanten wird die Antenne des Zielbegleitradars automatisch auf das ausgewählte Luftziel gerichtet. Die präzisierten Zielkoordinaten werden verschlüsselt über eine Drahtleitung oder Datenfunk an die Startrampen 2P25 übermittelt. Die Rakete wird auf den berechneten Vorhaltepunkt, die Antenne des Zielsuchlenkkopfs der Rakete auf das Luftziel gerichtet. Die Ermittlung dieser Daten erfolgt auf Basis von Analog-Rechnern in jeder '2P25' separat. Die Wahl der Anzahl der einzusetzenden Raketen und deren Start kann in der Führungsbatterie, in der Aufklärungs- und Leitstation 1S91 oder in der Startrampe (in der Startrampe können nur Raketen abgeschaltet nicht aber die Anzahl beeinflusst werden) erfolgen. (?)
Die Aufklärungs- und Leitstation 1S91 verfügt über die Möglichkeit der eigenständigen Luftraumaufklärung. Dies ermöglicht einen eigenständigen Einsatz der Batterie und verringert die Zeit zum Herstellen der Gefechtsbereitschaft, da nicht mehr alle Standorte der beteiligten Elemente vermessen werden müssen. Beim Einsatz im Rahmen einer Division besteht jedoch die Gefahr der ungewollten Mehrfach- bzw. Nichtbekämpfung von Luftzielen. Die Aufklärungsreichweite ist ebenfalls wesentlich geringer, was zu kürzeren Reaktionszeiten führt. Durch die langandauernde Abstrahlung des Radargerätes erhöht sich außerdem die Gefahr der Entdeckung durch den Gegner.
Alle '1S91' und '2P25' Einheiten haben eine autonome Stromversorgung auf Basis einer integrierten Gasturbine.
Lenkverfahren Das Waffensystem arbeitet mit einem halbaktiven Verfahren. Dazu muss das Luftziel unmittelbar vor dem Start bis zum Treffen des Lenkflugkörpers bzw. dem Brennschluss des Raketenmotors durch das Dauerstrichradar angestrahlt werden. Bei einem halbaktiven Verfahren ist im Gegensatz zur Kommandolenkung die Anzahl der Raketen, die gleichzeitig ein Ziel bekämpfen können, theoretisch unbeschränkt. Der Einsatz von mehr als drei Raketen auf ein Luftziel steigert bei der 2K12 die Trefferwahrscheinlichkeit jedoch nur noch unwesentlich. Da der Abgasstrahl einer Rakete stark ionisiert ist und die vom Ziel zurückgestrahlte Energie sehr gering ist (ca. 0,1 nW), wird für nachfolgende Raketen das Ziel außerdem verdeckt, daher war der Einsatz von mehr als drei Raketen nicht vorgesehen.
Angewandt wird die Methode der proportionalen Annäherung. Die Rakete wird dabei nicht direkt auf das Luftziel gelenkt, sondern auf einen berechneten, veränderlichen Vorhaltepunkt. Dies führt bei ausreichender Trefferwahrscheinlichkeit zu einer geringeren seitlichen Beschleunigung der Rakete während des Fluges, was die Konstruktion einer leichteren Rakete ermöglicht.
KPZ 9S417/KBU 9S416 Der Feuerleitkomplex K1 (GRAU-Index: 9S44 „Krab“) wurde ursprünglich für die Feuerleitung des Waffensystems S-60 und des Flugabwehrraketenkomplexes S-75 entwickelt. Für den Flugabwehrraketenkomplex 2K11 Krug kam er ebenfalls zum Einsatz.
An die KBU 9S416 können bis zu drei Radarstationen angeschlossen werden, jedoch kann auf den beiden Sichtgeräten nur die Luftlage einer Radarstation erfolgen, die Umschaltung erfolgte manuell. Die gleichzeitige Begleitung von bis zu zehn Luftzielen ist möglich, davon können zwei zur gleichen Zeit an die verschiedenen Flugabwehrraketenbatterien zugewiesen werden. Zur KPZ werden Seitenwinkel, Zielentfernung und die Zielhöhe der ausgewählten Luftziele per Datenlink übertragen. Außerdem ist die wechselseitige Übertragung von bis zu 24 weiteren Signalen, wie beispielsweise Einsatzbereitschaft und Betriebsart der Flugabwehrraketen, möglich. Eine fehlerfreie Zielzuweisung ist jedoch nur möglich, wenn die Standorte der entsprechenden Radarstation, der KPZ, der KBU und der Aufklärungs- und Leitstation korrekt vermessen sind. Die Berechnung der Zielhöhe, des Seitenwinkels und der Entfernung zum Ziel erfolgt in der KPZ. In beiden Kabinen kommen Digitalrechner mit Ferritkernspeichern und einer Taktfrequenz von 6,5 kHz zum Einsatz, die Anzeige der ermittelten Werte erfolgt jedoch analog.
Auf den Sichtgeräten kann ein Luftraum mit einem Radius von 300 (KBU) bzw. 200 km (KPZ) dargestellt werden, die maximale Flughöhe der Ziele beträgt dabei 30 bzw. 51 km, deren maximale Geschwindigkeit 1000 bzw. 1575 m/s. Insgesamt konnten Luftziele in einer Entfernung von 15 bis 160 km erfasst und zugewiesen werden. Durch den Einsatz des Komplexes K1 9S44 kann die obere Grenze der Vernichtungszone auf 11.000 m angehoben werden. Da die Aufklärungsstationen der Flugabwehrraketenbatterien überhaupt nicht, die Zielverfolgungsradare nur kurzzeitig abstrahlen, verringert sich die Gefahr der Aufklärung durch den Gegner. Die Nutzung verschlüsselten Datenfunks anstelle von Sprechfunk zur Führung erhöht Abhör- und Störsicherheit.
Die Zeit für das Beziehen einer Stellung beträgt bei der KBU 18 Minuten, bei der KPZ 9 Minuten, die Zeit für das Verlassen der Stellung 22 bzw. 6:30 Minuten. Die entfalteten Kabinen können innerhalb von 5:30 bzw. 5 Minuten in volle Gefechtsbereitschaft gebracht werden.
Aufklärungs- und Leitstation 1S91 mini|Aufklärungs- und Leitstation 1S91 in Gefechtslage, am Heck links ist eine zylindrische Antenne des Telecodegerät 1S61 zu erkennen mini|Aufklärungs- und Leitstation 1S91 in Marschlage, man beachte die Position der Antennen und die eingefahrenen Container Die Aufklärungs- und Leitstation 1S91 dient der Aufklärung des Luftraumes, der Zielerfassung und -begleitung sowie dem Anstrahlen des Ziels während des Fluges des Lenkflugkörpers. Sie ist gleichzeitig Führungspunkt der Flugabwehrraketenbatterie.
Die Station besteht aus dem Basisfahrzeug GM568 der Stromversorgungsanlage 2Ä6 dem Ausfahr- und Horizontierungmechanismus 2Ä8 der Aufklärungsstation 1S11 (NATO-Codename: Straight Flush) mit dem Kennungsgerät 1S51 der Zielbegleit- und Aufhellstation 1S31 (Leitstation) und dem Fernsehvisier 9Sch33 dem Telecodegerät 1S61 der Vermessungseinrichtung TNA-3 zwei Funkgeräten R-123 und der Bordsprechanlage R-124 der Kernwaffenschutzanlage Die Besatzung bestand aus insgesamt vier Soldaten (Kommandant(Oberfunkorter/Zugführer/Batteriechef), (Ober)Funkorter 1, Funkorter 2, (Panzer-)Fahrer).