Ein Trend ist in der Statistik der Anglizismus für die Veränderung der Daten einer statistischen Zeitreihe, von der angenommen wird, dass sie langfristig und nachhaltig wirkt, die jedoch unabhängig von vorhandenen Fluktuationen oder Volatilitäten eine bestimmte Richtung beibehält.
Etymologie Der Anglizismus stammt aus dem englischen Wort für „Richtung“, „Neigung“, „Entwicklung“ ().Ursula Hermann: Knaurs etymologisches Lexikon. 1983, S. 489. Es handelt sich um eine „statistisch erfassbare durchschnittliche Grundrichtung einer Entwicklung“.Alan Kirkness, Elisabeth Link, Isolde Nortmeyer, Gerhard Strauß, Paul Grebe (Hrsg.): Deutsches Fremdwörterbuch. Band 5, 1981, S. 433 f. (books.google.de) Umgangssprachlich versteht man unter Trend die vorherrschende Entwicklungsrichtung eines Wachstumsprozesses, deren Richtung relativ eindeutig beobachtbar erscheint und deren Tempo sich nur langsam verändert.Reinhard Spree, Michael Tybus: Wachstumstrends und Konjunkturzyklen in der deutschen Wirtschaft von 1820 bis 1913. 1978, S. 32. (books.google.de) Die Abgrenzung zur Tendenz lässt sich bereits etymologisch ziehen, denn das Lehnwort „Tendenz“ stammt aus dem Lateinischen und hat damit keine gemeinsame Wurzel mit der Herkunft des Wortes „Trend“.
Allgemeines Trends gibt es überall dort, wo ein Bezugswert sich verändern kann und aus dieser Veränderung eine Entwicklungsrichtung entsteht. Insbesondere Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft befassen sich mit Trends in Form von Zeitreihen. Trends sollen dem Analysten Auskunft über Entwicklungen eines Bezugswerts innerhalb eines bestimmten Zeitraumes und/oder Ortes geben, um hieraus Erkenntnisse über bestimmte Vorgänge gewinnen zu können. Ausgangspunkt ist zunächst eine trendfreie Beobachtung innerhalb eines Zeitraumes/Ortes. Dann bleiben Mittelwert und Varianz einer Zeitreihe über einen gesamten Beobachtungszeitraum konstant, man spricht von Stationarität. Nur nicht-stationäre Zeitreihen unterliegen einer Trendentwicklung und besitzen deshalb keinen festen Mittelwert.Sönke Albers (Hrsg.): Methodik der empirischen Forschung. 2006, S. 369. (books.google.de) Hierbei wird zwischen trendstationären Zeitreihen mit deterministischem Trend und differenzstationären Zeitreihen mit rein zufälligen stochastischen Trends unterschieden.
Die einfachste Art, in einer Messreihe einen Trend festzustellen, ist ihre grafische Darstellung über der Zeit bzw. dem Messort. Je genauer die Linie horizontal (oder bei großer Streuung die Punktwolke rund) ist, desto geringer ist ein auffälliger Trend. Eine lineare Regression ist meist der nächste Schritt zur Analyse.
Definitionen Für Horst Opaschowski sind Trends „individuelle und gesellschaftliche Entwicklungstendenzen, denen wir alle früher oder später direkt oder indirekt ausgesetzt sind“.Horst Opaschowski: Top-Trends: Die wichtigsten Trends für die nächsten Jahre. In: Ulrich Becker (Hrsg.): Top-Trends. 1995, S. 42. Nach Matthias Horx sind Trends „hochkomplexe, selbst steuernde (autopoetische) dynamische Prozesse in der modernen Individualgesellschaft“.Matthias Horx, Peter Wippermann: Was ist Trendforschung. 1996, S. 21. Für Ottmar Schneck ist der Trend „die von Zufallsschwankungen unabhängige Grundrichtung einer Zeitreihe“.Ottmar Schneck: Lexikon der Betriebswirtschaft. 1998, S. 711. Eine den soziologischen Begriffsinhalt umfassend wiedergebende Definition sieht Trends als „vom Menschen bewirkte Grundrichtungen von Entwicklungen in der Gesellschaft, durch die Handlungen großer Bevölkerungsgruppen nachhaltig beeinflusst werden“.Christian Wopp: Handbuch zur Trendforschung im Sport. 2006, S. 13. Ein Trend bildet sich aus, wenn eine Mehrzahl der Marktteilnehmer eine grundsätzlich gleiche Auffassung über die künftige Marktentwicklung hegt.Stefan Salomon: Das große Lehrbuch der Chartanalyse. 2020, o. S. (books.google.de)
Gemeinsam ist den meisten Definitionsversuchen das Vorhandensein einer Zeitreihe und die sich hieraus im Zeitablauf ergebende Veränderung der Daten. Trends sind also stets auch eine – nicht zufällige – Funktion der Zeit, weil sie die Chronologie als logische Abfolge eines Zustands oder Prozesses widerspiegeln.Peter P. Eckstein: Repetitorium Statistik. 2003, S. 106. (books.google.de) Ökonomische Trends können durch zwischenzeitliche Saison- oder Konjunkturschwankungen verdeckt werden. Zudem müssen Trends einen zeitlich stetigen Verlauf erwarten lassen.
Arten In der Statistik unterscheidet man zwischen deterministischen und stochastischen Trends:Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.): Kompakt-Lexikon Wirtschaftsmathematik und Statistik. 2013, S. 134. (books.google.de) Deterministischer Trend: Die Abweichungen vom Trend sind stationär,stationär setzt voraus, dass der Mittelwert konstant ist es gibt immer wieder eine Tendenz zurück zum Trend: konstanter Trend: Der Grundwert einer Zeitreihe bleibt ausnahmsweise unverändert („Seitwärtsbewegung“); linearer Trend: Die Grundrichtung der Zeitreihe wird durch eine auf- oder absteigende Gerade ausgedrückt: . Darin bezeichnen den Bezugswert des Trends, den Achsenabschnitt des Trends und die Steigerung der Trendfunktion in der Zeitreihe . parabolischer Trend: Hier liegt der Zeitreihe eine Parabel zweiten oder höheren Grades zugrunde: Für ist dabei die allgemeine Funktion einer Parabel einzusetzen: . Exponential-Trend: die Zeitreihe folgt einer Exponentialfunktion: . Logistischer Trend: . ist hierin der Sättigungsgrad des Bezugswerts eines Trends (siehe Logistische Funktion). Stochastischer Trend: Die Abweichungen vom Trend haben keine Tendenz zurück zum Trend. Typisch sind Zeitreihen mit einem Random Walk, der Zufall spielt eine wesentliche Rolle. Deterministische Trends bedeuten, dass die sich nach Entfernung der Trendvariable ergebende Datenreihe eine stationäre Datenreihe ist, deren weiterer Verlauf vorhersagbar ist.Dominik Loitz: Stabilität, Variabilität und Bestimmungsfaktoren der Verdienststruktur des Verarbeitenden Gewerbes in der Bundesrepublik Deutschland. 2002, S. 98. (books.google.de) Die meisten ökonomischen Zeitreihen weisen jedoch keinen deterministischen Trend auf. Als ökonomische Zeitreihen kommen insbesondere Aktienindex, Aktienkurse, Börsenkurse allgemein, Kursniveau, Marktdaten, Marktpreise, Preisniveau, Renditen (Umlaufrenditen), Rentenindex, Unternehmensdaten, Zinsindex oder Zinsniveau in Frage. Sie weisen stochastische Trends auf, die nicht vorhersagbar sind.
Naturwissenschaften Physik In der Physik ist der Trend ein linearer Regressionskoeffizient in der zeitlichen Entwicklung der diagonal angeordneten Rekurrenzpunkte weg von der identischen Rekurrenzdiagonalen und damit ein Maß über die Stationaritat der Zeitreihe.Norbert Marwan: Untersuchung der Klimavariabilität in Nordwest-Argentinien. 1999, S. 37. (books.google.de) Gestörte Messreihen können durch Trendanalysen korrigiert (trendbereinigt) werden oder durch genauere Modellierung der physikalischen Umwelt, durch Ausweitung der Messreihen auf weitere Parameter oder durch Beseitigung der systematischen Fehlerquellen verbessert werden.
Ein Trend entsteht häufig durch Änderungen der äußeren Umstände – etwa in der Physik durch Anstieg der Temperatur, oder bei GPS-Vermessung durch Sonnenaktivität und Ionosphäre.
Säkulare Trends in der Astronomie In der Astronomie wird ein langfristiger Trend als säkular (von lat. saeculum für Jahrhundert, Menschenalter) bezeichnet. Solche Effekte sind z. B. die allmähliche Zunahme der Sonnenleuchtkraft die Verlangsamung der Erdrotation (0,002s / Jhdt.) und damit der Tageslänge langperiodische Änderungen der Bahnelemente von Planeten und ihren Monden vor allem die Drehung der Apsiden (Lage der Bahnellipse in der Bahnebene) und der Knotenlinie speziell bei der Erde die Präzession der Erdachse (Wandern der Schnittgeraden von Äquator- und Bahnebene) die langsame Drift in den Bahnachsen und Umlaufzeiten der Planeten und bei der Mondbahn. Verursacht werden diese Veränderungen großteils durch Abweichungen vom kugelsymmetrischen Schwerefeld der Sonne (durch die Existenz der Planeten, siehe Dreikörperproblem) und der Planeten (durch deren Abplattung). Kleinere Effekte verursacht die Allgemeine Relativitätstheorie und der Lichtdruck der Sonne.
Wirtschaftswissenschaften Arten Im Hinblick auf die Wirkungsdauer und den Geltungsbereich kann zwischen Modetrends, Konsumententrends, soziokulturellen Trends, Megatrends und Metatrends unterschieden werden. Modetrends halten sich maximal 5 Jahre, befriedigen das Bedürfnis nach modischer Abwechslung und besitzen regional-kurzfristige Auswirkungen. Konsumententrends spielen sich zwischen 5 und 8 Jahren ab und betreffen das Konsumverhalten. Soziokulturelle Trends wirken zwischen 5 und 10 Jahren und betreffen bedeutsame nationale Veränderungen in den Einstellungen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen, die den Lebensstil beeinflussen. Megatrends überspannen Zeiträume ab 25 Jahre und ziehen tiefgreifende, global-langfristige Auswirkungen nach sich.Jörn Fontius: Megatrends und ihre Implikationen für die Logistik. 2014, S. 16 f. (books.google.de) Der Begriff Megatrend wurde 1982 durch den Trendforscher John Naisbitt geprägt. Metatrends schließlich sind tiefgreifende Entwicklungen mit Dauercharakter wie das römische Reich, das Christentum oder die Kolonialisierung.Walter Simon: Gabals großer Methodenkoffer Zukunft: Grundlagen und Trends. 2011, S. 191. (books.google.de)
Je nach Trendrichtung unterscheidet man zwischen Abwärts- und Aufwärtstrend, je nach Fachgebiet gibt es insbesondere Börsen-, Konjunktur-, Markt-, Mode-, Preis-, oder Wählertrends, je nach Intensität von schwachen Trendsignalen bis hin über die Megatrends zu den Metatrends. Während Konjunkturtrends die gesamte Volkswirtschaft betreffen, sind Markttrends auf einen bestimmten Markt begrenzt. Hier kann die Marktentwicklung mit Hilfe der Marktanalyse von Marktdaten ermittelt werden. Trends können das Marktverhalten der Marktteilnehmer verändern wie etwa bei der Commoditisierung.
Nach der Dow-Theorie sind der Primär-, Sekundär- und Tertiärtrend zu unterscheiden.Wolfgang Grill, Ludwig Gramlich, Roland Eller (Hrsg.): Gabler Bank Lexikon: Bank, Börse, Finanzierung. Band 1, 1996, S. 463 f. (books.google.de) Der Primärtrend dauert gewöhnlich ein Jahr und länger, Sekundärtrends dauern zwischen zwei Monaten und einem Jahr und können den Primärtrend unterbrechen, Tertiärtrends dauern maximal bis zu zwei Monate. Der Aktienindex Dow Jones Industrial Average unterscheidet entsprechend aus der Richtung der Kursentwicklung den Bärenmarkt () mit einem fallenden Trend und den Bullenmarkt () mit einem steigenden Trend.Alfred B.J. Siebers, Martin Weigert (Hrsg.): Börsen-Lexikon. 1998, S. 116. (books.google.de) In der Börsensprache geläufig sind hierfür auch die entsprechenden Begriffe „Baisse“ und „Hausse“.
Wirtschaft mini|200px|Trends beim Produktlebenszyklus Trends gibt es insbesondere in der Wirtschaft. Alle Preise, Börsenkurse, Renditen oder Indices (Preisindex, Aktienindex) sowie das Preisniveau und das Zinsniveau bilden Zeitreihen und verändern sich ständig, so dass Finanzanalysten diese Zeitreihen zur Trendanalyse nutzen können. Der Produktlebenszyklus ist von charakteristischen Trendphasen gekennzeichnet. Nach der Marktreife beginnt ein progressiver Wachstumstrend mit steigendem Umsatz und Grenzgewinn, es folgt eine Sättigungsphase ohne Wachstumsrate und schließlich setzt eine Degenerationsphase ein, in der sogar Verluste entstehen können.
200px|rechts|Verschiedene Trend-Saison-Modelle für die Arbeitslosendaten in Deutschland von Januar 2005 bis Dezember 2011 Auch volkswirtschaftliche Kennzahlen, betriebswirtschaftliche Kennzahlen oder Unternehmensdaten von einem einzelnen Unternehmen können zu Trends zusammengefasst und analysiert werden.