mini|hochkant=1.5|Fischcamp der Tanana am Tanana River in Alaska (1997) mini|Die Yellowknife-Athabasken Akaitcho und Sohn, 1821 mini|Zwei Mädchen der Ahtna-Athabasken mit traditionellem Tragesystem
Athabasken bzw. Athapasken ist eine Sammelbezeichnung für die zahlreichen zerstreut lebenden indigenen Bands des nördlichen Zweiges der athapaskischen Sprachfamilie, die bis auf eine Ausnahme (Dena'ina, Meeresfischer im Cook Inlet) in den borealen Nadelwäldern, Waldtundren, Bergwäldern sowie entlang der großen Flüsse und Seen Alaskas (2005 ca. 7.000) und Nordwest-Kanadas (2005 ca. 27.000) leben.Willi Stegner (Hrsg.): TaschenAtlas Völker und Sprachen. 1. Auflage. Klett-Perthes, Gotha 2006, ISBN 3-12-828123-8, S. 219.
Der Name „Athapaskaw“ stammt von den südlich benachbarten Wald-Cree und bedeutet „überall ist Gras oder Rohr“ und bezieht sich auf die Region im Westen des Athabasca Lake im nördlichen Alberta.
Es sind zwei große regionale Gruppen zu unterscheiden: die Alaska-Athabasken oder Alaska-Dene (mit 13 Sprachen) im Interior Alaska sowie dem angrenzenden Yukon-Territorium, die sich selbst als Dinaa oder Dena („Volk“) bezeichnen sowie die nördlichen Athabasken oder Dene (mit 18 Sprachen) in den Nordwestterritorien (Denendeh – „Land der Dene“), im Yukon-Territorium, Nunavut sowie südlich angrenzenden Gebieten der Provinzen British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba im Nordwesten Kanadas, die sich selbst als T'ine, T'ana und heute zumeist als Dene (Dené) („Volk“) bezeichnen.
Dieser nördliche Zweig der athabaskischen Sprachfamilie gliedert sich somit in mindestens 31 Einzelsprachen, die sich zudem auf Grund der Sozialstruktur der Athabasken wiederum in zahlreiche regionale Dialekte gliedern (gesprochen von je einer Lokalgruppe). Trotz der Sprachverwandtschaft sind die Sprachen untereinander nicht verständlich. Selbst innerhalb der Einzelsprachen – die jeweils als Dialektkontinuum zu betrachten sind – schwindet die gegenseitige Verständlichkeit mit zunehmender geographischer Distanz der Gruppen erheblich.Introduction to Athabascans (Dené). Alaska Native Knowledge Network, University of Alaska, Fairbanks (USA), abgerufen am 18. April 2015.
Die heute übliche Einteilung in Stammesgruppen wurde auf Grund der Sprachfamilien durch Linguisten und Anthropologen getroffen und suggeriert somit ein Selbstverständnis der Alaska-Dene oder der Dene. Tatsächlich betrachteten sich benachbarte und einen verwandten Dialekt sprechende Lokalgruppen jedoch nicht als eine größere Gemeinschaft und die Athabasken hatten nie eine soziale oder politische Idee einer Nation bzw. Stammesidentität entwickelt.
Die im Südwesten der USA und Nordmexiko beheimateten Südlichen Athabasken hatten ähnliche Bezeichnungen wie die nördlichen Athabasken (Dene) und Alaska-Athabasken (Alaska-Dene); die Navajo nannten sich Diné und die Apache (je nach Dialekt) Indee, Ndé oder T'Inde („Volk“).
Stammesgruppen der Athabasken mini|hochkant=2.5|Verbreitung der nordathabaskischen Gruppen
Wie bereits erwähnt wurden die verschiedenen Gruppen der Athabasken erst durch die Europäer in größere regionale und kulturelle Stammesgruppen eingeteilt; vorher war dies den Athabasken völlig fremd, da sie durch eine traditionelle Stammesgesellschaft sowie die für alle Athabasken typische Individualität geprägt waren. Die benachbarten Athabasken erkannten sich zwar anhand der gemeinsamen Sprache als jeweils sprachlich verwandt an, jedoch entwickelten die einzelnen Stammesgruppen unterschiedliche Kulturen und bekämpften sich teilweise gegenseitig. Jede Stammesgruppe unterteilte sich wiederum in Bands und diese nochmals in kleinere Lokalgruppen.Werner Petermann (Übersetzer): Der große Bildatlas Indianer (engl. Originalausgabe: The Native Americans. Salamander Books, London). Orbis, München 1995, ISBN 3-572-00770-4, S. 182–191. Bis heute ist jedoch manchmal die Zuordnung mehrerer Bands (bzw. Lokalgruppen) zu einer Stammesgruppe umstritten. Zudem werden manche – seitens der Athabasken als eigenständige Sprachen betrachtete Varietäten – von Linguisten nur als Dialekte einer gemeinsamen Sprache wahrgenommenen (z. B. das Tahltan mit den Sprachen / bzw. Dialekten: Kaska (Dene Zágéʼ), Tahltan (Dahdzege) sowie Tagish (Tā̀gish))Krauss und Golla 1981 und Mithun 1999. Da die meisten Athabasken unter anglisierten Fremdbezeichnungen benachbarter – oftmals nichtathabaskischer Völker – bekannt wurden, sind hier die meist gebräuchlichen Stammesbezeichnungen wiedergegeben sowie (in Klammern) zuerst die Eigenbezeichnungen und dahinter die Namensherkunft (Sofern nicht anders angegeben bedeuten die Eigenbezeichnungen jeweils einfach „Volk“ oder „Menschen“).
Alaska-Athabasken oder Alaska-Dene Die Alaska-Dene werden allgemein in elf Stammesgruppen unterteilt, von denen manche auch im angrenzenden Yukon anzutreffen sind (von Nordwesten nach Südosten):
1. Koyukon (Dinaa, Tl'eeyegge Hut'aane – „Volk mit einer gemeinsamen Sprache“DEG XINAG ORAL TRADITIONS: RECONNECTING INDIGENOUS LANGUAGE AND EDUCATION THROUGH TRADITIONAL NARRATIVES, oftmals jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Hut'aane / Hotana – „Bewohner einer Gegend“, „Volk entlang, von, vom …“; Namensherkunft: Koyukukhotana – „Volk am Koyukuk River“, nordwestlichste Gruppe der Alaska-Dene) Kaiyuhkhotana oder Lower Yukon Koyukon (entlang des Yukon River zwischen dem Anvik River und Koyukuk River, einschließlich des Entwässerungsgebiets des Innoko River nördlich des 63. Breitengrads Nord, wurden sowohl von den Koyukukhotana als auch von den Yukonikhotana / Unakhotana als Feinde betrachtet, nur sie leisteten mit Kämpfen den Europäern Widerstand) Koyukukhotana oder Koyukuk River Koyukon (im Entwässerungsgebiet des Koyukuk River) Yukonikhotana / Unakhotana oder Upper Yukon Koyukon (im Entwässerungsgebiet des Yukon River südlich der Einmündung des Tanana River bis zur Mündung des Koyukuk River)
2. Gwich'in oder Kutchin (Dinjii Zhuu – „kleine Leute“; Namensherkunft: Gwich’in – „Bewohner einer Gegend“, nördlichste Gruppe aller Indianer, lebten meist nördlich des Polarkreises in den Yukon Flats entlang des Yukon Rivers, Porcupine Rivers, Chandalar Rivers, Peel River, Mackenzie River und Arctic Red River im Norden vom Yukon und der Nordwestterritorien sowie im Nordosten Alaskas)
3. Hän (Han) (Jëjee, Hän Hwëch'in – „Volk entlang des Flusses, d. h. des Yukon River“, oftmals jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Hwëch'in – „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom …“; Namensherkunft: Anglisierung ihrer Eigenbezeichnung Hän Hwëch'in bzw. des Gwich'in-Worts hangʷičʼin (Han Gwich'in), was beides „Volk entlang des (Yukon) Flusses“ bedeutet, lebten beiderseits des oberen Yukon Rivers und des Klondike Rivers im Yukonterritorium und Alaska – oftmals fälschlich als eine Band der Gwich'in betrachtet)
4. Holikachuk oder Innoko (Dina, oftmals jedoch nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Doogh Hit'an – „Einheimische“, „Locals“, „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom …“; Namensherkunft: Xiyighelinghdi (Huligachagat), der Bezeichnung eines inzwischen aufgegebenen Dorfes sowie nach ihren Stammesgebieten entlang des Middle und Upper Innoko River im Westen Alaskas – fälschlich oftmals mit den Koyukon zusammengefasst, obwohl sie kulturell den Deg Hit'an am nächsten stehen)
5. Ingalik (Dena oder Dina, heute Deg Hit'an – „Einheimische“, „Locals“, „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom …“ (diente ursprünglich zur Bestimmung der Zugehörigkeit zu einer regionalen Band/Gruppe); Namensherkunft: Yup'ik-Wort Ingqiliq – „Jene, die Eier von Läusen haben“, „Jene, die verlaust sind“, eine Sammelbezeichnung für alle Athabasken und später für alle Indianer, wird von den Deg Hit'an als beleidigend abgelehnt, lebten entlang des Anvik River, des Innoko River, des Lower Yukon River sowie des Middle Kuskokwim River, daher in älterer Literatur auch Anvik-Shageluk Ingalik, Kuskokwim Ingalik oder Yukon Ingalik genannt – oftmals fälschlich als Kaiyuhkhotana bezeichnet)
6. Upper Kuskokwim oder Kolchan / Goltsan (Dina'enaUpper Kuskokwim (Dinak'i) dictionary, heute jedoch: Dichinanek' Hwt'ana oder Digenegh xit'an- „Volk entlang des mit viel Holz gesäumten Flusses, d. h. des Kuskokwim Rivers“; Namensherkunft: wurden nach ihrem Stammesgebiet entlang des Upper Kuskokwim River im Südwesten Alaskas benannt oder nach der Tanaina-Bezeichnung Gheltsana oder Giltsane – „die Fremden, die Anderen“ für benachbarte im Inland wohnende AthabaskenDickinanek’ Hwt’ana: A History of the people of the Upper Kuskokwim who live in Nikolai and Telida, Alaska.Natural Resource Utilization of four Upper Kuskokwim Communities – oftmals fälschlich als McGrath Ingalik bezeichnet, obwohl ihre Sprache und Kultur den Tanana/Lower Tanana näher steht als den Deg Hit'an (Ingalik), zudem wurden sie irrtümlich auch als Tundra Kolosh / Koulischen den Tlingit zugerechnet, da im Russischen Letztere als Koloshi (Колоши) bezeichnet wurden, was auf das Sugpiaq-Alutiiq-Wort kulut'ruaq für Labret-Piercing zurückgeht)
Tanana Athabasken (hatten keine gruppenübergreifende Eigenbezeichnung, da sie sich nicht als eine Ethnie verstanden, je nach Sprache bzw. Dialekt: Dena, Dendeh / Dendeey oder Dineh, jedoch oftmals nach der Zugehörigkeit ihrer regionalen Band/Gruppe als Kokht'ana, Koxt'een / Koxt'en iin oder Koht'iin – „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom …“Search for data in: Database Na-Dene family: Athapaskan group (13 lists); Namensherkunft: Anglisierung des Gwich'in-Worts Tanan Gwich'in – „Volk entlang des Tanana River (Tanan Gwinjik)“ oder des Koyukon-Worts Ten Hut'aane – „Volk entlang des (Flusswasser) Pfades“, da diese den Tanana River Tene No' – „Wasserpfad“ nannten, wird meist als Sammelbegriff für drei regionale Gruppen verwendet, die verwandte Sprachen bzw. Dialekte sprechen, lebten im Flussgebiet des Tanana River im Osten vom Interior Alaska sowie teilweise im angrenzenden Yukon)
7. Tanana / Lower Tanana und/oder Middle Tanana (Dena bzw. Kokht'ana)
8. Tanacross oder Tanana Crossing (Dendeh / Dendeey bzw. Koxt'een / Koxt'en iin)The Phonology and Morphology of the Tanacross Athabaskan Language
9. Upper Tanana (Dineh bzw. Koht'iin)
10. Tanaina (Dena'ina, einzige Gruppe der Alaska-Dene, die bis zur Küste vorstieß, sich in dauerhaften Siedlungen niederließ und den Seefischfang übernahm, lebten im Gebiet des Cook Inlet – von ihnen als Tikahtnu – „Viel Wasser führender Fluss“ oder Nuti – „Salzwasser“ genannt – im südlichen Zentral-Alaska, ihr Stammesgebiet (Dena’ina Ełnena) erstreckte sich von Seldovia im Süden bis nach Chickaloon im Nordosten, von Talkeetna (K'dalkitnu) im Norden und Lime Village (Hek'dichen Hdakaq') im Nordwesten bis nach Pedro Bay im Südwesten)
11. Ahtna oder Copper-River-Athabasken (Atna Hwt'aene – „Eis-Menschen“, auch meist jedoch Koht'aene [kote-an-eh] / Hwt'aene – „Bewohner einer Gegend“ oder „Volk entlang, von, vom …“, um durch eine Ortsangabe die Zugehörigkeit zu einer regionalen Band/Gruppe zu bestimmen; Namensherkunft: Anglisierung ihrer Eigenbezeichnung als Ahtna, Ahtena, Atnatana, Ahtnakotana, Ahtna-Khotana oder Ahtna-Kohtaeneda sich ihr Stammesgebiet (Atna Nenn') im Südosten Alaskas entlang des Copper River (Atna River) – von ihnen 'Atna' tuu „Fluss der Ahtna“ genannt – und dessen Nebenflüssen erstreckte, bedeutet ihr Stammesname etwa „Volk am 'Atna' River, d. h. des Copper River“) Lower Ahtna (Atnahwt'aene – „Volk an der Mündung des ('Atna') Copper River“ (in den Golf von Alaska)) Central Ahtna oder Middle Ahtna (Dan'ehwt'aene) Western Ahtna (Tsaay Hwt'aene oder Dze Ta Hwt'aene – „Volk inmitten der Berge, der Nutzotin Mountains“) Upper Ahtna (Tatl’ahwt’aene – „Volk vom Oberlauf des ('Atna') Copper River“)
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