Das Dschungelbuch (Originaltitel: ) ist der 19. abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios. Es basiert auf Motiven der Dschungelbuch-Erzählungen von Rudyard Kipling, verarbeitet diese aber frei zu einer völlig anderen Geschichte. Der Film wurde am 18. Oktober 1967 veröffentlicht und war der letzte Zeichentrickfilm in Spielfilmlänge, der noch von Walt Disney selbst produziert wurde.
Nicht zuletzt wegen des Soundtracks wurde der Film enorm populär, vor allem in Europa. In Deutschland ist er sogar der erfolgreichste Film nach Anzahl der Kinobesucher. 2003 erstellte die Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit zahlreichen Filmschaffenden einen 35 Filme umfassenden Filmkanon für die Arbeit an Schulen und nahm Das Dschungelbuch in die Liste auf.Der Filmkanon Bundeszentrale für politische Bildung, 29. März 2010, abgerufen am 22. Dezember 2024.
Handlung Erzählt wird die Geschichte des Findelkindes Mogli aus der Sicht des Panthers Baghira, der das „Menschenjunge“ im Dschungel findet und bei einer Wolfsfamilie unterbringt. So lebt Mogli zehn Jahre glücklich und zufrieden im Dschungel.
Doch dann droht Gefahr: Der Tiger Shir Khan will Mogli töten, bevor dieser alt genug ist, Shir Khan selbst umzubringen, denn nur Menschen können mit Feuer umgehen – und das ist das einzige, was der Tiger fürchtet. Die Wölfe und Baghira möchten Mogli zu einer Menschensiedlung in Sicherheit bringen, doch davon ist Mogli gar nicht begeistert. Dennoch brechen er und Baghira auf. Sie verbringen die erste Nacht im Dschungel auf einem Baum. Kurz bevor Baghira einschläft, gerät der Menschenjunge in die Falle von Kaa, dem Riesenpython. Während Kaa damit beschäftigt ist, Baghira zu hypnotisieren, kann sich Mogli befreien und Kaa vom Baum herunterwerfen. Am nächsten Morgen werden sie von einer Elefantenkompanie (Dschungelpatrouille) geweckt, der sich Mogli für kurze Zeit anschließt. Mit dem jungen Elefanten „Junior“ freundet er sich an. Jedoch kann Mogli nicht bei den Elefanten bleiben, da Elefantenoberst Hathi keine Menschen mag. Baghira setzt die Reise mit Mogli fort.
Im Dschungel weigert sich Mogli weiterzugehen. Er sieht nicht ein, den Dschungel zu verlassen, und klammert sich an einem Baum fest. Baghira versucht, Mogli am Hosenboden wegzuzerren; Mogli wehrt sich und kann sich aus der misslichen Lage befreien. Der Panther verlässt Mogli verärgert, behält das Menschenjunge jedoch im Auge. Aber anstatt die Gefahren des Dschungels zu umgehen, zieht Mogli auf eigene Faust los und trifft den gemütlichen, unbekümmerten und naiven Bären Balu. Dieser „adoptiert“ den sorglosen Mogli und wird sein Lehrer in Sachen Gemütlichkeit.
Doch wenig später bemächtigt sich eine Horde Affen des Menschenkindes, weil deren König King Louie mit seiner Hilfe das Geheimnis des Feuers herausfinden möchte. Nachdem Balu und Baghira Mogli helfen, den Affen zu entkommen, muss auch Balu einsehen, dass sein Schützling im Dschungel nicht sicher ist und zu den Menschen gehen sollte. Mogli fühlt sich verraten und macht sich wieder alleine auf den Weg. Baghira bittet daraufhin die Dschungelpatrouille, bei der Suche nach Mogli zu helfen. Doch Shir Khan kann die Pläne belauschen und macht sich ebenfalls auf die Suche. Währenddessen gerät Mogli erneut in die Fänge von Kaa, dem es gelingt, den Jungen in seinen Bann zu ziehen. Durch den plötzlich erscheinenden Shir Khan abgelenkt entgeht Kaa, wie Mogli sich befreit und flieht.
Mogli trifft neue Freunde, die vier Geier Buzzy, Dizzy, Ziggy und Flaps. Während eines plötzlichen Gewitters greift der gefürchtete Tiger Mogli an. Balu kann mithilfe der Geier gerade noch einschreiten und rettet Mogli vor Shir Khans Klauen, wird aber dabei vom Tiger bewusstlos geschlagen. Mogli besiegt den Tiger, indem er einen durch einen Blitzschlag entflammten Ast an Shir Khans Schwanz befestigt – der Feind flüchtet panisch. Baghira und Mogli halten den immer noch reglos am Boden liegenden Balu für tot und Baghira hält eine ergreifende Trauerrede auf den Bären. Balu jedoch lebt, ist wieder bei Bewusstsein und genießt die Lobeshymne auf seine Person.
Das Ende der Reise scheint gekommen, da hört Mogli eine Mädchenstimme aus der Menschensiedlung singen. Verzückt folgt er ihr und lässt seine Freunde zurück. Die sind zwar verwundert, freuen sich aber, dass nun jeder dort ist, wo er hingehört. Arm in Arm singen Balu und Baghira: Probier’s mal mit Gemütlichkeit.
Figuren Mogli (Mowgli) Mogli ist ein Mensch, der als Baby im Dschungel ausgesetzt wurde und von den Tieren des Urwalds in ihren Kreis aufgenommen wird. Balu (Baloo) Balu ist ein gemütlicher Bär, der das Leben in vollen Zügen genießt. Baghira (Bagheera) Der schwarze Panther hat Mogli als Säugling im Dschungel gefunden und zur Wolfsfamilie gebracht. Er passt gut auf seinen kleinen Freund auf und sorgt letztlich dafür, dass dieser zur Menschensiedlung zurückfindet. Shir Khan (Shere Khan) Der Tiger, vor dem sich der ganze Dschungel fürchtet. Abgrundtief hasst er die Menschen, und so gerät auch Mogli in Gefahr. Er fürchtet sich jedoch vor Feuer. King Louie Der Affenkönig, der gerne wie ein Mensch wäre. Kaa Die Riesenschlange (Tigerpython), die sich auf die Kunst des Hypnotisierens versteht. Colonel Hathi Das Oberhaupt der Elefantenpatrouille und Kommandant der Dschungelpatrouille. Winifred Die couragierte Elefantenfrau von Colonel Hathi und Mutter von Junior. Junior Ein kleiner Elefantenjunge, der Mogli in die Elefantenherde einführt. Akela Oberhaupt des Wolfsrudels, das Mogli aufnimmt. Rama Ein Wolf, dessen Familie sich des Menschenjungen Mogli annimmt. Raschka (Raksha) Die Frau von Rama. Sie zieht Mogli mit ihren Jungen groß. Buzzy, Dizzy, Ziggy und Flaps Die vier Geier. Shanti Ein Mädchen, für das sich Mogli interessiert und das ihn am Ende wieder in die Welt der Menschen führt. Ihr Name wird erst in der Fortsetzung erwähnt.
Produktionsgeschichte Das Dschungelbuch war der letzte Film, der die Handschrift des im Dezember 1966 verstorbenen Walt Disney tragen konnte. Obwohl einige Kritiker bezweifeln, dass Disney noch großen Einfluss auf den Film hatte – immerhin war er zu diesem Zeitpunkt nur noch Geldgeber und konzentrierte sich mehr auf seine Fernsehsendungen und das Disneyland – beeinflusste er das Endergebnis mehr als noch den Vorgänger Die Hexe und der Zauberer. Zwar war Disney nicht mehr so sehr am kreativen Entstehungsprozess des Dschungelbuchs beteiligt wie noch an Schneewittchen und die sieben Zwerge oder Pinocchio, jedoch waren seine Entscheidungen für den Stil des Films ausschlaggebend.
Ursprünglich war Das Dschungelbuch stilistisch nahe an Rudyard Kiplings Vorlage und entsprechend düster angelegt. Dies ist heute noch sehr gut in den Bildern und der Musik des Vorspannes erkennbar, die weniger fröhlich sind als der eigentliche Film. Auch die Lieder, die von Terry Gilkyson für den Film geschrieben wurden, waren Walt Disney zu düster. Lediglich The Bare Necessities (Probier’s mal mit Gemütlichkeit) fand seine Zustimmung und wurde später verwendet. Als Gilkyson deutlich machte, dass er sich nicht von der dunklen Seite des Filmes distanzieren wollte, ersetzte ihn Walt Disney durch die Gebrüder Robert und Richard Sherman, welche bereits die Lieder zu Mary Poppins geschrieben hatten und Disney als die richtige Wahl schienen, um den Stoff aufzuheitern.
Disney empfahl seinem Team als nächsten Schritt, die bisherigen Storyboards zu ignorieren und die Vorlage nicht weiter zu verwenden bzw. sie gegebenenfalls nur als grobe Vorlage zu nutzen. Das neue Storyboard wurde um die Musik und die Ideen der Shermans gestaltet. Der Charakter einiger Figuren wurde auch verändert. Beispielsweise ist Balu in Rudyard Kiplings Buch ein alter, sehr ernster Bär, und Kaa, die Schlange, ist nicht gefährlich, weil sie Kinder frisst, sondern weil sie so schlau ist. Der von Walt Disney verschmähte Stil der Elektrofotografie wurde zurückgefahren, ausgewählte Elemente – darunter der Mund des indischen Mädchens – wurden wieder von Hand getuscht. Das neue Storyboard gefiel Walt Disney wesentlich besser als das ursprüngliche, jedoch ließ er eine Szene streichen. Nach der Sequenz mit dem Lied „Ich wäre gern wie Du“ war ursprünglich eine Comedy-Action-Szene mit einem reizbaren kurzsichtigen Nashorn namens Rocky geplant, das Mogli, Balu und Baghira angreifen sollte. Disney jedoch fand, dass zwei schnelle und lustige Szenen hintereinander ein schlechter Erzählstil seien.
Der kreative Prozess an Das Dschungelbuch war bereits beendet, als Walt Disney verstarb. Die Animation wurde ohne ihn fertiggestellt, und der Film kam am 18. Oktober 1967 in die US-amerikanischen Kinos, also fast 30 Jahre nach dem ersten abendfüllenden Disneyfilm Schneewittchen und die sieben Zwerge. Er ist allerdings nicht der letzte Animationsfilm, der von Walt Disney in Auftrag gegeben wurde. Kurz vor seinem Tod gab er noch grünes Licht für Aristocats.
Der Affenkönig King Louis sollte ursprünglich von Louis Armstrong gesprochen und gesungen werden und ist auch dementsprechend angelegt. Ein Beispiel hierfür ist King Louis’ Scat-Passage im Lied „Ich wäre gern wie Du“: Die erste Tonaufnahme dieser Gesangsart wird Armstrong zugeschrieben. Letztlich bekam allerdings Louis Prima die Sprech- und Gesangsrolle, weil man bei Disney befürchtete, den König der Affen mit dem König des Jazz zu besetzen würde als Affront gegen Armstrong bzw. Afroamerikaner im Allgemeinen gewertet werden.Interview mit Richard Sherman in Galore. 10, 2008, S. 52.
Synchronsprecher Die deutsche Vertonung entstand 1967 in den Ateliers der Simoton Film in Berlin. Heinrich Riethmüller war für Dialogbuch, -regie und die Liedertexte verantwortlich. Rollenname Englischer Sprecher Deutscher Sprecher Tier Mogli Bruce Reitherman Stefan Sczodrok Mensch Baghira Sebastian Cabot Joachim CadenbachRalf Paulsen (Gesang) Schwarzer Panther Balu Phil Harris Edgar Ott Lippenbär Shir Khan George SandersBill Lee (Gesang) Siegfried SchürenbergRalf Paulsen (Gesang) Königstiger King Louie Louis Prima Klaus Havenstein Orang-Utan Kaa Sterling Holloway Erich Kestin Tigerpython Colonel Hathi J. Pat O’Malley Martin HirtheElefant Winifred Verna Felton Ursula Krieg Junior Clint Howard Steffen Müller Buzzy J. Pat O’Malley Karl HellmerGeier Dizzy Lord Tim Hudson Erich Fiedler Ziggy Digby Wolfe Achim Strietzel Flaps Chad Stuart Hugo Schrader Akela John Abbott Jochen SchröderWolf Rama Ben Wright Joachim Nottke Shanti Darleen Carr Susanne Tremper Mensch Diverse Affen Leo De LyonBill SkylesHal Smith Andreas MannkopffWilfried HerbstGerd DuwnerHeinz Palm Affen Diverse Elefanten Bill LeeHal SmithRalph Wright Erich PoremskiHeinz Palm Elefanten
Musik Für die Popularität des Films waren nicht zuletzt die Lieder verantwortlich, die von Richard M. Sherman und Robert B. Sherman geschrieben wurden. Darunter I Wan’na Be Like You (dt.: „Ich wäre gern wie Du“), das Quartett der Geier That’s What Friends Are For (dt.: „Deine Freunde“) und „Colonel Hathis Marsch“. Das wohl populärste Lied ist The Bare Necessities, das von Terry Gilkyson komponiert und in der deutschen Synchronisation als „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ von Balu-Sprecher Edgar Ott gesungen wird.
Veröffentlichung Der Film kam am 18. Oktober 1967 in die Kinos. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Film immer wieder im Kino gezeigt. In den 1970er Jahren veröffentlichte die Firma Piccolo Film zwei Ausschnittfassungen des Films auf Super 8. Diese waren in Deutschland sehr beliebt und zwei der meistverkauften Super 8 - Filme für das Heimkino. Auf DVD erschien er erstmals 2000 bei Buena Vista Home Entertainment.