alternativtext=|mini|Konrad Adam (2015) Konrad Adam (* 1. März 1942 in Wuppertal) ist ein deutscher Journalist, Publizist und ehemaliger Politiker der AfD. Frust über Rechtsaußen-Kurs AfD-Gründungsmitglied Adam verlässt Partei tagesschau.de 29. September 2020.AfD Adam kritisiert Gauland als Wegbereiter für Extremisten, „Der Spiegel“ 9. Oktober 2020.Rechtspopulisten Lucke-Kritiker wird Chef der neuen AfD-Stiftung Die AfD gründet eine politische Stiftung - und benennt sie ausgerechnet nach einem großen Europäer. Führen soll sie Konrad Adam, einer der drei Parteisprecher und Kritiker von Parteichef Lucke. Der Spiegel 23. März 2015. Er war von 1979 bis 2000 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und dann bis 2007 Chefkorrespondent und Kolumnist der Tageszeitung Die Welt in Berlin. Von April 2013 bis Juli 2015 war er einer von drei Bundessprechern (Bundesvorsitzenden) der Alternative für Deutschland. Von 2015 bis 2017 war er Gründungsvorsitzender der parteinahen Desiderius-Erasmus-Stiftung und wurde 2018 zu deren Ehrenvorsitzendem ernannt (bis 2020). Mit Wirkung zum 1. Januar 2021 trat er aus der AfD aus.
Leben Familie und Ausbildung Konrad Adam wurde 1942 als Sohn des promovierten Juristen und höheren Bahnbeamten Friedrich AdamUlrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59225-6, S. 496. und seiner Frau Marianne, geb. Steinvorth, in Wuppertal geboren. Sein Vater war während des Krieges Reichsoberbahnrat bei der vom Deutschen Reich errichteten Eisenbahnverwaltung im Generalgouvernement in Krakau und gehörte zu den spät hinzugekommenen Mitgliedern des George-Kreises. Er wurde nach dem Krieg zusammen mit dem Lyriker Robert Boehringer zum wichtigen Kontaktpfleger im Zentrum der zerstreuten Gruppe.Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59225-6, S. 376 und öfter.
Auf Wunsch seines Vaters besuchte Konrad Adam zunächst die Privatseminare des Philosophen Kurt Hildebrandt, ebenfalls George-Schüler, die er aber bald aufgrund der kompromittierten Gesellschaft mied.Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. 2. Auflage. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59225-6, S. 381. Laut Adam trübte zudem die „unbarmherzige Attitüde“, die von den George-Kreis-Mitgliedern und auch seinem Vater gepflegt wurde, das Verhältnis zu diesen.Interview mit Konrad Adam bei anbruch.info, 20. Juli 2019, abgerufen am 5. Dezember 2019.
Nach dem Abitur am altsprachlichen Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal 1961 studierte Adam zunächst zwei Semester Jura, nach einem Fakultätswechsel dann dreizehn Semester Klassische Philologie und Geschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Nach dem Staatsexamen wurde er im April 1971 an der Philosophischen Fakultät in Kiel mit der von Hans Diller betreuten Dissertation Docere – delectare – movere. Zur poetischen und rhetorischen Theorie über Aufgaben und Wirkung der Literatur zum Dr. phil. promoviert., archiviert am 27. September 2007 im Internet Archive
Konrad Adam ist mit der Philologin Hella Adam verheiratet und hat drei Kinder.
Journalistische und publizistische Tätigkeit Anstatt den Lehrerberuf zu ergreifen, wurde Adam nach dem Studium Redakteur bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Kiel und Hamburg. Danach war er von 1979 bis 2000 Mitglied der Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Anschließend ging Adam für knapp sieben Jahre als politischer Chefkorrespondent der Tageszeitung Die Welt nach Berlin. Bekannt war vor allem seine wöchentliche Kolumne im so genannten Forum des politischen Teils der Zeitung. Ende März 2007 verabschiedete Adam sich in den Ruhestand. Seitdem schreibt er wieder vermehrt im Feuilleton seines früheren Arbeitgebers, der FAZ. Im akademischen Jahr 1995/1996 war Adam Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.Fellows, Wissenschaftskolleg zu Berlin, abgerufen am 26. März 2014.
Adam veröffentlichte sowohl in politischen Blättern (u. a. Die Politische Meinung) als auch in Wissenschafts- (Forum Classicum) und Kulturzeitschriften wie Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken und Neue Rundschau. 2023 war er in Zusammenarbeit mit dem Wiener Castrum Verlag als Herausgeber bisher unveröffentlichter Gedichte von Ernst Bertram, welche er weiters mit einem Nachwort versehen hat, tätig.
Politisches Wirken mini|Konrad Adam, Frauke Petry und Bernd Lucke beim Gründungsparteitag der AfD 2013 in Berlin Adam war zunächst Mitglied der CDU und gehörte dort dem konservativen Berliner Kreis an. Er war Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde 2013 einer der drei Gründungssprecher der daraus hervorgegangenen Partei Alternative für Deutschland (AfD).. Abschnitt auf der Startseite der Wahlalternative 2013, abgerufen am 7. Oktober 2012.Mitbegründer der Alternative für Deutschland: „Der Euro bringt die Völker gegeneinander auf“. In: Spiegel Online, 13. April 2013. Im Juli 2015 schied er aus der Sprecherposition der AfD aus, da nur noch zwei Bundessprecher gewählt wurden. Er bewarb sich um einen Beiratsposten, erhielt jedoch nur 25,4 Prozent der Stimmen.
Im Dezember 2015 wurde Adam wegen öffentlicher Warnung vor einem weiteren Rechtsruck seiner Partei vom AfD-Kreisverband Hochtaunus mit einer Abmahnung bestraft. Bei wiederholter öffentlicher Kritik drohten „weitere Ordnungsmaßnahmen“. 2020 erklärte Adam mit Wirkung 1. Januar 2021 aus der AfD auszutreten.
Die Politikwissenschaftler Gudrun HentgesGudrun Hentges: „Sarrazins Erben: Ressentiments von PEGIDA und AfD finden sich schon beim Ex-Finanzsenator“. In: ROSALUX. Journal der Rosa Luxemburg Stiftung, Ausgabe 1/2015, 20 f. und David BebnowskiDavid Bebnowski: Die Alternative für Deutschland. Aufstieg und gesellschaftliche Repräsentanz einer rechten populistischen Partei. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-08285-7, S. 22. verorteten ihn im nationalkonservativen Parteiflügel.
Im März 2015 wurde Adam zum Vorstandsvorsitzenden der neu gegründeten parteinahen Desiderius-Erasmus-Stiftung gewählt,, Website der AfD vom 23. März 2015, abgerufen am 27. November 2015.„AfD-Stiftung startet mit Finanzproblemen“, spiegel.de vom 27. März 2015, abgerufen am 27. November 2015. Im April 2017 wurde Adam auf einer Mitgliedsversammlung der Erasmus-Stiftung wieder abgewählt.AfD-nahe Stiftung setzt Adam als Vorsitzenden ab, Panorama vom 24. April 2017, abgerufen am 31. Juli 2017. 2018 wurde Adam der Ehrenvorsitz der Erasmus-Stiftung zuteil, den er jedoch zwei Jahre später niederlegte, weil er „keine Ehre mehr brachte“.
2019 wurde Adam Ehrenvorsitzender der überparteilichen Herbert-Gruhl-Gesellschaft e. V.
Positionen In dem Essay Das machtlose Parlament kommt Adam 2001 zu dem Schluss, dass Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien zunehmend die Macht der parlamentarischen und richterlichen Gewalt in Frage stellten, und nennt die Entscheidungsfindung zu Transrapid und Hochschulfinanzierung als Beispiele.Konrad Adam: Das machtlose Parlament. Konsens ohne Gemeinwohl: Experten, Räte, Meinungsmacher umgehen die Verfassung. In: Die Welt, 2. Juni 2001. Der Essay wurde mehrfach aufgegriffen, etwa von Norbert Lammert, der Adams Thesen bestritt.Rede von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert zum Thema „Weder machtlos noch allmächtig: Parlamentskultur in Deutschland“ beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. In: Bundestag.de, 9. Juli 2006, abgerufen am 26. April 2013; Norbert Lammert: Relevanz und Reputation des Parlaments. Der Bundestag. In: Klemens H. Schrenk, Markus Soldner (Hrsg.): Analyse demokratischer Regierungssysteme. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16309-3, S. 257–262 (Vorschau bei Google Bücher). Erwähnt auch bei Axel Murswieck: Des Kanzlers Macht. Zum Regierungsstil Gerhard Schröders. In: Christoph Egle, Tobias Ostheim, Reimut Zohlnhöfer (Hrsg.): Das rot-grüne Projekt. Eine Bilanz der Regierung Schröder 1998–2002. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-531-13791-3, S. 117–135, hier S. 121.
Seine zahlreichen Bücher beschäftigen sich vorwiegend mit der deutschen Innenpolitik, besonders der Bildungspolitik. Mit Die Republik dankt ab (1998) habe der konservative und „scharfsinnige Analytiker“ Adam, so der Journalist Rolf Lamprecht, ein intellektuell anspruchsvolles, europakritisches – bisweilen liberales – Werk verfasst, das sich in das herkömmliche Links-Rechts-Schema nicht einordnen lasse.Rolf Lamprecht: Adam, Konrad: Die Republik dankt ab. Die Deutschen vor der europäischen Versuchung. In: Zeitschrift für Rechtspolitik, 33 (2000) 11, S. 491. In dem Buch Die deutsche Bildungsmisere (2002) setzt er sich mit den Ergebnissen der PISA-Studie auseinander und fordert eine Rückbesinnung auf das klassische Bildungsideal, was in den Feuilletons überregionaler Tageszeitungen aufgegriffen wurde und ein geteiltes Echo fand.Rezensionsnotizen in: Perlentaucher. Der Literaturrezensent der Süddeutschen Zeitung Johan Schloemann warf ihm 2006 vor, mit seinem Werk Die alten Griechen Werner Jaegers Dritten Humanismus wiederbeleben zu wollen.
Adam macht den Sozialstaat mitverantwortlich für die sinkende Geburtenentwicklung und den Anstieg der Zahl von Sozialhilfeempfängern in Deutschland.Christoph Butterwegge: Krise und Zukunft des Sozialstaates. 3., erweiterte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-44848-X, S. 80.