mini|hochkant=1.3|Essener Straße mit Post (links) und Mockau Center Mockau ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Nordost von Leipzig. Er besteht aus den Ortsteilen Mockau-Nord und Mockau-Süd.

Lage und Ortstypik Das etwa 4,5 Kilometer vom Leipziger Stadtzentrum entfernte Mockau wird im Norden begrenzt vom Gelände der Leipziger Messe, im Osten vom Mockauer Flugplatzgraben und der Parthe, im Süden von der Volbedingstraße und im Westen vom Gelände der Deutschen Bahn. Benachbart sind, im Norden beginnend, im Uhrzeigersinn die Leipziger Ortsteile Seehausen, Thekla, Schönefeld-Abtnaundorf, Eutritzsch und Wiederitzsch. Die Grenze zwischen Mockau-Nord und Mockau-Süd wird markiert durch den Damm der früheren Wahren-Schönefelder Verbindungsbahn.

Mockau-Nord ist mit einer Fläche von 450 ha und 12 416 Einwohnern der deutlich größere der beiden Teile, während Mockau-Süd, das während seiner Entstehung auch Neu-Mockau hieß, nur 126 ha und 4 958 Einwohner hat. mini|Mockauer Straße, führt durch Mockau-Nord und -Süd (2017) Mockau ist vornehmlich ein Wohngebiet. An der Magistrale Mockauer Straße und ihren Nebenstraßen dominiert die mehrstöckige Blockrandbebauung aus der Gründerzeit. Aus den 1920er Jahren stammt die kleinteilige Weidenhofsiedlung, während die Siedlung Mockau-West aus den 1930er Jahren, die für die Beschäftigten der Rüstungsindustrie auf dem Flughafengelände errichtet wurde, Ein- und Zweifamilienhäuser mit großen Gartengrundstücken zur Selbstversorgung aufweist. Während der DDR-Zeit wurden Plattenbauten am Ost- und am Westrand von Nord-Mockau errichtet, darunter sieben Punkthochhäuser mit einer Höhe von 50,5 m auf 16 Etagen, von denen vier erhalten und die höchsten Gebäude Mockaus sind.

Während der dörflichen Zeit Mockaus bildeten Kirche und Rittergut im heutigen Mockau-Nord das Zentrum. Mit der städtischen Entwicklung entstand an der Kreuzung der Mockauer und der Essener Straße mit Rathaus (kriegszerstört) und Postgebäude ein neues, bis heute wirksames Zentrum, wobei die Mockau-Post-Passage und das Leipzig-Mockau-Center neue städtebauliche Akzente setzen. mini|Schmuckplatz Mockau (2022) Mockau ist ein grüner Stadtteil. Über 1200 Kleingärten in sechs Kleingartenvereinen mit einer Gesamtfläche von 41,4 ha machen zusammen mit 12 ha Wald aber nahezu 10 % der Gesamtfläche des Stadtteils aus und sorgen zusammen mit der Parthenaue, dem Biotop an der Gypsbergstraße, den Gärten der Siedlungshäuser sowie dem 2022 sanierten unter Denkmalschutz stehenden Schmuckplatz an der Mockauer Post für ein grünes Umfeld. Hinzu kommt der in unmittelbarer Nähe gelegene Abtnaundorfer Park, der ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Geschichte Als Dorf mini|Mockau auf einer Karte von 1863 Die Geschichte menschlicher Besiedlung lässt sich durch den Fund von Urnengräbern an den Ufern der Parthe bis auf 1000 bis 800 v. Chr. zurückverfolgen. Es gilt heute als gesichert, dass Mockau um etwa 1200 von Bauern im Zuge der Ostkolonisation als Straßendorf in den feuchten Partheauen errichtet wurde. Auf den besonderen Siedlungsgrund weist auch der Name des Stadtteils hin, der sich aus slawisch mokry für nass, feucht ableitet. Ein Zeugnis der Frühgeschichte des Dorfes ist die bis heute existierende Stephanuskirche, die im 12. Jahrhundert als Wehrkirche erbaut und mehrfach umgestaltet wurde.

Dorf und Rittergut gehörten vor der Reformation je zur Hälfte dem Augustiner-Chorherrenstift St. Thomas in Leipzig und der Familie von Pflugk, anschließend zumeist Kaufmannsfamilien aus dem nahen Leipzig. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden Mockau und seine Bevölkerung stark in Mitleidenschaft gezogen. 1636 grassierte während der Belagerung Leipzigs durch die Schweden die Pest im Dorf, am 25. März 1640 brannte es während der Schlacht zwischen kursächsischen und schwedischen Truppen teilweise ab. Seit dem Dorf 1685 das Recht eingeräumt wurde, einen Schulmeister einzustellen, fand regelmäßiger Unterricht statt. Im Zweiten Schlesischen Krieg erfolgte in Mockau die Übergabe der Stadt Leipzig an den Befehlshaber der preußischen Truppen, Leopold I. Abschließend wurde das Dorf geplündert und in Brand gesteckt. mini|Rittergut Mockau (um 1860) mini|Aktie der Presshefefabrik Auch während der Völkerschlacht spielte Mockau eine wichtige Rolle: Teile der schlesischen Armee überquerten in der Nähe des Dorfes die Parthe, um die französischen Truppen in Pfaffendorf anzugreifen. Der Angriff wurde von Feldmarschall Blücher geleitet, der in der Windmühle des Dorfes Quartier bezog. Durch den Wiener Kongress 1815 wurde die nördliche Flurgrenze Mockaus zur sächsisch-preußischen Grenze.

Für die Entwicklung Mockaus spielte sein Rittergut eine bedeutende Rolle. Es gehörte zu den nur sieben Rittergütern im Leipziger Kreis, die durchgängig seit dem 17. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert hinein in bürgerlichem Besitz waren. 1839 kaufte es der Handelskaufmann Friedrich Alexander Gontard, in dessen Familie es bis 1912 blieb, bis es die Stadt Leipzig erwarb und auf den zugehörigen Feldern den Flughafen Leipzig-Mockau errichtete.

Bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Mockau eine industrielle Entwicklung. 1852 entstand eine Zuckerfabrik, die aber nur bis 1862 Bestand hatte. Zwar nicht in Mockau, aber an seiner südlichen Grenze, entstand 1872 die Leipziger Wollkämmerei, die Mockau insofern beeinflusste, als die Rittergutsbesitzerin in Betriebsnähe Arbeiterwohnungen als Neu-Mockau bauen ließ.

1886 eröffnete die Presshefe- und Kornspiritusfabrik Saxonia, die 1900 mit einer Leipziger Presshefefabrik zur Aktiengesellschaft Leipziger Presshefefabrik und Brennerei AG Union fusionierte, wobei im Mockauer Werk 150 Arbeiter beschäftigt waren. Der Betrieb bestand auch noch als VEB und wurde erst kurz nach der Wende geschlossen.

1913 eröffnete Carl Alfred Voigt ein Dampfsägewerk mit 100 Beschäftigten als Zulieferbetrieb für seine Kistenfabrik in Leipzig-Reudnitz. Nach einer abwechslungsreichen Betriebsgeschichte entstand 1990 in Mockau die Leipziger Kisten- und Leistenfabrik GmbH.

Am 22. Juni 1913 eröffnete der sächsische König Friedrich August III. den Luftschiffhafen und Flugplatz Leipzig und weihte in Anwesenheit von Graf Zeppelin die Luftschiffhalle ein, in der zwei Zeppeline untergebracht werden konnten.

Mockau gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f. und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig. Dazwischen war das Gerichtsamt Taucha zuständig. 1915 wurde der Ort nach Leipzig eingemeindet, nachdem er zu großen Teilen bereits städtischen Charakter angenommen hatte.

Als Leipziger Stadtteil Das Wichtigste für Leipzig an seinem neuen Stadtteil Mockau war der Flughafen. Dieser wurde während des Ersten Weltkrieges allerdings nur militärisch genutzt. Neben ihm siedelten sich aber auch Flugzeugbauunternehmen an wie zum Beispiel die Germania Flugzeugwerke. Diese Entwicklung musste nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gemäß dem Versailler Vertrag eingestellt werden und konnte erst in den 1930er Jahren, nun umso intensiver, fortgesetzt werden. Die zivile Luftfahrt kam in den 1920er Jahren wieder in Gang, wurde aber wegen der Konkurrenz des Schkeuditzer Flughafen zum Ende des Jahrzehnts auf Inlandflüge reduziert.

Der Wohnungsbau in Mockau ging weiter. In den 1920er Jahren entstanden unter anderem die Weidenhofsiedlung und an der Ostseite der Mockauer Straße ein von Stadtbaurat Hubert Ritter entworfener, über 400 Meter langer Wohnkomplex im Art-decó-Stil mit 216 Wohnungen, der wegen seines porphyrfarbenen Putzes und möglicherweise auch wegen der Einstellung seiner Bewohner im Volksmund als Rote Front bezeichnet wurde. Durch die um den Flugplatz angesiedelte Rüstungsindustrie initiiert, entwickelte sich in den 1930er Jahren die Randsiedlung Mockau-West. mini|Eröffnung der Flugstrecke Berlin–Leipzig zur Herbstmesse 1956 Nach 1945 wurden die Rüstungsbetriebe am Flugplatz liquidiert und größere Betriebe im Stadtteil enteignet. Zur Herbstmesse 1949 wurde ein Messeflugbetrieb aufgenommen, und ab 1956 bis 1962 entwickelte sich ein ständiger Inlandflugverkehr. Dann verlor der Flughafen Mockau seine Zulassung als Verkehrsflugplatz zugunsten von Schkeuditz. 1969 wurde ein Agrarflugstützpunkt eingerichtet.

Nach 1990 stellte die Stadt Leipzig die in ihrem Eigentum befindlichen Grundstücke des Flugplatzes für Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe zur Verfügung. Im Juni 1991 begann der Bau des Versand-Zentrums, das im Februar 1995 seinen Betrieb aufnahm und diesen mit der Insolvenz der KarstadtQuelle AG wieder einstellen musste.

Ab 1954 begann auch wieder der Wohnungsbau in Mockau, zumeist getragen von Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften, der mit den Großblockbauten der 1980er-Jahre seinen Höhepunkt fand. Nach 1990 stand zunächst die Sanierung der aus der DDR-Zeit maroden Wohnsubstanz im Vordergrund. Eine neue Wohnsiedlung entstand Ende der 1990er Jahre rund um die Spetlakstraße auf dem Gelände der ehemaligen Union-Hefefabrik.

Das Einkaufszentrum Leipzig-Mockau-Center (LMC) entstand 1993 als Neubau an der Mockauer Str. 123 gegenüber der Mockauer Post, das mit vielen kleinen Geschäften und Arztpraxen den Mockauer Bedürfnissen entspricht.

Die Flüchtlingsunterkünfte auf dem ehemaligen Mockauer Flughafengelände wurden im März 2022 zur zentralen sächsischen Aufnahmestelle für Flüchtlinge aus der Ukraine.

Für die Jahre bis 2025 plant die Stadt aus Eigenmitteln und Mitteln des Bundes aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte“ u. a. eine Aktivierung leerer Läden.Bjoern Meine: 22 Projekte für Schwung in der City. Leipziger Volkszeitung, 4. Februar 2022, S. 20

Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Leipzig 2030 (INSEK) ist der Stadtteil als Schwerpunktgebiet der integrierten Stadtteilentwicklung definiert.

Bedeutende Ereignisse 22. Juni 1913: Einweihung der damals größten Luftschiffhalle der Welt durch den sächsischen König Friedrich August III. und Eröffnung des Flughafens Leipzig 13. Februar 1925: Einsturz der Parthenbrücke Mockau (Straßenbrücke nach Thekla) 20. Februar 1944: Abwurf von 843 Tonnen Bomben auf die am Flughafen Mockau liegenden Flugzeugwerke beim Doppelangriff auf Leipzig innerhalb der sogenannten Big Week 20. Juli 1944: Luftangriff auf Mockau durch Boeing B-17 Bomber. 24. Juli bis 6. August 1966: Weltmeisterschaften im Fallschirmsportspringen

Bevölkerung Jahr Einwohner 1819 200 1834 306 1844 368 1871 755 1880 354 1884 1.596 1890 2.222 1905 8.122 1910 9.211 1933 15.500 1992 19.680 Jahr Einwohner 2000 15.966 2005 14.537 2010 14.316 2015 15.458 2020 16.130 2025 17.422

Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres

Aus der Tabelle erkennt man die rapide Zunahme um die Wende zum 20. Jahrhundert durch die einsetzende Industrialisierung Mockaus (aber auch der gesamten Stadt Leipzig) sowie einen weiteren Anstieg durch die Rüstungsindustrie in den 1930er Jahren. Der Höchststand 1992 ist durch die Errichtung der Plattenneubauten in den 1980er Jahren zu erklären, gefolgt von dem allgemeinen Bevölkerungsschwund der Stadt nach der deutschen Wiedervereinigung, der erst ab der 2010er Jahre wieder teilweise kompensiert werden konnte.

Politik Bei den Wahlen zum Sächsischen Landtag gehören die Ortsteile Mockau-Nord und Mockau-Süd zum neuen Wahlkreis Leipzig 8, bei Bundestagswahlen zum Bundestagswahlkreis Leipzig I (Wahlkreis 152).

Die Bundestagswahl 2025 führte zu folgendem Zweitstimmenergebnis:

Partei Mockau-Nord2021 Mockau-Nord2025 Stadt Leipzig2025 AfD 22,5 % 35,7 % 21,9 % CDU 18,3 % 21,2 % 16,6 % Die Linke 9,3 % 11,9 % 22,5 % SPD 23,2 % 10,1 % 10,7 % BSW – 8,7 % 7,4 % Bündnis 90/Die Grünen 6,5 % 4,5 % 13,6 % FDP 10,2 % 3,4 % 3,2 % Sonstige 10,0 % 4,5 % 4,1 %