Nach dem deutschen Sieg über Frankreich im Juni 1940 gehörte Französisch-Nordafrika mit Algerien, Tunesien und Marokko zunächst zu Vichy-Frankreich. Nach der Operation Torch (November 1942) übernahmen die Alliierten militärisch die Macht in diesen Ländern, ließen die zivile und französische Militärverwaltung aber in französischen Händen unter alliierter Kontrolle. Die deutsche Besetzung ganz Frankreichs am 11. November 1942 („Unternehmen Anton“) verschärfte die Situation, so dass sich in Nordafrika zwei französische Lager gegenüberstanden, geführt von den Generälen Giraud und de Gaulle. Unter alliiertem Druck verhandelten sie miteinander, de Gaulle setzte sich am Ende durch, weil er mehr Unterstützung aus der französischen Gesellschaft erhielt.
Vichy versus de Gaulle Nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 22. Juni 1940 unterstanden das französische Mutterland und die französischen Territorien in Afrika politisch und militärisch dem Vichy-Regime unter Marschall Philippe Pétain. Dieser kollaborierte mit Hitler und installierte auch mit Unterstützung der extremen französischen Rechten den „État français“, in dem die französische Linke und die Gewerkschaften verfolgt, die Demokratie abgeschafft, die Presse zensiert und unter anderem auch Rassegesetze nach dem Vorbild der Nürnberger Gesetze angewandt wurden.
Dagegen stand Charles de Gaulle. Aus seinem Londoner Exil propagierte auf Radio London mit dem „Appell des 18. Juni“ die Fortsetzung des bewaffneten französischen Widerstands gegen die deutsche Besatzung an der Seite der Alliierten.
Militärische Situation seit 1942 in Nordafrika mini|Landung der Alliierten an drei Kampfplätzen in Französisch-Nordafrika am 8. November 1942 Nach der Landung der Alliierten an drei Kampfplätzen zugleich in Französisch-Nordafrika (Marokko, Oran, Algier) am 8. November 1942 trafen sie dort auf den Widerstand der Vichy-Armee.
Bewaffnete Angehörige der Résistance, führend darunter der junge José Aboulker, unterstützten sie durch den sogenannten Putsch vom 8. November 1942 gegen die französische Militärführung. Sie erwarteten nach dem Sieg der alliierten Streitkräfte den Austausch nicht mehr tragfähiger Kollaborateure sowie, im Rahmen der Kriegsumstände, die Wiederherstellung demokratischer Freiheiten (z. B. Pressefreiheit, Aufhebung der Judendiskriminierung, Befreiung inhaftierter Anhänger der Résistance).
Der Oberbefehlshaber der Vichy-Streitkräfte, Admiral François Darlan (1881–1942), nach Pétain und Laval der dritthöchste Machthaber des Vichy-Regimes, war zufällig in Algier, sodass er und General Alphonse Juin, der Kommandant der vichytreuen Armee in Nordafrika, im Putsch vom 8. November durch überwiegend Angehörige der Chantiers de la Jeunesse unter der Führung von Oberst Van Hecke gefangen genommen wurden. Jedoch befreite sie wenig später die regimetreue Garde mobile, und sie konnten nach kurzer Zeit wieder ihre alten Positionen während der alliierten Landung übernehmen. Ohne auf Widerstand zu stoßen, schlossen die Alliierten Algier ein, das noch am gleichen Abend kapitulierte. Sie erwarteten nun von Darlan die Verkündung eines Waffenstillstands an allen Schauplätzen, doch zögerte der Admiral diesen Befehl bis zum 10. November hinaus.
US-amerikanischer Nachrichtendienst, Vichy-Armee und Résistance Robert Murphy, ein Diplomat des US-Außenministeriums und politischer Leiter für Operationen des im Aufbau befindlichen COI, hatte in der Phase amerikanischer Neutralität Französisch-Nordafrika bereist, mit General Maxime Weygand als französischem Oberbefehlshaber in Nordafrika ein Handelsabkommen ausgehandelt und damit die Entsendung von zwölf als Vizekonsuln getarnten Agenten ermöglicht. Berichte einheimischer Informanten über ökonomische und militärische Vorgänge gelangten über dieses Netzwerk zu Murphy.
Als dann Colonel William Alfred Eddy unter seiner Tarnung als Marineattaché in Tanger die Verantwortung für Nachrichtendienst, Sabotage und Widerstand übernahm, erfolgte in der ersten Jahreshälfte 1942 der Aufbau eines konspirativen Funknetzes entlang der nordafrikanischen Küste, das die Alliierten über alle wichtigen Veränderungen auf dem Laufenden hielt. Mit der wachsenden Macht Lavals in Vichy waren jedoch Murphys Kontakte zur vichy-französischen Militär- und Zivilverwaltung bedroht.
Um diese Kolonialverwaltung nicht weiter zu schwächen, verzichtete Murphy darauf, die gut organisierte Résistance mit etwa 15.000 Europäern, unter denen sich viele demobilisierte Soldaten befanden, über die bevorstehende alliierte Landung zu informieren. In einem Memorandum machte sich Murphy zum Sprecher der vichy-französischen Generäle, deren Kooperation er bei einer amerikanischen Intervention gewährleistet sah, wenn sie unter französischem Oberbefehl stehen sollte. Ihre bis dahin noch unklare Haltung interpretierte er als Ausdruck militärischer Schwäche gegenüber der Wehrmacht.Gerhard Schulz (Hrsg.): Geheimdienste und Widerstandsbewegungen im Zweiten Weltkrieg. Göttingen 1982, ISBN 3-525-01327-2, S. 84–87. Murphy überbrachte in Algier am frühen Morgen nach Beginn der Landung General Juin die Aufforderung zum Seitenwechsel.
Die Fortführung des Vichy-Regimes unter Darlan
Verzögerung der Vichy-Generäle, das Feuer in Oran und Marokko einzustellen Darlan und Juin weigerten sich jedoch mehrere Tage, die Feuereinstellung für das restliche Französisch-Nordafrika zu befehlen, wo sich die Vichy-Armee weiter einen blutigen Kampf mit den Alliierten unter schweren Verlusten lieferte. Der französische General Henri Giraud war im Gefolge der Alliierten an der Operation Torch beteiligt. Nach seiner Ankunft in Algier am 9. November 1942 befürchtete Darlan, durch Giraud ersetzt zu werden. Bis zum 10. November – dem Tag der deutschen Besetzung der bis dahin unbesetzten Südzone in Frankreich (Unternehmen Anton) – ergab er sich nicht und war auch nicht bereit, einen Waffenstillstand für Nordafrika zu unterzeichnen. Nicht zuletzt aufgrund von 50 gefallenen alliierten Marines übte der amerikanische General Mark W. Clark massiven Druck auf Darlan aus. Doch für Darlan waren immer noch „die tiefen Gedanken Pétains“ für seinen Widerstand gegen den alliierten Angriff maßgebend, die er kurz zuvor noch in einem geheimen Telegramm aus Vichy empfangen hatte.
In Tunesien wurde der dortige Chef der Vichy-Armee, General Barré, von General Juin aufgefordert, die Macht an Deutsche und Italiener zu übergeben und so lange hinhaltenden Widerstand gegen die Alliierten auszuüben. Erst am 12. November trat das neu geschaffene Freiwilligenkorps Corps Francs d'Afrique (CFA) an der Seite der Alliierten gegen die Achsenmächte in Nordafrika in den Kampf.
Letztlich trat der Waffenstillstand am 10. in Oran und am 11. November auch in Marokko in Kraft, was dort das Leben der auf Seiten der Alliierten revoltierenden französischen Offiziere (General Antoine Béthouart, Magan und andere) in Meknès rettete. Daraufhin unterstellte Giraud in Algier Darlan das Kommando über die französischen Land- und Luftstreitkräfte in Nordafrika.
Vichy-Regime in Nordafrika unter US-amerikanischer Vormacht In seinem Befehl zur Feuereinstellung vom 10. November formulierte Darlan: „Ich übernehme den Befehl über Französisch-Nordafrika im Namen des Marschalls. Die Militärbefehlshaber behalten ihr Kommando und die zivilen Politiker und Verwaltungsbeamten bleiben auf ihren Posten. Es findet keine Änderung statt, bis neue Befehle von mir ergehen.“Levisse-Touzé 1998, S. 268–271.
Die Alliierten setzten Admiral Darlan, der nur unter äußerstem Druck nach dem Verlust vieler alliierter und französischer Soldaten zur Feuereinstellung zu bewegen gewesen war, trotzdem als Machthaber im befreiten Französisch-Nordafrika ein. Diese Situation, in der das Vichy-Regime in Nordafrika im Schutz der Alliierten für einige Monate fortgesetzt und de Gaulle vom Erlangen realer Macht über ein französisches Territorium abgehalten wurde, bezeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einem Interview als militärisch zweckmäßig. Der Hintergrund war die Erwartung, dass die französischen Truppen so leichter zum Seitenwechsel bewegt werden konnten, doch entsprach dies weder der Erwartung der Résistance noch de Gaulles.
Am 11. November 1942 wurde Vichy, die provisorische Hauptstadt der bis dahin noch nicht besetzten Südzone Frankreichs, von der Wehrmacht kampflos eingenommen. Im nunmehr durch die Alliierten befreiten Französisch-Nordafrika nutzte Darlan den Verfassungsakt Nr. 4c, der ihn zum Nachfolger des Marschalls Pétain für den Fall dessen Todes erklärte. Am 14. November 1942 proklamierte sich Darlan folglich „im Namen des abwesenden Marschalls“ zum „Hochkommissar von Frankreich in Afrika“. Er erklärte General Bergeret, einen ehemaligen Minister Pétains, zu seinem Stellvertreter und Stellvertretenden Hochkommissar. Am 15. November nominierte er „Sekretäre“ (dt. Minister), darunter zwei Résistants der extremen Rechten und einen Bankier, Rigault, zum Innenminister, Jaques Lemaigre-Dubreuil für die Beziehungen mit den Amerikanern und Pose zum Finanzminister. Kurz danach machte Darlan den Monarchisten Henri d’Astier de la Vigerie zum Polizeichef, der von einem Pater Cordier als Staatssekretär im Innenministerium unterstützt wurde. Komplettiert wurde sein Hochkommissariat durch einen „Conseil Impérial“ (dt. Reichsrat), dem Darlan selbst, Bergeret und Giraud und zusätzlich einige verschiedene vichyfreundliche Militärs, General Charles Noguès für Marokko, Châtel für Algerien und zwei Tage später Boisson für Französisch-Westafrika angehörten. Am 13. November befahl Darlan erfolglos dem Rest der vichy-französischen Flotte, sich ihm anzuschließen. Tags darauf wurde Französisch-Westafrika seiner Kontrolle unterstellt.
Darlan unterzeichnete eine in Cherchell mit General Clark erzielte Vereinbarung „Darlan-Clark“. Sie bot für Frankreich weniger Vorteile als der von de Gaulle mit Churchill unterzeichnete accord des Chequers vom 7. August 1940. Er enthielt u. a. folgende Bestimmungen: Art. 2: Alle Umgruppierungen der französischen Streitkräfte müssen durch die amerikanischen Militärbefehlshaber genehmigt werden. Art. 11: Die verhafteten Personen, die bei der Invasion den Alliierten geholfen hatten, müssen freigelassen werden. Art. 14: Den alliierten Streitkräften werden keine direkten und indirekten Steuern geschuldet. Art. 15: Extraterritorialität der Staatsbürger und Streitkräfte unter dem Kommando des Generalkommandierenden der US-Armee. Art. 16: Die für wichtig angesehenen Regionen in Französisch-Nordafrika konnten vom alliierten Kommandanten zu Militärregionen erklärt und seinem Befehl unterstellt werden.
Die Mobilisierung wurde mit der Begründung proklamiert „um den Marschall“ [d. h. Pétain] „zu befreien“.
Ohne jeden deutschen Druck wurden die Diskriminierungsgesetze von Vichy weiterhin angewandt. Die vom Vichy-Regime deportierten politischen Gefangenen mussten weiterhin in Konzentrationslagern in Algeriens Süden einsitzen. Die Offiziere, die sich am 8. November der Résistance angeschlossen hatten, die Obersten Jousse, Baril und Magnan, wie auch die Generäle Monsabert, Béthouart und Charles Mast waren seitdem ihrer Kommandos enthoben und unter Hausarrest gestellt worden. Durch ein Rundschreiben Girauds vom 15. November 1942 blieben Juden von Kampfeinheiten ausgeschlossen. Dies geschah zum Nachteil des französischen Afrikakorps. Juden wurden nur für Pioniereinheiten mobilisiert, zu Terrassierungsarbeiten eingesetzt oder beispielsweise als Freiwillige für Stoßtruppen.
Opposition gegen Darlan