Das Spiel der Götter (englisch The Malazan Book of the Fallen) ist ein Fantasy-Romanzyklus des kanadischen Schriftstellers Steven Erikson. Der zehn Originalbände umfassende Romanzyklus erschien zwischen 1999 und 2011 bei Bantam.
Bei der deutschen Übersetzung, erschienen bei Blanvalet, wurden die Originalbände nach dem ersten Roman Die Gärten des Mondes jeweils in zwei Bände aufgeteilt und werden somit insgesamt 19 Bücher umfassen. Der Romanzyklus wurde von der Kritik sehr positiv aufgenommen. In Europa ist ihm ein für Fantasywerke großer Erfolg beschieden, während auf dem nordamerikanischen Markt die Bücher nur mit Verzögerung erschienen sind.
Nicht direkt Teil der Reihe, aber in derselben Welt angesiedelt, sind die Romane von Eriksons Freund Ian Cameron Esslemont, mit dem er zusammen die Welt von Malaz erschaffen hat.
Im Juli 2021 ist der erste Band der Nachfolgereihe The Tales of Witness erschienen.
Grundzüge der Handlung Die fiktive Handlung setzt um das Jahr 1163 von Brands Schlaf ein und handelt zunächst hauptsächlich vom Malazanischen Imperium und dessen Eroberungskriegen. Das von Imperator Kellanved (einem Magier) und seinem Helfer Tanzer (einem Assassinen) gegründete Imperium entstand auf der Insel Malaz, von wo aus der Kontinent Quon Tali nach harten Kämpfen unterworfen wurde, wobei sich Kellanved als geschickter Stratege erwies und sich außerdem mit fähigen Leuten umgab. Im Laufe der Zeit hat sich das malazanische Imperium, vor allem dank seiner disziplinierten und schlagkräftigen Streitkräfte, über einen großen Teil der bekannten Welt ausgebreitet. Das Imperium wird dabei durchaus auch positiv dargestellt: die malazanischen Truppen brachten unter anderem einheitliche Gesetze und sorgten so für das Ende zahlreicher Stammesfehden sowie für einen gewissen inneren Frieden. Dennoch wird die malazanische Herrschaft von vielen Menschen als Fremdherrschaft abgelehnt, auf mehreren Kontinenten dauern die Feldzüge schon seit Jahren an.
All diese Ereignisse werden indirekt in den späteren Romanen Eriksons erzählt, denn zu Beginn der eigentlichen Haupthandlung sind Kellanved und Tanzer bereits tot, ermordet von Laseen, die vorher Befehlshaberin der internen Geheimpolizei war und anschließend den Thron bestieg. Seitdem ist sie vor allem damit beschäftigt, das Imperium zusammenzuhalten, während immer mehr alte Vertraute des Imperators unter mysteriösen Umständen verschwinden. Im Laufe der weiteren Handlung in den Romanen wird auch immer klarer, was die genauen Hintergründe dieser Ereignisse waren und wie sich die politische Lage für das malazanische Imperium verändert. Um diese Haupterzählung herum spielt jedoch eine weit gespannte andere Handlung, in der auch Götter und Halbgötter auftauchen, die oft aktiv in die Geschehnisse eingreifen. Dabei können Götter von Menschen getötet werden, wie auch Menschen unter bestimmten Umständen zu Göttern aufsteigen können, die keineswegs allmächtig sind. So zeigt sich unter anderem, dass Kellanved und Tanzer ihren Tod nur inszeniert haben und aufgestiegen sind. Neben den Menschen tauchen auch mehrere, teils uralte nicht-menschliche Rassen auf, wie die Tiste Andii, die Tiste Edur, Jaghut oder die (durch ein magisches Ritual untoten) T’lan Imass, die Erzfeinde der Jaghut. Auch diese Rassen spielen in den Romanen eine sehr wichtige Rolle.
Schwerpunkte der Handlung sind zunächst die Kontinente Genabackis, Quon Tali sowie ein Subkontinent, auf dem sich das „Reich der Sieben Städte“ befindet. All diese Länder haben ihre eigene, teils uralte Geschichte und Kultur. Zunächst beherrscht das malazanische Imperium den Großteil dieser Gebiete, auch wenn auf Genabackis der Feldzug noch im Gange ist, der jedoch, ähnlich wie ein anderer auf dem Subkontinent Korel, so gut wie gescheitert ist. Mehrere Götter mischen sich in die Ereignisse ein, während die Malazaner beabsichtigen, die letzte freie Stadt von Genabackis zu erobern.Gardens of the Moon
Fast zeitgleich bricht im Reich der Sieben Städte ein blutiger Aufstand los, der die malazanische Herrschaft praktisch zusammenbrechen lässt – und an den indischen Aufstand von 1857 angelehnt ist. Es kommt im Verlauf der Rebellion zu zahlreichen Gräueltaten an Malazanern. Die 7. Armee muss als die letzte verbliebene malazanische Feldarmee im Reich der Sieben Städte mehrere Tausend malazanische Flüchtlinge nach Aren begleiten, der letzten Stadt des Subkontinents, die noch in der Hand des Imperiums ist. Am Ende gelingt es den Malazanern unter ihrem genialen Kommandeur Coltaine, die Zivilisten in Sicherheit zu bringen, was aber mit der Vernichtung der 7. Armee erkauft wird.Deadhouse Gates Währenddessen nimmt der Feldzug auf Genabackis eine ungeahnte Wendung, in der auch Götter eine Rolle spielen. Kurze Zeit darauf wird der sogenannte „Verkrüppelte Gott“ eingeführt, ein Wesen, das sich bald als der eigentliche Hauptfeind der Protagonisten entpuppt und die Ereignisse zu seinen Gunsten zu beeinflussen versucht. Die malazanischen Truppen auf Genabackis verbünden sich temporär mit ihren bisherigen Gegnern, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen, den mysteriösen und mit brutalen Mitteln agierenden Pannionischen Seher.Memories of Ice
Die Handlung ab dem vierten deutschen bzw. dem dritten englischen Band dreht sich denn nicht mehr hauptsächlich um die Ereignisse im malazanischen Imperium, sondern vor allem um die geschickte Manipulation des verkrüppelten Gottes. Mehrere Nebenhandlungen eröffnen sich, die jedoch zahlreiche Schnittpunkte beinhalten. So kommt es zu einer von Erikson detailliert geschilderten malazanischen Strafexpedition ins Reich der Sieben Städte durch die 14. malazanische Armee, wobei die Malazaner feststellen, dass die Taten Coltaines einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Die Ausgangslage für den Feldzug ist auf Seiten der Malazaner denkbar schlecht, da faktisch der gesamte Subkontinent in der Hand von Rebellen ist, doch gelingen der 14. Armee nach harten Kämpfen mehrere Erfolge.House of Chains; The Bonehunters Währenddessen entsteht auf einem weit entfernten Kontinent das Imperium von Lether, dessen Herrscher, der immer mehr dem Wahnsinn verfallende Tiste Edur Rhulad Sengar, allerdings nur eine Marionette des verkrüppelten Gottes ist, der eigene Ziele verfolgt.Midnight Tides Der malazanischen Imperatrix Laseen entgleitet währenddessen immer mehr die Kontrolle. Die 14. malazanische Armee, die den Aufstand im Reich der Sieben Städte schließlich niederschlägt, desertiert aufgrund der Politik Laseens, die sie nicht mehr mittragen kann.The Bonehunters Nachdem die Befehlshaberin der 14. Armee, Tavore Paran, Kenntnis von den Gräueltaten der Tiste Edur erlangt hat, macht sie sich mit ihren Truppen auf den Weg nach Lether, um das Land zu „befreien“, was nach harten Kämpfen auch gelingt: Die Tiste Edur ziehen sich aus Lether zurück, wo eine neue Regierung etabliert wird.Reaper’s Gale
Etwa zur gleichen Zeit kommt es im Herzland des Imperiums, auf Quon Tali, zu Separationsbewegungen, die den Sturz Laseens forcieren.Esslemont, Return of the Crimson Guard Nach der Befreiung Lethers stößt die 14. Armee mit ihren Verbündeten nach Südosten vor, um das Land Kolanse zu erreichen, wo der verkrüppelte Gott offenbar einigen Einfluss ausübt. Doch unterwegs geraten die „Knochenjäger“, wie die 14. Armee auch genannt wird, in nicht vorhersehbare Schwierigkeiten und erleiden in einer Schlacht schwere Verluste.Dust of Dreams Dennoch rücken die von Tavore Paran geführten Malazaner weiter nach Kolanse vor, wo die nicht-menschlichen Forkrul Assail ihre eigenen Pläne mit dem verkrüppelten Gott haben, der nichts mehr wünscht, als von seinen ewigen Schmerzen erlöst zu werden. In Kolanse kommt es schließlich zum Entscheidungskampf.The Crippled God.
Während das malazanische Imperium in den späteren Bänden nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, wird die dortige Handlung von Ian Cameron Esslemont in dessen Romanen weiter erzählt: In Night of Knives wird die Machtübernahme durch Laseen beschrieben, während er in Return of the Crimson Guard die inneren Unruhen im Imperium schildert. Im Roman Stonewielder schildert Esslemont unter anderem eine malazanische Militärexpedition nach Korel, wobei viele Hintergrundinformationen zu diesem Subkontinent bekannt werden. In Orb, Sceptre, Throne werden Ereignisse auf Genabackis und speziell in Darujhistan beschrieben, wo eine alte Macht wieder erweckt wurde.
Esslemont schildert nun in der neuen Reihe Path to Ascendancy den Aufstieg von Kellanved und Tanzer.
Erzählweise Die Geschichte wird jeweils aus den Blickwinkeln einzelner Charaktere geschildert, wobei sich die Handlungsorte teils auf unterschiedlichen Kontinenten befinden. In mehreren Bänden spielt die malazanische Eliteeinheit der „Brückenverbrenner“ eine zentrale Rolle, außer im fünften Originalband tauchen Charaktere dieser Truppe auch in allen Bänden auf. Aber auch zahlreiche andere Charaktere der verschiedenen Völker und Gegenspieler werden ausführlich vorgestellt. Erikson erzählt die Geschichte der Charaktere nicht immer streng chronologisch, sondern vielmehr simultan, teils mit mehreren Zeitsprüngen. Eriksons Charaktere entsprechen fast nie dem sonst in der Fantasyliteratur oft üblichen Schwarz-Weiß-Muster, sondern sind um vieles differenzierter ausgestaltet. In den Dialogen macht sich oft auch schwarzer Humor bemerkbar. Viele der Protagonisten kommen im Laufe der Handlung ums Leben (wobei allerdings mehrere in irgendeiner Form wiedererweckt oder -geboren werden). Erikson nannte vor allem die Ilias sowie Glen Cook und dessen Black-Company-Bücher als Vorbild., Interview Eriksons Welt ist sehr eigenständig, besonders die Darstellung der Magie ist einzigartig in der Fantasyliteratur. Entwickelt wurde die komplexe Hintergrundgeschichte von Erikson und seinem Freund Ian Cameron Esslemont bereits in den 1980er Jahren für ein Rollenspiel.
Die Handlung ist geprägt von einem teils äußerst düsteren Grundton und mehreren Handlungssträngen. Das Element der Tragik bzw. der Tragödie spielt bei Erikson eine wichtige Rolle. Ihm selbst zufolge schreibt er keine Fantasy mit tragischen Elementen, sondern Tragödien mit Fantasy-Elementen, weshalb auch der Faktor Humor zwischen den einzelnen Episoden für ihn wichtig ist.Interview-Auszug Die Geschichte ist sehr breit angelegt, wobei bisweilen Episoden geschildert werden, die mehrere Jahrtausende zurückliegen. Erikson hat für seine episch anmutende Rahmenhandlung sowie den gut ausgearbeiteten und vielschichtigen Charakteren in verschiedenen Besprechungen viel Lob erhalten. Die komplexe Handlung, in der vor allem auf unterschiedliche menschliche Schwächen und Tugenden eingegangen wird, macht die Romane nicht nur für Fantasy-Fans interessant. Zudem lässt Erikson, der ausgebildeter Anthropologe und Archäologe ist, sein diesbezügliches Fachwissen gekonnt in die Handlung mit einfließen; sei es in Form detailliert beschriebener Kulturen, sei es in Form einer verfremdeten Evolution des Menschen. Die Darstellung von Gewalt ist zum Teil allerdings sehr explizit und schonungslos. Für Gelegenheitsleser ist zudem die große Anzahl von Handlungsebenen und Protagonisten verwirrend, wenngleich die Romane einen knappen Index der wichtigsten Personen bieten.
Geographie der Welt von Malaz
Die Handlung spielt in einer fiktiven Welt, deren genaue Größe unbekannt ist, auf der aber früher wie in der realen Welt menschliches Leben existierte, wenngleich schon zuvor nicht-menschliche Rassen entstanden. Manche Kontinente werden teils auch nur als Subkontinente bezeichnet. Es existieren verschiedene einzelne Staaten, der anscheinend größte ist aber das malazanische Imperium.
Quon Tali