Die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) ist eine als gemeinnützig anerkannte deutsche Stiftung mit dem Ziel, die deutsche Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu stärken.
Die Stiftung hat ihren Hauptsitz in Heidelberg und ihre Geschäftsstelle in Berlin. Sie wurde 1998 auf Initiative der Publizistin Anetta Kahane gegründet und nach Amadeu Antonio benannt, einem der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990.Amadeu Antonio-Stiftung gegründet. taz, 14. Dezember 1998; Amadeu Antonio Stiftung: Geschichte der Stiftung.
Aktuell werden über 1000 lokale Initiativen und Projekte in Jugendkultur, Schulen, Opferschutz, Flüchtlingsinitiativen oder Demokratieprojekte finanziell, durch Aufklärung, Öffentlichkeitsarbeit und kommunale Netzwerke unterstützt. Ferner unterstützt die Stiftung Hilfsangebote für Aussteiger aus der Neonazi-Szene. 2023 richtete sie mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums eine Meldestelle Antifeminismus ein.
Leitung, Mitarbeiter, Partner Stifter ist Karl Konrad von der Groeben.Amadeu Antonio Stiftung: Der Stifter: Karl Konrad Graf von der Groeben (†). Schirmherr ist Wolfgang Thierse, der frühere Präsident des Deutschen Bundestages.Mut braucht Geld: Wie Bürgerinitiativen trotz Angst und knapper Mittel Rechtsradikalismus bekämpfen. In: Der Spiegel. 14. August 2000.
Die Initiatorin Anetta Kahane war bis März 2022 Vorstandsvorsitzende. Der aktuelle Vorstand besteht aus Tahera Ameer, Timo Reinfrank und Lars Repp. Ein achtköpfiger Stiftungsrat wacht über die Einhaltung des Stifterwillens, berät den Vorstand und entscheidet über größere Förderanträge. Dazu gehören aktuell (2025) Christine Hohmann-Dennhardt (Vorsitzende), Beate Küpper (stellvertretende Vorsitzende), Ralf Kleindiek, Stephan J. Kramer, Sergey Lagodinsky, Uta Leichsenring, Patrice G. Poutrus und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.Amadeu Antonio Stiftung: Die Gremien der Stiftung.
Die Stiftung hat aktuell (2023) 95 hauptamtliche Mitarbeiter (Vollzeitäquivalent). Seit ihrer Gründung wird sie von der Freudenberg Stiftung unterstützt, beraten und gefördert. Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert strategische Stiftungsprojekte und setzte Bundesprogramme gegen Rechtsextremismus mit der Stiftung zusammen um. Mit der Zeitschrift Stern führte die Stiftung die Kampagne Mut gegen rechte Gewalt durch und förderte mit Spenden gezielt Initiativen und Projekte gegen Rechtsextremismus, die beide zusammen auswählten.Amadeu Antonio Stiftung: Transparenz.
Die Stiftung arbeitet gleichberechtigt mit zahlreichen Partnerorganisationen in Deutschland zusammen. Überregionale Partner sind Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA), Aktion Courage, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Anne Frank Zentrum, Blick nach Rechts, Brothers Keepers, Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, Bundeszentrale für politische Bildung, Bündnis für Demokratie und Toleranz, Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Theodor-Heuss-Stiftung und viele weitere. International kooperiert die AAS mit der Anti-Defamation League, dem American Jewish Committee, dem European Grassroots Antiracist Movement (EGAM), dem Media Diversity Institute und dem Radicalisation Awareness Network (RAN).Amadeu Antonio Stiftung: Partner, Netzwerke, Mitgliedschaften.
Einnahmen und Ausgaben Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die AAS mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Weitere Einnahmen erzielt sie durch Spenden, zu denen etwa die Zeitschrift Stern ihre Leser aufruft.Stern-Aktion: Mut gegen rechte Gewalt. Stern, 13. Juli 2006 Im Jahr 2018 nahm die Stiftung 4,33 Mio. Euro ein, davon 2,77 Mio. Euro als staatliche Zuschüsse, und gab 3,68 Mio. Euro für den Stiftungszweck aus.Ergebnisrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018. Amadeu Antonio Stiftung Heidelberg. Laut dem Jahresabschluss 2023 nahm die Stiftung insgesamt 9,537 Mio. € ein, davon 6,055 Mio. staatliche Zuschüsse. Die meisten Ausgaben waren Personalkosten (6,291 Mio. Euro), nur 0,741 Mio. wurden für Projekte und Betroffene ausgegeben.Jahresabschluss der Amadeo Antonio Stiftung zum 31.12.2023 Homepage AAS
Von 2007 bis 2022 erhielt die AAS rund 301.000 Euro durch Spendenurteile verschiedener Gerichte.Spendengerichte: Die Datenbank. Amadeu Antonio Stiftung. Correctiv
Bis 2016 förderte die Stiftung nach eigenen Angaben in Deutschland über 1000 lokale Initiativen und Projekte in demokratischer Jugendkultur, Schulen, kommunalen Netzwerken, für Opferschutz und Opferhilfe und für Aussteiger aus der Naziszene finanziell, ideell und durch Öffentlichkeitsarbeit.Die Amadeu Antonio Stiftung stellt sich vor. Amadeu Antonio Stiftung Die Stiftung sieht es als ihre wichtigste Aufgabe an, die Initiativen und Projekte zu fördern und zu ermutigen, ihre Eigeninitiative vor Ort zu stärken und sie zu vernetzen. Die Projekte werden aus Spendenmitteln und den Erträgen des Stiftungskapitals gefördert. 2009 wurden etwa 600.000 von 900.000 Euro des Jahresbudgets für operative Projekte verwendet, die über Programme der Bundesregierung und anderer Stiftungen finanziert werden. Die Stiftung arbeitet operativ und überregional mit eigenen Projekten in der Kinder- und Menschenrechtsbildung, bei der Entwicklung und Fortbildung von Projekten gegen aktuellen Antisemitismus, in Kooperation mit antirassistischen Projekten gegen Alltagsrassismus und bei der Förderung und Vernetzung von Bürgerstiftungen, die sich für demokratische Kultur engagieren. Finanzdaten Amadeu Antonio Stiftung 2022–2024 (in TEUR) Bereich / Posten 2022 2023 2024Autor ungenannt: Amadeo-Antonio-Stiftung, Bilanz zum 31.12.2024, Herausgeber: AMADEO-ANTONIO-STIFTUNG Veröffentlichung in 2025, A. ANLAGEVERMÖGEN (Bestand) 1. Wertpapiere des Anlagevermögens 1.699 1.798 1.907 2. Sonstiges AV (Sach-/Finanzanl./Ausleih.) 134 124 114 Summe Anlagevermögen 1.833 1.921 2.021 B. ERTRÄGE (GuV) 1. Spenden 1.970 2.508 3.309 2. Zuschüsse öffentliche Hand 5.155 6.055 7.351 3. Zuwendungen priv. Stiftungen 1.051 902 1.763 4. Sonstige betriebliche Erträge 63 72 100 Summe Erträge 8.239 9.538 12.523 C. ZWECKAUFWENDUNGEN (GuV) 1. Personalaufwand 5.895 6.292 6.966 2. Projekt- & Betroffenenförderung 621 742 1.015 3. Sonstige Zweckaufwendungen* 1.807 2.162 3.118 Summe Zweckaufwendungen 8.323 9.196 11.099
Projekte gegen Antisemitismus Seit 2003 entwickelt und erprobt die Stiftung Konzepte gegen aktuelle Formen des Antisemitismus, die sie auf einer Website vorstellt. Seitdem veranstaltet sie mit vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen jährlich um den Jahrestag der Novemberpogrome 1938 herum bundesweite Aktionswochen gegen Antisemitismus.Aktionswochen gegen Antisemitismus: Mehr rechtsextreme Straftaten. Tagesspiegel, 5. November 2008; Aktionswoche gegen Antisemitismus mit 350 Veranstaltungen. Welt, 6. November 2014 2008 organisierte sie die Ausstellungen Antisemitismus in der DDR und Das hat’s bei uns nicht gegeben in über 250 Orten.Expertenkreis Antisemitismus: Antisemitismus in Deutschland: Erscheinungsformen, Bedingungen, Präventionsansätze: Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus. Bundesministerium des Innern, Berlin 2011, S. 25
Seit Januar 2015 ist die Stiftung Förderer und Kooperationspartner der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Berlin. Im Februar 2015 gründete die Stiftung zusammen mit Antisemitismusforschern das Netzwerk zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus (NEBA).Martin Krauss: Gründung: „Einen anderen Akzent setzen“. Neues Netzwerk will Antisemitismus erforschen und bekämpfen. Jüdische Allgemeine, 2. März 2015
Das Projekt ju:an (Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit) vermittelt Pädagogen und Fachkräften der offenen Jugendarbeit Beratung, Coaching und Fortbildung zur pädagogischen Bearbeitung von Antisemitismus und Rassismus. Es verbindet die Themen Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von Jugendlichen in verschiedenen Formen. In: projekt-ju-an.de. Abgerufen am 27. Januar 2025.
Stiftungsmitarbeiter Jan Riebe untersuchte im Juli 2016 ein Seminar zur Lage Jugendlicher in Palästina an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Er kritisierte das Unterrichtsmaterial als einseitig antiisraelisch und teilweise antisemitisch.Hans-Ulrich Dillmann: »Folter«, »Organhandel«, »Völkermord«: Ein Pädagogik-Seminar vermittelt antisemitische Stereotype. Jüdische Allgemeine, 18. Juli 2016 In der Folge wurde das Seminar bis November 2016 eingestellt, die Dekanin des Fachbereichs trat zurück und die Amtszeit der bisherigen Hochschulpräsidentin wurde nicht mehr verlängert.Martín Steinhagen: Antisemitismus-Affäre in Hildesheim: Nahost-Seminar war „nicht tragbar“. Frankfurter Rundschau, 14. November 2016
Das Landgericht Regensburg untersagte einer Referentin der Stiftung am 17. Juli 2018 die Behauptung, der Sänger Xavier Naidoo sei „strukturell nachweisbar“ Antisemit.Nadine Lange: Xavier Naidoo darf nicht Antisemit genannt werden. Tagesspiegel, 17. Juni 2018 Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hob das Urteil am 22. Dezember 2021 auf und verwies die Sache an das LG Regensburg zurück. Die Meinungsäußerung der Beklagten von 2017 sei rechtmäßig gewesen; die Vorinstanzen hätten die Bedeutung der Meinungsfreiheit im öffentlichen Meinungskampf unzureichend berücksichtigt.Bernd Wolf: Bundesverfassungsgericht: Naidoo durfte Antisemit genannt werden. Tagesschau.de, 22. Dezember 2021
Projekte gegen Rechtsextremismus Mut gegen rechte Gewalt Aus Anlass vermehrter Angriffe gegen Zuwanderer begann die Zeitschrift Stern im Jahr 2000 die Aktion Mut gegen rechte Gewalt, zunächst mit einer Reihe von Rock-gegen-Rechts-Konzerten. Dabei rief der Stern zu Spenden an die Amadeu-Antonio-Stiftung auf. Damit konnten diese und das Zentrum für demokratische Kultur des Kriminologen Bernd Wagner im Herbst 2000 das bundesweite Aussteigerprojekt Exit-Deutschland gründen. Im April 2003 entstand aus der Zusammenarbeit der Stiftung mit dem Stern das Internetportal mut-gegen-rechte-gewalt.de, das umfassende Informationen über Rechtsextremismus anbietet.Britta Kollberg, Cordula Mäbert, Herbert Weber: „– dann hab’ ich mir das Hitlerbärtchen abrasiert“: Exit – Ausstieg aus der rechtsextremen Szene. Klett, 2002, ISBN 3-12-060202-7, S. 5.Mut gegen rechte Gewalt. In: Der Stern. 13. Juli 2006, abgerufen am 27. Januar 2025. Die Träger erhielten für das Portal 2007 den alternativen Medienpreis. In: alternativer-medienpreis.de (Stand 3/2014; PDF; 11 kB)
Die Stiftung trägt seit 2005 die Konzerte der Aktion Laut gegen Nazis mit„Laut gegen Nazis“: Pop, Politik und scharfe Töne. In: Spiegel.de, 18. Oktober 2004. und gab ein Hörbuch dazu heraus. Nachdem 2011 die Mordserie der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bekannt geworden war, organisierte die Stiftung im Dezember zusammen mit Udo Lindenberg, Peter Maffay und anderen Musikern ein Rock-gegen-Rechts-Konzert in Jena.Uli Hauser: Udo Lindenberg im stern.de-Gespräch: „Neonazis? Das sind Kriminelle!“ In: Stern, 29. November 2011 In: Jena.de, 30. November 2011
Auf der Webseite Mut gegen rechte Gewalt veröffentlicht die Stiftung auch die bundesweite Statistik für Todesopfer rechtsextremer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland. Die Statistik wird ständig überprüft und aktualisiert. Sie führt mehr als doppelt so viele Todesopfer auf rechtsextreme Täter und Tatmotive zurück als die Bundesregierung.Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt seit 1990. In: Mut gegen rechte Gewalt. 14. Januar 2021, abgerufen am 27. Januar 2025.
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