Esteban Echeverría (* 2. September 1805 in Buenos Aires; † 19. Januar 1851 in Montevideo, Uruguay) war ein argentinischer Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Romantik in Lateinamerika.

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Esteban Echeverría wurde am 2. September 1805 als zweiter von neun Söhnen des Basken José Domingo Echeverría und der Argentinierin María Espinosa im Stadtteil San Telmo in Buenos Aires geboren. Noch während seiner Kindheit, 1816, starb sein Vater und seine Mutter zog ihn groß. Zwischen 1816 und 1818 besuchte er die Schule. Während seiner frühen Jugend war er ein wildes und stürmisches Kind.Esteban Echeverría: Obras Escogidas. Herausgegeben von Beatriz Sarlo und Carlos Altarmirano. Biblioteca Ayacucho, Caracas 1991. ISBN 980-276-154-0, S. 311. Ab 1822 besuchte er für zwei Jahre die Universität von Buenos Aires, wo er in Latein und Philosophie unterrichtet wurde.

1826 reiste er nach Paris. Hier kam er in Kontakt mit der europäischen Romantik. Während seiner Zeit in Paris studierte er, besuchte die literarischen Salons und widmete sich der eingehenden Lektüre bekannter Autoren wie zum Beispiel George Gordon Byron, Victor Hugo, August Wilhelm Schlegel, Friedrich von Schiller und Johann Wolfgang von Goethe.Echeverría, José Esteban. In: Encyclopedia of World Biography, 2. Aufl. Bd. 5: Diderot – Forbes. Gale, Cengage Learning, Detroit 2000, ISBN 0-7876-2545-0, S. 197–198. 1829 verbrachte er einige Monate in London.

Im Folgejahr kehrte er in seine Heimatstadt Buenos Aires zurück und führte dort die literarische Romantik ein. 1832 verschlechterte sich seine Gesundheit, so dass er nach Mercedes (Uruguay) reiste, um sich einige Monate auf dem Land zu erholen. 1837 nahm er aktiv an den Treffen des Salón Literario teil, die in der Buchhandlung von Don Marco Sastre stattfanden und an denen auch Juan Bautista Alberdi und Juan María Gutiérrez teilnahmen. Als Juan Manuel de Rosas die Schließung des Salons anordnete, wurde Echeverría zum Mitbegründer der Joven Generación Argentina. Diese bestand aus einer Gruppe von jungen liberalen Schriftstellern, die die Wiederherstellung der Ideale der Revolución de Mayo anstrebte (diese hatte 1810 zur Unabhängigkeit von Spanien geführt) und der Regierung Rosas kritisch gegenüberstand. Ähnliche Vereinigungen gab es auch in Italien und in Deutschland. Diese jungen Autoren werden oft unter dem Begriff Generation von 37 zusammengefasst.

Wegen seiner kritischen Einstellung gegenüber Rosas Einstellung war Echeverría gezwungen, 1840 ins Exil nach Montevideo zu gehen. Im Exil gründete er die Asociación de Mayo, die wohl als eine Neuauflage der Asociación de la Joven Generación Argentina gedacht war, über deren wirkliches Wirken aber nur wenig bekannt ist. Die Grundideen dieser Asociación werden in dem Dogma Socialista de la Asociación de Mayo (bekannt als Dogma Socialista) dargestellt.Pierre-Luc Abramson: Las utopías sociales en América Latina en el siglo XIX. Fondo de Cultura Económica (FCE), Mexiko-Stadt 1999, ISBN 968-16-5396-3, darin das Kapitel Esteban Echeverría: De la literatura a la política, S. 123–129 (Erstausgabe unter dem Titel Les utopies sociales en Amérique latine au XIXe siècle. Université de Lille, Lille 1993). So wird in dem Werk u. a. auf den Dualismus von Traditionalismus und Modernität im damaligen Argentinien eingegangen. Für Echeverría und seine Mitstreiter verkörperte Spanien das traditionelle, rückwärtsgewandte Denken. Er forderte neben der bereits erreichten politischen Unabhängigkeit von Spanien auch eine soziale Unabhängigkeit. Als Vorbilder für das Dogma Socialista gelten die Ideen der französischen Autoren Félicité de Lamennais und Henri de Saint-Simon. Dieses Werk Echeverrías zählt zu den wichtigsten Texten des politischen Liberalismus in Lateinamerika.Andrés Avellaneda: Esteban Echeverría, by Edgar C. Knowlton. In: The Hispanic American Historical Review, Jg. 66 (1986), S. 814 (Rezension). Es wurde zur ideologischen Grundlage der argentinischen Verfassung von 1853.Segundo V. Linares Quintana: The Etiology of Revolutions in Latin America. In: The Western Political Quarterly, Jg. 4 (1951), S. 255.

Echeverría sollte nicht mehr aus dem Exil zurückkehren. Er starb am 19. Januar 1851 in Montevideo an Tuberkulose, im Alter von nur 45 Jahren, in Einsamkeit und Armut.Julián Yanover: Biografía de Esteban Echeverría, abgerufen am 14. Dezember 2016.

Ihm zu Ehren benannten Wissenschaftler einer argentinischen Antarktisexpedition (1956–1957) den Puerto Echeverría nach ihm.John Stewart: Antarctica – An Encyclopedia. Bd. 2, McFarland & Co., Jefferson und London 2011, ISBN 978-0-7864-3590-6, S. 1097 (englisch).

Literarisches Werk Das Werk von Echeverría ist vielschichtig. So hat er auf der einen Seite mit dem Dogma Socialista ein Werk von großer politisch sozialer Bedeutung geschaffen. Auf der anderen Seite erschuf er Werke wie la cautiva oder cartas a un amigo in denen die individuelle Sphäre im Vordergrund steht und die ihn klar als Romantiker identifizieren. Er gilt als Gründungsvater der Romantik im Río de la Plata Raum. Nachdem er 1830 aus Paris zurückgekehrt war, verbreitete er die Ideen der europäischen Romantik in Argentinien. So schrieb zum Beispiel Juan Bautista Alberdi, dass er die ersten Informationen über die europäische Romantik von Echeverría erhalten habe.Heinz Krumpel: Aufklärung und Romantik in Lateinamerika. Peter Lang, Frankfurt am Main 2004, S. 145. 1832 veröffentlichte er anonym das größere Gedicht Elvira ó la novia del Plata (1830), das aber als zu wild-phantastisch wenig Anklang fand. Dennoch fand es seinen Platz in der Literaturgeschichte als „das erste romantische Poem in spanischer Sprache“.Heinz Krumpel: Aufklärung und Romantik in Lateinamerika. Peter Lang, Frankfurt am Main 2004, S. 154.

Cartas a un Amigo Eines seiner Werke sind die Cartas a un Amigo (dt.: Briefe an einen Freund). In diesen 32 Briefen beschreibt das lyrische Ich einem fiktiven Freund seine Erlebnisse und Herzensangelegenheiten. Die ersten Briefe handeln von seiner todkranken Mutter, anschließend beschreibt es seine Reise durch die Pampa, auf der es die traurige María kennenlernt. Es erfährt, dass Marías Bruder und ihr Freund sich auf den Weg gemacht haben, um die Indianer zu bekämpfen, und dass deren Schicksal ungewiss ist. Das lyrische Ich verspricht, sich zu erkundigen. Es erfährt, dass beide gestorben sind. Voller Kummer stürzt sich das lyrische Ich in Selbstmordgedanken und nur der Geist seiner Mutter hält es davon ab, diese Gedanken auch in die Tat umzusetzen. Die letzten Briefe handeln von Luisa, einer Frau, die es kennengelernt hat und in die es sich auf einem Tanzabend unsterblich verliebt hat.

Das lyrische Ich dieser Briefe ist im Grunde stereotypisch für die Romantik. So zeigt es einen Hang zur Melancholie und Nostalgie, es ist eng verbunden mit der Natur, in die es sich zurückzieht, es zeigt misanthropische Neigungen, es ist extrem emotional und es verspürt den Drang zum Selbstmord.Julio Schvartzman: La lucha de los lenguajes (= Historia crítica de la literatura argentina, herausgegeben von Noé Jitrik, Bd. 2). Emecé Editores, Buenos Aires 2003, ISBN 950-04-2478-9, S. 488.

Bemerkenswert sind auch die Parallelen zu Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers (1774). Einmal formell, denn beide Male wird der Inhalt über eine fiktive Korrespondenz erzählt, und zweitens auf inhaltlicher Ebene mit der unerfüllten Liebe zu einer Frau, die das lyrische Ich auf einem Tanzabend kennenlernt, und dem Selbstmordwunsch (der bei Echeverría allerdings nicht in die Tat umgesetzt) wird. Die Cartas a un amigo gehen inhaltlich seinem Werk La Cautiva voraus.

La Cautiva 1837 wurde Rimas und darin seine lyrisch-epische Dichtung La Cautiva (Die Gefangene) veröffentlicht. In dieser wird die Geschichte eines jungen Paares, Brian und María, erzählt. Brian, Hauptmann einer argentinischen Grenzstation, wird zusammen mit seiner Frau von Indianern verschleppt. Die beiden entkommen und schlagen sich durch die Pampa. Brian stirbt und María zieht allein weiter, ihrem Kind zuliebe. Als sie auf Soldaten trifft und diese ihr erzählen, dass ihr Kind nicht überlebt hat, gibt sich auch María dem Tode hin.Karl-Wilhelm Kreis: El concepto de la „poesía moderna“ en la teoría y en la práctica de la producción literária de Esteban Echeverría: La pareja amante en „La cautiva“. In: Inke Gunia, Katharina Niemeyer, Sabine Schlickers, Hans Paschen (Hg.): La modernidad revis(it)ada. Literatura y cultura latinoamericanas de los siglos XIX y XX. Estudios en homenaje a Klaus Meyer-Minnemann (= Tranvía sur, Bd. 7). edition tranvía – Verlag Walter Frey, Berlin 2000, ISBN 3-925867-48-1, S. 76–89.

La Cautiva ist in neun Abschnitte und einen Epilog geteilt. Jeder Abschnitt trägt einen Titel und ihm geht ein Zitat voraus. Zitiert werden u. a. Byron, Hugo, Dante und Lamartine.

La Cautiva fand unter Echeverrías Zeitgenossen großen Anklang und brachte seinem Autor große Bekanntheit. Es gilt als Nationalgedicht Argentiniens.Julio Schvartzman: La lucha de los lenguajes. Emecé Editores, Buenos Aires 2003, S. 489. Echeverría gelingt es mit diesem Gedicht die europäische Romantik auf nationale argentinische Themen anzuwenden. So geht seine eingehende Schilderung der Pampa mit ihren Sonnenuntergängen und seiner Graslandschaft auf Herders Landschaftsbeschreibung zurück. Und seine Darstellung der Indios läuft konträr zu dem in Europa üblichen Bild der „edlen Wilden“, welches auf das Menschenbild Jean-Jacques Rousseaus zurückgeht und welches die indigenen Völker in einem positiven, teilweise schwärmerischen Licht darstellt. Bei Echeverría sind die Indios hingegen grausam und gewalttätig. Dies ist darin begründet, dass wie bei Domingo Faustino Sarmiento, für Echeverría ein Dualismus zwischen Zivilisation und Barbarei besteht, wobei die Indios die Barbarei verkörpern und die Weißen die Zivilisation. Echeverría schlägt sich in diesem Gedicht eindeutig auf die Seite der Zivilisation.Michael Rössner: Die hispanoamerikanische Literatur. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd. 20: Essays. Kindler, München 1992, S. 40–56. Dieser Dualismus von Barbarei und Zivilisation kann auch stellvertretend für die politische Situation Argentiniens der 1830er Jahre gesehen werden. Die Zeit nach der Unabhängigkeit von Spanien steht im Zeichen der Auseinandersetzung zwischen den Föderalisten und den Unitariern. Wobei für Echeverría die Föderalisten und Rosas für die Primitivheit und Wildheit, also für die Barbarei, und die Unitarier für Bildung und Fortschritt, d. h. für die Zivilisation stehen. Eine Anklage der Indios kann also auch als Anklage der Rosas Diktatur verstanden werden.

El Matadero Zwischen 1838 und 1840 schrieb Echeverría die sozialkritisch-romantische Erzählung El Matadero (deutsch: Das Schlachthaus). Sie ist – neben La Cautiva – sein bekanntestes und am häufigsten kommentiertes Werk. Sie wurde erst zwei Jahrzehnte nach seinem Tod, im Jahre 1871, durch Juan María Gutiérrez in der Revista del Río de la Plata veröffentlicht und erregte großes Aufsehen.

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