Nové Hrady (deutsch Gratzen) ist eine Stadt im Okres České Budějovice in Tschechien. Sie gehört zur Region Südböhmen und liegt an der Grenze zu Österreich.
Geographie Nové Hrady liegt in Südböhmen an der Einmündung des Novohradský potok in die Stropnice. Die Stadt befindet sich in den Höhenzügen des gleichnamigen Gratzener Berglandes (Novohradské hory), nördlich der Stadt befindet sich eine Teichlandschaft. Zwei Kilometer südöstlich von Nové Hrady passiert die Straße nach Pyhrabruck die Binnengrenze zu Österreich und erreicht die Nachbargemeinde Unserfrau-Altweitra. Durch Nové Hrady verläuft die Bahnstrecke České Velenice–České Budějovice.
An Nové Hrady grenzen im Okres České Budějovice die Gemeinden Olešnice u Českých Budějovic, Horní Stropnice, Hranice u Nových Hradů, Petříkov, Žár und im Okres Jindřichův Hradec die Gemeinden České Velenice, Dvory nad Lužnicí, Nová Ves nad Lužnicí, Suchdol nad Lužnicí. Weiterhin grenzen die niederösterreichischen Gemeinden Großdietmanns, Moorbad Harbach und Unserfrau-Altweitra an Nové Hrady.
Geschichte mini|links|hochkant|Rathaus Bereits um 980 soll sich dort eine slawische Burganlage befunden haben. Die erste urkundliche Erwähnung stammt vom 21. Mai 1279, als sich Hogyrius de Gretzen (Hojer von Gratzen; Ojíř z Nového Hradu) aus dem witigonischen Zweig der Landstein als Besitzer der Burg Nové Hrady nachweisen lässt. 1291 war Gratzen im Besitz des Smil von Gratzen, der in diesem Jahr die Kirche von Deutsch-Reichenau dem Stift Hohenfurt schenkteValentin Schmidt und Alois Picha: Urkundenbuch der Stadt Krummau in Böhmen. I. Band. 1253–1419. Prag, 1908, S. 7. 1359 erwarben die Rosenberger Gratzen von Ojíř/Hojer und Vítek/Witiko von Landstein.
Der genaue Zeitpunkt, wann die unterhalb der Burg entstandene Ansiedlung zur Stadt erhoben wurde, ist nicht überliefert. Es wird angenommen, dass dies noch im 14. Jahrhundert zu Zeiten Ulrichs I. von Rosenberg erfolgte, der auch die Herrschaft Gratzen begründete und die Teiche nördlich der Stadt anlegen ließ. Bei dessen Tode im Jahre 1390 gehörten die Dörfer der Umgebung zur Herrschaft Gratzen. Unter dessen Sohn Heinrich III. von Rosenberg gelangte die Stadt zu Reichtum. Neben dem Verkauf des Holzes aus den umliegenden Waldgebieten und der Fertigung von Schindeln lebten die Bewohner vor allem vom Hopfenanbau und der Brauerei. Das Gratzener Bier wurde ins gesamte Herrschaftsgebiet der Rosenberger ausgeliefert.
1425 fielen die Hussiten unter Jan Hvězda z Vícemilic ein und brannten Stadt und Burg nieder. Während des Aufstandes gegen Georg von Podiebrad brandschatzten die Truppen Zdenkos von Sternberg 1467 Stadt und Burg erneut. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erlebte Gratzen seine Blütezeit, in mehreren der umliegenden Herrschaftsdörfer, wie Weißbach, Niederthal und Sonnberg, entstanden Brauereien. 1521 wurde der Große Teich (Byňovský rybník) bei Böhmdorf angelegt und 1568 die Teiche bei Gabernost und Sohors zu einem großen, dem heutigen Žárský rybník (Sohorser Teich) verbunden. Auch die Glasherstellung wurde ansässig, 1564 wurde in Piberschlag die erste Glashütte der Gratzener Herrschaft gegründet und 1588 folgte die Glashütte Wilhelmsberg bei Heilbrunn.
Besitzer der Herrschaft waren zu dieser Zeit Wilhelm von Rosenberg und dessen Bruder und Nachfolger Peter Wok, der letzte der Rosenberger. Am Ende des 16. Jahrhunderts bauten die Rosenberger die Alte Burg, die sich in einem schlechten Zustand befand, um. Nach dem Tode Peter Woks im Jahre 1611 gelangte Gratzen in den Besitz von Johann Georg von Schwanberg. Bis 1620 gehörte die Herrschaft dann Peter von Schwanberg, der sie verpfändete und dessen Besitz schließlich wegen dessen Beteiligung am Ständeaufstand von 1618 konfisziert wurde. Im Februar 1621 verlieh der böhmische Landesherr Ferdinand II. die Herrschaft Gratzen an seinen Feldherrn Charles Bonaventure de Longueval, Comte de Bucquoy.
1708 wurde die Anlage des Servitenklosters im Zentrum der Stadt erbaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte der Bau weiterer Glashütten in Niederthal und Georgenthal. 1802 begann an der Straße nach Gmünd der Bau des Neuen Schlosses, das 1810 unter Georg Franz August von Buquoy vollendet wurde und in dem zwischen 1832 und 1836 ein Schlosstheater spielte. 1852 ging in Jakule die erste maschinell betriebene Schneidemühle in Betrieb. Aus Buchers kommend hielt die Hinterglasmalerei in Gratzen Einzug. mini|links|Schloss
Nach Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit wurde Gratzen Sitz eines Bezirksgerichts, erhielt ein Post- und Telegrafenamt sowie eine Gendarmeriestation. Die Einwohnerzahl vervierfachte sich fast innerhalb eines halben Jahrhunderts von 1272 (1846) auf 4525 (1900). In diese Zeit fällt auch der Bau der Eisenbahn von Pilsen nach Wien, deren Trasse ab 1869 fünf Kilometer nordöstlich der Stadt vorbeiführte und bei Jakule einen Bahnhof erhielt.
Im Jahr 1900 hatte die Stadt Gratzen in ihren damaligen Grenzen 1596 Einwohner, davon waren 1451 deutsch- und 33 tschechischsprachig.K.K. Statistische Zentralkommission, Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900. Band IX Böhmen (Wien 1904) S. 272.
Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie wurde Gratzen ab 1918 Teil der Tschechoslowakei. Die entstandene Grenzlage wirkte sich für die Stadt nachteilig aus. Das trug auch dazu bei, dass sich die Herrschaft Gratzen in dieser Zeit bei offiziellen Stellen als choulostivý místo republiky (misslichster Flecken der Republik) bezeichnete. Am 31. Juli 1920 wurden aus dem österreichischen Bezirk Gmünd durch die neue Grenzfestlegung die Dörfer Naglitz, Thiergarten und Weißenbach an die Tschechoslowakei abgetreten.
Im Jahre 1930 hatte die Stadt 1264 Einwohner, davon waren 913 deutsch- und 351 tschechischsprachig.Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 173. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben; die Grafen Bucquoy wurden enteignet. Der später einsetzende Kalte Krieg und die Errichtung des Eisernen Vorhangs führten zu einer Verödung des Gratzener Landes, das nun am Ende der (sozialistischen) Welt, dicht am Grenzzaun, lag, wodurch zahlreiche Dörfer dem Verfall preisgegeben wurden.
Nach der Samtenen Revolution und der Grenzöffnung zu Österreich begann der Wiederaufbau der vernachlässigten Infrastruktur, und die Stadt sanierte ihre geschichtsträchtigen Bauwerke. Das umliegende Gratzener Bergland wurde wieder touristisch erschlossen.
Ehemalige Glashütten auf dem Gebiet der Herrschaft Gratzen Luschnitz/Lužnice (1677–1715) Auf dem Gebiet der Herrschaft Gratzen wurde 1677 eine Hütte errichtet, die meist verpachtet war. Das erzeugte Glas wurde in Österreich abgesetzt. Das geschliffene Glas wurde nach Italien geliefert. 1715 wurde der Betrieb eingestellt und die Gebäude in einen Meierhof umgewandelt, der den Bewohnern später in Erbpacht überlassen wurde.
Buchers/Pohoří na Šumavĕ (1693–1744) Die nächstältere Hütte erstand unweit des Bucherser Teiches nahe der Stelle, wo die Grenzen von Böhmen, Ober- und Niederösterreich zusammenstoßen. Sie wurde von Urban Kramper und dem Oberförster Urban Glaser aus Ziernetschlag 1693 erbaut. Das Bauholz stellte der damalige Herrschaftsbesitzer Phil. Ern. Graf v. Buquoy unentgeltlich. In dieser Hütte wurden Scheibenglas, Schalen, Krüge und Gläser, später auch Tafelglas erzeugt. Die Erzeugnisse gingen nach Österreich und in die Türkei. Auch die Glasmalerei wurde betrieben. Von den Glasmalern sind uns die Namen Karl Grasmann, Karl Goldmann und Martin Keck bekannt. Wahrscheinlich wegen der ungünstigen Lage wurde der Betrieb 1744 stillgelegt.
Mühlberg/Biňov (1757–1798) Johann Hilgard bewarb sich bei dem späteren Herrschaftsbesitzer Franz Leopold Grafen v. Buquoy um die Erlaubnis, im Revier Heilbrunn/Hojná Voda am Mühlberge eine Glashütte erbauen zu dürfen. In einem Vertrag vom 16. September 1757 wurde die Bewilligung erteilt und das Bauholz und die Ziegel kostenlos zugewiesen. Auch einige umliegende Grundstücke durften benutzt werden. Schon nach einem Jahr – der Pachtvertrag ist vom 29. September 1758 – kam diese Hütte an den Glasmeister Andreas Seewald, der einige Verbesserungen durchführen ließ. Während seiner Verwaltung brannte die Hütte zweimal ab, wurde aber wieder neu aufgebaut. 1766 wurde sie an Anton Schindler verpachtet. 1789 war sie noch im vollen Betrieb, bald darauf wurde sie aufgelassen. Die Gebäude wurden für Wohnzwecke vergeben. Hergestellt wurden hier Tafelglas, Schalen, Krüge, Vasen und Gebrauchsglas.
Theresien- oder Fürlingerhütte (1764–1798) Unter dem Grafen Joh. v. Buquoy wurde 1764 die Theresienhütte gegründet. Sie erhielt ihren Namen nach dem Taufnamen der Gräfin, Pächter waren 1772 Josef Schreiner und 1784 Wenzel Fürlinger. Nach diesem wurde sie längere Zeit als Fürlinger-Hütte bezeichnet. Auch dieser Betrieb wurde schon 1798 eingestellt und die Gebäude wurden den Holzhauern überlassen.
Johannesthal/Janovy Hutě (1777–1838) 1777 plante man die Errichtung einer Glashütte in Johannesthal im „Oberen Forst“ der Herrschaft Gratzen unterhalb des Kiesbaches. Sie wurde am 11. Oktober 1780 eingeweiht und Pucherser Hütte genannt. Ungefähr 40 Jahre war sie an Matthias Ernst und Martin Poverl verpachtet. Von 1822 bis 1838 wurde sie von den Eigentümern betrieben. Hergestellt wurden Schleifglas, gewöhnliches Hohlglas und Fenstertafelglas, das in Böhmen und in den Alpenländern abgesetzt wurde.
Paulina-Hütte/Pavlína (1780–1852) Johann Graf v. Buquoy ließ im Jahre 1780 am Fuße des Steinberges unweit Buchers eine Glashütte erbauen, die er nach seiner Nichte Paulina-Hütte benannte. Sie wurde an Josef Schreiner verpachtet und hieß deshalb auch oft Schreiner-Hütte. Später übernahm sie Johann Meyr. 1814 übernahm sie die Herrschaft selbst. Diese Hütte war bis 1852 in Betrieb und lieferte Kreide- und Tafelglas nach Österreich. Vor der Aussiedlung stand an dieser Stelle ein kleines Dorf mit Häusern für Waldarbeiter.
Silberberger Hütte/Stříbrné Hutě (1782–1881) Der Waldreichtum dieses Gebietes verlockte immer wieder zu Neugründungen. Josef Meyr, der Gründer von „Adolf“ bei Winterberg, baute mit herrschaftlicher Genehmigung 1782 an der Lainsitz die Silberberger Hütte. Vom Grafen erhielt er einen Bauzuschuss von 1500 Gulden. Der Pachtvertrag wurde für 20 Jahre abgeschlossen. Meyr schuf für seine Arbeiter auch menschenwürdige Wohnungen.
Bonaventura/Skleněné Hutě (1794–1881) Eine weitere Glashütte wurde von Josef Meyr im Jahre 1794 bei Silberberg erbaut. Graf Johann Nepomuk von Buquoy leistete einen Beitrag von 1000 Gulden. Die Anlage wurde nach dem Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges, dem Sieger in der Schlacht am Weißen Berg, Charles Bonaventure de Longueval, benannt. Meyr übernahm die Hütte auf 25 Jahre in Pacht und erhielt Grund für Bauzwecke und für die Glasarbeiter. 1820 wurde die Hütte in herrschaftliche Verwaltung gegeben.