mini|Tokyos Yoshiwara-Vergnügungs-Viertel, alte Postkarte Prostitution in Japan hat eine vergleichsweise vielseitige Geschichte. Durch das Anti-Prostitutionsgesetz von 1956 wurde Vaginalverkehr gegen Entgelt verboten. Dennoch gibt es weiterhin verschiedene Wege, das Verbot zu umgehen, beispielsweise durch Anal-, Oral- oder Schenkelverkehr ( Sumata). In der Vergangenheit florierte Prostitution vor allem durch die Verbindung mit weit verbreiteten Künsten wie Musik und Tanz. Heute ist sie jedoch illegal und wird nur noch mehr oder weniger verborgen praktiziert.

Begriffsklärung Wenn man von Prostitution in Japan spricht, muss man sich vom Verständnis des Westens zu diesem Begriff entfernen: Im Gegensatz zum christlich geprägten Weltbild wurde Prostitution in Japan nicht mit Scham oder Sünde in Verbindung gebracht, sondern durch andere Moralvorstellungen beeinflusst. Infolgedessen genossen Kurtisanen Prestige und Anerkennung. Bei der Suche nach einem europäischen Äquivalent könnte man sie am ehesten mit den griechischen Hetären vergleichen. Die Begriffe „Kurtisane“ und „Prostituierte“ werden in der Literatur eher wahllos und willkürlich verwendet, da es kein allgemein akzeptiertes Kriterium für eine Trennung gibt. Um Prostitution in Japan verstehen zu können, ist es nötig, die Gepflogenheiten und Ansichten der vormodernen japanischen Gesellschaft zu berücksichtigen. Utagaki ist ein Beispiel für das differenzierte Verständnis von Sexualität der Menschen dieser Zeit.

Utagaki (, auch kagai gelesen) war ein Fest älteren Ursprungs (erstmals erwähnt 498), das vor und während der Nara-Periode (710–794) gefeiert wurde. Anlässlich von Schreinfesten im Frühling und Herbst versammelten sich die Jugendlichen in ländlichen Gebieten an Berggipfeln oder Küstenstränden. Sie sangen, tanzten, aßen, tranken und tauschten Gedichte aus. Diese Tradition ging wahrscheinlich aus Fruchtbarkeitsriten hervor. Utagaki (wörtlich Liederhecke) war eine Art Liederwettstreit, bei dem Jungen und Mädchen sich in Gruppen oder paarweise maßen. Man trug sich gegenseitig Gedichte und Lieder vor, oft improvisiert, und regte somit andere an, mit einem weiteren Gedicht zu antworten. Nach reichlichem Konsum von Reiswein bei Tanz und Gesang fand die Partnerwahl leichter statt. Wenn sich ein Paar beim Wettstreit gefunden hatte, verbrachte es meistens auch die Nacht miteinander. Utagaki hatte karnevalistischen Charakter, und bei diesen Festen waren Dinge erlaubt, die sonst verboten waren. Es war eine Ausnahme, auf diese unbeschwerte Art und Weise seinen Partner zu finden und freie Liebe offen zu praktizieren. Das Ausleben von sexuellen Handlungen wurde eng mit den Künsten der Musik, des Gesanges oder des Tanzes in Verbindung gebracht. Es war normal und natürlich, dass eine Tänzerin auf diese Weise ihrem Bewunderer ihre Zuneigung verdeutlichte und wurde daher auch nicht als verachtenswert betrachtet. Frauen, die dieser Tätigkeit nachgingen, wurden oft als otome () bezeichnet, was „lediges Mädchen“ oder „Fräulein“ bedeutet. Sie wurden keinesfalls direkt als Kurtisanen oder Prostituierte betitelt. Im Manyōshū, der ersten großen japanischen Gedichtsammlung, wurden statt „Kurtisane“ der Begriff Kanji verwendet, welcher wörtlich „Frauen, die Unterhaltung betreiben“ bedeutet. Dafür gibt es jedoch zwei Lesungen: asobi und ukareme. Vermutlich handelt es sich um zwei verschiedene Varianten von Kurtisanen.

Ukareme Ukareme () waren Frauen, die nicht im Steuerregister eingetragen waren und keinen festen Wohnsitz hatten. In den Augen der Behörden existierten sie deshalb nicht. Der Begriff ist zurückzuführen auf die ukarebito (), welche Zauber- und Gauklerkünstler waren, die im Land umherzogen. Möglicherweise sind sie von Korea auf die japanischen Inseln gekommen.

Die Frauen der ukarebito waren meistens Schauspielerinnen und Kurtisanen zugleich. Im Gegensatz zu den asobi wird bei den ukareme kein Hinweis auf künstlerisches Wirken gegeben und deshalb hat diese Bezeichnung eine eher abwertende Konnotation („Gesinde, Vagabunden“). Erst im 11. Jahrhundert konnten sie höfische Künste erlernen und erlangten ähnliche Qualitäten wie andere Unterhalterinnen (asobi) dieser Zeit.

Asobi Asobi () ist die Kurzform von asobime () und die Bezeichnung der Nara-Zeit für Kurtisanen. Sie beherrschten die Künste aus höfischer Tradition und unterhielten Adlige in ihren Provinzen. Anders als den ukareme wird ihnen ein besserer Ruf zugeschrieben, denn sie waren keine einfachen Prostituierten, sondern begabte Unterhalterinnen.

Anfänge der Prostitution Die Anfänge der Geschichte Japans werden generell meist in Form von Legenden dargestellt. Mit der Prostitution verhält es sich nicht anders. Erst aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. gibt es erste schriftliche Dokumente, die Kurtisanen erwähnen und Aufschluss über deren Stellung in der Gesellschaft und ihr Verhalten geben. Der Ursprung der Prostitution liegt zwar weitaus früher, jedoch sind sich Gelehrte nicht sicher, wann genau. Entweder begann er mit den miko, Dienerinnen an Shintō-Schreinen, oder den uneme, Unterhalterinnen des Kaisers.

Bewiesen ist aber, dass in sehr frühen Zeiten Sexualität in verschiedenen religiösen Zeremonien und Festen gefeiert wurde und herumziehende Frauen, die mit Magie und Religion in Verbindung gebracht wurden, dabei ihren Lebensunterhalt mit Tanzen, Geschichten erzählen, medizinischen Fähigkeiten, Wahrsagen und manchmal auch mit Prostitution verdienten. Wahrscheinlich fungierten diese Feierlichkeiten als Fruchtbarkeitsriten in den ländlichen Gebieten Japans.

Unklar ist auch, welchen sozialen Status Prostituierte hatten, ob sie ausgebeutet und diskriminiert wurden oder vollkommen in die Gesellschaft integriert und zum Teil auch reich und mächtig waren. Dominierend ist die Ansicht, dass Kurtisanen Normen übertraten und sich sehr langsam Widerstand und Kritik entwickelte, als es Frauen gab, die nur noch Prostitution betrieben und dadurch die soziale Stabilität bedrohten. Vor allem abstinente Mönche versuchten, Kurtisanen von ehrlicher und redlicher Arbeit zu überzeugen. In ihren Beschreibungen werden Prostituierte als sehr reuevoll dargestellt, denn durch Vertrauen und Glaube an Buddha sollten sie erlöst werden. Relativ wenige Frauen werden aber diesen Weg gegangen sein, denn es war für sie einfacher, ihre alte Tätigkeit auszuüben.

Dennoch ist es sehr wahrscheinlich, dass Prostituierte nicht ausgestoßen oder ausgegrenzt wurden und es sowohl Befürworter als auch Gegner von Prostitution gab.

Miko Miko ( oder ) sind Frauen, die an Shintō-Schreinen tätig sind oder im Land herum reisten und dort ihre Praktiken ausübten. Im Shintō haben ledige und jungfräuliche Mädchen eine besondere religiöse Funktion: Sie sind Dienerinnen der Götter ( kami), da sie die rituell reinsten Wesen sind. Als Vermittlerinnen zwischen Göttern und Menschen sollten sie stets keusch bleiben, doch dieses Gebot wurde nicht überall gleich streng eingehalten: Hohe Priester konnten auch ungehindert mit ihnen schlafen. Dann wurde die miko zu so etwas wie einer „Gott-Mutter“, denn das aus dieser Verbindung geborene Kind galt als göttliches Mysterium. Mit der Geburt eines Kindes war es ihr verwehrt, weiter im Tempel zu arbeiten, und so ging sie (zurück) in die Stadt, um anderweitig ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Der Glaube, dass mit jeder Menstruation die Jungfräulichkeit wiederhergestellt wird, egal mit wie vielen Männern sie schon geschlafen hatte, half den Priesterinnen, im Schrein bleiben zu können, wenn sie nicht schwanger wurden.

Die Tätigkeit als miko barg große ökonomische Risiken: Sie musste sich durch ihren Dienst für den Schrein aus ihrem Familien- und Gemeindeband lösen und hatte somit kein gesichertes Einkommen mehr. Mit der Einführung des Buddhismus im 6. und 7. Jahrhundert und der einsetzenden Organisation der Schreine begaben sich immer mehr miko auf Wanderschaft ( aruki miko = Wander-miko), um gegen Geld ihre Dienste zu verkaufen, da sie ihre Stellung an den Schreinen weitestgehend verloren hatten. Viele miko fühlten sich gezwungen, andere Dienste zu erlernen, um weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen zu können: Die meisten übernahmen von den Kurtisanen gewordenen Unterhalterinnen vom kaiserlichen Hof die Künste der höheren Gesellschaft, wenn die Verlockung oder ihre Not zu groß geworden war. Dadurch konnte es auch vorkommen, dass sie der Prostitution nachgingen.

Uneme Bis in historische Zeiten war es Brauch, dass Provinzherren als Zeichen ihrer Loyalität ihre Töchter an den Kaiserhof schickten. Diese jungen und hübschen Mädchen nannte man uneme (). Sie wurden in den Hofdienst aufgenommen und dienten der persönlichen Aufwartung des Kaisers, vor allem zur Yamato-Zeit. Dadurch konnten sie die Gunst des Herrschers erwerben und vorteilhafte Beziehungen am Hof knüpfen, welches oft dem Machteinfluss der Familie dienlich war. Der Ursprung dieser Tradition geht vermutlich auf die rituelle Opferung von Menschen an die Götter zurück, die damit um Schutz baten.

Mit dem Yōrō-Kodex 718 wurde der Status aller Untertanen gesetzlich geregelt und es konnten Familienmitglieder nicht mehr versklavt, verschenkt oder verkauft werden. Dadurch entstand ein großes Defizit in den Kreisen der Adligen, denn es wurde von einem Edelmann erwartet, eine gewisse Anzahl an Nebengemahlinnen, Schwestern und Töchtern zu haben. Diese Lücke füllten Frauen, die auf die benötigten Dienstleistungen spezialisiert waren: Eine umfassende Betreuung von Männern mit allen unterhalterischen und sexuellen Aufgaben gegen ein gewisses Entgelt.

Termini Naikyōbō und jogaku In der Nara-Zeit übernahm Japan viele Errungenschaften von China, um Rückstände auszugleichen und ebenbürtig zu werden. Auch in der Unterhaltungskultur wollten sie ausländischen Gästen und Gesandtschaften denselben Komfort wie in ihrem Heimatland bieten. Daraufhin wurde das naikyōbō gegründet, eine Behörde für die musischen Künste bei Hof. Vorbild dafür war das chinesische jiao fang, welches ein Institut für die Ausbildung höfischer Unterhaltungskünstlerinnen war.

Die Mädchen im naikyōbō (wörtl. einheimisches jiao fang) wurden jogaku () genannt, und da sie hübsch und jung sein sollten, konnten es etwa uneme (kaiserl. Dienerin) sein. Im Gegensatz zu den chinesischen Palast-Kurtisanen (gongji) war es nicht möglich, jogaku zu verschenken oder sie beliebige Dienste erledigen zu lassen. Sie waren Hofdamen, deren künstlerische Auftritte sich auf bestimmte Anlässe beschränkten und die nicht wie Kurtisanen ihren Lebensunterhalt damit bestreiten mussten. Jogaku mit adliger Herkunft dienten oft alleinig dem Kaiser.

Anfang des 9. Jahrhunderts verlor das naikyōbō an Bedeutung, da mit dem Umzug des Kaiserhofs von Heijō-kyō (heutiges Nara) nach Heian-kyō (heutiges Kyōto) die Beziehungen zu China abnahmen und eine Zeit nationaler Gesinnung begann.

Asobime