Die Siersburg (auch Burg Siersberg) ist die Ruine einer hochmittelalterlichen Höhenburg im Ortsteil Siersburg der saarländischen Gemeinde Rehlingen-Siersburg im Landkreis Saarlouis, Deutschland. Sie wurde als Landesburg des Herzogtums Lothringen genutzt und steht als ehemaliger Sitz der Herren von Siersberg-Dillingen in enger historischer Verbindung zum Alten Schloss in Dillingen/Saar auf der gegenüberliegenden Saarseite.
Lage und Bauwerk mini|links|Blick auf Burg Sierberg, Siersburg und das Niedtal von Osten aus mini|links|Blick auf die Schichtstufe 9 des Pariser Beckens mit (v. l. n. r.) Limberg, Hoesberg und dem Burgberg der Siersburg von Saarfels aus gesehen Die Burganlage der Siersburg liegt weithin sichtbar auf einer steilen Bergkuppe aus leicht erodierbarem Oberem Buntsandstein neben Oberem Muschelkalk hoch über dem Tal der Nied kurz vor deren Mündung in die Saar. Unterhalb von Rehlingen verengt sich – bedingt durch einen plötzlichen Gesteinswechsel – das Saartal. Während das Flusstal bis Rehlingen in die leicht erodierbaren Schichten des Buntsandsteins eingeschnitten ist, beginnen unterhalb von Rehlingen Muschelkalkschichten, die in den "Merziger Graben" eingebrochen sind. Nördlich einer geologischen Verwerfung, die sich vom Bürener Eichertswald über die Siersburg nach Beckingen erstreckt, sind die Gesteinsschichten bis zu 120 m abgesunken, sodass an der Siersburg der Obere Buntsandstein auf den Oberen Muschelkalk trifft. Der Verwerfungsverlauf ist durch den Sattel zwischen dem Siersberg und dem 308,2 m hohen, benachbarten Gauberg deutlich sichtbar.Herbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild, Ein Beitrag zur Landeskunde, hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes, Neumünster 1974, S. 72.
Bereits in vorgeschichtlicher Zeit bestand in diesem Raum die Notwendigkeit einer militärischen Sicherung. Für die Hallstattzeit (8.–6. Jh. v. Chr.) ist eine mehrfach gestaffelte Abschnittsbefestigung auf dem sich an der Saar annähernd 359 m hoch erhebenden, halbinselartigen Bergmassiv des Limberges archäologisch belegt.Herbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild, Ein Beitrag zur Landeskunde, hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes, Neumünster 1974, S. 71–73.
Auf dem Limberg benachbarten Itzbacher Königsberg (344,7 m) begannen im Jahr 2010 Untersuchungen einer vorgeschichtlichen Höhenbefestigung durch das Landesdenkmalamt des Saarlandes. Die dort vorhandenen Wallanlagen bargen gut erhaltene Reste einer Trockenmauer aus großen Bruch-Sandsteinen ohne Holzversteifung. Die freigelegten Mauern weisen eine Breite von 1,80 m und eine noch erhaltene Höhe von 1,40 m auf. An der Rückseite der Mauern ist eine 6,40 m breite Rampe aus Erde und Steinbrocken aufgeschüttet, über die man im Verteidigungsfall von der Innenseite her die Mauerkrone erreichen konnte. An der Vorderseite der Mauer ist ein breiter Sohlgraben in den Fels gehauen. Keramikscherben deuten auf die späte Bronzezeit oder die Eisenzeit hin. Die Grabungen und deren Auswertungen werden weitergeführt.Wolfgang Adler: Grabungen 2014 auf dem Königsberg bei Itzbach, Kr. Saarlouis, in: Denkmalpflege im Saarland, Jahresbericht 2014, hrsg. vom Landesdenkmalamt im Ministerium für Bildung und Kultur, Saarbrücken, S. 26–28.
Nach der Eroberung der Region durch die Römer unter ihrem Feldherrn Gaius Iulius Caesar im Gallischen Krieg versah das Kastell in dem gallorömischen Vicus Contiomagus, beim heutigen Pachten (Stadt Dillingen/Saar) gelegen, diese Aufgabe. Erst im Mittelalter verlagerte sich der Schwerpunkt der militärischen Sicherung hin zur Siersburg.Herbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild, Ein Beitrag zur Landeskunde, hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes, Neumünster 1974, S. 72–73.
Die Burg erhebt sich südöstlich der bewaldeten Kuppe des rund hohen Gaubergs auf einem etwa 130 m × 80 mMaße nach der Infobox-Tafel der Gemeinde Rehlingen-Siersburg vor der Burganlage, www.rehlingen-siersburg.de. großen Plateau des Siersberges in einer Höhe von . Der Siersberg bietet eine gute Aussicht auf die beiden Flusstäler und die Ortschaften Siersburg, Rehlingen, Beckingen und Dillingen/Saar. mini|links|Siersburg, Burgtoranlage von innen mini|Blick vom Burgturm ins Saartal und nach Dillingen mini|links|Siersburg, Befestigung "die Puppen", von außen Der Hauptzugang zur Burg kommt von der Nordostseite her und läuft an den östlichen Hauptbefestigungsanlagen vorbei. Anschließend trifft er auf die 6 bis 10 m breite Senke des Burggrabens, der sich um die Burg herumzog. Über eine Zugbrücke mit Hindernisschranken und weiter durch eine Torbastion, der durch vier hintereinander gelegene Burgtore gesichert war, gelangte man in den herzoglichen Teil der Burg. Dieser war vom Rest der Burg durch ein Mauer- und Grabensystem getrennt, dessen Überreste heute noch an der Quermulde auf dem Plateau erkennbar sind.
Die durch Gräben und Mauern ursprüngliche Dreiteilung der Burg (Herzogsburg, Moritzburg, Marienburg; so benannt nach ehemaligen Besitzern) ist heute durch Einebnung nur noch eingeschränkt sichtbar. An dem heute noch sichtbaren Rest des Bergfrieds war ein Palasgebäude angebaut, das durch Balkenlöcher im Turmmauerwerk und den Rest eines steinernen Kamins nachgewiesen werden kann. Die Umfassungsmauern der Anlage, mit Schießschächten versehen, waren vermutlich 6 m hoch und 1,5 m stark.Kurt Hoppstädter: Burg Siersberg, in: Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Vom Faustkeil zum Förderturm, hrsg. v. Kurt Hoppstädter u. Hans-Walter Herrmann, Bd. 1 unter Mitwirkung von Erhard Dehnke, Saarbrücken 1960, S. 192–196, hier S. 195–196. Burgturm Der nach verschiedenen Sanierungsmaßnahmen gut erhaltene 16,3 m hohe Burgturm hat einen quadratischen Grundriss mit einer Kantenlänge von etwa 9,2 m. Die heutige ebenerdige Turmtür wurde erst im 18. Jahrhundert in die dort 2,6 m dicke Wand eingebrochen, als man dem Turm ein viertes Geschoss aufsetzte. Das dritte Turmgeschoss mit seiner gotischen Türöffnung in rund 9,7 m Höhe wurde etwa zwischen den Jahren 1350 und 1450 erbaut. Im Innern des Turms befindet sich eine Beton-Wendeltreppe, die über insgesamt 83 Stufen zu zwei Zwischenebenen im dritten und vierten Geschoss und weiter auf die Aussichtsplattform führt. Ein überdachter Glasüberbau auf der Plattform dient dabei als Wetterschutz. Von der Plattform hat man einen sehr guten Rundumblick. Eine Besichtigung ist nach Voranmeldung möglich.
Geschichte Mittelalter Vermutlich wurde die Burg Siersberg auf dem knapp hohen Bergkegel über der Saar und der Nied von dem Saargaugrafen Sigebert im 11. Jahrhundert angelegt. Erste urkundliche Erwähnung war 1175.siehe Abschnitt Die Siersburg im Wandel der Zeit im Infoflyer zur Burg Der älteste Teil der Burg war vermutlich ein von einer Mauer umschlossener Wehrturm, der wahrscheinlich im Nordosten im Bereich des heute wiederaufgebauten Turmes stand. Die Burg diente der Kontrolle der Schifffahrt auf der Saar sowie der an den Flüssen entlang verlaufenden Handelsstraßen, etwa der Flandernstraße von Italien über Straßburg nach Flandern, die an dieser Stelle die Nied überquerte, und der Königstraße, die Metz an der Mosel über Tholey mit Mainz am Rhein verband und bei Rehlingen die Saar überquerte.Herbert Liedtke, Karl-Heinz-Hepp, Christoph Jentsch: Das Saarland in Karte und Luftbild, Ein Beitrag zur Landeskunde, hrsg. vom Landesvermessungsamt des Saarlandes, Neumünster 1974, S. 72. In der anschließenden Zeit kam die Burganlage in den Besitz des Folgegeschlechts, der Grafen von Saarbrücken. Nach 1150 gelangte die Befestigung in den Besitz des Herzogs von Lothringen. mini|150px|Balduin von Luxemburg, Balduinbrunnen in Trier Unmittelbar darauf konnte der Erzbischof von Trier, Arnold I., die Burg um das Jahr 1175 erobern und den lothringischen Herzog zwingen, sie aus seiner Hand als trierisches Lehen zu nehmen. Zwar versuchten die Herzöge von Lothringen mehrfach die Lehenshoheit des Trierer Erzbischofs abzuschütteln, doch noch im Jahr 1334 musste Herzog Rudolf von Lothringen den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg als Oberlehensherrn der Siersburg anerkennen. Erst nach dem Tod Balduins lösten sich die lothringischen Herzöge aus der Lehenshoheit Triers. mini|Wappen der Prévôté Siersberg: In Blau ein silberner, gezinnter, schwarzgefugter Turm mit Tür und zwei Schießscharten, darüber ein goldener Adler mit offenem Flügelpaar. mini|Wappen der Stadt Dillingen/Saar: Das Wappen lehnt sich in seiner Gestaltung an das Wappen der Edelherren von Siersberg, Herren zu Dillingen (roter Zickzackbalken und blauer Turnierkragen auf Goldgrund) und an das Amtswappen der ehemaligen Prévôté (Vogtei) Siersberg (silberner Turm mit Adler auf blauem Grund) an. Beide Wappen werden miteinander kombiniert. Das Wappen der Edelherren wird im Dillinger Wappen zum Tor in einer Stadtmauer umgedeutet. Im Besitz der Dynastie Lothringen wurde die Siersburg eine lothringische Landesburg wie die übrigen Landesburgen in der näheren Umgebung: Burg Berus, Burg Sierck sowie die Burg auf dem Schaumberg über Tholey. Die lothringischen Herzöge bauten ihre Rechte in den Orten um die Siersburg zur Landesherrschaft aus. Die lothringischen Rechte der trierisch-lothringischen Gemeinherrschaft Merzig-Saargau wurde von der Burg aus wahrgenommen. In gefährlichen Situationen diente die Burg als Zufluchtsstätte der umliegenden Bevölkerung, die als Gegenleistung dafür Instandhaltungsmaßnahmen leisten musste. Zum Zweck der Verwaltung übergab das Haus Lothringen die Burg Siersberg als Lehen an ein Edelherrengeschlecht, das sich bald nach der Burg „Siersberg“ benannte. Das Geschlecht „von Siersberg“ wurde im Jahr 1136 erstmals erwähnt. mini|Altes Schloss (Dillingen), Eingang zur Vorburg Der Edelherr Arnold II. von Siersburg wird im Jahr 1341 als Herr zu Dillingen erwähnt, womit das Alte Schloss in Dillingen der Siersburg zuzuordnen ist. Das Geschlecht der Herren von Siersberg und Dillingen bestand im Mannesstamm bis auf Ladwein von Siersberg, Herrn zu Dillingen, der im Jahr 1558 starb. Die Dynastie zog sich aber zunehmend auf die Burganlage im nahegelegenen Dorf Dillingen auf der gegenüberliegenden Saarseite zurück und unterhielten auf der Siersburg nur noch ein Burghaus als lothringisches Lehen. Durch Ladweins Schwester Lisa ging der Besitz der Familie von Siersberg auf deren Mann Johann von Braubach über, doch übernahm der Herzog von Lothringen weitgehend den Besitz der Familie auf dem Burgplateau. mini|Stilisierte Darstellung der Siersburg auf einem Ausschnitt der Lothringen-Karte (nördlicher Teil) des Gerhard Mercator von 1564–1585 (Landesarchiv Saarbrücken, Sammlung Hellwig) Weiterhin siedelten sich auf dem Burgplateau zusätzliche Familien des niederen Adels an, die als Burgmannen (lat. oppidanus) die Besatzung der Burg stellten und in etwa zehn Burgmannenhäusern auf dem Burggelände wohnten. Dazu zählten die Familie von Esch, die ursprünglich von der benachbarten Burg Esch stammte, die Familie Kern von Siersberg, die später in den Dienst der Grafen von Nassau-Saarbrücken trat, und die aus dem Territorium Hessen-Nassau stammende Familie Bechel von Siersberg, die Herren von Criechingen bei St. Avold, die Herren von Dalheim bei Falk-Hargarten, die Herren von Haracourt, die Familie Fust von Stromberg im Hunsrück, die Herren von Zand, die später das Schloss Münchweiler bei Nunkirchen bewohnte, sowie zahlreiche andere. In dem Maße wie die Machtposition der Dynastie Siersberg schwand, verstärkte sich die Stellung der kleinen adeligen Burgmannen, die als lothringische Lehensnehmer Teilhaber der Burganlage wurden. Als Stellvertreter des Hauses Lothringen auf der Burg und auch im zugehörigen Amt Siersberg war ein Burggraf (lat. castellanus) eingesetzt, der in späteren Jahrhunderten Capitaine (Amtmann) genannt wurde.
Dreißigjähriger Krieg