mini|hochkant=1.3|Von den Bolschewiki ermordete Romanows und Romanow-Angehörige (rot umrandet) Die Ermordung der Zarenfamilie durch die Bolschewiki war ein Ereignis in der Zeit des russischen Bürgerkrieges. Die Exekution des abgedankten Zaren Nikolaus II. selbst und seiner engsten Familie ereignete sich in der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 in Jekaterinburg. Zuvor war bereits am 13. Juni 1918 sein Bruder Großfürst Michail Alexandrowitsch getötet worden. Weitere Mitglieder des Hauses Romanow wurden in den folgenden Monaten an verschiedenen Orten Russlands ermordet. Der Zar und seine Familie wurden wie die übrigen Angehörigen des Hauses Romanow nicht zuletzt deshalb getötet, weil die Bolschewiki den „weißen“ Konterrevolutionären keine potenziellen Symbolfiguren überlassen wollten. Insgesamt wurden 18 Angehörige der Dynastie und viele weitere Personen aus ihrem persönlichen Umfeld von den Bolschewiki umgebracht, darunter Jelisaweta Fjodorowna, die Schwester der Zarin, und fünf weitere Romanows in der auf die Ermordung der Zarenfamilie folgenden Nacht. Am 29. Januar 1919 wurden die letzten vier in Haft befindlichen Romanows erschossen.
Vorgeschichte Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts mini|Nikolaus II., seine Frau Alexandra Fjodorowna und die Töchter Olga und Tatjana bei einem Bootsausflug in den finnischen Schären, 1909 mini|Russische Zarenfamilie, 1913 mini|Alexandra (Mitte) mit ihren Töchtern Olga, Tatjana, Anastasia und Maria (von links nach rechts), 1913 Russland stand Anfang des 20. Jahrhunderts vor großen inneren Problemen. Die russischen Randprovinzen, wie zum Beispiel das Großfürstentum Finnland oder die Ukraine, widersetzten sich zunehmend der Russifizierungspolitik des Zaren. Bereits unter Alexander III. ging Russland dazu über, den Randprovinzen ihre Freiheiten zu nehmen. Dies führte zu starken Konflikten innerhalb des russischen Reiches.
Die Hoffnung auf Veränderungen, verbunden mit dem neuen Zaren Nikolaus II., der nach dem frühen Tod Alexanders III. im Jahre 1894 den Thron bestieg, erfüllte sich nicht. Nikolaus hielt wie sein Vater starr an der russischen Autokratie fest. In Russland herrschte ein Klima revolutionärer Stimmung. Die aufgestauten Aggressionen gegen die zunehmende Einschränkung der Autonomie in den Randprovinzen des Reichs traten bald offen zu Tage. Der russische Polizeistaat und die Autokratie wurden im einfachen Volk immer unbeliebter. Der Russisch-Japanische Krieg, der die revolutionäre Stimmung im Lande durch einen schnellen Sieg im Keim ersticken sollte, führte zum Gegenteil. Nach schweren Niederlagen der russischen Streitkräfte in Port Arthur und bei Mukden wurde das Zarenreich von der Revolution im Jahr 1905 ergriffen. Zunächst versuchten die Machthaber, den Aufstand niederzuwerfen. Nachdem zaristische Soldaten Demonstranten am so genannten Petersburger Blutsonntag niedergeschossen hatten, sah sich der Zar zu Veränderungen im Reich genötigt, um den Frieden wiederherzustellen. Nikolaus musste sich von der Autokratie teilweise verabschieden und einer gewählten Volksvertretung zustimmen. Im Oktobermanifest von 1905 berief er die erste Duma ein und ernannte Sergei Witte zum Ministerpräsidenten.
Russland wurde auch in den folgenden Jahren von Streiks heimgesucht. Die Lage im Land entspannte sich nur oberflächlich, und die Pressefreiheit nutzten die radikalen Kräfte, die Bolschewiki, zur Meinungsbildung. Die Regierung unter dem Premierminister Pjotr Stolypin konnte trotz guter Wirtschaftslage die Situation unter den Arbeitern und Bauern nicht sonderlich verbessern. Die Radikalisierung der Arbeiter schritt im ganzen Land voran, und die Regierung verlor die Kontrolle über das Land. Gleiches traf auf den Zaren Nikolaus II. und dessen Hof zu. Sie verspielten zunehmend ihr Ansehen in der Öffentlichkeit. Ohnehin nicht beliebt beim Volk, sank die Beliebtheit der Krone rapide, seit der Wunderheiler Grigori Rasputin am Hofe verkehrte. Seine Wirkung auf die Krankheit des Thronfolgers Alexei ließ ihn in der Gunst der Familie steigen. Rasputin schadete besonders der Beliebtheit der aus Deutschland stammenden Zarin Alexandra Fjodorowna. Die Ablehnung der breiten Masse, wie auch in Teilen der Zarendynastie selbst, führte zur weitgehenden Isolierung des Zaren samt seiner Familie. Sie zogen sich in ihre Paläste zurück und verloren den Bezug zu den Problemen der Bevölkerung. Im Ersten Weltkrieg wurde der Boden zum Sturz der Monarchie und der über 300 Jahre währenden Romanow-Dynastie in Russland gelegt.
Russland während des Ersten Weltkrieges Zur Entspannung der Eskalation in Europa während der Julikrise, die nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgepaars einsetzte, konnte auch der Zar nichts beitragen. Durch die Teilmobilmachung der russischen Armee wurde der Konflikt noch angeheizt, und die Bündnistreue Deutschlands auf die Probe gestellt; im August 1914 begann der Erste Weltkrieg. Die russischen Truppen konnten gegen die deutsche kaiserliche Armee nicht bestehen und mussten bei Tannenberg eine empfindliche Niederlage hinnehmen. An der südlichen Front lief es gegen die österreichischen Truppenverbände besser. Im weiteren Verlauf des Krieges konnten die zaristischen Truppen jedoch kaum Erfolge vorweisen.
Der Kriegsausbruch hatte in Russland, wie in anderen beteiligten Ländern auch, zu einem Anstieg des Patriotismus geführt. Ähnlich wie in der deutschen Burgfriedenspolitik und der französischen Union sacrée kam es in Russland zunächst zur Zusammenarbeit zwischen der Regierung und der Duma, die durch den zunehmenden Misserfolg an den Fronten des Krieges jedoch wieder zerbrach. Die Duma fiel wieder auf ihr altes Ziel zurück, die Veränderung der Verfassung durchzusetzen. Die Dumamitglieder strebten in ihrer Mehrheit eine konstitutionelle Monarchie an.
Die Lage in der Hauptstadt Petrograd verschärfte sich weiter, nachdem Zar Nikolaus II. im August des Jahres 1915 den Oberbefehl über die Truppen von seinem Onkel Nikolai Nikolajewitsch übernahm. Eine Wende an der Front blieb trotz der erfolgreichen Brussilow-Offensive aus. Die Aufgabe erforderte es, dass sich Zar Nikolaus II. fast ausschließlich im Mogiljower Hauptquartier aufhielt, wodurch Alexandra Fjodorowna faktisch zur Regentin in Petrograd wurde. Unter dem Einfluss Rasputins traf sie umstrittene Entscheidungen und entließ eigenmächtig mehrere Minister. Am 1. November 1916 hielt der Außenminister Pawel Miljukow eine berühmte Rede, in der er mehrfach die rhetorische Frage „Was ist das? Dummheit oder Verrat?“ stellte. Er bezeichnete den Ministerpräsidenten Boris Stürmer als Günstling Rasputins und indirekt die Kaiserin Alexandra Fjodorowna als Landesverräterin. Stürmer musste zurücktreten, und Russland stand vor der Revolution.
Februarrevolution und Abdankung mini|hochkant|Nikolaus II. von Russland Den Zaren holten im Verlauf des Krieges die inneren Probleme des Landes ein. Durch den Krieg war eine grundlegende Versorgung der Bevölkerung mit lebensnotwendigen Dingen nicht mehr gewährleistet, und die Inflation tat ihr Übriges. Immer mehr Menschen verarmten. Im November 1916 kam es zu ersten Unmutsbekundungen seitens der Bürger. In Teilen der Romanowfamilie bildete sich eine Opposition zum Zaren heraus, die begann, gegen die Zarin und Rasputin zu arbeiten. Duma und Regierung lagen seit Monaten im Streit, und auf der Straße häuften sich die Proteste.
In den Reihen der oppositionellen Familienmitglieder beschloss man die Beseitigung Rasputins. Felix Jussupow und Großfürst Dmitri Pawlowitsch waren maßgeblich an der Ermordung Rasputins im Dezember 1916 beteiligt. Die Zarin forderte die unverzügliche Hinrichtung der beiden Mörder, doch die Petersburger Behörden weigerten sich Festnahmen vorzunehmen, da sie die Tat als von der Bevölkerung gebilligt ansahen. Nach gerichtlicher Anhörung wurden beide Täter schließlich vom Zaren aus der Hauptstadt verbannt.
Hier begann die Lage außer Kontrolle zu geraten. In der Februarrevolution häuften sich die Demonstrationen in Petrograd. Nach anfänglichen Unmutsäußerungen über die Knappheit an Lebensmitteln kamen bald Streiks in den Fabriken hinzu, die Garnisonstruppen widersetzten sich den Befehlen und schlossen sich den Demonstranten an. Am löste der Zar die Duma auf, womit er auch die Abgeordneten gegen sich aufbrachte.
Die Revolution beschränkte sich in den ersten Februartagen auf Petrograd. Nachdem sich die Nachricht im russischen Reich verbreitete, kam es in anderen Städten ebenfalls zu Aufständen. Im Hauptquartier der Armee in Mogiljow wollte der Zar zunächst den Aufstand militärisch niederschlagen lassen; seine Generalität widersetzte sich und legte ihm den Thronverzicht nahe. Isoliert von den Petrograder Ereignissen und ohne Unterstützung in den eigenen Reihen und bei den Verbündeten, sah sich Nikolaus II. zur Abdankung gezwungen. Am unterzeichnete er die Abdankungsurkunde. Nikolaus dankte, auch im Namen seines Sohnes Alexei, zugunsten seines Bruders Michail Romanow ab. So wurde die angestrebte Regentschaft Alexeis hinfällig.
Die Dumaabgeordneten überredeten nun auch Michail Alexandrowitsch zur Abdankung. Der Großfürst sah sich ohne Unterstützung und verzichtete am folgenden Tag, dem , ebenfalls auf den russischen Thron. Die Staatsform sollte auf einer konstituierenden Versammlung geklärt werden, nach dem Willen des Volkes. In den Tagen der Revolution ließen die Umstände keine Wahlen zu, daher blieb die Staatsform offen.
Die provisorische Regierung übernahm die Macht. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Inhaftierung der Zarenfamilie im Alexanderpalast in Zarskoje Selo.
Das Schicksal des Großfürsten Michail Romanow Hausarrest in Gattschina Einen Tag nach der Abdankung des Zaren wurde im Petrograder Exekutivkomitee beschlossen, die Zarenfamilie zu inhaftieren. Gesondert wird im Bericht ein Beschluss zu Michail Alexandrowitsch, dem jüngeren Bruder des Zaren und somit möglichen Thronfolger, gefasst. In diesem heißt es, die faktische Inhaftierung des Großfürsten sei vorzunehmen. Der Großfürst Michail Romanow, seine Frau Natalija Brassowa, ihr gemeinsamer Sohn Georg Brassow und Natalijas Tochter Natalija (Tata) Mamontow aus erster Ehe standen unter der Aufsicht der revolutionären Armee.
Seit dem Frühjahr 1917, nach den anfänglichen Unruhen der Abdankung, konnte Michail Alexandrowitsch Romanow mit seiner Familie relativ unbehelligt in Gattschina leben, wenn auch unter ständiger Beobachtung der Regierungstruppen. Am 21. August 1917 wurde die vorhandene Bewegungsfreiheit vom Ministerpräsidenten Alexander Kerenski weitgehend eingeschränkt. Fortan standen der kurzzeitige Zar Michail Romanow und seine Frau Natalija Brassowa unter Hausarrest. Die Notwendigkeit für diesen Schritt lieferte aus Sicht der Regierung die Aufdeckung einer angeblichen Verschwörung monarchistischer Kreise, die mit dem abgedankten Zaren in Kontakt zu treten suchten.
Verbannung nach Perm mini|hochkant|Michail Romanow (links) und Brian Johnson im April 1918 in Perm Infolge des deutschen Vormarsches in Richtung Petrograd nach der Oktoberrevolution und aufgrund konterrevolutionärer Entwicklungen im Land wurde der Großfürst mit anderen Personen des alten Zarenregimes nach Perm in den Ural verbannt. Natalija Brassowa wurde verwehrt, ihrem Mann in die Verbannung zu folgen. Michail Romanow und sein Sekretär Brian Johnson erreichten Perm am 17. März 1918.