mini|Wilhelm Kube (September 1942) Richard Paul Wilhelm Kube (* 13. November 1887 in Glogau; † 22. September 1943 in Minsk) war Oberpräsident von Brandenburg-Berlin, Gauleiter von Brandenburg und Generalkommissar für Weißrussland in Minsk.

Leben Deutsches Kaiserreich Wilhelm Kube war der Sohn des Steuererhebers Richard Kube und dessen Frau Ida, geb. Kadach. Er wuchs in Berlin auf und besuchte das Gymnasium zum Grauen Kloster, an dem er sich mit antisemitischen Äußerungen hervortat.Kurt Jacob Ball-Kaduri: Das Leben der Juden in Deutschland im Jahre 1933. Ein Zeitbericht. Europäische Verlags-Anstalt, Frankfurt am Main 1963, S. 19. Kurt Ball war Mitschüler eines jüngeren Jahrgangs. Kube studierte von 1908 bis 1912 Geschichte, Staatswissenschaften und Theologie an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, jedoch ohne Abschluss.Klaus W. Tofahrn: Das Dritte Reich und der Holocaust. Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57702-8, S. 225. Im Jahr 1911 wurde er Mitbegründer und Führer des antisemitischen Deutschvölkischen StudentenverbandsUwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-15052-X, S. 11. sowie Mitglied im VDSt Berlin im Verband der Vereine Deutscher Studenten. Außerdem wurde er Mitglied der antisemitischen Deutschsozialen Partei.

Ab dem Jahr 1912 war er Vorsitzender des Völkischen Akademikerverbandes. Im Jahr 1917 wurde er wegen seiner Parteiarbeit als Generalsekretär für die Deutschkonservative Partei in Schlesien nach wenigen Wochen Kasernendienst vom Wehrdienst zurückgestellt. Er arbeitete nach dem abgebrochenen Studium als Journalist bei verschiedenen konservativen Blättern.

Weimarer Republik Kube trat 1919 der DNVP bei und gehörte zu den Gründern ihres Jugendverbandes, der antisemitisch-völkischen Bismarckjugend, deren Reichsführer er 1922 auch wurde. 1920 wurde er Generalsekretär des Berliner Landesverbandes der DNVP und saß von 1922 bis 1923 für sie in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Im September 1923 verließ er die DNVP, die ihm nicht kämpferisch genug erschien. 1920 hatte Kube das Trauerspiel Totila veröffentlicht, das aber erst in den ersten Jahren der NS-Diktatur ab 1933 aufgeführt werden sollte.Loretana de Libero: Rache und Triumph. Krieg, Gefühle und Gedenken in der Moderne. De Gruyter/Oldenbourg, München 2014, S. 149.

1924 schloss sich Kube der DVFP, einer Ersatzorganisation der verbotenen NSDAP, an. Im Mai 1924 wurde er für die Nationalsozialistische Freiheitspartei, eine weitere Ersatzorganisation, in den Reichstag gewählt. In der DVFP-Nachfolgeorganisation Deutschvölkische Freiheitsbewegung (DVFB) war Kube ab 1926 Reichsgeschäftsführer und Gauleiter für Berlin. Er trat dort aus, nachdem ein „Ehrengericht“ seinen Ausschluss gefordert hatte.Klaus W. Tofahrn: Das Dritte Reich und der Holocaust. Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57702-8, S. 226.

Einer von Kube gegründeten Völkischsozialen Arbeitsgemeinschaft schlossen sich etliche DVFB-Mitglieder aus Nord- und Ostdeutschland an.Reimer Wulff: Die Deutschvölkische Freiheitspartei 1922–1928. Hochschulschrift, Marburg 1968, S. 150f., 155. Zum 1. Dezember 1927 trat Kube der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 71.682).Bundesarchiv R 9361-I/1880 1928 wurde er Gauleiter der NSDAP im Gau Ostmark, der nach der Vereinigung mit dem Gau Brandenburg im Mai 1933 Gau Kurmark hieß. 1939 wurde dieser nach weiteren Zuwächsen in Gau Mark Brandenburg umbenannt. Zwischen 1928 und 1933 war Kube Mitglied und Vorsitzender der NSDAP-Fraktion im Preußischen Landtag.Andreas Zellhuber: „Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu …“ Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941–1945. Vögel, München 2006, ISBN 3-89650-213-1, S. 86. Im Jahr 1932 wurde er Kirchenvorsteher der Berliner Gethsemanegemeinde und der Kreissynode Berlin-Stadt III sowie Mitbegründer der nazistischen Glaubensbewegung Deutsche Christen.

mini|Wilhelm Kube, 1933 mini|Generalkommissar Kube (links) in der „Hauptarbeitsgruppe Ostland“ des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg (Dezember 1942) mini|Wilhelm Kube auf dem polnischen Friedhof in Minsk, 1943

Nationalsozialismus Eintritt in die SS Nach der Machtübergabe an die NSDAP und ihre Bündnispartner 1933 wurde Kube zum Oberpräsidenten von Brandenburg-Berlin ernannt. Diese Position übernahm er auch interimsweise für Posen-Westpreußen. Beide Ämter übte er bis 1936 aus.

Zwischen 1933 und Januar 1935 übernahm Kube zusätzlich die Leitung des NS-Kyffhäuser-Verbands Deutscher StudentenMichael Grüttner: Studenten im Dritten Reich. Paderborn 1995, S. 295. und erklärte zudem 1933 seinen Eintritt in die SS (SS-Nummer 114.771).Personalkanzlei des Reichsführers-SS: Dienstaltersliste der Schutzstaffel der N.S.D.A.P. Stand vom 1. Juli 1935, lfd. Nr. 21 Im Jahr 1933 war er Herausgeber des Almanach der nationalsozialistischen Revolution. Am 27. Januar 1934 wurde Kube ehrenhalber zum SS-Gruppenführer ernannt und der SS-Standarte 27 zugeordnet.Personalabteilung des Reichsführers-SS: Dienstaltersliste der Schutzstaffel der N.S.D.A.P. Stand vom 1. Oktober 1934, lfd. Nr. 20 Sein eliminatorischer Antisemitismus ist bereits für 1934 mit der Aussage zur jüdischen Minderheit dokumentiert, es müsse „der Pestträger ausgemerzt werden“.Helmut Heiber: Aus den Akten des Gauleiters Kube. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Heft 1, 1956, S. 68.

Verlust aller politischen Ämter 1936 wurde Kube aller Staats- und Parteiämter enthoben, da er als außergewöhnlich korrupt galt und bereits mehrere Verfahren wegen Diebstahls, übler Nachrede und Ähnlichem anhängig waren.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-039309-0, S. 193, 347. Als der oberste Parteirichter Walter Buch, der wie Kube ein extremer Antisemit war („Der Jude ist kein Mensch. Er ist eine Fäulniserscheinung.“), wegen Korruption gegen ihn ermittelte, behauptete Kube in einem anonymen „von jüdischen Mitbürgern“ unterzeichneten Schreiben, Buchs Frau habe „jüdisches Blut“.Klaus W. Tofahrn: Das Dritte Reich und der Holocaust. Lang, Frankfurt am Main 2008, S. 226f. Als Urheber dieses Schreibens ermittelt, erklärte Kube seinen Austritt aus der Allgemeinen SS, um einem unehrenhaften Ausschluss aus der SS zu entgehen.Peter Witte (Hrsg.): Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42, Eintrag „Kube, Wilhelm“; S. 698.

Reaktivierung Kubes 1940 wurde Kube auf Fürsprache Himmlers als SS-Angehöriger rehabilitiertKlaus W. Tofahrn: Das Dritte Reich und der Holocaust. Lang, Frankfurt am Main 2008, S. 227. und als Rottenführer im KZ Dachau eingesetzt.Marcus Weidner: Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe während des Nationalsozialismus, Eintrag „Kube, Wilhelm“, in: Westfälische Geschichte, abgerufen am 6. Januar 2019. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde er am 17. Juli 1941 zum Generalkommissar für den Generalbezirk Weißruthenien in Minsk ernannt. Am 31. August übernahm er das Kommando von Generalleutnant Walter Braemer.Martin Dean: Collaboration in the Holocaust. Crimes of the local police in Belorussia and Ukraine, 1941–44. Macmillan Press, London 2000, ISBN 0-333-68893-7, Foto nach S. 76.

Kube versuchte, in belarussischen nationalistisch und antikommunistisch eingestellten Bevölkerungsgruppen Kollaborateure zu finden. Er bezeichnete die „weißruthenische“ Bevölkerung als ein „gesundes Bauernvolk“ und verhieß ihr unter der NS-Herrschaft eine „Auferstehung des weißruthenischen Volksbewusstseins“. In der NS-Propaganda waren „Weißruthenen“ keine „Russen“. Kube etablierte in seiner Amtszeit mit dem Weißruthenischen Selbsthilfewerk und dem Weißruthenischen Jugendwerk mit der NS-Führung kollaborierende Institutionen. Sein Vertrauensmann war ab dem Juni 1942 der Exilbelarusse Iwan Jermatschenka, dem jedoch seit Beginn seiner Tätigkeit jede Verbindung zur belarussischen Bevölkerung fehlte, „eine Strohpuppe“ (Bernhard Chiari).Bernhard Chiari: Die Kriegsgesellschaft. Weißrussland im Zweiten Weltkrieg (1939–1944). In: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weissrusslands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001, S. 408–425, hier S. 417.Alexander Brakel: Unter Rotem Stern und Hakenkreuz. Baranowicze 1939 bis 1944. Das westliche Weißrussland unter sowjetischer und deutscher Besatzung (Zeitalter der Weltkriege 5), Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2009, ISBN 978-3-506-76784-4, S. 209. Zur Förderung eines antisowjetischen belarussischen Nationalismus genehmigte Kube als offizielles Fahnensymbol eine weiß-rot-weiße Fahne, das Wappen „Pahonja“, das vormalige Reichs- und Hauswappen der Herrscher des Großfürstentums Litauen, und erklärte das Belarussische zur territorialen Amtssprache neben dem Deutschen.Hermann Bieder: Der Kampf um die Sprachen im 20. Jahrhundert. In: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weissrusslands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001, S. 451–471, hier S. 459.Astrid Sahm: Von der BSSR zur Republik Weißrussland – Belarus (1988–2001). In: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weissrusslands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001, S. 178–198, hier S. 180.Dmitri Semurschin: Wappen und Staatssymbolik vom Mittelalter bis in die Gegenwart. In: Dietrich Beyrau, Rainer Lindner (Hrsg.): Handbuch der Geschichte Weissrusslands. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2001, S. 49–68, passim.

Angesichts einer starken Partisanenbewegung im Generalkommissariat waren die Bündnisangebote an Nationalisten und Antikommunisten mit einer radikalen Repression gegen den weißrussischen Widerstand verbunden. Am 9. September 1941 veröffentlichte Kube einen Aufruf an die Bevölkerung: „Wer noch im Besitz irgendeiner Waffe oder irgendwelcher Munition gefunden wird, wird erschossen. Ebenso werden die erschossen, die von dem Vorhandensein von Waffen oder Munition wissen.“Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, zweite, aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 346.

Kube war häufig in NS-interne Machtkämpfe verwickelt. Auseinandersetzungen gab es nicht nur mit Martin Bormann und Eduard Strauch,Helmut Heiber: Aus den Akten des Gauleiters Kube. 1956, Schreiben E. Strauchs an von Bach-Zelewski, 25. Juli 1943; Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden. Band 2, Fischer, Frankfurt am Main 1990, S. 250; IMT, Bd. XXXVIII, S. 373; Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. Weltbild Verlag, Augsburg 1992, S. 341. sondern auch mit Reinhard Heydrich und Heinrich Himmler.

Beteiligung am Holocaust