Das Humboldt-Gymnasium Düsseldorf ist ein städtisches Gymnasium in Düsseldorf. Es nimmt als „NRW Musik-Profilschule“ an einem Schulversuch des Landes Nordrhein-Westfalen teil, um musikbegabte Schüler gezielt zu fördern und für eine berufliche Laufbahn als Musiker zu interessierenhumboldt-duesseldorf.de: Musikalischer Schwerpunkt, abgerufen am 1. November 2021. und wird derzeit von 1206 Schülern besucht. mini|
Geschichte Die Schule wurde 1838 unter der Bezeichnung „Städtische Realschule“ auf einer ehemaligen Klosteranlage der Franziskaner (heutiges Maxhaus) in Düsseldorf gegründet und war den „Max Pfarrschulen“ in der Citadellstraße 2 zugehörig. Die Realschule befand in der Schulstraße 11. 1860 wurde sie zur Realschule I. Ordnung (ab 1882 Realgymnasium genannt) graduiert und zog in einen Neubau an die Klosterstraße (damals Pfannenschopstraße) um. Das nicht mehr bestehende Gebäude wurde 1858 in den klassischen Formen der Schinkelschen Schule erbaut.Neubau einer Realschule in der Pfannenschoppenstraße. In: Verwaltungsbericht für das Jahr 1856 und Etat der Stadt Düsseldorf. Ab 1890 wurde sie, mit den ersten Abiturprüfungen in 1889, in Städtisches Realgymnasium und Gymnasium an der Klosterstraße umbenannt.Städtisches Realgymnasium und Gymnasium (Klosterstraße 7.), Adressbuch der Stadt Düsseldorf für das Jahr 1890. Dritter Teil. Kunst- und Schulanstalten. Im alten Schulgebäude an der Citadellstrasse etablierte sich eine „Bürgerschule“, die verwaltungstechnisch der Realschule I. Ordnung zugeschlagen wurde, sich aber 1878 verselbständigte und später zum Fürstenwall umzog. Aus ihr ging das heutige Geschwister-Scholl-Gymnasium hervor.
Nach dem Ersten Weltkrieg, dem 186 Schüler und Lehrer zum Opfer fielen,Liste der Gefallenen in: wurde das Gymnasium auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 23. April 1918 in „Hindenburgschule“ umbenannt. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise wurden durch ein Hilfswerk aus Schülern in den Jahren 1929 bis 1933 bedürftige Düsseldorfer Familien über Spenden von Kleidung, Lebensmitteln, Baumaterial, z. T. durch Patenschaften, z. T. anonym unterstützt. Die Gleichschaltungspolitik der NSDAP macht auch an der Schule nicht Halt: Im November 1935 wurde dem Jugendwalter der Schule, Bannführer Neupert vermeldet, dass 95 % der Schüler im Jungvolk/der HJ organisiert seien, alle Abiturienten gehören mindestens einer NS-Organisation an. Die Schüler jüdischen Glaubens wurden auch an der Hindenburgschule ausgeschlossen, im Abiturjahrgang 1933 und 1934 waren noch jeweils 3 jüdische Schüler, 1935 bereits keiner mehr. Von dreien dieser Schüler ist bekannt, dass sie in einem KZ ermordet wurden. Das Schulgebäude wurde am 12. Juni 1943 bei einem der Luftangriffe auf Düsseldorf komplett zerstört. Der Unterricht wurde für die verbliebenen, nicht zur Wehrmacht eingezogenen bzw. als Luftwaffenhelfer eingesetzten Schüler in ländlichen Gebieten, allerdings ohne Fachunterricht, fortgesetzt, Weihnachten 1944 komplett eingestellt. Von den Abiturjahrgängen der Jahre 1920 bis 1929 kamen 5 % der Schüler als Soldaten im Zweiten Weltkrieg ums Leben, von den 1930er- bis 1939er-Abiturklassen waren es 20 %, bei den 1940er- bis 1943er-Abschlussjahrgängen 23 %, die höchsten Verluste (28 %) erlitt der 1940er-Jahrgang.
Im Oktober 1945 begann auch die neuere Geschichte des Gymnasiums. Es wurde mit Beschluss des Vertrauensausschusses der Stadt Düsseldorf am 12. Oktober 1945 in „Humboldt-Gymnasium“ umbenanntNiederschriften über die Sitzungen des Vertrauensausschusses vom 12. Oktober 1945 bis 29. November 1945. Stadtarchiv Düsseldorf, S. 63. und trug die amtliche Bezeichnung „Städtisches altsprachliches Gymnasium mit neusprachlichem (romanistischem) Zweig“. Der reguläre Unterricht konnte im April 1946 wiederaufgenommen werden, die Schüler wurden in den Gebäuden des Görres-Gymnasiums und der Luisenschule in verschiedenen Schichten (wechselweise mit den Schülern der gastgebenden Schulen) unterrichtet.
1955 wurde das von Ernst Petersen und Walter Köngeter geplante, heutige Schulgebäude an der Pempelforter Straße mit Sporthalle, Aula, Foyer und Fachräumen nach 18-monatiger Bauzeit fertiggestellt, die Baukosten beliefen sich auf 4.350.000 DM. Am 7. Dezember wurde die Schule mit einem Festakt in Anwesenheit des NRW-Kultusministers Werner Schütz, einer Urenkelin Wilhelm von Humboldts, sowie u. a. Vertretern der Stadt, der Rektoren der Düsseldorfer Hochschulen, des Landes NRW und der Kirchen eröffnet.
Ab 1972 wurde gemeinsam unterrichtet, ein Jahr später wurde die reformierte Oberstufe eingeführt. 1988 wurde das benachbarte Lise-Meitner-Gymnasium (1970 gegründet, mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig des Luisen-Gymnasiums) an das Humboldt-Gymnasium angeschlossen. Seitdem besitzt die Schule zwei Schulgebäude und zwei Sporthallen. Ein Teil des ehemaligen Lise-Meitner-Gymnasiums wird durch das Städtische Walter-Eucken-Berufskolleg als Dependance genutzt. Die Dependence wird im Schuljahr 2025/26 neue Räumlichkeiten beziehen, die Klassenräume werden für den Überhang von Humboldt-Schülern aus dem Übergang von G8 auf G9 benötigt.
Nach der Neugründung 1955 startete der Unterricht mit zunächst drei Parallelklassen (zwei Latein-, eine Englischklasse), ab dem Schuljahr 1997/1998 wurde das Humboldt-Gymnasium vierzügig und seit 2010/2011 mit zwei Latein- und drei Englischklassen fünfzügig geführt. Im Schuljahr 2015/16 wurde ein (einmaliger) Beginn in der 5. Klasse mit sechs Parallelklassen realisiert. Die Einschulungsjahrgänge 2008 bis 2017 werden nach „G8“ unterrichtet, seit 2018 ist erneut „G9“ für die neubeginnenden 5. Klassen verpflichtend. Die Schülerzahl liegt seit Jahren relativ konstant um 1240, die der Lehrpersonen um 100.
Das damals 50 Jahre alte Schulgebäude wurde zwischen 2005 und 2006 umfassend saniert. Die Fassadengestaltung ging dabei teilweise verloren, da beim Austausch der Fenster die Aufteilung der Fensterflächen verändert und die feingliedrigen Metall- durch breite Kunststoffrahmen ersetzt wurden.
Auf Initiative und mit finanzieller Unterstützung durch den Förderverein der Schule wurde 2011 in Räumen der ehemaligen Lise-Meitner-Schule ein Schul-Café eingerichtet und betrieben. Ein Jahr später wurde die Schulmensa eröffnet, dort wird in Kooperation mit einem externen Anbieter ein Mittagsmenü angeboten.
2013 wurde das 175-jährige Schuljubiläum mit einer Vielzahl von Veranstaltungen gefeiert. Hauptakt war die Uraufführung einer Humboldt-Symphonie in der Tonhalle Düsseldorf, die von Wilfried Steinmaßl, Musiklehrer der Schule, für das Jubiläum komponiert wurde. Das Orchester bestand aus Schulmitgliedern, ergänzt durch Musiker der Robert Schumann Hochschule für Musik aus Düsseldorf.
Der Neubau einer Dreifachturnhalle ist seit 2019 in Planung{https://www.duesseldorf.de/schulbau Seite der Stadt Düsseldorf}, die Baugenehmigung ist im Mai 2025 erteilt worden. Der Neubau wird nach Abriss der 1967 gebauten, stark sanierungsbedürftigen Einfachturnhalle des ehemaligen Lise-Meitner-Gymnasiums in eine Baulücke zwischen der Pempelforter Straße 24 und 34 errichtet. Er soll auch durch das Leibniz-Montessori-Gymnasium mitgenutzt werden, da auf dessen Schulgelände keine Sporthallenerweiterung möglich ist. Neben der Dreifachsporthalle mit Tribüne ist ein Gymnastikraum und ein Tonsaal (auch zur Mitnutzung durch die Städtische Musikschule) und ein Kiosk im Gebäude untergebracht. Die nach dem Effizienzstandard 40 nach BEG konzipierte Halle wird mit einer PV-Anlage und Dachbegrünung, sowie Fernwärmeanschluss ausgestattet.Pressemitteilung der Stadt Düsseldorf, Abruf 17.11.2025Lageplan als PDF, Abruf 17.11.2025Projektbeschreibung von assmannarchitekten mit Ansicht, Abruf 17.11.2025
Kunst am Schulgebäude miniatur|Fries in der Aula des Realgymnasiums von Eduard Bendemann Von den Kunstwerken der Hindenburgschule, u. a. Friese, (1861–1866 ausgeführt)Franz Heinen; Bendemann’s Wandgemälde in der Aula der Realschule Düsseldorf. Düsseldorf 1866. und Fenster in der Aula (1889) von Eduard Bendemann, Fenster im Treppenhaus von Erhardt Klonk (1938), eine Gipsplastik Der junge Mensch von Ivo Beucker (1934) sind nur eine Brunnenplastik von Ivo Beucker (s. u.) und vier von insgesamt sieben durch H. E. Walter Jost 1913 geschaffene Schulleiter-Porträts der Direktoren Heinen, Ostendorf, Kirchner und Leitritz sowie ein Porträt von Erythropel (angefertigt 1936 vom Maler Leopold Wenzel) erhalten. Diese Porträts hingen längere Zeit im Flur zum Lehrerzimmer der jetzigen Schule.Carola Gries: Aufbruch mit Humboldt (1945–2013). Kunstwerke im Humboldt-Gymnasium. In: Humboldt-Gymnasium Düsseldorf (Hrsg.): Gemeinsam die Welt entdecken. 175 Jahre Humboldt-Gymnasium Düsseldorf 1838–2013. Düsseldorf 2013, S. 52–61.
Ivo Beucker
mini|Ivo Beucker: Gips-Büste Wilhelm von Humboldt (1955) mini|Ivo Beucker: Gips-Büste Alexander von Humboldt (1955) mini|Ivo Beucker: Brunnenplastik aus Bronze „Jüngling“ (1938) mini|links|Ivo Beucker: Bronze-Plastik „Lesender Jüngling“ (1963) mini|Ivo Beucker: Detail aus „Mahnmal für die Opfer beider Kriege“ (1958)
Zwischen der Schule und dem Künstler als ihrem ehemaligen Schüler bestand eine besondere, fortdauernde Beziehung. Bereits 1938 erschuf er eine Bronzeplastik Jüngling für eine Brunnenanlage der Hindenburgschule.Blätter der Hindenburgschule. Nr. 1 (1952), S. 3. Die Plastik ist jetzt auf einem gemauerten Sockel am Rande des Schulhofes Richtung Eingang Wielandstraße aufgestellt. 1955 wurde er von der Stadt beauftragt, zwei Büsten der Gebrüder Humboldt anzufertigen. Sie wurden am Eingangsportal aufgestellt, jedoch noch im gleichen Jahr vom Künstler wegen Beschädigungen wieder entfernt. Sie galten lange als verschollen, wurden nach Restaurierung im Rahmen eines Festaktes anlässlich des 100. Geburtstages Beuckers 2009 in der Aula wieder angebracht.Westdeutsche Zeitung. 25. September 2009. 1958 entwarf er als Ersatz für das im Krieg zerstörte Ehrenmal der gefallenen Schüler und Lehrer des Ersten Weltkrieges ein Mahnmal für die Opfer der beiden Kriege, welches von Ferdi Walther ausgeführt wurde. Es wurde am 29. April 1958 im Beisein des Künstlers enthüllt, im Erdgeschoss des Treppenhauses installiert.Die Pempelforte. Nr. 3 (1958), S. 6. Anlässlich des 125-jährigen Schuljubiläums 1963 wurde der Schule, von Ehemaligen in Auftrag gegeben, die neu geschaffene Bronzeplastik Lesender Jüngling übergeben (Standort im Treppenhaus 1. OG).
Hans Kindermann
mini|links|Wandrelief von Hans Kindermann: Ornithes (1955) Im ersten Stock des Treppenhauses nimmt das 1955 geschaffene Wandrelief Ornithes, Name eines Theaterstückes von Aristophanes, Bezug zu Theateraufführungen in der Aula. Dieses Stück wurde im Rahmen der Schuleinweihungsfeiern dort aufgeführt.H. W. Erdbrügger (Hrsg.): Tradition und Gegenwart. Festschrift zur 125-Jahr-Feier des Städt. Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf. Düsseldorf 1963, S. 225.
Curt Beckmann
Gegenüber von Ornithes ist, als Flachrelief ausgeführt, der Sonnengott Helios angebracht.
Erwin Heerich
Am Übergang vom Haupttreppenhaus zum Klassentrakt waren in allen drei Etagen Brunnenräume in einem Glaserker eingerichtet, die von Heerich ausgeführte Trinkbrunnen beherbergten.Rechnungen und Planzeichnungen im Stadtarchiv IV, 25869/III, Band 3. Sie sind nicht erhalten, mit Einführung der reformierten Oberstufe wurden 1973 in den Erkern Büroräume errichtet.
Erwin Kretz mini|Kretz: Vier Elemente (ca. 1955) An der Fassade des östlichen Gebäudeflügels sind vier Mosaiktafeln (ca. 100 × 80 cm) angebracht, deren Symbole die vier Elemente darstellen.
Günter Grote mini|Mikrokosmos (1955) mini|Makrokosmos (1955)
Im Erdgeschoss des Treppenhauses wurden zwei wandhohe Mosaikwerke Mikrokosmos und Makrokosmos verwirklicht.
Maria von Ohlen mini|links|Maria v. Ohlen (1928–2002): Beschwingte Mädchen. Bronzeskulptur (1959)