rahmenlos|hochkant|rechts Dieser Artikel gibt die Einwohnerentwicklung von Ilmenau wieder.
Historische Entwicklung
Die Einwohnerzahl Ilmenaus schwankte in der Zeit zwischen ihrer Gründung und dem Stadtbrand von 1752 zwischen etwa 400 und etwa 1500. Es gab mehrere Blütephasen des Bergbaus, in denen sich die Zahl erhöhte, andererseits gab es aber auch Epidemien, Kriege und Stadtbrände, die die Einwohnerzahl stark sinken ließen.
Als in der Zeit der Reichsgründung (1871) und des Eisenbahnanschlusses (1879) die Industrialisierung in Ilmenau einsetzte, vervierfachte sich die Einwohnerzahl bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Die Zuzügler waren vor allem Bauern aus den Ostgebieten, Mecklenburg und Westfalen sowie Glasmacher aus der Thüringer Umgebung und aus dem Westerwald. Sie fanden in den zahlreichen Glas- und Porzellanfabriken Ilmenaus einen Arbeitsplatz. Eine zweite Zuzugswelle begann Ende der 1970er-Jahre bedingt durch die Errichtung der Industriegebiete im Nordosten der Stadt. Diese Menschen fanden in den Großkombinaten Arbeit und wohnten in den Neubaugebieten Stollen und Pörlitzer Höhe. Sie stammten vor allem aus den Dörfern des Thüringer Waldes, in denen parallel zu der Errichtung des Ilmenauer Industriegebietes die Glashütten geschlossen wurden, aber auch aus den dichtbesiedelten alten Industrieregionen Mitteldeutschlands (Raum Leipzig-Halle), Ostthüringens und Westsachsens.
Aktuelle Entwicklung Nach der Wiedervereinigung sank die Einwohnerzahl zunächst stark, stabilisierte sich jedoch dann wieder. Anschließend machte sich der demografische Wandel mit steigendem Altersdurchschnitt und Geburtendefizit bemerkbar, während sich die Wanderungssituation entspannt hat und dieser Saldo relativ ausgeglichen ist. Mit dem heutigen Gebietsstand (inklusive der Eingemeindungen von 1994) lebten am 31. Dezember 1989 31.660 Einwohner in Ilmenau. 2010 waren es 26.022 Einwohner, damit liegt der Rückgang seitdem bei 17,8 % (allein 14,2 % zwischen 1989 und 2000).
Am 31. Dezember 2011 lebten in Ilmenau 1.323 Ausländer (5,16 %). Die Herkunftsregionen weichen dabei stark vom bundesdeutschen Durchschnitt ab: die größten Gruppen bilden die Chinesen (186), gefolgt von den Russen (127), den Syrern (97), den Ukrainern (79) und den Vietnamesen (70). Während Chinesen und Syrer überwiegend als Studierende an der Technischen Universität tätig sind, wanderten die Vietnamesen als Vertragsarbeiter bereits zu DDR-Zeiten ein. Russen und Ukrainer kamen vor allem in den 1990er-Jahren nach Ilmenau.
Die Bevölkerung setzte sich 2010 aus 9,73 % unter 15-Jährigen, 67,98 % 15- bis 65-Jährigen und 22,30 % über 65-Jährigen zusammen. Im Jahr 2000 lagen diese Werte bei 12,06 %, 72,16 % und 15,78 %.Altersgruppenstatistik, TLS
Bevölkerungsprognosen Bevölkerungsprognosen sind von sehr vielen Faktoren abhängig, daher schwer zu treffen und mit einer gewissen Fehlerquote behaftet. Bereits jetzt absehbare Entwicklungen sind eine zunehmende Alterung der Bevölkerung sowie ein mittelfristig steigendes Geburtendefizit auf der Seite der natürlichen Bevölkerungsentwicklung. Dieses wird hervorgerufen, weil die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter in Zukunft relativ stark abnehmen wird, wenn die geburtenschwachen Jahrgänge der 1990er-Jahre in die Familiengründungsphase eintreten. Dadurch entsteht ein „zweiter Geburtenknick“ um das Jahr 2020 als Folge des ersten Geburtenknicks unmittelbar nach der Wende 1990. Andererseits wird dieser Effekt zeitlich gestreckt, da die Mütter bei der Geburt im Durchschnitt immer älter werden.
Die Seite der räumlichen Bevölkerungsentwicklung (Wanderungen) ist schwer prognostizierbar. Maßgebliche, sich schnell verändernde Faktoren sind neben der ökonomischen Gesamtentwicklung vor Ort, im Inland und den Herkunftsländern der Migranten auch die staatliche Migrationspolitik sowie lokale Einflüsse. In Ilmenau ist die Universität der wichtigste lokale Faktor (ihre Studentenschaft stellt knapp 25 % der gesamten Einwohner); je attraktiver sie ist, umso mehr junge Menschen werden in die Stadt gezogen. Ein weiterer lokaler Faktor ist die Interaktion mit dem unmittelbaren Umland. Die Dörfer des Thüringer Waldes sind seit Jahrzehnten massiv vom demografischen Wandel und Überalterung betroffen, sodass neben der Bevölkerung dort auch die infrastrukturelle Erschließung (Geschäfte, Versorgung mit Dienstleistungen, öffentlicher Nahverkehr) rückläufig ist. Ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, können dort nur schwer ihre Bedürfnisse erfüllen, sodass ein Umzug in die nächste Stadt ihren Alltag wesentlich erleichtert oder sogar notwendig wird. Daraus resultiert eine weitere Gruppe potenzieller zukünftiger Zuwanderer für die Stadt Ilmenau.
Die maßgebliche Gruppe der Abwandernden sind junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren. Deren Anzahl in Ilmenau ist durch den Geburtenknick nach der Wende geringer geworden, sodass der Abwanderungsdruck (etwa gegenüber der Zeit um die Jahrtausendwende) stark nachlässt, was die Zahl der Fortziehenden senkt und somit für einen positiveren Wanderungssaldo sorgt. Im Jahr 2009 wurde beim Wanderungssaldo der Wendepunkt in den positiven Bereich erreicht und es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um eine nachhaltige Entwicklung handelt.
Insgesamt wird die Bevölkerung Ilmenaus in den nächsten Jahren gleich bleiben oder leicht zurückgehen. Das Thüringer Landesamt für Statistik sagte für das Jahr 2020 24.349 Einwohner voraus, was einem Rückgang von 6,3 % gegenüber dem Basisjahr 2009 entspricht.Bevölkerungsprognose des TLS Die Bertelsmann-Stiftung sagt für das Jahr 2020 23.540 Einwohner voraus, was einem Rückgang von 9,3 % gegenüber dem Basisjahr 2009 entspricht. Im Jahr 2012 zeichnet sich bereits ab, dass diese Prognosen zu pessimistisch sein könnten. Durch die umfangreichen Eingemeindungen in den Jahren 2018 und 2019 stieg die Einwohnerzahl auf über 38.000, wodurch Ilmenau nun eine der zehn größten Städte Thüringens ist.
Tabellarische Darstellung Quelle seit 1994: Thüringer Landesamt für Statistik Jahr Einwohner um 1340 ca. 800 um 1450 ca. 550 um 1615 ca. 1.400 um 1640 ca. 600 um 1650 ca. 1.000 1771 1.495 1783 1.628 1784 1.667 1785 1.659 1786 1.764 1787 1.877 1788 1.903 1789 1.963 1790 1.919 1799 2.001 1817 2.160 1832 2.596 1836 2.661 1837 2.543 1838 2.683 1839 2.722 1840 2.759 1841 2.766 1842 2.843 1843 2.809 1846 2.796 Jahr Einwohner 1849 2.791 1852 2.818 1855 2.887 1858 3.026 1861 2.732 1864 3.128 1867 3.222 1871 3.443 1875 3.760 1880 4.593 1885 5.483 1890 6.508 1895 7.956 1900 10.419 1905 11.223 1907 11.584 1909 12.257 1910 12.198 1919 11.663 1921 12.559 1922 12.859 1923 13.051 1924 13.531 1925 13.614 1926 14.074 1927 14.361 Jahr Einwohner 1928 14.461 1929 14.566 1930 14.687 1931 14.601 1932 14.598 1933 14.552 1934 14.257 1935 14.486 1936 14.504 1937 14.706 1938 15.019 1939 17.064 1940 17.279 1941 16.668 1942 16.876 1943 16.392 1944 18.748 1945 21.862 1946 18.668 1947 19.335 1949 19.352 1950 19.108 1960 17.738 1970 19.634 1974 19.000 1977 22.700 Jahr Einwohner 1980 26.293 1981 28.749 1985 29.481 1987 29.500 1989 29.293 1990 28.454 1991 27.642 1992 27.622 1993 29.282 1994 28.899 1995 28.514 1996 28.100 1997 27.988 1998 27.700 1999 27.524 2000 27.176 2001 27.124 2002 27.249 2003 27.157 2004 26.833 2005 26.737 2006 26.540 2007 26.307 2008 25.984 2009 25.979 2010 26.022 Jahr Einwohner 2011 26.122 2012 26.070 2013 25.949 2014 25.923 2015 26.153 2016 25.946 2017 25.975 2018 36.716 2019 38.891 2020 38.637 2021 38.521 2022 38.998 2023 39.032 2024 38.834
Geburten- und Wanderungssaldo Quelle: Thüringer Landesamt für StatistikGeburten und Sterbefälle, TLSWanderungen, TLS
JahrGeboren/GestorbenGeburtensaldoZuzüge/FortzügeWanderungssaldo 1994150/298 −148872/1107 −235 1995156/310 −1541053/1284 −231 1996174/324 −1501083/1347 −264 1997193/286 −931194/1211 −17 1998190/302 −1121133/1311 −178 1999198/277 −791391/1488 −97 2000171/312 −1411301/1508 −207 2001193/292 −991644/1597 +47 2002158/293 −1351709/1449 +260 2003178/262 −841635/1643 −8 2004167/256 −891620/1856 −236 2005206/203 +31633/1735 −102 2006173/260 –871700/1811 –111 2007206/285 –791682/1836 –154 2008201/267 –661671/1930 –259 2009207/293 –861727/1649 +78 2010206/277 –711747/1631 +116 2011 181/291 −110 1848/1757 +91 2012 196/328 −132 1826/1752 +74 2013 179/329 −150 1812/1793 +19 2014 189/307 −118 1890/1795 +95 2015 219/329 −110 2137/1795 +342 2016 209/341 −132 2058/2119 −61 2017 191/336 −145 2042/1886 +176 2018 295/487 −192 2275/1995 +280 2019 281/527 −246 2268/2141 +127 2020 267/552 −285 1898/1852 +46 2021 284/686 −402 2186/1891 +295 2022 232/677 −445 3012/1954 +1058
Siehe auch Demografie Thüringens
Einzelnachweise
Weblinks Bevölkerungsstatistiken auf der Website der Stadtverwaltung Ilmenau
Kategorie:Geschichte (Ilmenau) Ilmenau Ilmenau Kategorie:Gesellschaft (Thüringen)