Weidenhausen (mundartlich Wairehause) ist ein Großdorf im Süden des Hessischen Hinterlandes und als solches der nach der zentralen Kleinstadt Gladenbach der größte Ortsteil der Stadtgemeinde Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Der Stadtteil hat rund 2500 Einwohner und liegt mit seinem alten Ortskern auf einer Höhe von , wobei Hügel über dem Tal des Baches Salzböde sanfte Hanglagen bilden, an denen sich die Neubaugebiete ausbreiten.
Als höchste Erhebung gilt der genau auf der westlichen Grenze zur Gemeinde Bad Endbach liegende Hohe Wald mit 458 m. Der Ort ist ein staatlich anerkannter ErholungsortPrädikate auf dem Prüfstand – Erwachen aus dem Dornröschenschlaf In: Oberhessische Presse, aufgerufen am 25. März 2016. mit zahlreichen Erholungs- und Wanderwegen in der näheren und weiteren Umgebung mit über 500 km Länge.
Geografie Politisch-geografische Lage Das Dorf Weidenhausen liegt im Südwesten des Gladenbacher Berglandes in Mittelhessen und damit geologisch am Ostrand der Haupteinheitengruppe Westerwald. Es war über Jahrhunderte Teil des Hessischen Hinterlandes (s. u. Regionale und Ortsgeschichte). Die Gemeindegrenze im Bereich der Zollbuche war Landesgrenze zwischen der Landgrafschaft Hessen (1246 bzw. 1292 bis 1567), dann Hessen-Marburg (1567 bis 1604) und danach der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (ab 1627) einerseits und der Grafschaft Solms andererseits. 1628 kam das Amt Königsberg der Grafschaft Solms, das im Wesentlichen das Gebiet der heutigen Gemeinde Biebertal im Landkreis Gießen und in Teilen der heutigen Gemeinde Bischoffen im Lahn-Dill-Kreis umfasst, zu Hessen-Darmstadt. Damit war erstmals eine fast ununterbrochene, allerdings auf einen sehr schmalen Landstreifen beschränkte Verbindung zwischen dem oberhessischen Teil von Hessen-Darmstadt mit dem Hinterland entstanden. Seit dem Jahr 1974 verläuft an der Zollbuche die Kreisgrenze zum Lahn-Dill-Kreis.
Mit der ebenfalls im Salzbödetal gelegenen Nachbargemeinde Erdhausen bildete Weidenhausen innerhalb des Hinterlandes eine Art schmalen Korridor von nur ca. 5 km Breite, dessen äußerster südöstlicher Teil das nördliche Hinterland nach 1628 mit dem südlich gelegenen oberhessischen Gebiet im heutigen Biebertal über ein Teilstück des so genannten Westfalenwegs (s. u. Fernverbindungen und Straßen) verbunden hat (s. o.). Da jedoch unmittelbar am südlichen Rand des Salzbödetals ein durchgehender Höhenzug mit teilweise sehr steilen Hängen ansteht, waren die Verkehrsverbindungen zur Provinzhauptstadt Gießen und erst recht zur Landeshauptstadt Darmstadt zu allen Jahreszeiten äußerst schwierig zu benutzen. Der Zugang zu dieser Verbindung war ja auch bis 1826 (Bau der Straße zur Zollbuche) nur über die alte „Schneeberger Landstraße“ (in der Gemarkung Erdhausen am östlichen Ende des Seibertshäuser Grundes vorbei und weit östlich von Zollbuche und Oberweidbach in der heutigen Gemeinde Bischoffen) zum alten Höhenweg (Westfalenweg, s. o.) in Richtung Gießen möglich. Denn östlich von Mornshausen im Salzbödetal und zugleich südöstlich von Erdhausen schließt sich die Gemeinde Lohra an, die als Teil von Hessen-Marburg nach 1604 zu Kurhessen (s. u. Regionale und Ortsgeschichte) kam, und damit seit 1648 endgültig Ausland darstellte.
Das Hinterland lag also für die Landesherren im weit entfernten Darmstadt lange – durch solmsisches, hessen-kasseler und nassauisches Territorium fast komplett abgeschnitten – hinter unwegsamen Bergen und erhielt so seinen Namen.
Geografische Ortslage Im Salzbödetal
Die Salzböde entsteht als flächig austretendes Sickerwasser in einer salzsauer-sumpfigen Hangwiese unterhalb eines Laubmischwaldes in Südostlage in (gemittelt) etwa oberhalb Hartenrod in der Gemarkung Schlierbach. Nach einem sehr kurzen Verlauf mit starkem Gefälle in südsüdöstlicher Richtung erreicht sie bereits innerhalb der bebauten Ortslage von Hartenrod den Talgrund und fließt ab dort in mehr oder weniger weiten Krümmungen und Bögen generell in Richtung Osten. In Hartenrod selbst ist der noch recht kleine Bach sogar teilweise verrohrt und überbaut worden. Aber auch in den folgenden Strecken (in Endbach) der insgesamt ca. 4 km bis zur westlichen Gemarkungsgrenze von Weidenhausen ist der Bachlauf durch teilweise steile Hänge ziemlich eingeengt. Erst im letzten Teil dieses Abschnitts, in der so genannten Lache in der Ortslage von Wommelshausen-Hütte, weitet sich das Tal der Salzböde ein wenig aus und erlaubt dem Gewässer sogar einige Mäander. mini|Hochwassersperrwerk „Waldmühle“, südwestlich der Ortschaft im Salzbödetal Um die Jahreswende 2006/2007 wurden in diesem Bereich umfangreiche Arbeiten zur Renaturierung der Salzböde und zur gleichzeitigen Schaffung eines Regenwasser-Rückhaltesystems im Oberlauf zum Schutz vor den periodischen Hochwasserständen begonnen und im April 2013 fertiggestellt.
Am westlichen Rand des Gemeindegebiets von Weidenhausen wird dieser Wiesengrund auf seiner Nordseite vom Fuß des hohen Himerich (auch als Hemerich geschrieben; nicht zu verwechseln mit dem südlich bei Rodenhausen gelegenen hohen Hemmerich) begrenzt. Dieser annähernd kuppelförmige, das Salzböde-Tal einengende Berg erhebt sich steil mit einer Gipfelhöhe von 357 m über dem Tal und ist außer an seinen etwas flacher verlaufenden Ost- und Nordostflanken vollständig von einem Eichen-Hainbuchen-Buchen-Mischwald mit vereinzelten Nadelbaumanteilen bedeckt.
Das immer breiter werdende Salzbödetal beschreibt um den Himerich herum einen weiten Bogen nach Ost-Nordost, wobei der Bach selbst zunächst eher am südöstlichen Rand entlang fließt. Dann schwenkt der Bachlauf in eine ziemlich genau östliche Richtung mit leicht südlicher Neigung um, während die Talsenke relativ weit und beinahe eben wird. Dieses Wiesental erstreckt sich bis in die Gemarkung Erdhausen, bevor der Bach erneut von näher zusammenrückenden Hügeln eingeengt wird.
Die südliche Begrenzung des Salzbödetals bildet auch im Gemeindegebiet Weidenhausen eine fast ununterbrochene Hügelkette praktisch ohne Absenkungen oder nennenswerte Höhenunterschiede in den Kammlagen, welche die Salzböde eigentlich von Beginn an in ihre Fließrichtung zwingt. Diese Höhenlagen erheben sich bis auf wenige Ausnahmen mit recht steilen Hängen und sind wie der Himerich fast komplett mit einem sommergrünen Eichen-Hainbuchen-Buchen-Mischwald mit vereinzelten Nadelwaldpflanzungen bewachsen. Etwa dort, wo die Salzböde ihren Bogen nach Ostnordost beginnt, mündet ein rechter Nebenfluss ein, der Seibertshäuser Bach. Dieser wiederum kommt aus einem blind endenden Seitentälchen, dessen nordwestliche Öffnung in das Salzbödetal hinein eine Art Durchbruch in der bereits beschriebenen Hügelkette bildet. In diesem Tälchen stand seinerzeit die im 14. Jahrhundert wüst gefallenen Ortschaft Seibertshausen (s. hierzu unter Regionale und Ortsgeschichte im folgenden Abschnitt). Oberhalb dieses Tälchens – und damit die Hügelkette eben doch lückenlos fortsetzend – steigen die bewaldeten Hänge bis zu der als Zollbuche bezeichneten Kammlage an. Die gesamte Ausdehnung des beschriebenen Tälchens mit den umgebenden Hanglagen wird im örtlichen Sprachgebrauch oft heute noch schlicht als Seibertshausen zusammengefasst.
mini|hochkant|Aussichtsturm auf dem Köpfchen – derzeit (Stand 2014) wird der Turm von den umstehenden Bäumen überragt, so dass die belaubten Bäume die Aussicht stark einschränken Die an den Ausgang des Seibertshäuser Tälchens nordöstlich anschließende bewaldete und steile West- bis Nordwestnordhanglage wird mit der Flurbezeichnung Haardt belegt. Daran schließt sich als reine Nordlage weiter östlich die so genannte Krieb an. Oberhalb der Krieb erhebt sich dann auch – kaum merklich inmitten der umgebenden, ebenfalls bewaldeten Kammlagen – der geografisch höchste Punkt der Weidenhäuser Gemarkung, die Weidenhäuser Koppe, deren Aussichtsturm im dichten Wald allerdings kaum auszumachen ist.
Die Krieb genannte Hanglage setzt sich nach Osten, bereits in der Gemarkung der Nachbargemeinde Erdhausen, als Gerspel fort. Die bewaldeten Höhen laufen ebenfalls fast ohne merkliche Absenkungen über verschiedene kleinere Hügel bis zur Koppe oberhalb von Erdhausen (s. u. Naturdenkmäler), der nach einer Art Sattelmulde östlich der nur drei Meter niedrigere Dreisberg schon in der Gemarkung Mornshausen folgt.
Während die Ostflanke des Himerichs mit einem Gefälle zwischen über 15 % und 8 % bis zum Talgrund der Salzböde hinunterreicht, geht die Nordostflanke des Berges bereits etwas oberhalb der halben Höhe zwischen Gipfelpunkt und Tal in eine lang gestreckte Folge von Höhenrücken über, die letztlich die Ortslage weiträumig in einem nicht ganz lückenlosen Halbkreis nördlich umschließt. Im Osten der Gemarkung läuft diese Folge von Erhebungen und Senken relativ niedrig in einem einigermaßen flachen Abhang zum Salzbödetal hin aus.
Der direkt vom Himerich ausgehende Sattel ist dabei auf seiner östlichen Seite, zum Ort und damit zum Salzbödetal hin, immerhin auch ziemlich steil. Im Westen und Nordwesten bildet er hingegen eine Art flache Mulde, die aber ihrerseits schon wieder in recht hohe Kammlagen hinaufstrebt. Dieser Höhenzug ist von einer engen, aber tiefen Einkerbung begrenzt, wo der Römershäuser Bach nach einem scharfen Umschwenken von einer südlichen auf eine ostsüdöstliche Fließrichtung von Westen her diese Höhenlagen durchbricht. Unmittelbar an dessen Ufer aber steigt das Gelände schon wieder fast senkrecht zu einem Feldgehölz auf. Nördlich der Weidenhäuser Ortslage sind die Hänge im Allgemeinen nicht so steil wie südlich, aber dennoch bildet sich hier eine durchgehende Höhenlage aus.
Nach einem weiteren Einschnitt, der von einem linken Zufluss des Römershäuser Bachs, dem sehr kurzen Lutzebach, von Norden her durchflossen wird, steigt das Gelände erneut sehr steil zu einer bewaldeten Höhe auf, deren ortsnächster Teil als Cromerg oder Krumerich bezeichnet wird. Diese lang gestreckte Höhenlage geht dann über in einen kleinen flachen Hügel, den Haumbach. Auch neben diesem bildet sich nach Osten hin eine Art Absenkung, die zum östlichen Rand der Gemarkung hin in einem letzten bewaldeten Hügel, dem Epscheid, sich noch einmal erhebt, bevor dann ein eher sanfter Abfall zum Salzbödetal diesen Bogen beendet. Aus dem Bereich zwischen Cromerg und Haumbach entspringt ein kleines Fließgewässer, das als Froschgraben bezeichnet wird. Es fließt hart am Ostrand der bebauten Ortslage südlich und dann westlich, bevor es dann in große Kanalrohre gefasst ist. Ursprünglich handelt es sich hierbei um einen zeitweise nicht ganz kleinen linken Zufluss der Salzböde, dessen alter Name Mühlgraben bereits für sich spricht (s. u. Wirtschaftliche Entwicklung).
Geschichte Regionale und Ortsgeschichte Zwischen 500 und 600 n. Chr. wurde Mittelhessen in den fränkischen Staatsverband eingegliedert. Die „‑hausen‑Orte“ in diesem Raum entstanden danach im Zuge der fränkischen Staatskolonisation, in der Zeit vom 6. bis ins 8. Jahrhundert n. Chr. Auch Weidenhausen dürfte in dieser Zeit entstanden sein. Es ist unbekannt wann der massive Wehrturm auf einer leichten Anhöhe im alten Dorfkern errichtet wurde. Er könnte durchaus ein bis zwei Jahrhunderte vor Ersterwähnung der Siedlung Weidenhausen als Widinhusin juxta Gladinbach im Jahre 1336 (s. u.) entstanden sein. Urkunden sind aber nur rein zufällig erhaltene Belege, sie sagen nichts aus über das wirliche Alter einer Siedlung / Ortschaft.
Das meterdicke Mauerwerk dieses Turms wie auch des zu einem späteren Zeitpunkt angefügten Kirchenschiffs in Bruchsteinmauertechnik sind weitgehend aus dem ortstypischen Grauwacken oder Diabas ausgeführt. Die gesamte Bauweise mit sehr hoch liegenden, später vergrößerten Fenstern macht deutlich, dass sowohl der Turm als auch diese ganze Alte Kirche zu ihrer Entstehungszeit durchaus als Schutzgemäuer (Wehrkirche) gedacht waren.
Auswirkungen der „Dernbacher Fehde“ (1230 – 1336), die Schlacht bei Seibertshausen 1327