mini|hochkant|Der Hauptsitz der Stiftung auf dem Capitol Hill
Die Heritage Foundation ist eine Denkfabrik (Think Tank) mit Sitz in der US-amerikanischen Bundeshauptstadt Washington, die 1973, während der Nixon-Regierung, von Paul Weyrich, Edwin Feulner und Joseph Coors gegründet wurde.Jason Stahl: Right Moves, University of North Carolina Press, 2018, S. 55, 70, 73, 78, 80, 89. ISBN 9781469646350. Seit Dezember 2021 leitet Kevin Roberts die Stiftung. Dem 14-köpfigen Leitungsgremium gehörte unter anderen Edwin Meese, Justizminister im Kabinett Reagan, an.
Das einflussreiche politische Forschungsinstitut, dessen Motto Leadership for America („Führung für Amerika“) lautet, verfolgt nach eigenen Worten die Förderung „konservativer Politik auf der Grundlage der freien Marktwirtschaft, des minimalen Staats, der individuellen Freiheit, traditioneller amerikanischer Werte und einer starken nationalen Verteidigung“. Die Funktionsweise der Heritage Foundation hat das traditionelle Konzept der Denkfabriken grundlegend verändert und einen signifikanten Effekt auf die Innen- und Außenpolitik der Vereinigten Staaten ausgeübt.
Die Stiftung ist Mitglied des Atlas NetworkGeorge Monbiot: What links Rishi Sunak, Javier Milei and Donald Trump? The shadowy network behind their policies. In: The Guardian, 6. Januar 2024. Abgerufen am 6. Januar 2024. und spielte eine führende Rolle in der konservativen Bewegung während der Regierung von Ronald Reagan, dessen Politik deutlich durch die Heritage-Studie Mandate for Leadership beeinflusst war.Weisberg, Jacob. Happy Birthday, Heritage Foundation, Slate, January 9, 1998. Auch in den folgenden Jahren hat Heritage seinen Einfluss auf die US-Politik behalten und wird heute zu den einflussreichsten Forschungsorganisationen der Vereinigten Staaten gerechnet.
Die Heritage Foundation war nach einer Umfrage von James McGann unter Politikern, Medienleuten, Unterstützern und Wissenschaftlern im Jahr 2018 einer der führenden Think Tanks und weltweit der Think Tank mit dem größten Einfluss auf die Politik.
Geschichte Finanzierung Anfangs wurde sie von dem konservativen Geschäftsmann Joseph Coors, dem Besitzer der Coors Brewing Company finanziert. Ab 1975 war der Milliardär Richard Mellon Scaife der bedeutendste Geldgeber, der bis 1998 etwa 23 Millionen Dollar spendete.Jane Mayer: Dark Money: The Hidden History of the Billionaires Behind the Rise of the Radical Right. Doubleday, New York 2016, ISBN 978-0-385-53559-5, S. 77 f.
Führung mini|Kevin Roberts
Der erste Präsident der Stiftung war der konservative Aktivist Paul Weyrich, der der Christlichen Rechten und der New Right angehörte. Von 1977 an stand Edwin Feulner der Heritage Foundation vor, der früher Stabsleiter des Republican Study Committee und davor Referent für den republikanischen Kongressabgeordneten Phil Crane aus Illinois war. Von 2013 bis 2017 war Jim DeMint Präsident der Denkfabrik. Bis Ende 2021 leitete Kay Coles James danach die Heritage Foundation, sie war die erste Frau und die erste Afroamerikanerin in dieser Funktion.The Atlantic: The First Black Woman to Lead the Heritage Foundation, 15. Dezember 2018.
Außenpolitik im Kalten Krieg und danach In den 1980ern war die Organisation Architekt und Befürworter der Politik von Präsident Ronald Reagan. Bei Amtsantritt legte sie den Strategieplan Mandate for Leadership auf 3000 Seiten vor, den er bald zu 60 Prozent umgesetzt hatte.
Außenpolitisch trug sie die Reagan-Doktrin mit, nach der die US-Regierung antikommunistische Widerstandsbewegungen an Orten wie Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua und allgemein den globalen Antikommunismus während des Kalten Kriegs unterstützte. Außenpolitische Experten der Heritage Foundation lieferten auch politische Ratschläge für jene Rebellionskräfte und für Dissidenten in Ostblocknationen und sowjetischen Republiken. Als Bastion der Neokonservativen vertrat die Organisation eine Politik der Abschreckung und militärischen Aufrüstung gegenüber der Sowjetunion. Schon im Kalten Krieg forderten ihre Forscher die militärische Überlegenheit über ihren kommunistischen Widersacher.Kubilay Yado Arin: „Die Rolle der Think Tanks in der US-Außenpolitik. Von Clinton zu Bush Jr.“ VS Springer Verlag, Wiesbaden, 2013, ISBN 978-3-658-01043-0.
Die Stiftung spielte eine wichtige Rolle, Ronald Reagan zu beeinflussen, dass die Sowjetunion ein „Reich des Bösen“ gewesen sei und ihre Niederlage, nicht nur ihre Eindämmung ein realistisches Politikziel sei. Heritage war ebenfalls wichtig bei dem Ausbau der Unterstützung für Reagans Pläne, einen satellitengestützten Abwehrschirm gegen Interkontinentalraketen zu bauen (Strategic Defense Initiative, oder im Volksmund „Star-Wars-Programm“).
In der Zeit von George W. Bush setzte sie sich für militärische Präventivschläge und spielte eine Schlüsselrolle bei der politischen Entwicklung hin zum Irakkrieg.
Vertreter der Trump-Regierung wählten Heritage als Plattform für außenpolitische Reden, so etwa bei der Verkündung neuer Strategien gegenüber Europade.usembassy.gov. oder Iran.de.usembassy.gov.
Wirtschaftspolitik In der Innenpolitik befürwortet Heritage eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik und hält eine Absenkung des Grenzsteuersatzes als förderlich für das Wirtschaftswachstum. (Siehe auch: Reaganomics)
1994 beriet Heritage konservative Politiker wie Newt Gingrich bei der Entwicklung des Contract with America, des Wahlprogramms, mit dem die Republikaner bei den Zwischenwahlen 1994 die Mehrheit im Kongress zurückgewannen.
Der Einfluss war besonders stark während der republikanischen Regierung von George W. Bush.Berkowitz, Bill. , Media Transparency, March 3, 2008. Sie setzte sich aktiv für Privatisierung, Deregulierung und einen Rückgang in den Sozialleistungen ein.Bill Berkowitz: Primordial Right-Wing Think Tank Still a Player. In: North America Interpress Service . 13. Juli 2009
In dieser Tradition blieb Heritage auch in Zeiten der Trump-Regierung: „We are ramping up our efforts to get them conservative policy solutions that will shrink the size of government, reform the tax code...“ Heritage warb um neue Mitglieder mit dem Aufruf: „Join the fight to drain the swamp – Donald Trump and many Republican Congressmen promised they’d drain the swamp. And Heritage is here to help them do just that! ... dismantle Obamacare, and secure our borders.“
Index für wirtschaftliche Freiheit Seit 1995 veröffentlicht die Organisation in Zusammenarbeit mit dem Wall Street Journal den Index für wirtschaftliche Freiheit (englisch ), der den Grad wirtschaftlicher Freiheit in einem Staat anhand von Verfügungsrechten (property rights) und dem Ausmaß staatlicher Regulierung des Marktes misst. Weitere Parameter sind staatliche Korruption, Beschränkungen des Außenhandels, Einkommens- und Körperschaftssteuer sowie das Rechtsstaatsprinzip.
Umweltpolitik Die Heritage Foundation arbeitet gemäß der Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes seit langer Zeit daran, Umweltschutzvorschriften zu untergraben. Die Organisation zählt zu den konservativen US-Think-Tanks, die seit mindestens Anfang der 1990er Jahre Klimawandelleugnung betreiben. Mit weiteren Think Tanks unterstützt sie Aktivitäten, die gegen die Klimaforschung gerichtet sind, beispielsweise Publikationen, die die Klimaforschung angreifen, Sponsoring von klimaskeptischen Wissenschaftlern, Bereitstellen von vermeintlichen Klimaexperten für Debatten, Organisieren von Frontgruppen für spezifische Kampagnen oder Angriffe auf Klimaforscher, um die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung zu untergraben.Riley Dunlap, Aaron M. McCright: Challenging Climate Change. The Denial Countermovement. In: Riley Dunlap, Robert J. Brulle (Hrsg.): Climate Change and Society. Sociological Perspectives. Report of the American Sociological Association’s Task Force on Sociology and Global Climate Change. Oxford University Press 2015, 300-332, S. 312. Laut Dieter Plehwe gehen 90 Prozent der den Klimawandel leugnenden Publikationen in den USA auf Think Tanks zurück, die von der Heritage Foundation gelistet werden, und vertreten 90 Prozent der hier angeführten Think Tanks entsprechende Positionen.Dieter Plehwe: Angriff und „Roll Back“ Das konstruktive und destruktive Potenzial von Think Tank-Netzwerken. In: Juridikum Nr. 1/2013, S. 106.
Personalauswahl für die Trump-Administration mini| Präsident Trump bei einem Treffen mit Edwin Feulner (vorne links), Mitbegründer der Heritage Foundation, und anderen führenden Vertretern konservativer Gruppen im Jahr 2017.
Die New York Times hielt die Heritage Foundation für die einflussreichste Organisation in der Auswahl von hochrangigen Regierungsmitarbeitern für Präsident Donald Trump in seiner Regierungszeit (2017 bis 2021). Als Trump gewählt wurde, hatte er kein Regierungsteam vorbereitet, das für die Transition-Zeit und die Regierungsübernahme bereitstand. Die Heritage-Foundation hingegen hatte schon seit 2014 eine Liste von rund 3000 konservativen Politikern und Verwaltungsmitarbeitern vorbereitet. Mehrere hundert davon sollen, nach Schätzungen von Heritage-Mitarbeitern, Stellen unter Trump erhalten haben. Mindestens 66 eigene Mitarbeiter der Stiftung und Ehemalige wurden von der Regierung Trump berufen. Einige erhielten Ministerämter oder andere hochrangige Posten, zum Beispiel Elaine Chao, Scott Pruitt, Betsy DeVos, Mick Mulvaney, Rick Perry und Jeff Sessions.Jonathan Mahler: How One Conservative Think Tank Is Stocking Trump’s Government. New York Times, 20. Juni 2018. Außerdem stellte das zu Heritage gehörende Meese Center for Legal and Judicial Studies eine Liste von Juristen zusammen, die für den Supreme Court empfohlen wurden. In der Folge kündigte Trump an, mit dem Meese Center bei der Auswahl von Bundesrichtern zusammenarbeiten zu wollen, und zog die Liste zur Besetzung von Richterposten der Bundesgerichte heran.
Initiativen
Medien Die Heritage Foundation betreibt das Online-Portal The Daily Signal. Die konservative Nachrichtenseite ging im Juni 2014 online und konzentriert sich auf Politik und Kultur aus konservativer Sicht.
Project Esther Das Project Esther ist ein konservativer Plan der Heritage Foundation zur Bekämpfung von Antisemitismus. Basierend auf internen Dokumenten, über die der jüdisch-amerikanische The Forward berichtete, sieht die Heritage Foundation das Hauptproblem in einer Handvoll einflussreicher „Masterminds“, darunter Juden wie George Soros und J. B. Pritzker, die mit Projekten wie den Open Society Foundations versuchten, „westliche Demokratien, Werte und Kultur zu demontieren“. Laut The Forward wird das Projekt in erster Linie nicht von Juden, sondern von evangelikalen Christen in den USA unterstützt. Es richtet sich nicht gegen rechten Antisemitismus, sondern gegen Linke und Progressive sowie die propalästinensische Protestbewegung in den USA.
Project 2025