Melnik [] (; ) ist die kleinste Stadt Bulgariens mit etwa 180 Einwohnern (im Jahr 2024; in den 1960er Jahren waren es noch etwa 550). Sie liegt im Südwesten Bulgariens, im Bezirk/Oblast Blagoewgrad, Gemeinde Sandanski. Nach ihr ist auch der dunkelrote Melnik-Wein benannt, der in der Umgebung angebaut wird. Neben dem Wein ist die Stadt für die Sandsteinpyramiden von Melnik und für die Architektur im Stil der bulgarischen Wiedergeburt bekannt.

Die Stadt ist ein Touristenzentrum und steht unter Denkmalschutz (Architektur-Reservat), 96 Häuser wurden zu Kulturdenkmälern erklärt. Ihren Status als Stadt behält Melnik trotz der geringen Einwohnerzahl aus historischen Gründen.

Im Laufe der Geschichte gab es in Melnik 70 Kirchen und in der Umgebung vier Klöster. Von den Kirchen werden heute (2009) noch drei genutzt, von nur 21 Kirchen ist der genaue Standort bekannt. Von den Klöstern wird nur noch das Kloster Roschen im eigentlichen Sinne genutzt.

Geografie mini|links|Lagekarte von Melnik mini|Melnik (rotes Viereck) – Bulgarien – Nachbarorte: Sandanski, Petritsch, Goze Deltschew, Raslog, Blagoewgrad, Pasardschik, Welingrad, Sidirokastro, Serrai, Kilkis

Melnik liegt am Südwestrand des Piringebirges auf 437 Meter Seehöhe (370 Meter bis 450 Meter). Durch Melnik fließt der Melnik-Fluss (bulgarisch Мелнишка река/Melnischka reka), ein linker Zufluss der Struma. Sieben Kilometer von Melnik entfernt – in östlicher Richtung – liegt das Kloster Roschen. Der Fußweg dorthin führt durch das Naturphänomen der Pyramiden von Melnik, die auch unter dem irreführenden Namen Sandsteinpyramiden von Melnik bekannt sind.

Melnik liegt 150 Kilometer südlich der bulgarischen Hauptstadt Sofia, 22 Kilometer südöstlich der Stadt Sandanski und 25 Kilometer nordöstlich von Petritsch. Bis zur griechischen Grenze beträgt die Entfernung 20 Kilometer.

Das Strumatal verläuft zwölf Kilometer westlich von Melnik. Es zieht sich von Nord nach Süd und bildet die Westgrenze von Rila- und Piringebirge. Das Tal der Struma ist bei Melnik bereits weit nach Süden geöffnet, wodurch diese Weingegend von dem günstigen klimatischen Einfluss des Mittelmeeres und der Ägäis beeinflusst wird.

Wegen der südlichen Lage herrscht ein Übergangsklima zum Mittelmeerklima, wobei die Niederschläge im Sommer ihr Minimum und im Winter ihr Maximum erreichen. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 670 mm.

Geschichte Stadtgründung und frühe Entwicklung Es gibt keine sicheren Informationen darüber, wann Melnik entstanden ist. Einer der Hauptwege des Balkans, der von Sofia nach Süden, entlang des Strumatals nach Serres und Thessaloniki führt, existierte schon im 7./6. Jahrtausend v. Chr. Melnik lag unweit dieser Hauptverkehrsader.

Ursprünglich lebte in der Region Melnik und Petritsch der thrakische Stamm der Medi (maedi), dem wahrscheinlich auch Spartacus entstammte. Im 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. gab es hier eine thrakische Siedlung. Südlich der heutigen Stadt Melnik, wo später die Festung Melnik stand, hatten die Thraker ein Heiligtum zu Ehren der Jagdgöttinen Artemis/Bendis, sowie ein Augusteum (bulgarisch августейон) das Ende des 4. Jahrhunderts zerstört wurde.

Nach der Kolonisierung der Medi durch die Makedonen wuchs die Siedlung. Während der römischen Epoche (1. bis 4. Jahrhundert) wurde der Ort zum Zentrum einer kaiserlichen Besitzung (saltus). Die Römer hinterließen die noch heute erhaltene alte Römische Brücke. Im 5. bis 6. Jahrhundert stand hier eine frühbyzantinische Festung. Im 6. Jahrhundert gab es hier eine slawische Siedlung.

Nach Meinung von Iwan Dujtschew ist der Name der Stadt rein slawischen Ursprungs.Иван Дуйчев: „Очерк върху средновековната история на Мелник“. In: Мелник. Градът в подножието на Славова крепост (zu Deutsch: Iwan Dujtschew: Grundriss der mittelalterlichen Geschichte Melniks). In: Melnik. Stadt zu Füßen der Slawowafestung, Sofia, Verlag der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Band 1, 1989, Seite 18. Etymologisch leitet sich Melnik vom altslawischen Wort mel für weißen Lehm/Kreide ab. Damit sind die Felsen der Pyramiden von Melnik gemeint, die die Stadt umgeben.

Mittelalter mini|Ruine der Slaw-Festung Unter Khan Presian I. (836–852) wurde Melnik Teil des Ersten Bulgarischen Reiches und blühte zu dieser Zeit auf. Die Gebiete am Mittellauf der Struma wurden 837 an Bulgarien angeschlossen, als der Vizekhan, (Kawkhan) Isbul (bulgarisch Кавхан Исбул) bei seinem Feldzug hier vorbeikam. Er war mit seinen Truppen auf dem Weg, einen slawischen Aufstand gegen die Byzantiner in Smoljan, am Unterlauf der Mesta, zu unterstützen. Im 8. Jahrhundert und während der meisten Zeit des 9. Jahrhunderts lag Melnik weit im Inneren Bulgariens, fern von großen Ereignissen.

In schriftlichen Quellen wurde Melnik, insbesondere die Festung Melnik, erstmals Anfang des 11. Jahrhunderts erwähnt, als es nach der Schlacht von Kleidion (1014) in das Byzantinische Reich eingegliedert wurde. Ende Juli 1014 nach der Schlacht von Kleidion, die der byzantinischen Kaiser Basileios II. gegen die Bulgaren gewann, spätestens Anfang August, wendete sich der Kaiser mit seinen Truppen gegen Melnik. Die Bevölkerung von Melnik und der Umgebung suchte Schutz in der Festung. Die Byzantiner unternahmen mehrmals den Versuch die starke und fast uneinnehmbare Festung Melnik einzunehmen. Mit List und Überredung gelang es jedoch Basileios II., in die Stadt zu kommen.

Nach der Restauration des bulgarischen Reiches im Jahre 1186 wechselte die Herrschaft über die Grenzstadt mehrfach zwischen dem Byzantinischen Reich und dem Bulgarischen Reich.

Melnik wurde erst wieder 1195 erneut bulgarisch, als nach Angaben des Historikers Niketas Choniates Zar Iwan Assen I. bei einem Feldzug die Gebiete um die Region Serres an das Zweite Bulgarenreich angliederte. Wahrscheinlich wurde gleich danach, Anfang des 13. Jahrhunderts oder sogar noch in den letzten Jahren des 12. Jahrhunderts, Alexius Slaw geschickt, um die ganze weitere Region der Rhodopen einzunehmen und zu kontrollieren. Slaw stammte aus dem Haus Assen und war der Sohn einer Schwester der Zaren Iwan Assen I., Peter und Iwaniza (??) und somit deren Neffe. Der Name der Schwester, seiner Mutter, ist nicht bekannt.

In den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts wurde Despot Alexius Slaw (1205–1229) unabhängiger Herrscher der westlichen Rhodopen.

Slaws Sitz war die Festung Melnik, 1209 bis 1230 war die Stadt Hauptstadt seines Despotats (Fürstentum). Von Melnik aus gebot er über die ganzen Rhodopen, die im Volksmund auch die Wälder des Slaws genannt wurden. Er verlegte 1209 seinen Sitz von der Festung Zepina (bulgarisch Цепина) (heute bei dem Dorf Dorkowo – bulgarisch Дорково – Oblast Pasardschik) nach Melnik. Die Ruinen der Festung befinden sich noch heute über Melnik und prägen das Stadtbild.

1211 zerstörte ein schweres Erdbeben einen Teil der Festung und verursachte Risse in den Kirchenmauern. Während der Beseitigung der Schäden der Naturkatastrophe ließ Slaw sehr viel am städtebaulichen Konzept Melniks ändern. Die uneinnehmbare Festung wurde vollständig umgebaut. Sie war bereits im 12. Jahrhundert auf dem höchsten Punkt des Hügels errichtet worden.

Auch die teilweise abgefallenen Wandmalereien der Kirche Sweta Nikola Mirlikijski (bulgarisch Св. Никола Мирликийски, Nikolaus von Myra) wurden wiederhergestellt. Die Kirche war die älteste christliche Kirche von Melnik und eine episkopale Basilika. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts trägt die Basilika den Namen dieses Schutzpatrons (siehe weiter unten).

Während Slaws Herrschaft wurde im 13. Jahrhundert das Kloster Heilige Gottesmutter Pantanassa (Pantanassa = Königin von Allem) (bulgarisch Св. Богородица Пантанаса/Sweta Bogorodiza Pantanassa) errichtet. Es war das zweite Kloster in der Stadt. Das Kloster Pantanassa (so die Kurzbezeichnung) wurde bis 1913 genutzt, als die griechische Bevölkerung der Stadt vertrieben wurde. Heute sind vom Kloster nur noch Ruinen übrig. Ein Teil der noch erhaltenen Wandmalereien sind für die bulgarische Kunst dieser Zeit von großer Bedeutung. Die Stifterinschrift lässt eine Datierung der Fresken auf das Jahr 1289 zu, womit sie zeitlich mit der Schaffensperiode von Giotto di Bondone (1266–1337) zusammenfallen, der als der entscheidende Wegbereiter der italienischen Renaissance gilt.

Ebenfalls im 13. Jahrhundert wurde das Kloster Heiliger Charalampos (bulgarisch Св. Харалампий; Charalampos: Bischof von Magnesia, Märtyrer, geboren im 2. Jahrhundert n. Chr. in Antiochia am Orontes in Pisidien, gestorben um 203 in Magnesia am Mäander) errichtet, das sieben Jahrhunderte bestand, bis zum 20. Jahrhundert. Das Kloster lag auf dem Bergplateau Heiliger Nikola, das das Zentrum des mittelalterlichen Melnik war. Im Kloster wurden Kirchenmalereien in zwei Schichten entdeckt, aus dem 13. Jahrhundert und vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Einige der restaurierten Fragmente sind im historischen Museum der Stadt Blagoewgrad zu sehen.

Als Despot erhob Alexius Slaw den Hegumen seines Klosters Sweta Bogorodiza Spileotisa Pawel Klawdiopolit (bulgarisch Павел Клавдиополит) zum ersten Metropoliten von Melnik und Serres.

Im Oktober 1207 übernahm Zar Boril, ebenfalls aus dem Hause Assen, die Herrschaft in Bulgarien. Er begann seine Herrschaft mit Repressionen gegen alle seine engen Verwandten, die Anspruch auf den Thron in Tarnowo erheben könnten. Alexius Slaw, der zu dieser Zeit noch in der Festung Zepina seinen Sitz hatte, sagte sich von seinem Cousin los und erklärte sich zum unabhängigen Herrscher.

Um sich eine starke Unterstützung zu sichern und um sein Land zu festigen, erklärte sich Slaw 1208 zum Vasallen des Lateinischen Kaiserreichs von Konstantinopel unter dem lateinischen Kaiser Heinrich von Flandern. Heinrich war der Bruder des in der Schlacht von Adrianopel (1205) gefangen genommenen lateinischen Kaisers Balduin I. Von den Lateinern erhielt Alexius Slaw den Titel Despot, die Anerkennung seines Landes und die minderjährige, uneheliche Tochter Heinrichs zur Frau.

1208 musste Slaw eine Niederlage hinnehmen. Sein Cousin Zar Boril eroberte Melnik und die gesamte Region des mittleren Strumatals. Wahrscheinlich 1211 gelang es dem Despoten Alexius Slaw, die Stadt Melnik zurückzuerobern. Welche Bedeutung Slaw der Stadt beimaß, ist daraus ersichtlich, dass er die Hauptstadt seines Landes sofort von Zepina nach Melnik verlegte.

Slaws Frau starb vermutlich 1216, womit auch die Beziehungen zwischen Melnik und Konstantinopel beendet waren.

Slaw kämpfte um den Erhalt seiner Position als Herrscher. Da Zar Iwan Assen II. Tarnowo zu fern schien, setzte Slaw auf Theodoros I. Angelos in Thessaloniki, und heiratete die Tochter dessen Schwagers (Bruder der Ehefrau) Theodoros Petralifa (bulg. Теодор Петралифа).

Theodoros I. war vom Erzbischof von Ohrid, Demetrios Chomatianos, zum Basileus gesalbt worden. Das war ein wichtiges Zeichen, da Slaws angeheiratete Verwandtschaft in Thessaloniki 1224 bereits Anspruch auf den Thron in Konstantinopel erhoben hatte. Jedoch wurde Kaiser Theodoros I. am 9. März 1230 von Iwan Assen II. in der Schlacht von Klokotniza vernichtend geschlagen, gefangen genommen, geblendet und als Vasall nach Thessaloniki zurückgeschickt. Diese Niederlage hatte auch Auswirkungen für Alexius Slaw.

Das Land des Despoten Alexius Slaw bestand nur bis 1230, da es nach der Schlacht von Klokotniza keinen Platz mehr für die Widersacher von Iwan Assen II. gab. Melnik war nach diesen zwanzig Jahren unter dem Einfluss von Slaw nie wieder Hauptstadt eines Gebietes.

Melnik blühte jedoch weiter auf und setzte seinen wirtschaftlichen Aufschwung auch unter Zar Iwan Assen II. fort, dank des zollfreien Handels mit Dubrovnik, das von der Republik Venedig beherrscht wurde.