mini|Markentypischer Kühlergrill (hier: Continental Mark V, 1977)

Unter der Bezeichnung Lincoln Mark Series (anfänglich: Continental Mark Series) wird eine Reihe exklusiver Coupés/Limousinen der Oberklasse (Personal luxury cars) zusammengefasst, die von 1956 bis 1960 und von 1969 bis 1998 produziert wurden. Die Fahrzeuge waren in der Modellhierarchie jeweils oberhalb der regulären Lincoln-Modelle angesiedelt; sie waren zumeist – aber nicht immer – die teuersten Personenwagen der Ford Motor Company.

Die Bezeichnung der Modelle ist über die Jahre nicht einheitlich und gibt in mehrerlei Hinsicht zu Verwechslungen Anlass. Zumeist wurden die Autos nicht als Lincoln, sondern als Continental verkauft.

Die Fahrzeuge der Mark-Series waren regelmäßig Coupés, nur in einzelnen Modelljahren waren alternativ auch Limousinen und Cabriolets lieferbar. Ab 1969 konkurrierten die Mark-Coupés im Segment der sog. Personal Luxury Cars mit dem Cadillac Eldorado, in einigen Jahren auch mit dem Chrysler Imperial. In den USA gelten die Modelle der Mark-Series als die Verkörperung des amerikanischen Luxuscoupés. Die Produktion der letzten Mark-Coupés endete im Modelljahr 1998, nachdem die Nachfrage erheblich gesunken war. Im Modelljahr 2002 wurde die Produktion des Cadillac Eldorado ebenfalls eingestellt, und das Kapitel der Amerikanischen Personal Luxury Coupés war vorerst abgeschlossen.

Besonderes Gestaltungsmerkmal aller Mark-Modelle ist die große Auswölbung des Kofferraumdeckels (deck lid hump), durch die der Eindruck erweckt wird, als befände sich darunter ein stehend montiertes Reserverad. Dies war eine Hommage an die erste Serie, welche tatsächlich noch ein Reserverad in einer Metallhülle am Heck trug, was dann bei keinem späteren Modell mehr der Fall war. Die markenprägende Wirkung war jedoch so stark, dass Umbausätze anderer Automobilhersteller, welche die tatsächliche Montage eines Reserverades hinter oder auf den Kofferraumdeckel erlaubten, als „Continental-Kit“ bezeichnet wurden.

Nomenklatur Die Wagen der Mark Series wurden von Ford zumeist nicht als Lincoln bezeichnet, obwohl sie überwiegend von der Lincoln-Mercury Division hergestellt wurden. Als Marken- und Modellbezeichnung führten sie bis in die 1980er Jahre hinein allein den Begriff Continental, ergänzt um einen in römischen Ziffern geschriebenen Zusatz (Mark II bis Mark VIII).

Die Entscheidung, die Mark-Coupés als Continental und nicht als Lincoln zu vermarkten, hat ihren Ursprung in der Continental Division, einer Tochter der Ford Motor Company, die zwischen 1955 und 1960 existierte und den ersten Nachkriegs-Mark produzierte. An diese Tradition sollten alle späteren Modelle anknüpfen, auch wenn die Continental Division bereits 1960 von Lincoln übernommen worden war und in der Unternehmensstruktur nicht mehr eigenständig in Erscheinung trat.Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 214. In der Literatur werden dementsprechend üblicherweise nur die Modelle der Jahrgänge 1956 bis 1960 als Continentals aufgeführt, während die neue, 1969 aufgelegte Mark-Series den Lincoln zugeordnet wirdLangworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 415.American Cars of the 1960s. The Olyslager Auto library. London (Frederick Warne Publishers Ltd) 1979. ISBN 07232 2061 1. S. 68.

Die für die Mark-Series verwendete Nomenklatur ist in mehrfacher Hinsicht irreführend. Problematisch ist zunächst, dass auch Lincolns Standardmodelle ab 1961 den Begriff Continental verwendeten. Dort aber war Continental lediglich eine Modellbezeichnung, die mit dem Markenzusatz Lincoln verbunden war. Diese Fahrzeuge hießen also Lincoln Continental. Ab 1983 wurden dann auch die Fahrzeuge der Mark-Series als Lincoln Continental Mark VII bzw. Mark VIII bezeichnet.

Ferner war auch die Nummerierung der einzelnen Mark-Coupés nicht frei von Widersprüchen. Im Modelljahr 1958 erschien ein Continental Mark III, der auf dem Lincoln Premiere basierte und als Limousine, Coupé und Cabriolet angeboten wurde. Sein Nachfolger im Modelljahr 1959 hieß Continental Mark IV, und die 1960er Version wurde als Continental Mark V bezeichnet. Als Lincoln 1969 ein neues Personal Luxury Car vorstellte, erhielt dieses Modell (erneut) die Bezeichnung Continental Mark III. Ford wollte damit an den inzwischen legendären Mark II von 1956 anknüpfen; zugleich wurden die schweren Lincoln-Ableger der Jahre 1958 bis 1960 gleichsam aus der Unternehmensgeschichte ausgeblendet. Die Mark III- bis Mark V-Modelle der Jahre 1958 bis 1960 werden deshalb in der amerikanischen Automobilliteratur gelegentlich als „The lost Marks“ bezeichnet.Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 412.

Modellgeschichte Die ersten Modelle (1940–1948) mini|Lincoln Continental (1948) Die Bezeichnung Continental wurde erstmals 1940 für eine Ausstattungsvariante des Lincoln Zephyr (einer Limousine) verwendet. Der Wagen wurde ab 1940 als Coupé und als Cabriolet gefertigt. Durch mangelnde Kapazitäten wurde während des Zweiten Weltkriegs die Produktion unterbrochen und nach 1946 dann wieder fortgeführt. Obwohl der Wagen von Sammlern gerne als Mark I bezeichnet wird, kam die Bezeichnung Mark erst mit dem Erscheinen des Mark II auf. Die Bezeichnung des Wagens lautete einfach Lincoln Continental. Im Erscheinungsjahr 1940 lautete die Bezeichnung Lincoln Zephyr Continental für beide Karosserievarianten. Es existieren auch Hinweise und Fotos von einem 39er Continental. Hierbei handelt es sich um Fotos des Prototyps, welcher von Edsel Ford gefahren wurde. Von 1940 bis 1948 entstanden insgesamt 2277 Cabriolets und 3047 Coupés.

Continental Mark II (1955–1957) mini|Continental Mark II

Der Continental Mark II wurde 1955 bis 1957 als Spitzenmodell des Ford-Konzerns von der eigens zu diesem Zweck eingerichteten Sparte Continental gebaut. Die Modellbezeichnung sollte den Wagen mit dem Lincoln Continental der Jahre 1939 bis 1948 in eine übergeordnete Linie stellen, einem allgemein anerkannten stilistischen Meisterwerk seiner Zeit.

Konzipiert war der Continental Mark II nicht als größtes oder stärkstes, sondern als luxuriösestes und elegantestes US-amerikanisches Auto der Zeit. Während konkurrierende Marken damals mit Chrom und Heckflossen experimentierten, wirkte der Mark II mit seiner sauberen, zurückhaltenden Linienführung fast schon europäisch. Der Continental Mark II war zwar offiziell kein Lincoln, sondern ein Continental, wurde aber über ausgewählte Lincoln-Händler verkauft und dort gewartet. Auch der 6,0-Liter-V8 und das Getriebe stammten aus dem Lincoln-Regal.

Der Mark II wurde nach strengsten Maßstäben überwiegend von Hand gefertigt; mehrere Lackschichten wurden von Hand poliert. Aufgrund der aufwändigen Herstellung kostete der Mark II 10.000 US-Dollar und damit so viel wie ein damaliger Rolls-Royce oder zwei Cadillacs.

Berühmte Mark II-Käufer waren Elvis Presley, Frank Sinatra und der Schah von Persien.

Vom Mark II wurden bis Sommer 1957 1.769 Coupés und zwei Cabriolets gebaut.

Continental Mark III bis V (1958–1960): The lost Marks mini|Continental Mark III 4 Door Sedan (1958)

Die Eigenständigkeit der Marke Continental endete bereits mit der Produktionseinstellung des Mark II im Sommer 1957. In den Modelljahren 1958 bis 1960 nutzte Ford jedoch die Marke für besonders hochwertig ausgestattete Versionen der zeitgenössischen Lincoln-Modelle. Sie erhielten die Bezeichnungen Continental Mark III (1958), Mark IV (1959) und Mark V (1960). Diese Modelle unterschieden sich von dem preiswerteren Lincoln Premiere allein durch den zusätzlichen Chromschmuck und die Gestaltung des Daches: Die Continental-Modelle hatten eine schräge, zum Fahrgastraum eingezogene Heckscheibe, die sich elektrisch versenken ließ (sogenanntes Breezeway window). Die Continental Mark III bis V verkauften sich in nur geringen Stückzahlen, einerseits wegen der 1958 in den USA einsetzenden Rezession, zum anderen weil ihr Design umstritten war. In den einzelnen Modelljahren entstanden 10.275 (Mark III, 1958), 7851 (Mark IV, 1959) und 11.056 (Mark V, 1960) Exemplare der Continental Mark.

In den Modelljahren 1961 bis 1968 gab es keinen Continental Mark.

Continental Mark III (1968–1971) mini|Beginn einer neuen Modellreihe: Continental Mark III von 1968

Im April 1968 reaktivierte Ford mit dem Continental Mark III die alte Bezeichnung, übersah bei der Nummerierung aber die Continental Mark III bis V der Jahre 1958 bis 1960, um den neuen Mark III als direkten Nachfolger des Mark II darzustellen. Henry Ford II war in diesem Zusammenhang der Ansicht, dass es die schweren, unattraktiven Modelle der späten 1950er Jahre nicht wert gewesen seien, den Namen Continental zu tragen.Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 414.

Der Mark III konkurrierte direkt mit dem 1966 erschienenen neuen Cadillac Eldorado mit Frontantrieb. Das Design des Mark III war typisch Lincoln, vom Rolls-Royce-ähnlichen Kühlergrill bis zur angedeuteten Reserveradausbuchtung im Kofferraumdeckel; letzteres ein mit dem Mark II eingeführtes Designmerkmal, das jahrzehntelang alle Continental-Modelle trugen. Der Mark III zählte zu den ersten Autos mit ABS. Angetrieben wurde der Mark III von einem 7,5 Liter großen Achtzylindermotor (460 cui nach amerikanischem Maß). Bis Sommer 1971 entstanden vom Continental Mark III insgesamt rund 79.000 Exemplare.

Continental Mark IV (1971–1976) mini|rechts|Trotz ausladender Abmessungen nur knapper Innenraum: Continental Mark IV

Für das Modelljahr 1972 lancierte Ford den Continental Mark IV. Die Gestaltungselemente des Mark III mit hohem, schmalem Kühlergrill, abgedeckten Scheinwerfern und Pseudo-Reserveradausbuchtung im Kofferraumdeckel auch beim Mark IV aufgenommen und weiterentwickelt; das Designschema „Long Hood Short Deck“ wurde hier so weit strapaziert, dass der Mark IV zwar deutlich länger und breiter war als sein Vorgänger, aber spürbar weniger Raum für die Passagiere und für das Gepäck bot. Der Mark IV teilte sich die Plattform mit dem gleichzeitigen Ford Thunderbird. Erstmals eingeführt wurde das sog. Opera Window, ein ovales Fenster in der C-Säule, das bis hin zum Mark VI ein besonderes Erkennungsmerkmal der Mark-Series blieb. Mit dem Modelljahr 1976 führte Lincoln für den Mark IV Sondermodelle ein, deren optische Gestaltung der Hand berühmter Modedesigner entstammte und die deshalb Designer Series genannt wurden; eine Marketing-Idee, an der Continental und Lincoln lange Jahre festhielt. 1976 gab es Versionen von Bill Blass, Cartier, Hubert de Givenchy und Emilio Pucci, die sich jeweils durch eigenständige Lackierungen und Innenausstattungen voneinander unterschieden. Die Modelle der Designer-Series waren 1.500 bis 2.000 $ teurer als die Standard-Marks. Der Mark IV wurde in fünf Jahren über 278.000 Mal gebaut.

Continental Mark V (1977–1979) mini|Continental Mark V Givenchy Edition (1979)