Das Kloster Leubus (; auch Abbatia Lubensis) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in der Nähe des Dorfes Lubiąż (deutsch Leubus), etwa 54 km nordwestlich von Breslau in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es ist eine der größten Anlagen dieser Art und seine 223 m lange Hauptfassade ist länger als die des Escorial (207 m).

Gegründet wurde das älteste Zisterzienserkloster Schlesiens vom Herzog Boleslaw I. dem Langen, der 1175 die Stiftungsurkunde des Klosters ausfertigen ließ. Allerdings waren schon im Jahre 1163 Mönche aus der Zisterzienserabtei St. Marien zur Pforte in Leubus eingetroffen, die am dicht bewaldeten Oderufer das neue Kloster gründeten und – wie es der Ordensregel entsprach – mit der Rodung der Wälder begannen. Leubus entwickelte sich zum wichtigsten Kloster Schlesiens und hatte maßgeblichen Anteil an der Kolonisation und dem Aufbau des Landes. Von hier aus wurden bis 1256 sieben weitere Klöster in Polen gegründet.

Geschichte mini|Die Oder und das Kloster Leubus von Norden (1. Hälfte des 19. Jahrhunderts) mini|hochkant|Rekonstruktion der Grabplatte Boleslaus des Langen in der Klosterkirche Auf dem Gebiet der heutigen Abtei, am Mittellauf der Oder, wurde schon früh ein Flussübergang errichtet, an dem sich im Frühmittelalter eine befestigte Siedlung mit heidnischer Kultstätte befunden haben soll. Diese Anlage wurde wahrscheinlich im Jahre 1109 zerstört. Ebenfalls nicht gesichert sind Berichte, wonach schon vor dem Jahre 1150 in Leubus ein polnisches Benediktinerkloster samt Kirche bestanden haben soll. Dies ist vor allem in älteren Publikationen zu lesen und wird heute nur noch selten vertreten. Jedenfalls war die Umgebung des Klosters Leubus noch im 12. Jahrhundert von großen Waldgebieten dominiert. Nur vereinzelt gab es Siedlungen, die fast ausschließlich von Polen bewohnt waren. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts begann langsam ein Zustrom deutscher Siedler.

In diese Zeit fällt die Gründung des Klosters. Polen, zu dem Schlesien damals gehörte, war nach der Einführung des Senioratsprinzips 1138 in einzelne Herzogtümer zerfallen und Boleslaw I. der Lange Herzog von Schlesien. Er hatte von 1146 bis 1163 in Sachsen gelebt, wohin er und seine Eltern Wladislaw II. und Agnes von Babenberg verbannt worden waren. Zuflucht fanden sie bei seinem Schwager, dem Römisch-deutschen König Konrad III. Dort kam Boleslaw erstmals mit Mönchen des Zisterzienserklosters Pforta in Kontakt und erkannte, welche kulturelle und wirtschaftliche Weiterentwicklung seines Landes die Ansiedlung dieser Mönche mit sich bringen würde.

Deshalb berief er Zisterzienser aus der Abtei St. Marien zur Pforte nahe Halle nach Schlesien und stellte ihnen ein Stück Land an der Oder zur Verfügung. Die Primarabtei des Klosters Pforta war das Kloster Morimond. Die ersten Mönche trafen am 16. September 1163 in Leubus ein und begannen, ein hölzernes Bauwerk zu errichten und auszustatten. Die Erschließung und der Bau der Anlage zogen sich jedoch noch lange hin und wurden von den politischen Wirren dieser Zeit erschwert, so dass wahrscheinlich erst im Jahre 1174 der erste Konvent aus zwölf Mönchen gebildet werden konnte, der die weiteren, das Kloster betreffenden Entscheidungen traf. Erster Leubuser Abt wurde ein gewisser Florentin. Dieser erhielt 1175 die Gründungsurkunde von Boleslaw verliehen, die auf der Gröditzburg erstellt worden war. Damit war die amtliche Gründung vollzogen und das Kloster mit Grundbesitz und zahlreichen Privilegien wie dem Zehntrecht für den Raum Liegnitz ausgestattet.

In den nächsten Jahrzehnten kultivierten und erschlossen die Mönche das Land und leiteten den Strom deutscher Siedler nach Schlesien im Zuge der Ostkolonisation ein. Für das Land brachte dies eine Modernisierung der Wirtschaftsweise und eine Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Dreifelderwirtschaft wurde eingeführt, Feuchtgebiete wurden trockengelegt und Weinberge angelegt. Das Kloster florierte, so dass um 1200 die erste steinerne Klosterkirche errichtet wurde, deren erste urkundliche Erwähnung in das Jahr 1209 fällt. Sie war der erste Backsteinbau Polens, woran sich der vom Kloster bewirkte technische Fortschritt ablesen lässt. Ein Jahr später, am 8. Dezember 1201, starb Boleslaw und wurde nach seinem Wunsch im Kloster bestattet; man begrub ihn vor dem Hochaltar der Klosterkirche. Die Nachfolge trat sein Sohn Heinrich I. der Bärtige an, der die Politik seines Vaters fortsetzte. Er war mit Hedwig von Andechs verheiratet, und das Kloster unterhielt weiterhin gute Kontakte zum herzoglichen Hof, zumal Abt Günter II. der Beichtvater Hedwigs war. Heinrichs Regierungszeit brachte nicht nur eine erhebliche Machtvergrößerung Schlesiens, unter anderem durch den Erwerb des Herzogtums Krakau 1232, wodurch er zum Seniorherzog von Polen aufstieg; sie leitete auch eine Blütezeit des Klosters ein. 1202 besaß das Kloster schon 27 Dörfer und Städte, die es zum Teil selbst errichtet hatte und die ihm zum Teil als Schenkungen zugefallen waren.

Gründung von Tochterklöstern mini|Die Tochtergründungen des Klosters (Karte mit den heutigen Staatsgrenzen Polens) Das 13. Jahrhundert brachte auch eine von Leubus ausgehende Expansion des reformfreudigen Ordens mit sich, die sich in der Übernahme und Neugründung von Klöstern in unterschiedlichen Teilen Polens äußerte. Im Jahre 1220 übergab Papst Honorius III. das Zisterzienserinnenkloster Trebnitz, das von Hedwig gegründet worden war, dem Kloster Leubus zur Aufsicht. Bald darauf berief der Krakauer Bischof Iwo Odrowąż 1222 einige Leubuser Zisterzienser nach Kleinpolen, schenkte ihnen die Ortschaft Mogiła und stiftete die dortige Klosterkirche als Keimzelle für das neue Kloster Mogiła. Mogiła – laut Gründungsmythos angelegt über dem Grab Wandas, der Tochter von Krak, des legendären Stadtgründers von Krakau, und damals als „Clara Tumba“ (Helles Grab) bezeichnet – wurde zum ersten Tochterkloster von Leubus. Doch auch die Herzöge Heinrich I. der Bärtige und später sein Sohn Heinrich II. der Fromme wurden mit der Zeit vom Breslauer Bischof gedrängt, das wirtschaftlich und kulturell erfolgreiche Kloster für die weitere Landesentwicklung heranzuziehen. So stifteten die Piasten 1227 das nach dem Landesherrn benannte Kloster Heinrichau im gleichnamigen Ort (Henryków) als zweites Tochterkloster von Leubus und zweite Zisterze in Schlesien. Von Heinrichau aus übernahmen die Zisterzienser im Jahre 1292 das Kloster Grüssau in Grüssau (heute Krzeszów (Kamienna Góra)), das ursprünglich mit Benediktinern des Klosters Opatovice besiedelt worden war.

1241 drang die Goldene Horde in Schlesien ein und verwüstete bei ihrem Feldzug weite Teile des Landes. Allerdings blieben das Kloster Leubus und der gesamte Klosterbesitz an Dörfern und Gütern verschont, weshalb Leubus großen Anteil am Wiederaufbau des Landes hatte. Eine für das Kloster problematische Situation, die auch eine wirtschaftliche Stagnation mit sich brachte, begann erst mit dem Tod Herzog Heinrichs II. des Frommen am 9. April 1241 im Kampf gegen die Mongolen in der Schlacht bei Wahlstatt in der Nähe von Liegnitz. In den folgenden Jahren trat ein Erbfolgestreit, insbesondere zwischen seinen Söhnen Heinrich dem Weißen und Boleslaw II. ein, der erst eine Teilung des Landes und in der Folge eine Zersplitterung Schlesiens in immer kleinere Partikularherrschaften mit sich brachte. Gleichwohl kamen Mönche aus Leubus im Jahre 1246 nach Kamenz bei Frankenstein, um das 1210 gegründete Augustinerkloster Kamenz zu übernehmen. Das dortige Kloster hatte nach dem Rücktritt des Abtes Vinzenz von Pogarell im Jahre 1240 eine schwere Krise erlebt, trotzdem wurden die eingetroffenen Leubuser Mönche vom neuen Abt wieder fortgeschickt. Erst 1249 konnten sie auf Beschluss eines Päpstlichen Legaten das Kloster endgültig besiedeln, was 1251 durch Papst Innozenz IV. bestätigt wurde.

Die am weitesten entfernte und zugleich letzte neue Klostergründung folgte 1256 mit dem Kloster Byszewo (), heute in der Gmina KoronowoCistercensi.Info/Abbazie bei Bromberg, nachdem der kujawische Schatzmeister Mikołaj Zbrożek sich an das Kloster Leubus gewandt hatte. Das Tochterkloster Byszewo geriet jedoch bald in Vergessenheit, da es schon 1288 geschlossen und in das nahe gelegene Kloster Koronowo verlegt wurde. Erwähnenswert ist auch, dass Herzog Władysław Odon von Großpolen ebenfalls großes Interesse an den Aufbauleistungen der Zisterzienser aus Leubus zeigte. Deshalb übertrug er dem Kloster nach und nach Landstriche in Großpolen. Unter anderem siedelte das Kloster ab 1225 in der als Nakło bezeichneten, unbewohnten Wildnis (desertum quoddam iuxta Nakel) Kolonisten an (theutonicos sive alios hospites), die das unbewohnte, widrige Land urbar machten.

Wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung mini|hochkant|Leubuser Pietà, gotisch, um 1370. Heute im Nationalmuseum Warschau. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts war das Kloster Leubus Begründer von etwa 70 neuen Dörfern, die von Kolonisten besiedelt wurden. Mit dem 14. Jahrhundert wurde Leubus zu einem kulturellen Zentrum Ostmitteleuropas. Die Klosterschule sowie die Bibliothek in Leubus trugen mit ähnlichen Einrichtungen in anderen Zisterzen Schlesiens zur kulturellen Entwicklung des Landes bei. Vor allem das Skriptorium von Leubus war eine bedeutende Institution, in der verschiedene Manuskripte, wie der Trebnitzer und Glogauer Psalter, die Leubuser Annalen, der Katalog der Breslauer Bischöfe (Catalogus episcoporum Wratislaviensium) und die Chronik der polnischen Herzöge (Chronicon principum Poloniae) angefertigt wurden. Die wirtschaftliche Stärke des Klosters wurde ab 1322 durch mehrere Goldminen in der Umgebung von Goldberg gefestigt und im Allgemeinen wurden der Bergbau und frühe Industriestätten, wie Schmieden, gefördert. Als Polen unter König Kasimir III. dem Großen 1335 auf Schlesien verzichtete, waren die Stadt und das Kloster Leubus bereits seit 1329 böhmisch und verfügten über eine breite wirtschaftliche Grundlage. Das Kloster hatte seinen Landbesitz kontinuierlich erweitert und besaß in Schlesien ausgedehnte Ländereien und etwa 65 Dörfer mit großen landwirtschaftlichen Gütern, aber auch im Osten, bei Auschwitz, und im Norden, in Großpolen, hatte das Kloster Besitzungen.

Die gute finanzielle Lage erlaubte es, die Klosterbebauung gotisch zu erneuern, aber auch die Klosterkirche wurde für das wachsende Kloster zu klein, so dass 1307 der Grundstein für den Chor der neuen gotischen Backsteinbasilika gelegt wurde. Dieser Bauabschnitt wurde 1330 vollendet und es folgten Arbeiten am Langhaus, die sich noch weitere Jahrzehnte hinzogen. Der Breslauer Bischof Nanker reiste noch im Jahre 1330 nach Leubus, um den schon vollendeten Chor zu weihen. So wie die Kirche im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts vollendet wurde, so überstand sie im Wesentlichen alle späteren Umbauten und Renovierungen. Unter Abt Rudolf kam es noch zu einer weiteren, wichtigen Baumaßnahme. Herzog Boleslaus III. von Liegnitz-Brieg stiftete 1311 nördlich des Chorumgangs die Fürstenkapelle, die 1329 vollendet wurde. Boleslaus ließ sich dort nach seinem Tod 1352 in einer prächtigen Grabtumba bestatten. Ihm folgten weitere lokale Herzöge.

Niedergang und Kriegsschäden mini|Das Kloster Leubus und die Umfassungsmauer von Norden