mini|hochkant|Gustav Körner (Lincoln Museums, Fort Wayne (Indiana))
Gustav Philipp Körner, selten auch Gustav Peter Körner genannt, in den USA Gustave Koerner (* 20. November 1809 in Frankfurt am Main; † 9. April 1896 in Belleville, Illinois), war ein deutsch-amerikanischer Rechtsanwalt und Richter, Diplomat und Staatsmann. Der Freund von Abraham Lincoln war Botschafter der Vereinigten Staaten in Spanien und Vizegouverneur des Bundesstaates Illinois. Auch mit der Geschichte der deutschsprachigen Presse in Belleville ist sein Name eng verbunden.
Familie mini|hochkant|links|Gustav als frisch Vermählter auf einem Gemälde aus dem Jahr 1836 mini|hochkant|Körners Ehefrau Sophie Engelmann(St. Clair County Historical Society, Fever River Research) Gustav Körner war der Sohn des Frankfurter Verlegers, Buch- und Kunsthändlers Bernhard Körner (1776–1829) und seiner Ehefrau Maria Magdalena Kämpfe (1776–1847), Tochter eines anderen Frankfurter Buchhändlers. Schon bei der Wahl seines Vornamens war ein wenig Politik im Spiel: Körners Vater, ein Frankfurter Liberaler, wollte mit dem Vornamen Gustav den Widerstand des im Geburtsjahr dieses Sohnes abgesetzten schwedischen Königs Gustav Adolf IV. (1778–1837) gegen Napoleon würdigen. Körners zweiter Vorname hat dagegen nichts mit Politik zu tun: Er erinnert an Gustav Körners Taufpaten Philipp Peter Raeder oder Roeder aus Heilbronn, einen mit Bernhard Körner befreundeten Kaufmann. Mal wurde Körner mit zweitem Vornamen Philipp, weniger oft Peter genannt.
Gustav Körner heiratete am 17. Juni 1836 in Belleville (Illinois) Sophie Engelmann (* 16. November 1815 in Imsbach, Donnersbergkreis, Kurpfalz; † 1. März 1888 in Belleville), die Tochter des Friedrich Engelmann und der Elisabeth Kipp und jüngere Schwester seines Freundes und früheren Kommilitonen Theodor Engelmann (1808–1889). Körner kam mit der Familie Engelmann in die USA. Mit Sophie Engelmann verlobte er sich bereits auf der Überfahrt dorthin. Das Ehepaar Körner hatte acht Kinder.
Leben Der deutsche Revolutionär mini|Zug zum Hambacher Fest. Teilkolorierte Federzeichnung von 1832. Die Flaggen zeigen die damals so gewählten deutschen Landesfarben Gold-Rot-Schwarz. Körner studierte ab 1828 Rechtswissenschaft an der Universität Jena und engagierte sich schon dort in der liberalen bzw. republikanischen Studentenbewegung; er wurde Mitglied der Burschenschaft Germania Jena. Als er sein Studium an der Universität München fortsetzte, kam er 1830 wegen seiner Beteiligung an studentischem Aufruhr sogar für vier Monate ins Gefängnis. Als Reaktion auf diese so genannten Münchener Dezemberunruhen wurde die Universität München kurzzeitig für mehrere Tage geschlossen. Körner wechselte 1831 an die Universität Heidelberg, wo er 1832 zum Doktor der Rechte promoviert wurde, auch hier wurde er Mitglied einer politisch aktiven Studentenverbindung (Alte Burschenschaft Franconia Heidelberg).
Auf dem Frankfurter Burschentag 1831 setzte der revolutionär gesinnte Körner eine Verschärfung des Tendenzparagrafen durch. Nunmehr strebte die Burschenschaft die „Herbeiführung eines frei und geordneten und in Volkseinheit bestehenden Staates“ an. Im Mai 1832 nahm Körner mit einer Gruppe Heidelberger Studenten (Burschenschaft Frankonia) am Hambacher Fest teil. Körner ist zwar nicht auf der Rednerliste dieses Freiheitsfestes zu finden; er gehörte jedoch dem bald verbotenen Vaterlandsverein zur Unterstützung der freien Presse an, der zur Teilnahme an diesem Fest aufgerufen hatte. Der Frankfurter Sektion des Vereins, in der Körner aktiv war, kommt eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung des Frankfurter Wachensturms am 3. April 1833 zu. Dieser Umsturz sollte aus dem von Fürsten regierten Deutschen Bund eine deutsche Republik formen und freie Wahlen durchsetzen. Frankfurt, der Ort des geplanten Umsturzes, war ständiger Tagungsort der Gesandten des Deutschen Bundes.
mini|Steckbrief für Gustav Peter Philipp Körner, ausgestellt vom Peinlichen Verhör-Amt Während der Vorbereitung des Wachensturmes traf Körner in Kassel mit dem Marburger Rechtsprofessor und Politiker Sylvester Jordan (1792–1861) zusammen, der ein wichtiges Amt in einer von den Aufständischen geplanten Übergangsregierung übernehmen sollte. Am Abend des 3. April befehligte Körner einen der drei Stoßtrupps, die gegen die Hauptwache vorgehen sollten. Gegen 21.30 Uhr eröffneten sie den Angriff auf die von etwa 50 Soldaten verteidigte Wache. Nach kurzem Handgemenge, bei dem mehrere Verteidiger fielen, ergab sich die Wachmannschaft. Innerhalb kurzer Zeit formierte sich das Frankfurter Linienbataillon zum Gegenangriff. Gegen die Übermacht hatten die Aufständischen keine Chance. Nach einem kurzen, aber heftigen Feuergefecht wurden die Hauptwache und die nahe gelegene Konstablerwache zurückerobert. Der durch einen Bajonettstich verwundete Körner verbrachte die Nacht in der Wohnung eines Freundes am Roßmarkt. Am nächsten Morgen floh er mit Hilfe seiner Schwester Auguste über Darmstadt nach Heidelberg und Karlsruhe, von dort aus nach Frankreich. Mit Freunden ging der steckbrieflich gesuchte Rechtsanwalt in Le Havre an Bord des Segelschiffes Logan mit dem Ziel USA (siehe: Dreißiger). In St. Louis (Missouri) wollte er in einer „freien Gemeinschaft“ leben (siehe: Freidenker).
Der Deutschamerikaner und Gegner der Sklaverei mini|Erfahrener Politiker: Gustav Körner(Northern Illinois University) mini|Der ältere Gustav Körner(Belleviller Zeitung) Doch in St. Louis angekommen, missfiel ihm als überzeugtem Freiheitskämpfer die in Missouri und einer Reihe anderer US-Bundesstaaten erlaubte Sklaverei, weshalb Körner mit der Auswanderergruppe der pfälzischen Familie Engelmann, der er sich in Le Havre angeschlossen hatte, in das St. Clair County (Illinois) nur wenige Kilometer jenseits des Mississippi River weiterzog (siehe: Latin Settlement). Er erwog zunächst, den Beruf zu wechseln und sich ganz der Publizistik zu verschreiben. Über seinen älteren Bruder, den Buchhändler und Verleger Carl Gottfried Körner (1798–1857) in Frankfurt, schickte er selbst verfasste Artikel über Amerika an deutsche Zeitungen. In einer fünfteiligen Serie über einen „Ausflug in das Missourital“ für Cottas Zeitung Das Ausland, die im Februar und März 1834 erschien, verurteilte er die Sklaverei: „Es sollte durchaus kein Deutscher in einen Sklavenstaat gehen. Illinois hat mit seiner Freiheit einen großen Vorzug vor seinem Nachbarstaate.“ Und er sagte mit Weitsicht den drohenden Bürgerkrieg voraus: „Der Bruch zwischen den Freien und Sklavenstaaten wird unvermeidlich, und wer möchte sich auf der schlechten Seite als Streiter finden lassen?“ Die Artikelserie bedeutete zugleich eine erste Auseinandersetzung Körners mit dem 1829 in Deutschland erschienenen Missouri-Buch von Gottfried Duden, das aufgrund seiner unkritischen und beschönigenden Sichtweise viele Auswanderer in diesen Bundesstaat lockte. Körner erweiterte seine Serie zu der 62-seitigen Schrift Schilderung des gegenwärtigen Zustandes der westlichen Staaten Nord-Amerika’s, die im Herbst 1834 von seinem Bruder Carl Gottfried in dessen Frankfurter Verlag veröffentlicht wurde. Untertitel: „Ein Schriftchen für den gebildeten Auswanderer in einer vollständigen Beleuchtung von Duden’s Bericht über eine Reise in die westlichen Staaten Nord-Amerika’s.“ Diese Schrift habe den Zweck gehabt, „die allzu glänzenden Anschauungen Duden’s auf ihren wahren Werth zurückzuführen“, heißt es in einer Rückschau auf Körners Leben, die am 11. Januar 1899 in der „Belleviller Zeitung“, der Jubiläumsausgabe zum 50-jährigen Bestehen dieses Blattes, erschien. Dort ist auch dies festgehalten: „Wie aufrichtig und ernstlich Herr Körner für die Abschaffung der Sklaverei eingenommen war, davon unter vielen anderen nur ein Beispiel: Als er eines Tages in jener denkwürdigen Zeit der Antisklaverei-Bewegung von einem Geschäftsritt aus dem Lande zurückkehrte, fand er auf dem öffentlichen Platze in Belleville eine große Menschenmenge in großer Aufregung angesammelt. Nach der Ursache dieser ungewöhnlichen Menschenansammlung sich erkundigend, erfuhr er, daß soeben ein Sklave zum Verkauf ausgeboten werde. Herr Körner stieg von seinem Pferde, begab sich zum Versteigerungsstande, kaufte den Sklaven und schenkte ihm sofort die Freiheit.“
Körner war sehr bemüht, ein guter Amerikaner zu werden, lernte deshalb – im Gegensatz zu vielen deutschen Landsleuten – sofort Englisch und setzte 1834/35 seine juristischen Studien an der Transylvania University in Lexington (Kentucky) fort. Ab 1835 praktizierte er in Belleville als Rechtsanwalt in eigener Kanzlei. Er war entsetzt, welches falsche Bild sich seine Landsleute in Deutschland von Amerika machten. Deshalb unterstützte er 1837 das Projekt einer „nordamerikanischen Zeitschrift für Deutschland“ (Untertitel), das unter dem Namen Das Westland von dem als Arzt in St. Louis tätigen George Engelmann (1809–1884), der wie Körner aus Frankfurt stammte, gestartet wurde. Die in St. Louis verlegte und bei einem Onkel Engelmanns in Heidelberg gedruckte Dreimonatsschrift, die ein falsches Amerika-Bild korrigieren wollte, fand aber nicht die erhoffte Resonanz und musste nach nur drei Ausgaben ihr Erscheinen einstellen. Körner verfasste unter dem Kürzel „G. K.“ mehrere Beiträge für diese Zeitschrift.
1838 erhielt Gustav Körner die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.
1842 übernahm er mit Erfolg das Gerichtsverfahren zur Rehabilitation des von seiner Gemeinde, der „Apostolisch-lutherischen Episkopalkirche zu Stephansburg“, in St. Louis vertriebenen Bischofs Martin Stephan.
Der Demokrat Auch in seiner neuen Heimat engagierte sich Körner politisch und ermutigte auch seine deutschen Landsleute dazu. Schon seit 1837 war Körner Anhänger der 1828 gegründeten Demokraten, wurde sogar in hohe Parteiämter gewählt, doch konnte er sich mit der generellen Einstellung seiner Partei zur Sklaverei nicht länger abfinden. 1856 wechselte er deshalb zu den 1854 als Partei gegen die Sklaverei gegründeten Republikanern (siehe: Abolitionismus).
Seinem Heimatstaat Illinois diente er in diesen Jahren in mehreren Funktionen, u. a. von 1842 bis 1843 als Mitglied des Repräsentantenhauses, von 1845 bis 1851 als Richter am Obersten Gerichtshof des Staates Illinois. Als 1848 die Nachrichten von der Revolution in Deutschland die USA erreichten, war der einstige Wachenstürmer begeistert. Körner spielte eine Weile mit dem Gedanken, in seine Heimatstadt zu reisen und den Weg Deutschlands zur demokratischen Paulskirchenverfassung hautnah mitzuverfolgen. Obwohl er unter die 1848 von der Stadt Frankfurt verkündete Amnestie fiel und die 1835 erfolgte Aberkennung der Bürgerrechte der Freien Stadt Frankfurt damit rückgängig gemacht worden war, rieten ihm seine ältere Schwester Pauline (1804–1856) und sein Bruder Carl Gottfried, die beide in Frankfurt lebten und die Erfolgsaussichten der Revolution mit großer Skepsis betrachteten, in Briefen nachdrücklich davon ab, diese Reise anzutreten. Körner blieb in Amerika.
Von 1853 bis 1857 war Körner Vizegouverneur („Lieutenant Governor“) von Illinois unter Gouverneur Joel Aldrich Matteson. Als dieser Präsident der Eisenbahngesellschaft Chicago and Alton Railroad wurde, sollte Körner das Amt des Gouverneurs übernehmen, doch seine „fremdländische Abstammung“ als Deutscher und seine radikale politische Einstellung gegen die Sklaverei machten dies unmöglich.
Der Zeitungsmacher