Birdschand oder Birdjand () ist die Hauptstadt der iranischen Provinz Süd-Chorasan (ehemals Subprovinz Birdschand) mit seinen 179.686 Einwohner (Stand: 2012), einer Landfläche von 88.404 km² (März 2004) und einer Einwohnerdichte von 7 Einwohner je km².

Lage mini|Die Festung von Birdschand

Birdschand ist eine sehr alte von über 20 Burgen umgebene Stadt an der Opium-Seidenstraße. Diese Straße wurde auch genannt, weil über diesen Weg Opium aus Afghanistan in Richtung Europa geschmuggelt wurde. Die Stadt im Osten Irans liegt auf kleinen Anhöhen in einem unfruchtbaren Tal und ist heute die einzige größere Stadt in einem Umkreis von über 200 km. Birdschand hat sich aufgrund des schnellen Bevölkerungswachstums zu einem der bedeutendsten Zentren im Osten Irans, nach Maschhad und Zahedan, entwickelt.

Birdschand ist ein wichtiges Zentrum für Baustoff-, Textil- und Teppichproduktion, Zucker- und Süßwarenindustrie, Landwirtschaft und Viehhaltung. Betrieben werden Kupfer-, Kalk- und Bleiminen.

Historisch gesehen war Birdschand der Sitz teilautonomer Herrscher und ein Zentrum für Karawanen, insbesondere zwischen Afghanistan und dem Rest Irans. Es liegt 1.309 km entfernt südöstlich von Teheran. Die Stadt ist durch Gebirge und Salzwüsten (Dascht-e Lut, Dascht-e Kawir) vom Rest Irans abgegrenzt und besitzt den internationalen Verkehrsflughafen Birdschand (IATA-Code XBJ), ist jedoch auch durch Straßenverbindungen erreichbar. Der Flughafen, erbaut vor dem Zweiten Weltkrieg, war der dritte Flughafen des Landes nach Ghaleh Morghi in Teheran und dem Flughafen Buschehr.

Die Stadt und die Region besitzen immer noch keine Schienenanbindung.

Als Brückenstadt im Handel und Verkehr zwischen den großen Städten im Nordosten Teheran und Maschhad sowie im Westen, Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken mit Afghanistan, Pakistan, der Volksrepublik China und Indien hat die Stadt ihre Bedeutung bis heute erhalten können.

Die Stadt (bzw. heute die Provinz) grenzt an den Hamun-See. Durch Birdschand fließt außerdem der Schah-Fluss.

Die Region Birdschand grenzt im Norden an die Region Ghaeenat, im Osten auf einer Länge von 140 km an Afghanistan, im Süden an die Region Nahbandan und die iranische Provinz Kerman, im Westen an die Regionen Farduss und Tabass.

Die Region ist 34.893 km² groß und eine Gebirgsregion. Die Stadt Birdschand ist dabei sowohl eine Provinzhauptstadt als auch das Regionszentrum. Im Süden liegt das Baghran-Gebirge, im Westen der Schah-Berg, Mo'men Abad-Gebirge. Die Flüsse sind saisonabhängig meist trocken. Die Region selbst umfasst zehn Dörfer und zwei Städte und ist die bevölkerungsreichste der Provinz.

Auf einem Hügel inmitten der Stadt steht noch heute eine gewaltige Festung, die Paeen-Shahr-Burg. Die Stadt ist von einer Gebirgskette umgeben. Südöstlich der Stadt beginnen bei der Stadt Mud uranhaltige Berge.

Westlich von Birdschand befindet sich in der verwalteten Region Tabass der einzige Vulkan Kuh-e Ateschan (‚Feuer-Berg‘) der Provinz.

Bevölkerung Die Unterscheidung der verschiedenen Volksgruppen ist bis auf sehr wenige Ausnahmen linguistischer Natur, da die Differenzierung nach ethnischen Kriterien kaum möglich ist. Aufgrund der wechselvollen Geschichte von Chorasan lebt in der Region heute eine multi-ethnische und multi-konfessionelle Bevölkerung. Die größte Bevölkerungsgruppe bilden die Sprecher iranischer Sprachen, hauptsächlich sind Persisch und Paschtu vertreten, wobei Persisch sowohl zahlenmäßig als auch historisch und kulturell die dominierende Sprache ist.

Eine bedeutende Minderheit bilden die Sprecher zentralasiatischer Mongolen- bzw. Turksprachen, von denen Usbekisch sicherlich die wichtigste ist. Daneben findet man auch kleinere Gemeinden von Arabern und Kurden. Die Zahl der Kurden in ganz Chorasan beläuft sich heute auf um die 2.170.000. Sie sprechen Kurmandschi, einen kurdischen Dialekt, und sind häufig in der Region Birdschand angesiedelt. Neben der iranischen Volksgruppe der Kurden gibt es in jüngster Zeit auch eine unbekannte Zahl afghanischer Flüchtlinge. Die große Mehrheit der Flüchtlinge sind schiitische Muslime persischer Abstammung.

Birdschand liegt auf der gleichen geographischen Ebene wie der angrenzende afghanische Provinzhauptstadt Farah mit seiner gleichnamigen Provinz. Menschen aus Birdschand und Farah sprechen einen ähnlichen persischen Dialekt, d. h. sehr alte persische Wörter, Begriffe, Bezeichnungen, die nur diese Menschen aus diesen beiden Städten verstehen und benutzen. Meistens haben schiitische Perser aus Birdschand Verwandte in Farah und umgekehrt.

Direkt oberhalb der Stadt leben Sunniten aus dem Stamm der Belutschen. An nordöstlicher Grenze zu Afghanistan sind in der von Birdschand verwalteten Provinz sunnitische Paschtunen-Stämme beheimatet. Sowohl die hauptsächlich in Pakistan lebenden Belutschen als auch die überwiegend in Afghanistan ansässigen Paschtunen sind iranischer Abstammung.

Klima In südlichen Gebieten warm und in Gebirgsregionen gemäßigtes Klima. Im Allgemeinen ist die Region um Birdschand trocken.

Klimadaten (2002): Durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 169 mm bzw. 169 l/m², im März wird Maximum erreicht. Durchschnittliche Temperatur im Jahr beträgt 17,0 °C, im Juli wird Maximum erreicht. Im Monat Juli wird mit 28,8 °C der Scheitel der Parabel erreicht. Die Tiefsttemperatur wird mit 4,0 °C im Januar erreicht.

Bildung Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Birdschand mit der Shokatiyeh eine der ersten öffentlichen Schulen Irans errichtet. Seitdem haben sich in der Stadt zahlreiche Hochschulinstitute etabliert und Birdschand hat weltweite Bekanntheit als Stadt der Wissenschaft und Forschung erlangt.

In Birdschand gibt es folgende Hochschulen: Universität Birdschand Islamische Asad-Universität von Birdschand Birdschand-Universität für Medizin Universität Pajam Noor Bahonar-Akademie für Pädagogik Elite-Akademie Akademie für öffentliche Verwaltung Universität für Bergbau Sepide-Kaschani-Akademie für Frauenbildung

Geschichte Antike Birdschand und sein Umland gehörten bereits während der Achämeniden-Dynastie zur Entstehung des Persischen Reiches. Die Stadt fand in der frühen Geschichte u. a. in den Büchern von Ma'jm Albaldan, Marco Polo, Yāqūt al-Hamawī ar-Rūmī, Moghaddassi, Hamdallah Mustaufi und Hafes Abru Erwähnung.

Der Aufstieg gelang Birdschand erst nach dem Einzug des Islam und liegt im Land Ghahestan (persisch: ). Seit 300 bis 400 Jahren ist sie der Regierungssitz dieser Region (arabisch: Dar Al-Malek). Eine Zeitlang (von der Pahlavi- bis kurz nach der Chomeini-Ära, 2004) war die Region Teil der Provinz Chorasan im Jahr 2004. Die alte noch größere Region Chorasan umfasste ein Gebiet, das sämtliche der ehemaligen Sowjetrepubliken östlich des Kaspischen Meeres und Afghanistan einschloss.

Die Region heißt aufgrund der waldfreien Hochebenen im Norden der Stadt bis zu der heute in Afghanistan liegenden Stadt Herat Bergland. Bereits seit der Sassaniden-Dynastie war diese Region von kleinen und sehr weit voneinander entfernten Dörfern durchzogen. Birdschand war zu jener Zeit nur eine Siedlung. Bis heute ist die Region sehr dünn besiedelt und unberührt. In der Parthischen-Ära war der hier ansässige Stamm der Sagartier ein sehr enger Verbündeter der Parther und hat mit ihnen zusammen das gesamte parthisch Imperium (lateinisch ) beherrscht.

Mittelalter Während der Sassaniden-Dynastie wurde das Gebiet Chorasan und Birdschand durch Sepahbod (=‚Generalleutnant‘ – Dreisterne-General) Padgoosban und vier Markgrafen – jeder Kommandeur einer der vier Teile Chorasans – fremdregiert.

Nach der islamischen Eroberung Chorasans 651 wurde das Gebiet Chorasan in vier Gebiete geteilt, die nach den vier großen Städten Neyschabur, Merv, Herat, und Balch benannt wurden.

Birdschand wurde des Öfteren in seiner frühen islamischen Geschichte von Erdbeben zerstört. In dem Buch Farhanghe Aameh finden die Erdbeben-Geschichten Birdschands oft Erwähnung.

Bis 820 kontrollierte der Klan der Abbasiden Chorasan und Birdschand, gefolgt durch die Regierungszeit des iranischen Klans der Tahiriden 896 und der Samanid-Dynastie im Jahr 900. Der Türke Sultan Mahmud von Ghazni eroberte Birdschand 994. Einige Jahre später unterlag er dem vormarschierenden Sultan Ahmad Sandschar.

1157 wurde ganz Chorasan durch die Chwarazmiden besetzt und einige Zeit darauf, durch Mongolen erobert, dem Territorium der Mongolen Ilchanate hinzugefügt. Im 14. Jahrhundert begannen Unabhängigkeitsbewegungen. 1468 erlangte Amir Teimoor Goorkani (auch Tamerlane genannt) die Macht. 1507 wurde die Gegend durch usbekische Stämme (=Türken/Mongolen) besetzt und Birdschand zerstört.

Frühe Neuzeit hochkant=1.2|mini|Furg-Zitadelle, Birdschand; u.i.B.: Zum Trocknen ausgelegte Safranfäden

Die Stadt erlangte in der Safawiden-Dynastie (17. Jahrhundert) erneut Bedeutung und entwickelte sich zum regionalen Regierungssitz, die Bedeutung als wichtigste Stadt im Osten musste sie jedoch bald wieder an die Pilgerstadt Maschhad abgeben (Schrein des vergifteten 8. Imams der Zwölferschiiten – Imam Reza). Aus der Zeit der Safawiden-Dynastie stammen die meisten bis heute erhaltenen Festungsanlagen. Die ursprünglichen Festungen wurden durch die Mongolen meist restlos zerstört, wobei auch der damalige Fürst der Stadt bei der Verteidigung ums Leben kam. Die beeindruckendste Festung ist die gewaltige Furg-Zitadelle.

Im 17. Jahrhundert wurden zahlreiche Kurden durch den Safawiden-Schah Abbas I. nach Chorasan deportiert und gewaltsam in den Städten Quchan (im nördlichen Chorasan gelegen) und Birdschand angesiedelt.

In der Safawiden-Dynastie wird in zahlreichen Schriften erwähnt, dass die Region viele Dichter, Schriftsteller und Wissenschaftler hervorgebracht hat und der Stadt Birdschand – auf dem Hügel Mahur errichtet – die Herrschaft über die Provinz Ghahestan oblag.

Lehmhäuser, enge Gassen, kleine öffentliche Zentren, uralte Zisternen, Moscheen und öffentliche Bäder sowie Karawansereien geben ein charakteristisches Bild der Stadt jener Zeit wieder. Sie dienten, insbesondere auch durch ihre Anordnung, der besseren Verteidigung der Stadt vor Feinden oder der Bekämpfung von Sandstürmen.

Nach dem Tode des afscharidischen Schahs Nadir Schah 1747 kam es zu einer afghanischen Besatzung.

Jüngste Neuzeit Nach dem Verfall der historischen Stadt Ghaen in der Zeit der Safawiden-Dynastie (wahrscheinlich aufgrund eines Erdbebens) entwickelte sich Birdschand zum unangefochtenen Zentrum der Provinz Birdschand. Seitdem regierte der Alam-Klan über die Region als Gouverneur bis zum Ende der Kadscharen-Dynastie. Der Vater des Premiers Alam war der Amir von Birdschands Subprovinz Ghaenaat, bis in die Pahlavi-Dynastie hinein.

Der parallel zum staatlichen Gouverneur das Volk vertretende letzte Stammesführer/Fürst von Birdschand, war seinerseits mit dem Klan und dem vorletzten Kaiser Reza Schah Pahlavi verwandt und seine Macht bezog der Stammesführer aus dem ehemaligen Stadtteil Mud. Es heißt, dass alle dort ansässigen mit ihm verwandt waren.

Mit der Reform der Stadtverwaltung zum Beginn der Pahlavi-Dynastie endete in Birdschand die mittelalterliche Ära, bei der sich Stammesführer (von Birdschand, seiner Distrikte und Gegebenenfalls seiner Region) für wichtige Entscheidungen im Stadtrat zusammensetzten. Danach befand sich einzig der Fürst von Birdschand bis zu seinem Tod weiterhin im Stadtrat, als Stadtkämmerer.

Bei den fortwährenden Rückeroberungen während der Herrschaft der türkischstämmigen Kadscharen-Kaiser, kam es zu heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den von den Briten unterstützten sunnitischen Afghanen in dem östlichen Chorasan-Gebieten und dem sich wieder in einem Handstreich in iranischen Besitz befindlichen Gebieten Herat des westlichen Chorasans und Birdschands.

Enormer Wassermangel behinderte die Stadtentwicklung Birdschands jenerzeit besonders aufgrund eines größeren Bevölkerungszuwachs.