Vevey ([] oder [], im frankoprovenzalischen Dialekt []) ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Waadt. Sie ist der Hauptort des Distrikts Riviera-Pays-d’Enhaut.

Die Stadt am Nordostufer des Genfersees war früher ein bedeutender Handelsplatz und profitierte im 19. Jahrhundert vom Aufschwung durch Industrie und Fremdenverkehr, die noch heute die Hauptsäulen der Wirtschaft darstellen. Bekanntheit erlangte Vevey auch als Hauptsitz der Nestlé S.A.

Der deutsche Name Vivis wird heute nur noch im davon abgeleiteten Namen Vivisbachbezirk verwendet.

Geographie mini|Luftbild (1965) mini|Teilansicht vom See Die Stadt Vevey liegt auf , 18 Kilometer südöstlich der Kantonshauptstadt Lausanne und sechs Kilometer nordwestlich von Montreux.

Das nur 2,4 km² grosse Gemeindegebiet umfasst den flachen Schwemmkegel, den die Veveyse im Lauf der Zeit bei ihrer Mündung in den Genfersee aufgeschüttet hat, und den Hügel von Charmonthey östlich des Bachlaufs. Zu Vevey gehört ein rund zwei Kilometer langer Uferabschnitt des Genfersees mit drei Schiffsanlegestellen und einem Bootshafen.

Die Landschaft von Vevey liegt am Südfuss des Mont Pèlerin, an der Waadtländer Riviera und am Alpenrand.

Die Stadtgrenze folgt im Nordwesten dem Fuss des Mont Pèlerin und teilweise dem Bach neben der Nachbargemeinde Corseaux, im Norden unterhalb des Hügels von Corsier-sur-Vevey und verläuft im engen Tal der Veveyse bis an die Kante der Geländeterrasse , wo sich mit der höchste Punkt von Vevey befindet. Im Osten grenzt die Stadt an die Quartiere Gilamont (), Clies () und Hauteville in der Gemeinde Blonay – Saint-Légier und im Südosten auf dem Rebhügel und im Bach Ognona an das Stadtgebiet von La Tour-de-Peilz.

Gemäss der amtlichen Arealstatistik von 1997 bedeckten Siedlungszonen 90 % des Stadtgebiets, Wald und Gehölz etwa 6 % und Landwirtschaftsflächen etwa 4 %.

Das weitgehend überbaute Stadtgebiet von Vevey ist eng mit den Siedlungsarealen der Nachbargemeinden zusammengewachsen. Die Erschliessung zahlreicher Liegenschaften an der Stadtgrenze erfolgt über Strassen in den Nachbargemeinden.

Die Altstadt von Vevey liegt östlich der Veveyse am Seeufer. mini|Château de l’Aile vom See aus

Klima Vevey liegt auf der Alpennordseite der Schweiz, es herrscht deshalb das typische gemässigte mitteleuropäische Klima, das jedoch – wie auch in Montreux und an der ganzen Waadtländer Riviera – begünstigt wird durch die Lage direkt am Genfersee und an einem Südhang der Voralpen. Die Temperatur liegt daher oft über dem schweizerischen Mittel, und die Sonne scheint häufiger als an anderen Orten der Schweiz.http://www.vevey.ch/qsPortal/Home.asp?N=2552

Geschichte Vorgeschichte Vevey kann auf eine sehr lange Siedlungstradition zurückblicken. Die frühesten vom Menschen hinterlassenen Spuren auf dem Gemeindegebiet stammen von Pfahlbausiedlungen aus dem Neolithikum und der Bronzezeit. Auch ein Gräberfeld aus der späten Bronzezeit wurde entdeckt. Vermutlich war der Ort unter den Kelten seit dem 4. Jahrhundert vor Christus besiedelt.

In der Römerzeit lag Vevey an der wichtigen Heerstrasse vom Grossen St. Bernhard entlang dem Ostufer des Genfersees nach Aventicum (Avenches). Ein Seitenzweig der Strasse führte nach Lausanne. An dieser Strassenverzweigung entwickelte sich ein kleines Städtchen, von dem archäologisch allerdings nur wenig bekannt ist. Auf römischen Strassenverzeichnissen war der Ort unter dem Namen Vibisco, auf der Peutingerschen Tafel als Vivisco aufgeführt. Weitere lateinische Namenformen waren Bibiscum und Viviacum. Der Ortsname stammt vom latinisierten Namen des keltischen Stamms der Vivisci ab.

Die nächste urkundliche Erwähnung des Ortes unter dem Namen Bibiscon stammt aus dem 5. Jahrhundert und bezeugt auch in dieser Übergangszeit eine Siedlung. Aus dem Mittelalter sind die Bezeichnungen Viviscum (1011), Vivesium (1017), Vivois (1163), Vives (1177), Vivex (im 12. Jahrhundert) und Viveis (1225) überliefert.

Mittelalter und Neuzeit mini|Obligation über 500 Franken der Commune de Vevey vom 30. Januar 1904 Der Fischerflecken gehörte um das Jahr 1000 zum Königreich Hochburgund. Auf dem Gemeindegebiet hatten aber auch das Lausanner Domkapitel, die Abtei Saint-Maurice, die Chorherren vom Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard und der Bischof von Sion reichen Grundbesitz. Im Jahr 1011 übertrug König Rudolf III. von Burgund seine Rechte über Vevey dem Bischof von Lausanne. Diese Herrschaftsrechte erkaufte sich 1250 Peter von Savoyen und gab sie als Lehen an die Herren von Blonay und von Oron weiter. Der Ort entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Handelsplatz am Genfersee. Im Lauf des 14. Jahrhunderts organisierten sich die Bürger von Vevey, erhielten 1356 von der savoyischen Oberhoheit erste Freiheiten zugesprochen und bildeten ab 1370 eine Gemeindeverwaltung.

Mit der Eroberung der Waadt durch Bern im Jahr 1536 gelangte Vevey unter die Herrschaft der Berner. Diese gründeten die Vogtei Chillon, die seit 1735, als der Landvogt die Stadt Vevey dem Schloss Chillon als Residenz vorzog, den Namen Vogtei Vevey trug. Diese Vogtei umfasste das Gebiet des heutigen Bezirks Vevey, ausser die Teile nördlich der Veveyse, die der Vogtei Lausanne angehörten; dafür war auch Villeneuve der Vogtei Vevey zugeteilt.

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime gehörte die Stadt von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. 1798 wurde sie Hauptort des Bezirks Vevey. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Vevey zu einem bedeutenden Industriezentrum, und dank seiner attraktiven Lage und dem milden Klima auch zu einem Fremdenverkehrsort. Deshalb nahm die Bevölkerung rasch zu, und die Stadt stiess schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an ihre engen Gemeindegrenzen. 1892 wurden daher die am Stadtrand von Vevey auf dem Schwemmkegel der Veveyse gelegenen Quartiere Arabie, Plan-Dessous, Plan-Dessus, Sous-Crêts, Corsets und Faubourg-Saint-Antoine von Corsier-sur-Vevey abgetrennt und nach Vevey eingegliedert. Eine weitere Grenzbereinigung wurde 1931 vorgenommen, als das Gebiet von Gilamont von Saint-Légier-La Chiésaz an Vevey abgetreten wurde.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erlebte Vevey im Zuge der Industrialisierung einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. 1847 entstand die den Freimaurern nahestehende Société vaudoise de Secours mutuel. Die Nestlé S.A., der grösste Lebensmittelkonzern der Welt, wurde 1866 in Vevey von Henri Nestlé gegründet. Durch die rege Bautätigkeit wuchs die Bevölkerung. Die Arbeiter fühlten sich dabei übergangen. Im 1894 und 1905 streikten die Bauarbeiter.

Bevölkerung +Bevölkerungs­entwicklung Jahr Einwohner 1850 5201 1900 11'781 1910 13'664 1930 13'036 1950 14'264 1960 16'269 1970 17'957 1980 16'139 1990 15'968 2000 16'202 2010 18'394 2020 19'752

Mit Einwohnern (Stand ) gehört Vevey zu den grössten Gemeinden des Kantons Waadt; es ist die zweitgrösste Stadt der Agglomeration Vevey-Montreux, welche insgesamt etwa 70'000 Einwohner hat. Zudem gehört Vevey zur Metropolregion Genf-Lausanne. Von den Bewohnern sind 77,3 % französischsprachig, 5,3 % italienischsprachig und 3,7 % portugiesischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Vevey stieg vor allem in der Zeit von 1940 bis 1970 kräftig an. Zu Beginn der 1970er Jahre erreichte die Einwohnerzahl mit rund 18'000 den vorläufigen Höchststand. Rezessionsbedingt nahm die Bevölkerung nach 1974 deutlich ab und pendelt seit 1980 um 16'000 Einwohner. Die Baulandreserven der Stadt sind nahezu aufgebraucht. Das Siedlungsgebiet von Vevey ist heute lückenlos mit den Gebieten von Corseaux, Corsier-sur-Vevey, La Tour-de-Peilz, sowie auch mit Montreux zusammengewachsen. Der Ballungsraum Vevey mit den erwähnten Randgemeinden kommt mittlerweile auf rund 60'000 Einwohner.

Einwohnerentwicklung

mini|Château de l’Aile am Grand-Place

mini|hochkant|Kirche Saint-Martin mini|Die Grenette an der Grand-Place (2008)

Religion Die grosse Mehrheit der Einwohner von Vevey sind Christen. Beim Zensus im Jahr 2000 waren ca. 40 % römisch-katholisch und fast 30 % reformiert. Mehr als 10 % gehören einer anderen Religion an, ca. 20 % sind konfessionslos. 1980 waren noch über 90 Prozent der Einwohner Christen.Statistique Vaud – Statistische Angaben zu Vevey

Politik Legislative Gesetzgebende Behörde ist der von den Stimmberechtigten der Gemeinde Vevey gewählte Gemeinderat (conseil communal). Er besteht aus 100 Sitzen und wird alle fünf Jahre neu gewählt. Bei den Wahlen vom 8. März 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung:

FDP.Die Liberalen: 22 Sitze Décroissance Alternatives: 20 Sitze SP: 19 Sitze Vevey Libre: 10 Sitze GPS: 10 Sitze En Avant Vevey: 9 Sitze GLP-Mitte: 6 Sitze SVP: 4 Sitze

Gemeindepräsidium Seit Sommer 2021 ist Yvan Luccarini von Décroissance Alternatives Gemeindepräsident (Syndic) von Vevey.

Nationalratswahlen Bei den Schweizer Parlamentswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Vevey: SP 29,3 % (+6,7), Grüne 16,8 % (−7,9), FDP 16,5 % (+0,1), SVP 10,2 % (−0,6), POP/Sol 13,5 % (+3,4), glp 6,3 % (−1,4), Mitte 3,4 % (+0,5), EVP 0,6 %, EDU 0,4 %.Simon Huwiler, Alex Kräuchi, Kaspar Manz:

Wirtschaft Seine wirtschaftliche Entwicklung verdankt Vevey der Lage am Nordostufer des Genfersees. Schon früh war es ein wichtiger Umschlagsplatz am Handelsweg von Frankreich und von der Strasse über den Grossen St. Bernhard ins Greyerzerland und nach Bern. Die Waren wurden von Frankreich über den Jura nach Genf und von dort mit dem Schiff nach Vevey gebracht, von wo sie mit Fuhrwerken ihren weiteren Bestimmungsorten zugeführt wurden.

Bis ins 18. Jahrhundert war Vevey teilweise landwirtschaftlich geprägt. Die Stadt liegt im grossen Weinanbaugebiet des Lavaux an der Riviera. In der Stadt wurden die landwirtschaftlichen Produkte des Umlandes weiterverarbeitet und in den Handel gebracht. Das städtische Gewerbe umfasste Tabak- und Tuchmanufakturen, Hutmachereien, Gerbereien, aber auch Marmorwerkstätten und Uhrmacherei, die oft in Heimarbeit ausgeübt wurde.

mini|Der Hauptsitz der Nestlé S.A. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt rasch zu einem Industriestandort, und im weiteren Verlauf des Jahrhunderts vollzog sich der Strukturwandel mit der Entstehung von Grossunternehmen. In diese Zeit fallen beispielsweise die Gründung der Caisse d’Epargne Riviera als erste Sparkasse des Kantons Waadt (1814), die Eröffnung der Ateliers de constructions mécaniques de Vevey (1842) und die Gründung der Tabakwarenfabrik Rinsoz & Ormond (1852). Vevey wurde ein bedeutendes Zentrum der Schokoladenindustrie: François-Louis Cailler gründete um 1819 die erste Schokoladenfabrik der Schweiz.

Im Lauf des 20. Jahrhunderts kam es mehrmals zu wirtschaftlichen Krisen, so während der 1930er Jahre in der Uhrenindustrie und während des Zweiten Weltkrieges im Tourismus. Als Folge davon diversifizierte sich die Wirtschaft in Industrie und Gewerbe. Auch die Rezession von 1974 und 1975 traf die Industrie hart, führte zu zahlreichen Betriebsschliessungen und indirekt zu einer Abnahme der Bevölkerung um rund 2000 Personen innerhalb von 10 Jahren.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es in Vevey rund 11'000 Arbeitsplätze. Mit 0,5 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, ist die Landwirtschaft praktisch bedeutungslos geworden, zumal im Stadtgebiet nahezu die gesamten ehemaligen Agrarflächen überbaut worden sind. Etwa 15 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig und im Dienstleistungssektor 85 % (Stand 2001).