Bissendorf ist der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Wedemark in der Region Hannover in Niedersachsen. Bissendorf-Wietze ist ein anderer, benachbarter Ortsteil von Wedemark.

Geschichte mini|Amtsvogtei von 1819, 2007 zum Bürgerhaus umgebaut mini|Kavaliershaus mini|Michaeliskirche mini|Der direkte Umkreis der Kirche im Dorfmittelpunkt Bissendorfs mini|Der erweiterte Dorfkern (der Bildausschnitt hat 400 Meter Durchmesser)

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1295 im Zusammenhang mit der St.-Michaelis-Kirche, die gegenüber dem Amtshof steht, zu der auch die 1773 abgebrochene unterschlächtige Wassermühle in der Krakau gehörte. Bissendorf war von 1560 bis 1852 Sitz des jeweiligen Amtsvogts.

Bissendorf war über Jahrhunderte ein Bauerndorf. Die ursprünglich 13 Meierhöfe wurden im Lauf der Jahre meist geteilt, so dass beispielsweise 1664 insgesamt 33 Höfe einen Meierstatus hatten. Daneben gab es damals weitere nahezu 40 (kleinere) Kötnerhöfe. Die wirtschaftliche Basis bildeten Getreideanbau, vornehmlich Roggen, und Viehzucht, insbesondere Pferde, Rindvieh und Schafe. Zwischen 1850 und 1930 erhöhte sich die Einwohnerzahl von etwa 600 auf rund 1000 Personen.

Am 1. März 1974 wurde Bissendorf in die neue Gemeinde Wedemark eingegliedert.

Politik Ortsrat Der Ortsrat von Bissendorf setzt sich aus neun Ratsleuten folgender Parteien zusammen: CDU: 4 Sitze SPD: 2 Sitze Grüne: 2 Sitz Volt: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl 13. September 2026)

Ortsbürgermeister Die Ortsbürgermeisterin ist Susanne Brakelmann (CDU), vertreten wird sie durch Gitta Jansen (SPD).Ortsrat von Bissendorf. Auf: Internetseite der Gemeinde Wedemark – Ortschaft Bissendorf, abgerufen am 20. Juli 2017.

Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Bissendorf stammt von dem Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde am 17. November 1955 durch den Niedersächsischen Minister des Innern erteilt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Nach der Gründung der Amtsvogtei um 1560 entstand um 1580 das Wohnhaus des Amtsvogtes, heute Standesamt, einer der schönsten Profanbauten der Wedemark, dem 1747 noch ein Westflügel angefügt wurde. Dicht dabei steht das sog. Kavaliershaus, das um 1620/1621 errichtet wurde und heute das Richard-Brandt-Museum beherbergt. Beide Gebäude zeigen die Ornamentik der Spät-Renaissance. Das Dienstgebäude des Amtes, die Amtsvogtei, wurde 1819 erbaut und zuletzt als Kaufhaus der Familie Busse genutzt, bevor es von der Gemeinde Wedemark erworben und 2007 aufwändig zum Bürgerhaus umgebaut und restauriert wurde. In dem südlich danebenstehenden früheren Gast- und Bauernhaus Dusche, einem Fachwerkgebäude von 1809, befindet sich die Gemeinde-Bibliothek und im Dachgeschoss ein weiterer Ausstellungsraum des Richard-Brandt-Museums. Gegenüber dem Amtshaus steht die Michaeliskirche, deren Turm im 13. Jahrhundert erbaut und 1680 renoviert wurde. Sehenswert sind die historischen Grabsteine an der Kirche. Die zur Kirche gehörende Mühle, eine außerhalb des Dorfes gelegene unterschlächtige Wassermühle, wurde um 1773 abgebrochen. Westlich von Bissendorf auf der halben Strecke nach Resse liegt das Bissendorfer Moor mit dem in Langenhagen gelegenen Muswillensee.

Baudenkmale

Vereinswesen Seit 1995 gibt es den imago Kunstverein Wedemark, einen Verein für Bildende Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst.

In Bissendorf existieren ein Fußballverein (SC Wedemark), ein Turn-Club (mit den im Inlinehockey erfolgreichen Bissendorfer Panthern), ein Tennis-Club, der Schachverein „Freibauer Wedemark“, die Freiwillige Feuerwehr, der Sozialverband und die Ortsverbände von CDU und SPD. Vor allem erwähnenswert ist der „Verschönerungs- und Naturschutzverein“ VNV-Bissendorf, der sich um Dorfbild sowie Pflege der Natur und Erhaltung der alten Fachwerkhäuser kümmert.

Die Schützengesellschaft Bissendorf von 1912 e. V. trägt jährlich um Pfingsten das Bissendorfer Schützenfest aus. Bis um 1940 verwaltete und feierte die historische Schützengenossenschaft noch drei Feste im Jahr. Der Genossenschaft gehörten die Hauswirte (Hofbesitzer) aus der Realgemeinde Bissendorf, Scherenbostel, Ickhorst und Wiechendorf an. Ein damaliges „Schützenbier“ wurde für die Kinder unter Leitung der Lehrer ausgerichtet, ein weiteres für die Knechte und Mägde und ein weiteres für die Bauern und verheirateten Arbeiter. Hierzu ernannte die Genossenschaft ein Mitglied zum Veranstalter, der das Fest auf seinem Hof ausrichtete. Er bekam die Schankkonzession. Erst 1935 wurde das Schützenfest durch einen Gemeindebeschluss zu einem „Volks- und Schützenfest“.

Wirtschaft und Infrastruktur In Bissendorf findet sich ein breites Angebot von Läden, Arztpraxen, Werkstätten, Apotheken und Banken. Es ist eine Grundschule mit Außenstellen vorhanden.

Verkehr mini|Altes Bahnhofsgebäude Bissendorf

Es bestehen Busverbindungen in andere Ortsteile der Wedemark sowie in die Städte Langenhagen und Burgwedel. Der Bahnhof Bissendorf an der Heidebahn ist über das Streckennetz der S-Bahn Hannover mit anderen Dörfern der Wedemark, Hildesheim und Hannover verbunden.

Linie Verlauf Takt

Persönlichkeiten Heinrich Henstorf (1859–1953), Gründungsstifter der Henstorf-StiftungStephan Hartung: In: Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, vom 26. Februar 2015, aktualisiert am 1. März 2015, abgerufen am 15. August 2017. Hinrich Braasch (1878–1968), plattdeutscher Autor, lebte und wirkte ab 1904 in Bissendorf Peter Greve (1910–1983), Bildhauer und Maler, lebte und wirkte in Bissendorf Hellmuth Hahn (1927–2015), Heimatforscher, Historiker, Arzt und Kommunalpolitiker Klaus Meine (* 1948), Sänger der Scorpions, Songwriter Matthias Jabs (* 1955), Gitarrist der Scorpions Heinz Rudolf Kunze (* 1956), Schriftsteller, Rocksänger, Musicaltexter/-übersetzer, Dozent Harald Welzer (* 1958), Soziologe und Sozialpsychologe Frank Hanebuth (* 1964), Hells Angels-Anführer in Hannover Tjark Bartels (* 1969), ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Wedemark Helge Zychlinski (* 1979), amtierender Bürgermeister der Gemeinde Wedemark Uli Stein (1946–2020), Cartoonist

Literatur Heinrich Henstorf: Chronik von Bissendorf, Hannover: Verlag Hannoverscher Anzeiger Madsack & Co., 1939 2. Auflage, zzgl. eines Vorworts von 1985, digitale Neuauflage, hrsg. von Christa und Friedrich Lüddecke, Neustadt/Evensen, 2004; Digitalisat als Word-Dokument auf der Seite wedemark-chroniken.de Carolin Krumm (Bearb.) et al., Peter Ferdinand Lufen, Dietmar Vonend (Red.): Wedemark/Bissendorf. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Region Hannover, nördlicher und östlicher Teil mit den Städten Burgdorf, Garbsen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt a. Rbge., Sehnde, Wunstorf und den Gemeinden Burgwedel, Isernhagen, Uetze und Wedemark (= Veröffentlichungen des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Band 13.2), hrsg. von Christiane Segers-Glocke, CW Niemeyer, Hameln 2005, ISBN 3-8271-8255-7, S. 130 f., 482–491; sowie Bissendorf, Gem. Wedemark, o. a. O., S. 574 f.

Weblinks

Gemeinde Wedemark Chroniken der Wedemark

Einzelnachweise

Kategorie:Ortsteil von Wedemark Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Region Hannover) Kategorie:Ersterwähnung 1295 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974