mini|Minenjagdboot Grömitz
Die Flottille der Minenstreitkräfte (MSFltl) war ein Großverband der Deutschen Marine. Sie wurde am 1. Oktober 1957 als Kommando der Minensuchboote aufgestellt, am 1. Juli 1962 in Kommando der Minenstreitkräfte auf janmaat.de und am 1. Januar 1967 in Flottille der Minenstreitkräfte umbenannt und am 29. Juni 2006 aufgelöst. Ihre verbleibenden Einheiten wurden in die Einsatzflottille 1 eingegliedert.
Geschichte und Einsätze Vorgeschichte
Am Ende des Zweiten Weltkriegs lagen große Zahlen von Seeminen in deutschen und internationalen Gewässern vor der deutschen Küste. Die Alliierten sahen deren Räumung als eine Aufgabe deutscher Stellen an und ordneten bereits am 8. Mai 1945 an, Minenräumverbände der Kriegsmarine für diese Aufgabe einzusetzen. Sie bildeten den Deutschen Minenräumdienst. Zu Beginn der Räumoperationen standen dafür 800 Fahrzeuge bereit. Nach der Räumung der wichtigsten Seewege wurde der Minenräumdienst kontinuierlich reduziert und in kleinere Organisationen überführt, zu denen auch der Seegrenzschutz gehörte. Dessen Personal und Angehörige anderer Räumverbände unter alliierter Leitung bildeten 1956 den Kern der neuen Bundesmarine.
Entwicklung der Flottille (Zur Geschichte der einzelnen Geschwader und anderen Truppenteile siehe Unterstellte Verbände)
Bereits im Frühjahr 1956 konnte die Marine aus den übernommenen Minensuchbooten erste Minensuchgeschwader (MSG) aufstellen, deren Aufgabe neben der Ausbildung neuer Besatzungen für den Aufbau der Marine noch immer in der Beseitigung von Minen aus dem Krieg bestand. Mit der Aufstellung des Kommandos der Minensuchboote am 1. Oktober 1957 in Cuxhaven wurde ein so genanntes Typkommando geschaffen, unter dem ab 1958 alle für die Minenkriegführung vorgesehenen Kräfte zusammengefasst wurden. Dazu gehörten auch verschiedene Landeinheiten. Das Kommando unterstand dem Kommando der Seestreitkräfte, dem späteren Flottenkommando.
Am 1. April 1968 verlegte der Flottillenstab von Cuxhaven nach Wilhelmshaven. auf janmaat.de Während des Kalten Krieges waren die Geschwader in verschiedenen Stützpunkten an Nord- und Ostsee stationiert. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass sie schnell in beiden Operationsgebieten verfügbar waren und nicht durch einen Schlag in einem einzelnen Stützpunkt ausgeschaltet werden konnten.
1991 wurde eine neue Stationierungsplanung beschlossen, und ab August 1994 verlegten zunächst der Flottillenstab, dann mehrere der Geschwader in den Stützpunkt Olpenitz, der gemäß dem neuen Stationierungskonzept als Typstützpunkt dienen sollte. Nur die Geschwader, deren Außerdienststellung bevorstand, blieben in ihren bisherigen Stützpunkten. Auch die Waffentauchergruppe behielt ihren Standort Eckernförde bei. Diese Stationierung wurde im Wesentlichen bis zur Außerdienststellung der MSFltl im Sommer 2006 beibehalten.
Aufgaben im NATO-Bündnis und Einsätze Das 1. und 2. MSG waren die ersten Geschwader der Marine, die am 1. April 1957 der NATO assigniert worden waren.Egbert Thomer, Jürgen Rhades: Jahrbuch der deutschen Marine 1966. Erste Folge. Bremen 1965. Andere Geschwader folgten bald und standen der Allianz damit im Kriegsfall zur Verfügung.
Um bereits im Frieden über direkt unterstellte Minenabwehrkräfte zu verfügen, stellte die NATO am 11. Mai 1973 im Bereich des Oberbefehlshabers Ärmelkanal (CINCHAN) einen ständigen Minenabwehrverband mit der Bezeichnung Standing Naval Force Channel (STANAVFORCHAN, jetzt Standing NATO Mine Counter Measure Force 1, SNMCMG 1) auf, der aus Booten mehrerer Marinen bestand. Die Bundesmarine war von Anfang an an diesem Verband beteiligt und stellte mehrfach den Kommandeur. Während der regelmäßig ein Jahr dauernden Perioden der Verbandsführung, wurde jeweils zusätzlich ein Tender als Führungsplattform bereitgestellt. In gleicher Weise beteiligten sich Einheiten und Angehörige der MSFltl an dem später aufgestellten NATO-Minenabwehrverband im Mittelmeer, der jetzigen SNMCMG 2.
Einheiten der MSFltl gehörten zu ersten Teilen der Bundeswehr, die sich ab 1990 an Auslandseinsätzen beteiligten. Bereits im Sommer 1990 wurde ein Verband mit fünf Minenabwehreinheiten für die Operation Südflanke im Mittelmeer und im Persischen Golf abgestellt. Anfang 1991 war der deutsche Führer dieses Verbandes zeitweise als Koordinator für die gesamte Minenbeseitigung der Verbündeten nach dem Zweiten Golfkrieg eingesetzt.Klaus-Peter Hirtz: „Operation Südflanke“ – Über den Einsatz des Minenabwehrverbandes im Nordarabischen Golfs 1991. In: Truppenpraxis 6/1991, S. 622ff. 1995 war der Einsatz einer Minenabwehrgruppe im Rahmen der Operation Deliberate Force vorgesehen, wurde jedoch nicht abgerufen.
Im Sommer 1999 nahmen mehrere Boote der MSFltl an der Operation Allied Harvest teil. Deren Ziel war es, während des Kosovokrieges über der Adria abgeworfene Munition unschädlich zu machen, um Gefahren für die Fischerei zu beseitigen. Demselben Zweck dient seit 1996 die regelmäßige Teilnahme an der NATO-PfP-Übungsserie Open Spirit in der Ostsee. Dabei wurden Minen und Munitionsreste aus beiden Weltkriegen und der Zeit des Kalten Krieges vor der baltischen Küste geräumt. auf marine.de
Organisation Die MSFltl bestand aus dem Flottillenstab und den nachgeordneten Geschwadern und selbständigen Einheiten. Den Kern der Flottille bildeten die Minensuchgeschwader, deren Zahl sich im Laufe der Zeit mehrfach veränderte. Als selbständige Einheit unterstand der Flottille über lange Zeit die Minentaucherkompanie, die später in der ebenfalls zur MSFltl gehörenden Waffentauchergruppe aufging.
Zeitweise waren der MSFltl aus organisatorischen Gründen auch nicht der Minenkriegführung dienende Kräfte unterstellt. Dazu gehörten die in die Waffentauchergruppe eingegliederten Kampfschwimmer, die dem Minenlegergeschwader unterstellten Flottendienstboote und einige Landungsboote, die in ein Minensuchgeschwader eingegliedert wurden.
Die MSFltl sollte nicht als geschlossener Verband eingesetzt werden. Bei den Minensuchbooten bildete das Geschwader die taktische Einheit, das im Einsatz wiederum meist in zwei Divisionen aufgeteilt wurde. Die Geschwaderkommandeure waren die taktischen Führer (Officer in Tactical Command, OTC) und führten zugleich die 1. Division. Die stellvertretenden Kommandeure (S3-Stabsoffizier) führten die 2. Division. Der Tender eines Geschwaders diente als Versorgungs- und Führungsplattform. Die Minenjagdboote wurden meist als Einzelfahrer eingesetzt und erfüllten ihre Minenabwehraufgabe selbständig.
Nach der Zusammenführung der MSFltl im Typstützpunkt Olpenitz wurden die Geschwaderstäbe in den Flottillenstab integriert und verkleinert, während Unterstützungsaufgaben zentralisiert wurden.
An der Spitze der MS-Fltl stand ein Kommandeur im Dienstgrad eines Kapitäns zur See.
Kommandeure Nr.Dienstgrad Name Zeitraum Bemerkungen 19Jürgen Herling 2004–2006Als Stellvertreter mit der Wahrnehmung der Aufgaben beauftragt 18Hans-Christian Luther 2003–2004 17Hans-Joachim Unbehau 2001–2003 16Kapitän zur SeeHans-Joachim Stricker 09.1997–2001später Befehlshaber der Flotte 15Kapitän zur SeeKlaus-Peter Hirtz 09.1995–09.1997 14Kapitän zur SeeWolfgang E. Nolting 09.1993–09.1995später Inspekteur der Marine 13Kapitän zur SeeJörg Auer 10.1992–09.1993 12Kapitän zur SeeHenning Gieseke 10.1990–09.1992 11Kapitän zur SeeWaldemar Feldes 04.1985–09.1990 10Kapitän zur SeeKlaus-Peter Niemann 10.1981–03.1985 9Kapitän zur SeeWolfgang Brost 10.1977–09.1981 8Kapitän zur SeeDieter Wellershoff 12.1975–09.1977Später Generalinspekteur der Bundeswehr 7Kapitän zur SeeHans-Harro Stüben 09.1972–12.1975 6Kapitän zur SeeHorst Wenig 10.1969–09.1972 5Kapitän zur SeeKarl Clausen 04.1967–09.1969 4Kapitän zur SeeReinhart Ostertag 10.1964–04.19671. Januar 1967 Umbenennung in Flottille der Minenstreitkräfte 3Kapitän zur SeeWolfgang Haack 07.1961–09.19641. Juli 1962 Umbenennung in Kommando der Minenstreitkräfte 2Kapitän zur SeeAdalbert von Blanc 10.1958–07.1961 1KorvettenkapitänWilhelm Anhalt 10.1957–10.1958mit der Aufstellung beauftragt
Unterstellte Verbände Die ersten Geschwader, die dem Kommando der Minensuchboote unterstellt wurden, waren bereits vorher ab 1956 aufgestellt worden und unterstanden zunächst direkt dem Kommando der Seestreitkräfte. Im Laufe der Jahre gab es eine größere Zahl von Unterstellungswechseln einzelner Boote zwischen den Geschwadern, die nicht im Detail dargestellt werden können.Die Detailinformationen über die Geschwader und Einheiten entstammen vor allem folgenden Quellen:
Hendrik Killi: Minensucher der Deutschen Marine. Hamburg / Berlin / Bonn 2002, ISBN 3-8132-0785-4.
Minensuchgeschwader 1. Minensuchgeschwader (16. Mai 1956–21. Dezember 2005)
mini|Räumboot Algol 1958
Das 1. Minensuchgeschwader (1. MSG) wurde am 16. Mai 1956 als 1. Schnelles Minensuchgeschwader in Bremerhaven aufgestellt. Am 5. Juni 1956 wurden vier Räumboote aus Beständen der Labor Service Unit (B) unter den Namen Orion, Rigel, Merkur und Sirius in Cuxhaven in Dienst gestellt. Bis zum 31. Juli 1956 vergrößerte sich der Bestand des inzwischen in Wilhelmshaven beheimateten Geschwaders auf 12 Räumboote der Capella-Klasse (Klasse 359), wovon bereits im Oktober 1956 zwei an das aufzustellende 3. MSG abgegeben wurden. Im Dezember 1956 verlegte das 1. MSG zum Marinestützpunktkommando Flensburg-Mürwik, wo im Januar noch die Oste als behelfsmäßiger Geschwadertender hinzustieß. Das 1. MSG unterstand zunächst direkt dem Kommando der Seestreitkräfte und wurde am 1. Oktober 1958 dem Kommando der Minensuchboote unterstellt.
Im April 1957 wurde das 1. MSG der NATO assigniert und gehörte damit zur ersten Gruppe von Bundeswehrteilen, die dem Bündnis einsatzklar zur Verfügung gestellt wurden. Im Februar 1959 wurden die ersten fünf inzwischen sehr verbrauchten Boote außer Dienst gestellt. Ab November 1960 liefen dem am 15. Februar in 1. Minensuchgeschwader umbenannten Verband 10 schnelle Minensuchboote (SM-Boote) der Schütze-Klasse (Kl. 340/341 – alle Boote des 1. MSG Klasse 340) zu. Am 11. Mai 1963 wurde die Oste durch den Tenderneubau Saar (Klasse 402) ersetzt. 1972 wurden dem 1. MSG die beiden Minentransporter Sachsenwald und Steigerwald unterstellt, die zuvor zum Minenlegergeschwader gehört hatten. Auf Grund von Materialproblemen mussten einige der SM-Boote bereits Mitte der 1970er Jahre außer Dienst gestellt werden. Im Zuge dieser Maßnahme wurden drei Boote des 1. MSG durch Boote des 3. MSG ersetzt.
Zwischen 1990 und 1994 wurden alle Fahrzeuge des Geschwaders in kurzer Folge außer Dienst gestellt. Stattdessen erhielt das Geschwader als Neubauten 12 Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) und den Tender Werra (Klasse 404). Der Geschwaderstab verlegte 1992 nach Olpenitz. 1999 wurden drei Boote an das neu aufgestellte 3. MSG abgegeben. Bei der Außerdienststellung des 1. MSG als dem ältesten Geschwader der Marine am 21. Dezember 2005 wurden Tender und Boote auf das 3. und 5. MSG aufgeteilt.
2. Minensuchgeschwader (1. Juni 1956–1965) mini|Die M-Boote 388 und 460 der Kriegsmarine versahen nach verschiedenen Zwischenverwendungen ab 1956 in der Bundesmarine Dienst als Seehund und Seeigel (Foto 1949). mini|Küstenminensuchboot Vegesack 1963 in Wilhelmshaven
Das 2. Minensuchgeschwader (2. MSG) wurde am 1. Juni 1956 als 2. Hochseeminensuchgeschwader in Bremerhaven in Dienst gestellt. Bis August 1956 liefen dem Geschwader sechs Minensuchboote der ehemaligen Kriegsmarine der Typen 1940 und 1943, bei der Bundesmarine einheitlich Klasse 319, zu: Seehund (T40), Seelöwe (T40), Seeigel (T40), Seepferd (T40), Seestern (T43), Seeschlange (T43). Noch im selben Herbst 1956 verlegte es unter Umbenennung in 2. Minensuchgeschwader nach Wilhelmshaven. Das 2. MSG unterstand zunächst direkt dem Kommando der Seestreitkräfte und wurde am 1. Oktober 1958 dem Kommando der Minensuchboote unterstellt.