Lostallo ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden. Sie gehört zur Region Moesa.

Geographie Die Gemeinde liegt am Westhang auf der rechten Seite der Moesa und besteht aus dem Dorf und den Fraktionen Cabbiolo im Norden und Sorte im Süden. Nachbargemeinden sind Soazza, Calanca, Grono, Cama (alle Kanton Graubünden) sowie Gordona in der italienischen Provinz Sondrio.

Geschichte mini|links|Pfarrkirche Sankt Giorgio Die älteste erhaltene Urkunde datiert 1219, darin wurde das Dorf Lostallo genannt. Im Hochgericht Misox gehörte Lostallo zur Squadra di mezzo und zum Vikariat Mesocco. Die in den vergangenen Jahrhunderten jeweils am 25. April abgehaltene Centena, die öffentliche Versammlung des Hochgerichts Misox, fand 2000 zum letzten Mal statt. Die 1219 erstmals erwähnte Pfarrkirche S. Giorgio wurde im 17. Jahrhundert umgebaut und 1939 bis 1941 renoviert; die Karl-Borromäus-Kapelle stammt von 1633, die Kapelle S. Maria Assunta in Sorte von 1611.

In der Gemeinde wird noch heute Ackerbau und Viehzucht betrieben; es sind auch einige Unternehmen ansässig, u. a. Baufirmen und Schreinereien. Ein Wasserkraftwerk mit einem Speichersee im Val d'Arbola nutzt die linken Zuflüsse der Moesa. Bekannt und geschätzt sind die Grotti in Lostallo.

In der Nacht zum 22. Juni 2024 ereignete sich nach starken Niederschlägen am Wildbach Riale Molera ein Murgang, der durch die westliche Gebäudegruppe des Ortsteils Sorte strömte, das Gebiet und die Hauptstrasse 13 mit Schutt zudeckte und Häuser zerstörte. Beim Naturereignis kamen drei Menschen ums Leben. Am gleichen Tag riss ein Hochwasser der Moesa alle vier Spuren der Autobahn A13 nördlich der Buffalora-Brücke fort, nachdem Geröll aus dem Val d’Orbel die Moesa aufgestaut hatte. Wegen des Unwetterws waren alle vier Ausgleichsbecken der Gemeinde voller Geschiebe und mussten ausgebaggert werden. Die Kläranlage wurde zerstört.«Der Fluss wurde so hoch, dass er die Autobahn mitspülte»tagesschau.de

Wappen

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Jahr 1802 1850 1900 1950 2000 2010 2020 Einwohner 212 363 372 424 656 707 840 Von den Ende 2004 670 Bewohnern waren 606 (= 90,45 %) Schweizer Staatsangehörige. 280px|mini|Luftbild von Werner Friedli von 1953 mini|280px|Alte Betkapelle Madonna d’Aquate

Verkehr Lostallo wird von der Hauptstrasse 13 durchquert. Der Anschluss Lostallo der im Osten vorbeiführenden Autobahn A13 liegt etwa einen Kilometer nordöstlich des Dorfzentrums.

Mit dem öffentlichen Verkehr ist Lostallo seit dem Jahr 1972 mit dem Postauto zu erreichen (Linie Bellinzona – Mesocco). Das Postauto ersetzte die aufgehobene Misoxerbahn, die seit 1907 verkehrte und Bahnhöfe in Lostallo und im Ortsteil Cabbiolo bediente. Im Ortsteil Sorte befand sich eine Haltestelle.

Sehenswürdigkeiten

katholische Pfarrkirche Sankt GiorgioSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 500–502, ISBN 978-88-7713-482-0 Schalenstein (Zeichenstein), genannt El Sass di Strion, auf der Alp de Groven (1880 m ü. M.) und andere sechs SchalensteineFranco Binda, Locarno 2013, S. 18 (Foto), 205–207. Schalenstein an der Grenze zur Gemeinde Soazza im Ortsteil Ara (525 m ü. M.)Franco Binda, Locarno 2013, S. 201, 208–209. Wasserfälle Cascate de GrovenCascata del Groven auf ETHoramaCascata del Groven auf komoot.de

Sonstiges Lostallo hat eigenen Angaben zufolge die mit 430 m längste RC-Car-Strecke der Welt, auf deren Kurs regelmässig Europa- und Weltmeisterschaften durchgeführt werden. Zudem gibt es eine Lachsfarm, in der Fische in einem geschlossenen Kreislaufsystem aufgezogen werden.Erste Lachsfarm der Schweiz. In: swisslachs.ch

Alljährlich findet hier das Psychedelic-Trance-Musikfestival Shankra statt.Psychedelic-Trance-Musikfestival „Shankra“ auf shankrafestival.org

Persönlichkeiten Giuseppe Jacomella aus LostalloGiuseppe Jacomella aus Lostallo. In: lostallo.ch Familie Tonella aus CabbioloCesare Santi: Note storiche e genealogia della famiglia Tonella di Cabbiolo. Chiasso 2005.Familie Tonella aus Cabbiolo In: familiennamenbuch.ch Franco Binda (* 1925 in Lostallo; † 23. August 2019 in Locarno), gründete den Museo della Valle Verzasca, Forscher, Lokalarchäolog, PublizistFranco Binda Schriften auf worldcat.org/identities Gerry Mottis (* 14. Oktober 1975 in Locarno), Dozent in Giubiasco und Roveredo GR, Dichter, Schriftsteller und Dramaturg, wohnt in Lostallo und Rivera TIGerry Mottis. Biografie und Bibliografie auf Viceversa Literatur (italienisch)Gerry Mottis Biografie und Bibliografie. In: antiumverlag.ch Fabiana Mottis (* 9. August 2003), Volleyballspielerin (Rookie of the Year 2021), Nomination zur «Bündner Sportlerin des Jahres» 2022, aufgewachsen in Lostallo

Literatur Die Gemeinden des Kantons Graubünden. Chur/Zürich 2003, ISBN 3-7253-0741-5. Valeria Farinati: Centrali idroelettriche d’autore. In: Arte&Storia. Il Ticino dell’acqua. Dalla formazione geologica del Cantone alle attività economiche, Edizioni Ticino Management, anno 12, numero 54, aprile-luglio 2012. Lugano 2012. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 500–501. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band VI: Die italienischbündnerischen Talschaften Puschlav, Misox und Calanca (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 17). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1945, ISBN 978-3-906131-55-9. Balser Puorger: Lostallo. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 4: Liebegg – Mailand. Attinger, Neuenburg 1921, S. 714 (Digitalisat).

Verschiedene Autoren: Lostallo. In: Storia dei Grigioni. 3 Bände. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2000.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Lostallo

Catalogo ASTI, Lostallo auf www3.ti.ch/DECS/dcsu/ac/asti/cff (abgerufen am 7. März 2018). Lostallo all’inizio degli anni Sessanta (italienisch) auf lanostrastoria.ch/entries/

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Misox Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ersterwähnung 1219