mini|hochkant=0.8|Carving-Ski
Ein Ski oder auch Schi ist ein langes, schmales und flaches Sportgerät, das vorwiegend paarweise zur gleitenden Fortbewegung auf Schnee dient. Dazu werden die Ski mit einer Bindung an den Skischuhen befestigt. Jeder Ski hat eine Lauffläche und eine nach oben gebogene Skispitze, die sogenannte Schaufel. Die Form der Ski unterscheidet sich nach der damit ausgeübten Sportart oder dem speziellen Einsatzbereich. Neben den Ski für die Fortbewegung auf Schnee gibt es auch spezielle Wasserski und Grasski, herkömmliche Ski können auch auf Sand oder speziellen Matten verwendet werden.
Wortherkunft, Sprachliches Das Wort Ski wurde im 19. Jahrhundert vom norwegischen ski entlehnt, was Scheit (gespaltenes Holz) oder Schneeschuh bedeutet. Das Wort stammt seinerseits von dem gleichbedeutenden altnordischen skíð ab und ist mit dem deutschen Wort Scheit urverwandt.Hjalmar Falk, Alf Torp: Norwegisch-dänisches etymologisches Wörterbuch. 2 Bände Heidelberg 1910–1911.
Als Pluralform sind laut Duden Ski und Skier bzw. Schi und Schier üblich. Die Aussprache lautet vornehmlich „Schi“ (wie auch im Norwegischen), lokal bzw. dialektal kommt auch „Schgi“ vor, etwa in Graubünden und im Wallis.
Geschichte
Skifunde
Der berühmteste Skifund ist der mit einem Alter von 4500 Jahren datierte „Ski von Hoting“, er wurde in einem Moor bei Hoting in Schweden gefunden. Es handelt sich um ein 110 cm langes und 10 cm breites Brett. Eine 4000 Jahre alte Felsritzung eines Skifahrers wurde auf der norwegischen Halbinsel Rødøy gefunden.
Bislang galten Skifunde aus Kalvträsk im nördlichen Schweden mit einer Datierung von vor 3200 Jahren als älteste Ski. Anfang des 21. Jahrhunderts kamen jedoch bei Ausgrabungen in Vis, einem Dorf nahe der nordwestrussischen Stadt Sosnogorsk, durch die Russische Akademie der Wissenschaften einige Skifragmente zu Tage, die auf rund 8300 Jahre vor unserer Zeitrechnung datiert werden konnten. Diese Tatsache bedeutet, dass die nachweisbare Geschichte des Skis doppelt so alt ist wie bisher angenommen.
Aufgrund dieser Funde sowie einiger mittelalterlicher Abbildungen, z. B. auf der Hereford-Karte aus dem späten 13. Jahrhundert, wird die Erfindung des Skis oft dem Volk der Saami zugeschrieben. Diese Meinung ist jedoch umstritten, da Ski in vielen schneereichen Gegenden auf der ganzen Erde als frühes Fortbewegungsmittel Verwendung fanden.
Ski als Fortbewegungsmittel mini|Petroglyphen von Belomorsk mini|Darstellung skifahrender Sámi mit typischen Lapplandski von 1767 Die Völker Skandinaviens benutzten Ski, die der heutigen Form am nächsten kommen. Viele Siedlungen lagen abgeschieden, in hügeligem, zum Teil steilem Terrain. Auf dem Runenstein U 855 von Balingsta prästgård ist ein Jäger auf Skiern abgebildet. Da viele sich Pferde und Schlitten nicht leisten konnten, waren Skier als günstiges Fortbewegungs- und Transportmittel sehr beliebt. Auch Frauen benutzten Ski; in vielen Sippen verwendeten sie besondere „Mädchenski“, die etwas kürzer, schmaler und leichter (oft aus Birkenholz) waren.
In den verschiedenen Regionen Skandinaviens entwickelten sich die Ski unterschiedlich. Einige waren kürzer und leichter, andere breiter und länger. Alle waren kunstvoll verziert und konnten am Muster der Sippe zugeordnet werden. In einigen Regionen benutzte man eine Zeit lang unterschiedlich lange Ski, einen „Langski“ (Gleitski, oft bis zu 3 m lang), und einen kurzen, fellüberzogenen „Schwungski“ zum Abstoßen („Andor“); das Fahren mit diesen Skiern erinnert an Tretroller fahren. Es gab viele verschiedene Skiformen, von völlig abgeflachten Oberseiten bis zu runden oder spitzen Rücken (Kehlung), auch die Laufflächen waren unterschiedlich gearbeitet: mit Plan- oder mit Längsrille; diese hatte wiederum eine runde oder kantige Form. Einige Skiläufer unterschieden auch zwischen linkem und rechtem Ski. Auch auf Holzart und Weise, wie Ski aus dem Stamm geschnitten wurden, legte man bereits Wert. Esche, Birke und Kiefer waren beliebte Hölzer für die Herstellung von Ski. Eine Skiform, die zum Teil noch im 20. Jahrhundert in Lappland verwendet wurde, besteht aus einem vorne und hinten hochgebogenen Ski mit einer offenen Lederschlaufe als Bindung. Dieser Ski wurde traditionell mit einem einzelnen Skistock gefahren.
Auch auf dem amerikanischen Kontinent wurden Ski schon früh verwendet. Der Goldrausch lockte europäische Siedler an, die mit hohen Bergen und extremen Wetterbedingungen konfrontiert waren. Die Skandinavier, 80 % davon Norweger, hatten ihre Ski mitgebracht, die am amerikanischen Kontinent „Snow-Shoes“ genannt wurden. John Tostensen, der sich John „Snow-Shoe“ Thompson nannte, war ein aus Norwegen eingewanderter Postbote, der sich als Skihersteller einen Namen machte. Seine Geschwindigkeitsrekorde bei der Postzustellung waren maßgeblich an der Verbreitung von Ski in Nordamerika beteiligt. Rasch wurden Ski von Kalifornien bis zum Klondyke beliebt. Aufzeichnungen von ersten Skirennen der Goldgräber um 1860 berichten von überdimensionalen Ski, die bis zu vier Meter lang waren.
Ski als Heeresausrüstung
Aus der Zeit König Sverres, um das Jahr 1200, tauchen erstmals Erwähnungen von Skisoldaten auf, die in verschiedenen nordischen Kriegen und auch im Zusammenhang mit Aktionen während des Dreißigjährigen Krieges eine Rolle spielen.
In verschiedenen Ländern wie Finnland, Schweden, Norwegen, Frankreich, Italien, der Schweiz und Österreich begann man bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit einer systematischen Skiausbildung im Heer. Der Franzose Henri Duhamel gilt für die Alpenländer als Vorreiter, er besorgte sich bei der Weltausstellung 1879 in Paris am schwedischen Stand ein Paar Ski und empfahl, Ski als Ausrüstung für Soldaten der französischen Truppen zu verwenden.
Bereits 1892 wurde bei den Goslarer und auch den Schlettstadter Jägern auf Befehl des preußischen Kriegsministeriums Skiausbildung durchgeführt. Allerdings wurde der militärische Wert der Skiausbildung von ziviler Seite her viel deutlicher erkannt und vehement propagiert. So lud der Skiclub Schwarzwald bereits 1896 die Schlettstadter Jäger zu Rennen ein, führte 1902 den Patrouillenlauf ein und gab 1905 bei Gründung des Deutschen Skiverbandes (DSV) die Anregung, dass dieser es als seine Hauptaufgabe betrachte, brauchbare Skiläufer für das Heer heranzubilden. 1904 erschien in der 'Kriegstechnischen Zeitschrift' ein Aufsatz mit dem Titel Der Ski in seiner militärischen Bedeutung.online
Besondere Bekanntheit erlangten die finnischen Skitruppen, die während des Winterkriegs 1939/40 der Roten Armee trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit hohe Verluste zufügten.
Ski als Sportgerät In Telemark wurden im 18. Jahrhundert Ski zum „Spaßgebrauch“ und für Rennen entwickelt. Diese Telemarkski erreichten eine für ihren Einsatzbereich vollkommene Form. Das Kviteseid-Skimodell – Hersteller Knut Haugen – bildet noch heute das Grundmuster für moderne Carving-Ski. Auch Sondre Norheim aus Morgedal war ein leidenschaftlicher Skiläufer und experimentierte viel. Mit seinen Erfindungen und Verbesserungen der Ausrüstung leitete er sozusagen die „Telemark-Epoche“ ein. Sein unentwegtes Experimentieren an Schwüngen und Sprüngen führte ihn zur Erfindung der ersten Seilzugbindung – seine Idee: Ski und Stiefel mit Hilfe einer Weidenrute fest zu verbinden. Dadurch wurde das Kurvenfahren sehr erleichtert und Ski-Springen überhaupt erst möglich. Sondre Norheims Entwicklungen sind als Grundlage für den modernen Skisport zu sehen.
Fridtjof Nansen durchquerte 1888 Grönland von Osten nach Westen auf Skiern, nachdem französische und englische Abenteurer zuvor in mehreren Versuchen an Schnee und Kälte gescheitert waren. Diese Expedition machte Nansen zu einem Nationalhelden. Das Buch, das er über seine Erlebnisse veröffentlichte, begeisterte viele Menschen und regte sie an, die neue Sportart der Ski-Pioniere auch selbst auszuprobieren. Das Skierlebnis Nansens fand Nacheiferer bei Tausenden von Studenten, und junge norwegische Auswanderer verbreiteten den Skilauf in ganz Europa.
Auch Mathias Zdarsky, Maler und Bildhauer aus dem österreichischen Lilienfeld, erstand ein Paar Ski aus Norwegen. Wie Duhamel in Frankreich kämpfte er nicht nur mit der Bindung, sondern mit der Sperrigkeit, besonders auf steilen Abfahrten. Er erkannte, dass die nordischen Ski für alpines Terrain viel zu lang waren. Mit einer Säge kürzte er die Ski auf 1,80 m und erhielt so drehfreudige Ski mit einem kleineren Radius. Maßgeblich trug auch seine Entwicklung der „Lilienfelder Bindung“ (im Volksmund „Fussbrechmaschine“) zum Fortschritt bei. Eine eiserne Fersenhalterung verhinderte das seitliche Abgleiten des Fußes und sicherte die Stabilität. Zdarsky erklärte seinen Ski zum „Alpinski“.
Die Skiwelle entwickelte sich am Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa so stark, dass daraus ein Markt entstand. Da die aus Skandinavien importierten Ski zu teuer und sperrig waren, wurden Wagner und Tischler im Alpenraum zu Skiherstellern. Die endgültige Teilung von nordischen und alpinen Disziplinen und Skiformen wurde durch die Arlbergtechnik begründet. Hannes Schneider perfektionierte die Abfahrtstechnik der damaligen Zeit. Er entwickelte die skandinavische Methode mit alpinen Erfahrungen aus mehr als einem halben Jahrhundert weiter. Die Arlbergtechnik ist als Beginn der Ära des Skitourismus und der professionellen Skiherstellung zu sehen.
Abgelöst wurde die Arlbergtechnik bereits in den 1930er Jahren durch den heute noch aktuellen Parallelschwung von Anton Seelos. Mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Skitourismus auch breiten Bevölkerungsschichten zugänglich und die Skihersteller wandelten sich von Handwerksbetrieben zu Massenproduzenten, die in technologischem Wettstreit bestrebt waren, die Fahreigenschaften der Ski zu verbessern.
Chronik der bedeutendsten Skientwicklungen
mini|Erika Mahringer unterwegs zur Bestzeit im Kombinationsslalom mit dem ersten Kunststoff-Skibelag Cellulix, Olympische Winterspiele 1948
Mitte 18. Jahrhundert: Entwicklung der Telemarkschweifung (Ski-Taillierung), Norwegen Mitte 19. Jahrhundert: Erfindung der Seilzugbindung, Sondre Norheim, Norwegen Etwa 1850: Erste Ski mit Vorspannung, Norwegen Um 1890: Entwicklung der Lilienfelder Stahlsohlenbindung und des „Alpinskis“ – Mathias Zdarsky, Österreich 1893: Entwicklung des ersten Ski in Verbundbauweise (zweilagiges Holzlaminat) – H. M. Christiansen, Norwegen 1928–1929: Entwicklung und Patentierung von Stahlkanten für Ski – Rudolf Lettner, Stadt Salzburg, Österreichanno.onb.ac.at/(Wiener) Sporttagblatt, 15. November 1935 1932: Entwicklung von haltbaren dreilagigen Skilaminaten mit wasserfestem Leim – Björn Ullevoldsaeter, Label Splitkein, Norwegen und unabhängig George Aaland, Seattle, USA, Label Anderson & Thompson 1944: Cellulix, erster Kunststoffbelag – Dynamic Skis, Frankreich 1945: Patent und Bau von Prototypen von ersten laminierten Ski aus Aluminium mit Holzkern – Wayne Pierce, David Richey, Arthur Hunt, Chance-Vought Aircraft, USA 1946: Erster laminierter Sandwich-Ski mit Holzkern und Kunststoff-Laminaten – Gomme Ltd, Großbritannien 1947: Erster Prototyp eines Ski aus einer Sandwichplatte mit Wabenkern aus Aluminium – Howard Head, USA 1948: Erstmaliger Einsatz und Durchbruch von Kunststoffbelägen bei Olympischen Spielen, Dynamic Skis, Frankreich 1949: Der „Metall-Ski“ bedeutet eine Revolution im Skibau – Head, USA 1949/1950: Der Zaschka-Klappski mit zusammenlegbaren Skistöcken wird gebaut – Engelbert Zaschka, Deutschland 1955: P-Tex, erster Skibelag auf Polyethylen-Basis, setzt sich sofort gegenüber anderen Kunststoffbelägen durch – KOFIX (Walter Kofler), Innsbruck, Österreich 1959: Erste erfolgreiche Umsetzung von Glasfaser-Laminaten – Fred Langendorf und Art Molnar, Label „Toni Sailer“, Canada