Chrastava (deutsch Kratzau) ist eine Kleinstadt im Okres Liberec in Tschechien.
Geographische Lage Die Stadt liegt in Nordböhmen im östlichen Teil des Zittauer Beckens () in (Höhe Stadtzentrum) zwischen den westlichen Ausläufern des Isergebirges und dem Jeschkengebirge an der Mündung der Jeřice (Görsbach) in die Lausitzer Neiße. Nordwestlich befindet sich Grabštejn (Grafenstein) – südöstlich Liberec (Reichenberg).
Geschichte mini|links|Kratzau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mini|295px|Stadtzentrum mit Rathaus mini|hochkant|Laurentiuskirche
Die Stadt ist wahrscheinlich im 13. Jahrhundert entstanden, als Přemysl Ottokar II. in das tschechische Grenzland Siedler aus dem Umland eingeladen hatte, um dieses damals öde Gebiet aufzuwerten. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1352 unter dem Namen Craczauia. Die ersten Bewohner waren Bergleute aus der sächsischen Stadt Pirna, die in der Umgebung Kupfer, Zinn, Blei, Silber und Gold abbauten. Die Kirche St. Laurentius wird bereits in den Errichtungsbüchern von 1384 erwähnt.
Im 15. Jahrhundert besetzten Hussiten die Stadt, die von hier aus Streifzüge in die Lausitz unternahmen. Schrittweise entstand auf beiden Seiten der Jeřice eine befestigte Siedlung.
Im Zuge eines erneuten Aufschwungs des Bergbaus erhielt der Ort 1527 das Stadtrecht. Nach wechselvollem Schicksal im Dreißigjährigen Krieg leitete die Tuchmacherei eine wirtschaftliche Blüte ein, die sich in der Industrialisierung fortsetzte. Während dieser Zeit gehörte Kratzau zur Grundherrschaft Grafenstein, die 12.600 Hektar umfasste und die 1707 Johann Wenzel von Gallas von den Grafen Trautmansdorff für 400.000 fl. käuflich erwarb und wirtschaftlich entwickelte. (siehe: Reichenberg. Stadt und Land im Neißetal. Ein Heimatbuch bearbeitet von Rudolf Gränzer unter Mitwirkung zahlreicher Heimatfreunde, herausgegeben vom Heimatkreis Reichenberg e. V. in der Heimatstube Reichenberg, Augsburg 1974) Zur Textilindustrie kam der Maschinenbau (Textilmaschinen). Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bildete Kratzau eine politische Gemeinde im Gerichtsbezirk Kratzau bzw. Bezirk Reichenberg, wobei sie Sitz des Bezirksgerichtes war.Kratzau auf Karte der Franziszeische Landesaufnahme Böhmen (1842–1853) Hier wirkte sich auch ab Ende 1859 die modernere Verkehrserschließung durch die Bahnstrecke Liberec–Zittau ausund auf der Karte der Franzisco-Josephinische Landesaufnahme Habsburgermonarchie (1869–1887)..
Nach dem Münchner Abkommen gehörte die Stadt von 1938 bis 1945 zum Landkreis Reichenberg, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs
Während des Zweiten Weltkrieges wurden in der Munitionsfabrik Spreewerk Kratzau Granaten hergestellt. In diesem Betrieb arbeiteten Gefangene und Frauen aus einem im benachbarten Weißkirchen befindlichen Außenlager des KZ Groß Rosen.
Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde nach Ende des Krieges 1945 der größte Teil der deutschen Bevölkerung im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei enteignet und vertrieben. Die Einwohnerzahl sank zwischen 1945 und 1948 von 8.000 auf lediglich 3.000.
Demographie Bis 1945 war Kratzau überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1830 1.889 in 278 meist aus Holz gebauten HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 196, Ziffer 18.Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 2: Bunzlauer Kreis, Prag 1834, S. 285, Ziffer 19. 1857 3.559 am 31. OktoberStatistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 40, linke Spalte.1900 3.505 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1907, S. 600, siehe Eintrag Kratzau.1930 4.740 1939 4.339 + Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 1970 1980 1991 1999 2001 2004 Einwohner 4.900 5.200 5.597 5.878 5.944 6.051
Gemeindegliederung Chrastava besteht aus den Ortsteilen Chrastava (Kratzau), Dolní Chrastava (Unterkratzau), Horní Chrastava (Oberkratzau), Andělská Hora (Engelsberg), Dolní Vítkov (Nieder Wittig), Horní Vítkov (Ober Wittig) und zwei Ortsgemeinden Víska (Kratzauer Neudörfel) und Vysoká (Hohendorf).http://www.uir.cz/casti-obce-obec/564117/Obec-Chrastava
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Andělská Hora u Chrastavy, Dolní Chrastava, Dolní Vítkov, Horní Chrastava, Horní Vítkov, Chrastava I (Kratzau) und Chrastava II (Kratzau-Neustadt).http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/564117/Obec-Chrastava
Verkehr Eisenbahn mini|Eisenbahnbrücke bei Hamrštejn (2013) Chrastava hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Zittau–Liberec. Straßennetz Die Fernverkehrsstraße Silnice I/35 führt in Südost-Nordwest-Richtung von Liberec kommend zur tschechisch-polnischen Staatsgrenze und verbindet darüber hinaus Zittau in Sachsen mit der Region Liberec. In Südwest-Nordost-Richtung verläuft die Bezirksstraße Silnice II/592 von Osečná (Oschitz) nach Mníšek (Einsiedel im Isergebirge).
Im Tal der Lausitzer Neiße verläuft der Radfernwanderweg Oder-Neiße-Radweg; in Chrastava beginnt die Radroute 21 zur Elbe bei Hřensko (Herrnskretschen).
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Curia Vitkov St.-Laurentius-Kirche (Kostel sv. Vavřince): ursprünglicher Bau (um 1300) wurde außer dem Turm aus dem 16. Jahrhundert abgerissen und in neugotischem Stil neu gebaut (1866–1868) Führichhaus: Geburtshaus des Malers Joseph von Führich (Rodný dům malíře Josefa Führicha). Denkmal des Malers Josef Führich im Park hinter der Kirche Feuerwehrmuseum Archäologisches Freilichtmuseum Curia Vitkov bei Horní Vítkov
Städtepartnerschaften Eichstätt, Deutschland Lwówek Śląski, Polen
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt David Schwertner (auch: Schwerdtner; 1625–1666), lutherischer Theologe, Professor der Ethik und Dekan an der Universität Leipzig Wenzel Führich (1768–1836), Handwerker und Maler Valentin von Siebeneicher (1783–1861), Offizier Joseph von Führich (1800–1876), Maler Karl Damian von Schroff (1802–1887), Arzt, Professor und Rektor an der Wiener Universität Gustav Kratzmann (1812–1902), Maler Wilhelm Kandler (1816–1896), Maler Franz Josef Schütky (1817–1893), Opernsänger und Komponist, 40 Jahre in Stuttgart tätig Franz Heller (1878–1944), Politiker und Abgeordneter der deutschen Minderheit im tschechoslowakischen Abgeordnetenhaus Richard Placht (1880–1962), Bildhauer und Medailleur Adolf Enge (1885–1952), Rechtsanwalt und Politiker Karl Kneschke (1898–1959), Politiker Hans Leutelt (1914–1936), Radrennfahrer Erwin Pohl (1914–2013), Hinterglaskünstler mini|hochkant=0.5|Willi Sitte Willi Sitte (1921–2013), Maler Rudolf Sitte (1922–2009), Bildhauer, Maler, Grafiker und Keramiker
Weitere Persönlichkeiten Der österreichische Bundespräsident Theodor Körner (1873–1957) wuchs in der Stadt auf.
Weblinks
http://www.chrastava.cz/ virtual show
Einzelnachweise
Kategorie:Isergebirge
Kategorie:Ort an der Lausitzer Neiße