Die folgende Liste enthält eine Übersicht über aktuelle und historisch relevante Therapieansätze evidenzbasierte, d. h. wissenschaftlich überprüfte psychotherapeutische Verfahren. Daneben wurden auch einige Verfahren mit in die Liste aufgenommen, die wissenschaftlich nicht anerkannt sind oder als widerlegt gelten, sowie Methoden, die eher dem para- und pseudowissenschaftlichen Bereich zuzurechnen sind. Psychotherapie, Psychosomatik und Psychiatrie Selbsterfahrung psycho-soziale Beratung alternativer „Psychomarkt“
Therapieansätze
Klassische Psychoanalyse / psychoanalytisch begründete Langzeittherapie Psychoanalytische Methoden beschäftigen sich mit unbewussten Konflikten und deren frühkindlicher Entstehung und versuchen, dem Patienten ein vertieftes Verständnis der ursächlichen (meist unbewussten) Zusammenhänge seines Leidens zu vermitteln. Sie beziehen sich meist direkt auf Sigmund Freud oder seine Schüler Alfred Adler und Carl Gustav Jung und finden in mehreren Sitzungen pro Woche oft über mehrere Jahre statt.
Psychoanalyse (PA) nach Sigmund Freud Gruppenpsychoanalyse (GP) nach J. H. Pratt, T. Burrow, P. Schilder, S. H. Foulkes, W. Bion, S. Slavson u. a. Individualpsychologie (IP) nach Alfred Adler Analytische Psychologie (AP) nach Carl Gustav Jung Psychoanalyse von Kindern und Jugendlichen nach Anna Freud, Melanie Klein u. a. Analytische Psychotherapie (AP) Transference-Focused-Psychotherapy (TFP) nach John F. Clarkin, Frank E. Yeomans und Otto F. Kernberg, Durcharbeitung der Übertragungsbeziehung zwischen Patient und Psychotherapeut, die im „Hier und Jetzt“ auftritt.
Tiefenpsychologisch fundierte (psychodynamische) Methoden Tiefenpsychologisch fundierte (psychodynamische) Psychotherapie (mittelfristige Psychotherapie) basiert auf tiefenpsychologischen Grundannahmen, setzt aber ihre Schwerpunkte stärker in der aktuellen Konfliktsituation und deren Bewältigung. Dabei soll dem Klienten Einsicht in die Struktur und Bedeutung der Konflikte sowie in deren zugrundeliegenden Ursachen vermittelt werden.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) Co-Counselling (Psychotherapie meist in Form von Selbsthilfegruppen ohne Therapeuten) Tiefenpsychologische Familientherapie nach Horst-Eberhard Richter, Jürg Willi, Helm Stierlin Interpersonelle Psychotherapie (IPT) nach Harry Stack Sullivan; Kurzzeit-Therapie mit Fokus auf belastenden interpersonellen Lebensbezügen zur Behandlung von mittelgradigen bis schweren, nicht-wahnhaften Störungen. Auf tiefenpsychologischen Theorien basierende Methoden Katathym-Imaginative Psychotherapie (KIP) nach Hanscarl Leuner; unterstützt durch Suggestionen des Therapeuten soll der Klient dazu Assoziationen entwickeln und Bilder entstehen lassen, die einen therapeutischen Prozess mit dem Unbewussten in Gang bringen. Psycholytische Psychotherapie (Substanz-unterstützte Psychotherapie); Verfahren, bei der zur Unterstützung der Therapie bewusstseinsverändernde (psychotrope) Substanzen angewendet werden.
Weitere psychodynamische Methoden Fokaltherapie (psychoanalytischen Kurzpsychotherapie) nach Michael Balint; Herausarbeiten und analytische Bearbeitung eines Kernkonflikts. Mentalisierungsbasierte Psychotherapie nach Anthony W. Bateman und Peter Fonagy; Verbesserung der Reflexionsfähigkeit mentaler Vorgänge bei sich und in sozialen Beziehungen. Lebensrückblickstherapie (LRT), z. B. nach Verena Kast (Fokaltherapie), strukturierte LRT (B. K. Haight, B. S. Haight) u. a. Psychodynamisches Coaching Psychodynamische Kurzzeitpsychotherapie (STPP) Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie (ISTDP) nach Habib Davanloo (u. a. als Traumatherapieverfahren) Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT) nach Luise Reddemann (u. a. als Traumatherapieverfahren) Mehrdimensionalen Psychodynamischen Traumatherapie (MPTT) von Gottfried Fischer (Traumatherapieverfahren) Ego-State-Therapie nach John Watkins und Helen Watkins (Therapieverfahren u. a. bei Trauma, KPTBS, DIS, BPS) zielorientiertes Ego-State Integrationsmodell (Tactical Integration Model) nach Catherine G. Fine strategisches Ego-State Integrationsmodell nach Rick P. Kluft Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT) nach Mervyn Schmucker u. a., insbes. als Traumatherapieverfahren
Systemische Therapie Die Systemische Therapie berücksichtigt stärker den sozialen Kontext, wie Interaktionen und Beziehungsstrukturen in Familien und sozialen Systemen bei der Lösung psychischer Probleme und geht dabei stärker ressourcen- und zielorientiert vor. Heidelberger Schule (Therapie) Mehrgenerationentherapie Narrative Therapie (NT) nach Michael White, David Epston (≠ Narrative Expositionstherapie, s. u.) Lösungsfokussierte Therapie (SFT) nach Steve de Shazer, Insoo Kim Berg Therapie ohne hörbare Antworten nach Insa Sparrer
Hypnotherapie Hypnotherapie nutzt die Wirkung therapeutischer Trance und Suggestionen, um Heilungs-, Such- und Lernprozesse zu fördern.
Hypnosepsychotherapie (HY) nach Milton Erickson Hypnosystemische Therapie (HST) (lösungsorientierter Ansatz) nach Gunther Schmidt, Helm Stierlin
Verhaltenstherapeutische Methoden Mit Verhaltenstherapie wird ein ganzes Spektrum von Formen der Psychotherapie bezeichnet, bei denen die Erkennung und Änderung von Verhaltensmustern im Vordergrund steht.
Operante Verfahren (Verhaltensmodifikation / Kontrolle der Verhaltenskonsequenzen) Token-Systeme Kontingenzverträge Shaping Chaining Prompting Fading Entkopplung Habit Reversal Training Konfrontations- und Bewältigungsverfahren (Stimulus-Kontrolle) Systematische Desensibilisierung Flooding Implosionstherapie Reaktionsverhinderung Biofeedback nach Neal E. Miller (≠ Biofeedback als med. & psychotherap. Therapie- und Entspannungsverfahren, s. u.) Prolonged Exposure nach Edna B. Foa Narrative Expositionstherapie (NET) nach Maggie Schauer, Thomas Elbert (u. a. als Traumatherapieverfahren) EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) nach Francine Shapiro (Traumatherapieverfahren) Kognitive Ansätze und Bewältigungstrainings (CBT) Kognitive Therapie nach Aaron T. Beck Rational Emotive Therapie nach Albert Ellis Kognitive Verhaltenstherapie nach H. Stavemann Kognitive Kunsttherapie nach Otto Hanus Ärgermanagement nach Raymond W. Novaco Metakognitives Training Metakognitive Therapie Stressimpfungstraining nach Donald Meichenbaum Selbstinstruktionstraining nach Donald Meichenbaum Angstmanagement nach Suinn & Richardson Bewältigungstraining nach Holroyd, Andrasik & Westbrook Problemlösetraining nach T. J. D’Zurilla und M. R. Goldfried Schmerzmanagement nach Dennis C. Turk Selbstmanagement-Therapie nach Frederick Kanfer Training Sozialer Kompetenz (Social Skills Training) Mehrere Ansätze kombinierende Verfahren Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) nach Steven C. Hayes u. a. Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) nach James P. McCullough Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha M. Linehan Motivierende Gesprächsführung (MI) nach Miller und Rolnick Training emotionaler Kompetenz nach Berking Cognitive Appraisal Therapy (CAT) nach Richard L. Wessler Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT) nach Zindel Segal, Mark Williams und John D. Teasdale Multimodale Therapie (BASIC ID) nach Arnold A. Lazarus Klärungsorientierte Psychotherapie (KoP) (= Zielorientierte Psychotherapie) nach Rainer Sachse Schematherapie nach Jeffrey E. Young
Humanistisch-existenzielle Methoden Die Humanistische Psychologie versteht sich als dritte Kraft neben der Tiefen- und Verhaltenspsychologie und betrachtet den Menschen im Ganzen.
Logotherapie und Existenzanalyse originär nach Viktor Frankl, Wiedererlangung einer Sinngebung (lógos) und Werteorientierung im Leben, zur Entwicklung einer selbstverantworteten Einstellung und konstruktiven Neubewertung der Biographie und einer von einer existentiellen Sinndimension getragenen Lebensperspektive. Existenzielle Psychotherapie nach Rollo May und Irvin D. Yalom, Bearbeitung grundlegender existenzieller Fragen und Ängste Existenzanalyse in der Weiterentwicklung nach Alfried Längle, stärkerer Fokus auf innerer Zustimmung zum eigenen Handeln und Dasein. Gestalttherapie (GT) nach Paul Goodman, Fritz Perls und Laura Perls; beziehungsorientiertes Verfahren zur Förderung der Wahrnehmung der momentanen (hier-und-jetzt) Empfindungen und Gefühle des Klienten. Gestalttheoretische Psychotherapie (GTP) nach Hans-Jürgen Walter Integrative Gestalttherapie (IG) nach Erving Polster und Miriam Polster Integrative Therapie (IP) nach Hilarion Petzold Klientenzentrierte Psychotherapie (KP) bzw. Personzentrierte Psychotherapie nach Carl Rogers; non-direktive Gesprächstherapie, die den Klienten durch aktives Zuhören in einem authentisch wertschätzenden Dialog bei der Einsichtsgewinnung und -veränderung unterstützen soll. Focusing nach Eugene T. Gendlin; die Therapie orientiert sich am Erleben der körperlichen Resonanz (‚Felt Sense‘) eines Problems des Klienten, um so dessen Zugang zu schwer zugänglichen Gefühlen und Problemen zu erleichtern. Davon abgeleitet ist die Kreativitätstechnik ‚Thinking at the Edge‘. Emotionsfokussierte Psychotherapie (EFT) nach Leslie S. Greenberg Zielorientierte Gesprächspsychotherapie nach Rainer Sachse Gesprächspsychotherapie nach Reinhard Tausch und Anne-Marie Tausch Humanistisches Psychodrama (HPD) nach Hans-Werner Gessmann Daseinsanalyse (DA) nach Ludwig Binswanger Positive Psychotherapie (PPT) nach Nossrat Peseschkian; ressourcenorientiertens, salutogenetisches Konzept, bei dem nicht die Probleme des Klienten, sondern dessen Fähigkeiten und Stärken im Mittelpunkt stehen, um ihn beim Erlernen eines konstruktiven Umgangs mit seinen Problemen zu unterstützen. Psychosynthese (humanistischer, positiver, transpersonaler Psychotherapieansatz) nach Roberto Assagioli; weniger problem- (Analyse) als potenzial- und zielorientiertes (Synthese) Verfahren bezieht stärker Ressourcen und positive Potentiale des Klienten, Sinnfragen und transpersonale Aspekte in die Therapie ein, um mittels Umdeutungen und Imaginationen eine bessere Integration der Persönlichkeit und Stärkung des Willens zu erreichen. Transaktionsanalytische Psychotherapie (TA) nach Eric Berne; wiederkehrende Kommunikationsmuster werden im Hinblick auf ihre Transaktionen zwischen den verschiedenen Ich-Zuständen analysiert, um so unbewusst geprägte Lebenseinstellungen (Skript) zu erkennen und zu verändern.
Gruppentherapie Gruppenpsychotherapie nutzt die in einer Gruppe auftretenden Gruppen- und Resonanzphänomene für die Psychotherapie. Dabei können entweder mehrere Patienten der Gruppe gleichzeitig behandelt werden oder jeweils einzelne Mitglieder der Gruppe im Fokus stehen.
Klassisches Psychodrama nach Jacob Levy Moreno Humanistisches Psychodrama nach Hans-Werner Gessmann Dynamische Gruppenpsychotherapie (DG) nach Raoul Schindler Analytische Gruppentherapie oder Gruppenanalyse nach S. H. Foulkes, Wilfred Bion, Samuel Slavson u. a. Göttinger Modell nach Franz Heigl und Annelise Heigl-Evers Gruppenpsychotherapie (analytisch) (Peter Fürstenau, Horst-Eberhard Richter und viele andere) Identitätsorientierte Psychotraumatherapie (IoPT) nach Franz Ruppert Großgruppentherapie nach Josef Rattner Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn Gestaltgruppentherapie nach Fritz Perls Konzentrative Bewegungstherapie (KBT) nach Helmuth Stolze Bonding (Körperorientierte Psychotherapiemethode), „Casriel-Gruppe“ nach Dan Casriel Balint-Gruppe (psychotherapeutische Supervisionsgruppe für Ärzte, Psychotherapeuten) nach Michael Balint
Familientherapie Systemische Familientherapie Familienskulptur nach Virginia Satir Entwicklungsorientierte Familientherapie nach Virginia Satir Strukturelle Familientherapie nach Salvador Minuchin Strategische Familientherapie (Palo-Alto-Gruppe) Direktive Familientherapie nach Jay Haley