mini|Boeing C-97A, angetrieben von vier Pratt&Whitney R-4360-65 Der US-amerikanische Pratt & Whitney R-4360 Wasp Major ist einer der größten Flugzeug-Sternmotoren, die während des Zweiten Weltkrieges entwickelt und gebaut wurden. Sein Hubraum beträgt 71,5 Liter oder 4.360 Kubikzoll; daher die Typenbezeichnung. Er ist der letzte der P & W-„Wasp“-Serie und der Höhepunkt der Kolbenmotorenentwicklung von Pratt & Whitney. Er wurde aber erst nach dem Ende des Krieges in die letzte Generation von großen Propellerflugzeugen eingebaut, die bald durch strahlgetriebene Flugzeuge ersetzt wurden.
Aufbau Der R-4360 war ein vierreihiger luftgekühlter Sternmotor mit 28 Zylindern, wobei die Zylinder jeder Ebene zur besseren Kühlluftversorgung leicht versetzt angeordnet waren. Er war also kein Reihensternmotor, sondern ein Mehrfachsternmotor. Ein mit sechsfacher Kurbelwellendrehzahl laufender Kompressor sorgte für die Verdichtung der Ansaugluft zur Motoraufladung, während ein 1:2-Getriebe die Propellerdrehzahl reduzierte, um die Blattspitzen nicht mit Überschallgeschwindigkeit laufen zu lassen.
Die vier Siebenzylinder-Sterne waren um jeweils 12,857° versetzt angeordnet (360° / 7 Zylinder / 4 Reihen), so dass die hinteren Zylinder zwischen den vorderen hindurchschauten und jeweils einen möglichst effektiven Luftstrom zur Kühlung abbekamen. Seine einteilige, fünffach gelagerte Kurbelwelle hatte vier Kröpfungen, die nacheinander um jeweils 192,857…° versetzt waren – die Hubzapfenversatzwinkel betrugen also 0° (1. Hubzapfen), 192,857° (2. Hubzapfen), 25,714° (3. Hubzapfen) und 218,571° (4. Hubzapfen). Dadurch ergab sich eine gleichmäßige Zündfolge (pro 25,714° Kurbelwellenumdrehung eine Zündung). Für einen ruhigen Lauf wurden die oszillierenden Massen an den Hubzapfen jeweils durch zwei feste und zwei bifilare Gegengewichte ausgeglichen. Als zweiventiliger Motor hatte der Wasp Major insgesamt 28 Einlass- und 28 Auslassventile, die stoßstangengesteuert waren. Die Zündung übernahmen zwei Zündkerzen pro Zylinder.
Leistung mini|Die „Caroline Mars“ – das einzige Martin-Mars-Flugboot, das mit dem R-4360-4 ausgerüstet wurde Die ersten Baureihen entwickelten 2200 kW (3000 bhp) Startleistung, während sie gegen Ende der Bauzeit bereits 2.834 kW (3800 bhp) abgeben konnten. Mit einem Gewicht von 1580 bis 1750 kg waren es effiziente Triebwerke mit einem geringen Leistungsgewicht, wie es von nur wenigen Motoren erreicht wurde. Ab 1947 arbeitete Pratt & Whitney am R-4360 VDT (variable discharge turbine), diese Variante sollte von einem Turbolader statt von einem Kompressor aufgeladen werden. Dadurch wurde der Teil der Motorleistung frei, die vorher vom Kompressor genutzt wurde; sie trug zu einer beträchtlichen Steigerung der Antriebsleistung auf 3.207 kW (4300 bhp) bei. Der R-4360 VDT wurde 1948 an einer Boeing B-50 im Flug erprobt. Entwicklungsprobleme und die großen Fortschritte in der Entwicklung der Strahltriebwerke führten jedoch zur Einstellung des VDT-Programms. Damit blieb die letzte und leistungsfähigste Entwicklungsstufe des R-4360 ein Prototyp und wurde nie an den dafür vorgesehenen Flugzeugen wie etwa der Convair B-36F oder Boeing B-54 verwendet.
Einsatz mini|XP-72 "Super Thunderbolt" Dieser Motorentyp wurde von 1944 bis 1955 in einer Gesamtanzahl von 18.679 Stück produziert. Sie waren ursprünglich für die Boeing B-29 Superfortress geplant, allerdings wurden diese bei Einsatz der R-4360 dann in B-50 umbenannt.
Weitere Flugzeuge: Aero Spacelines Mini Guppy
Aero Spacelines Pregnant Guppy
Boeing 377 Stratocruiser
Boeing B-50 Superfortress
Boeing C-97 Stratofreighter
Boeing KC-97 Stratofreighter
Boeing XF8B
Boeing XB-44 Superfortress
Convair B-36
Convair XC-99
Curtiss XBTC
Douglas C-74 Globemaster
Douglas C-124 Globemaster II
Douglas TB2D Skypirate
Fairchild C-119 Flying Boxcar
Fairchild XC-120 Packplane
Goodyear F2G Corsair
Hughes H-4 Hercules (Spruce Goose)
Hughes XF-11
Lockheed R6V Constitution
Martin AM Mauler
Martin JRM Mars
Martin P4M Mercator
Northrop YB-35
Republic XP-72
Republic XF-12 Rainbow
SNCASE SE-2010 Armagnac
Vultee XA-41
Das Triebwerk hatte aufgrund seines Aussehens auch den Spitznamen „corn cob“ (engl.: Maiskolben). Einziges weiteres Beispiel eines solchen Vierfachsternmotors ist der sowjetische Schwezow ASch-2K, der ebenfalls 28 Zylinder und Luftkühlung aufweist.
Technische Daten R-4360-59B (Boeing KC-97F Stratofreighter) (Quelle:) Bauweise: luftgekühlter 28-Zylinder-Vierfachsternmotor mit je sieben Zylindern in vier Ebenen Funktionsprinzip: ventilgesteuerter Viertakt-Ottomotor Aufladung: ein einstufiger Turbolader – Ladeluftkühler – ein Radialkompressor Propeller: Hamilton Standard 34G60 Treibstoff: AvGas 115/145 Hub: 152 mm Bohrung: 146 mm Hubraum: 71,5 Liter Verdichtung: 6,7:1 Arbeitsdruck bei Startleistung und einem Brennstoffverbrauch von 1100 kg/h: ca. 16,22 bar Maximale Startleistung: 2600 kW (3500 bhp) bei 2700/min (2 bar Ladedruck) Höchste Dauerleistung: 2000 kW (2700 bhp) bei 2550/min (1,69 bar Ladedruck) Reiseleistung: 1300 kW (1735 bhp) bei 2100/min (1,25 bar Ladedruck) Kompressorübersetzung: 6,375:1 Propellerübersetzung: 0,375:1 Gemischbildung: Druckvergaser Bendix PR-100B3-4 Zündverteiler: 4 × Scintilla S14RN-15 Zündzeitpunkt: 20° vor OT (optional 30°) Turbolader: GE 7SBH-4B1 (BH-4) Trockenmasse: 1673 kg Durchmesser: 1397 mm Länge: 2451 mm spezifische Leistung: 36,12 kW/l Leistungsgewicht: 0,64 kg/kW spezifischer Verbrauch: 265 g/kWh
Siehe auch Schwezow ASch-2K Pratt & Whitney R-2800 Wright R-3350 Wright R-4090 Mitsubishi Ha-50 Hitachi Ha-51 Liste von Flugzeugtriebwerken
Weblinks
Pratt & Whitney „Classic Engines“ R-4360 Wasp Major (engl.) Datenblatt des National Museum of the USAF „3.500 hp Radial – Pratt & Whitney Wasp Major“ , Flight, Ausgabe v. 3. Juli 1947, Seite 1081 ff., online abrufbar bei flightglobal.com – Aviation History – PDF-Archiv, in englischer Sprache – abgerufen am 9. Mai 2015
Einzelnachweise
Kategorie:Sternmotor (Luftfahrt) R-4360